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Der Henker
Ich kugle Dich auf Deiner roten Decke. Ich bin am Werk: blank wie ein Metzgermeister. Tische und Bänke stehen wie blitzende Messer der Syphiliszwerg stochert in Töpfen voll Gallert und Kleister.
Dein Leib ist gekrümmt und blendend und glänzt wie der gelbe Mond deine Augen sind kleine lüsterne Monde dein Mund ist geborsten in Wollust und in der Jüdinnen Not deine Hand eine Schnecke, die in den blutroten Gärten voll Weintrauben und Rosen wohnte.
Hilf, heilige Maria! Dir sprang die Frucht aus dem Leibe sei gebenedeit! Mir rinnt geiler Brand an den Beinen herunter. Mein Haar ein Sturm, mein Gehirn ein Zunder meine Finger zehn gierige Zimmermannsnägel die schlage ich in der Christenheit Götzenplunder.
Als dein Wehgeschrei dir die Zähne aus den Kiefern sprengte da brach auch ein Goldprasseln durch die Himmelssparren nieder. Eine gigantische Hostie gerann und blieb zwischen Rosabergen stehen ein Hallelujah gurgelte durch Apostel- und Hirtenglieder.
Da tanzten nackichte Männer und Huren in verrückter Ekstase Heiden, Türken, Kaffern und Muhammedaner zumal Da stoben die Engel den Erdkreis hinunter Und brachten auf feurigem Teller die Finsternis und die Qual. Da war keine Mutterknospe, kein Auge mehr blutunterlaufen und ohne Hoffen Jede Seele stand für die Kindheit und für das Wunder offen.
Ein und kein Frühlingsgedicht
I
Ein Doppeldecker steigt aus jeder Flasche Und stößt sich heulend seinen Kopf kaputt. Der Übermensch verzehrt die Paprikagoulasche, Zerbröselnd Semmeln, rülpsend in den Kälberschutt.
Den Gästen hängt der Kiefer bis zur Treppe, Dort hinterlist'ge Fallen tätlich legend. Aus dem Aburte schlitzt Lolô die Tangoschneppe, Verpestend mit dem Lockendampf die Absinthgegend.
Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage Und meine schmettergelbe Lusttrompete packt euch an. Der umgekippten Erektionen Frühlingsklage Buhlt veilchenblau im Bidet mit dem Schwan(n).
II
Oh du mein Hyazinth, die Wade knackte Und Rolf, der Mops. fraß jäh das Strumpfband auf. Nach Grammophonen in dem Twosteptakte Vollzog sich Notdurft Coitus und Lebenslauf.
Der Lampionen blutgeduns'nes Schwirren Schuf große Monde aus den Wassergläsern. Ein Schlachtgetöse gab es und ein Klirren Der Kneifer von Beamten und Verwesern.
Da war auch Dame Wueh in einer Prunkkarosse, Uns schrak nicht Kino mehr, nicht die Picassofratze. Wir schluckten Sperma wie Armeegeschosse, Und fetzten unsren Hausgott Grünekatze.
Wir waren sehr verekelt und verbiestert, Dem Priapus verschrieben und dem Pan. Wir rollten von den Dächern, sternverschwistert, Und glaubten selbst an dieses nicht daran.
Die Sonne
Zwischen meinen Augenlidern fährt ein Kinderwagen. Zwischen meinen Augenlidern geht ein Mann mit einem Pudel. Eine Baumgruppe wird zum Schlangenbündel und zischt in den Himmel. Ein Stein hält eine Rede. Bäume in Grünbrand. Fliehende Inseln. Schwanken und Muschelgeklingel und Fischkopf wie auf dem Meeresboden.
Meine Beine strecken sich aus bis zum Horizont. Eine Hofkutsche knackt Drüber weg. Meine Stiefel ragen am Horizont empor wie die Türme einer Versinkenden Stadt. Ich bin der Riese Goliath. Ich verdaue Ziegenkäse. Ich bin ein Mammuthkälbchen. Grüne Grasigel schnüffeln an mir. Gras spannt grüne Säbel und Brücken und Regenbögen über meinen Bauch.
Meine Ohren sind rosa Riesenmuscheln, ganz offen. Mein Körper schwillt an Von Geräuschen, die sich gefangen haben darin. Ich höre das Meckern Des großen Pan. Ich höre die zinnoberrote Musik der Sonne. Sie steht Links oben. Zinnoberrot sprühen die Fetzen hinaus in die Weltnacht. Wenn sie herunterfällt, zerquetscht sie die Stadt und die Kirchtürme Und alle Vorgärten voll Krokus und Hyazinthen, und wird einen Schall geben Wie Blech von Kindertrompeten.
Aber es ist in der Luft ein Gegeneinanderwehen von Purpur und Eigelb Und Flaschengrün: Schaukeln, die eine orangene Faust festhält an langen Fäden, Und ist ein Singen von Vogelhälsen, die über die Zweige hüpfen. Ein sehr zartes Gestänge von Kinderfahnen.
Morgen wird man die Sonne auf einen großrädrigen Wagen laden Und in die Kunsthandlung Caspari fahren. Ein viehköpfiger Neger Mit wulstigein Nacken, Blähnase und breitem Schritt wird fünfzig weiß- Juckende Esel halten, die vor den Wagen gespannt sind beim Pyramidenbau.
Eine Menge blutbunten Volks wird sich stauen: Kindsbetterinnen und Ammen, Kranke im Fahrstuhl, ein stelzender Kranich, zwei Veitstänzerinnen. Ein Herr mit einer Ripsschleifenkrawatte und ein rotduftender Schutzmann.
Ich kann mich nicht halten: Ich bin voller Seligkeit. Die Fensterkreuze Zerplatzen. Ein Kinderfräulein hängt bis zum Nabel aus einem Fenster heraus. Ich kann mir nicht helfen: Die Dome zerplatzen mit Orgelfugen. Ich will Eine neue Sonne schaffen. Ich will zwei gegeneinanderschlagen Wie Zymbeln, und meiner Dame die Hand hinreichen. Wir werden entschweben In einer violetten Sänfte über die Dächer euerer Hellgelben Stadt wie Lampenschirme aus Seidenpapier im Zugwind.
Ich liebte nicht
Ich liebte nicht die Totenkopfhusaren Und nicht die Mörser mit den Mädchennamen Und als am End die großen Tage kamen, Da bin ich unauffällig weggefahren.
Gott sei's geklagt und ihnen, meine Damen: Gleich Absalom blieb ich an langen Haaren, Dieweil sie schluchzten über Totenbahren Im Wehbaum hängen aller ihrer Dramen.
Sie werden auch in diesen Versen finden Manch Marterspiel und stürzend Abenteuer. Man stirbt nicht nur durch Minen und durch Flinten.
Man wird nicht von Granaten nur zerrissen. In meine Nächte drangen Ungeheuer, Die mich die Hölle wohl empfinden ließen.
Einer Verdammten
Ha, wie sie heuchlerisch entrüstet, Sich hüllen in die Kutten der Moral Und wie Papa vertraulich flüstert: "Mama, dies ist ein offener Skandal". Die hohe Gattin nickt verständlich Und vor "Empörung" brennend rot Ruft sie: "Von Denen ist es schändlich Uns schützt vor Kindersegen doch der liebe Gott."
Totentanz 1916
So sterben wir, so sterben wir, Wir sterben alle Tage, Weil es so gemütlich sich sterben läßt. Morgens noch in Schlaf und Traum Mittags schon dahin. Abends schon zu unterst im Grabe drin.
Die Schlacht ist unser Freudenhaus. Von Blut ist unsere Sonne. Tod ist unser Zeichen und Losungswort. Kind und Weib verlassen wir - Was gehen sie uns an? Wenn man sich auf uns nur Verlassen kann.
So morden wir, so morden wir. Wir morden alle Tage Unsre Kameraden im Totentanz. Bruder reck dich auf vor mir, Bruder, deine Brust! Bruder, der du fallen und sterben mußt.
Wir murren nicht, wir knurren nicht. Wir schweigen alle Tage, Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht. Hart ist unsere Lagerstatt Trocken unser Brot. Blutig und besudelt der liebe Gott.
Die Ersten
Die Ersten sinds, sie sind im besten Zug Vom willenlosen Haufen sich zu lösen. Erkennend eitel Schimmer, seichten Trug Der großen Reden abgenützte Blößen, Klangvolle Phrasen, ein vereinter Schwall Der überflutet Erdehöhen und Täler, Allüberall der gleiche Wiederhall, Der gleiche Köder und der gleiche Wähler. Wohl wächst der Massen Schrei nach Glück und Brot Doch übertönt er nicht die Worte der Vertreter, Es fallen Opfer tiefster Seelennot, Die Masse fällt dein Zeichen der Verräter. So lausch ich freudig, wenn mit wildem Schrei Die Brust erfüllt von froher Zukunft ahnen Sich einer ringt vom Heerdentaumel frei Kraftvoll empor auf selbstgewollten Bahnen.
Cabaret
1.
Der Exhibitionist stellt sich gespreizt am Vorhang auf und Pimpronella reizt ihn mit den roten Unterröcken. Koko der grüne Gott klatscht laut im Publikum. Da werden geil die ältesten Sündenböcke.
Tsingtara! Da ist ein langes Blasinstrument. Daraus fährt eine Speichelfahne. Darauf steht: "Schlange". Da packen alle ihre Damen in die Geigenkästen ein und verziehen sich. Da wird ihnen bange.
Am Eingang sitzt die ölige Camödine. Die schlägt sich die Goldstücke als Flitter in die Schenkel. Der sticht einer Bogenlampe die Augen aus. Und das brennende Dach fällt herunter auf ihren Enkel.
2.
Von dem gespitzten Ohr des Esels fängt die Fliegen ein Clown, der eine andre Heimat hat. Durch kleine Röhrchen, die sich grünlich biegen, hat er Verbindung mit Baronen in der Stadt.
In hohen Luftgeleisen, wo sich enharmonisch die Seile schneiden, drauf man flach entschwirrt, Versucht ein kleinkalibriges Kamel platonisch zu klettern; was die Fröhlichkeit verwirrt.
Der Exhibitionist, der je zuvor den Vorhang bedient hat mit Geduld und Blick für das Douceur, vergißt urplötzlich den Begebenheitenvorgang und treibt gequollene Mädchenscharen vor sich her.
Laut- und Klanggedichte
Wolken
elomen elomen lefitalominal wolminuscalo baumbala bunga acycam glastula feirofim flinsi
elominuscula pluplubasch rallalalaio
endremin saxassa flumen flobollala fellobasch falljada follidi flumbasch
cerobadadrada gragluda gligloda glodasch gluglamen gloglada gleroda glandridi
elomen elomen lefitalominal wolminuscalo baumbala bunga acycam glastala feirofim blisti elominuscula pluplusch rallabataio
Katzen und Pfauen
baubo sbugi ninga gloffa
siwi faffa sbugi faffa olofa fafamo faufo halja finj
sirgi ninga banja sbugi halja hanja golja biddim
mâ mâ piaûpa mjâma
pawapa baungo sbugi ninga gloffalor
Totenklage
ombula take bitdli solunkola tabla tokta tokta takabia taka tak Babula m'balam tak tru - ü wo - um biba bimbel o kla o auwa kla o auwa la - auma o kla o ü la o auma klinga - o - e - auwa ome o-auwa klinga inga M ao - Auwa omba dij omuff pomo - auwa tru-ü tro-u-ü o-a-o-ü mo-auwa gomun guma zangaga gago blagaga szagaglugi m ba-o-auma szaga szago szaga la m'blama bschigi bschigo bschigi bschigi bschiggo bschiggo goggo goggo ogoggo a-o -auma
Gadji beri bimba
gadjl beri bimba glandridi laula lonni cadori gadjama gramma berida bimbala glandri galassassa laulitalomini gadji berl bin blassa glassala laula lonni cadorsu sassala bim gadjama tuffm i zimzalla binban gligla wowollmai bin beri ban o katalominai rhinozerossola hopsamen laulitalomini hoooo gadjama rhinozerossola hopsamen bluku terullala blaulala loooo
zimzim urullala zimzim urullala zimzim zanzibar zimzalla zam elifantolim brussala bulomen brussala bulomen tromtata velo da bang bang affalo purzamai affalo purzamal lengado tor gadjama bimbalo glandridi glassala zingtata pimpalo ögrögöööö viola laxato viola zimbrabim viola uli paluji malooo
tuffm im zimbrabim negramai bumbalo negramai bumbalo tuffm i zim gadjama bimbala oo beri gadjama gaga di gadjama affalo pinx gaga di bumbalo bumbalo gadjamen gaga di bling blong gaga blung
Karawane
jolifanto bambia o falli bambla großgiga m'pfa habla horem egiga goramen higo bloiko russula huju hollaka hollala anlogo bung blago bung blago bung bosso fataka ü üü ü schampa wulla wussa olobo hej tatta gorem eschige zunbada wulubu ssubudu uluwu ssubudu tumba ba-umf kusa gauma ba - umf
Seepferdchen und Flugfische
tressli bessli nebogen leila flusch kata ballubasch zack hitti zopp
zack hitti zopp hitti betzli betzli prusch kata ballubasch fasch kitti bimm
zitti kitillabi billabi billabi zikko di zakkobam fisch kitti bisch
bumbalo bumbalo bumbalo bambo zitti kitillabi zack hitti zopp
treßli beßli nebogen grügü blaulala violabimini bisch violabimini bimini bimini fusch kata ballubasch zick hiti zopp
Sonette
Der grüne König
Wir, Johann, Amadeus Adelgreif, Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis, Erzkaiser über allen Unterschleif Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis
Erheben unsern grimmen Löwenschweif Und dekretieren vor den leeren Saldis: "Ihr Räuberhorden, eure Zeit ist reif. Die Hahnenfeder ab, Ihr Garibaldis!
Man sammle alle Blätter unserer Wälder Und stanze Gold daraus, soviel man mag. Das ausgedehnte Land braucht neue Gelder.
Und eine Hungersnot liegt klar am Tag. Sofort versehe man die Schatzbehälter Mit Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag."
Die Erfindung
Als ich zum ersten Male diesen Narren Mein neues Totenwäglein vorgeführt, War alle Welt im Leichenhaus gerührt Von ihren Selbstportraits und anderen Schmarren.
Sie sagten mir: nun wohl, das sei ein Karren, Jedoch die Räder seien nicht geschmiert, Auch sei es innen nicht genug verziert Und schließlich wollten sie mich selbst verscharren.
Sie haben von der Sache nichts begriffen, Als daß es wurmig zugeht im Geliege Und wenn ich mich vor Lachen jetzt noch biege,
So ist es, weil sie drum herum gestanden, Die Pfeife rauchten und den Mut nicht fanden, Hineinzusteigen in die schwarze Wiege.
Der Dorfdadaist
In Schnabelschuhen und im Schnürkorsett Hat er den Winter überstanden, Als Schlangenmensch im Teufelskabinett Gastierte er bei Vorstadtdilletanten.
Nun sich der Frühling wieder eingestellt Und Frau Natura kräftig promenierte, Hat ihn die Lappen- und Atrappenwelt Verdrossen erst und schließlich degoutieret.
Er hat sich eine Laute aufgezimmert Aus Kistenholz und langen Schneckenschrauben, Die Saiten rasseln und die Stimme wimmert, Doch läßt er sich die Illusion nicht rauben.
Er brüllt und johlt, als hinge er am Spieße. Er schwenkt juchelend seinen Brautzylinder. Als Schellenkönig tanzt er auf der Wiese Zum Purzelbaum der Narren und der Kinder.
Der Schizophrene
Ein Opfer der Zerstückung, ganz besessen Bin ich - wie nennt ihr's doch? - ein Schizophrene. Ihr wollt, daß ich verschwinde von der Szene, Um euren eigenen Anblick zu vergessen.
Ich aber werde eure Worte pressen In des Sonettes dunkle Kantilene. Es haben meine ätzenden Arsene Das Blut euch bis zum Herzen schon durchmessen.
Des Tages Licht und der Gewohnheit Dauer Behüten euch mit einer sichern Mauer Vor meinem Aberwitz und grellem Wahne.
Doch plötzlich überfällt auch euch die Trauer. Es rüttelt euch ein unterirdischer Schauer Und Ihr zergeht im Schwunge meiner Fahne.
Das Gespenst
Gewöhnlich kommt es, wenn die Lichter brennen. Es poltert mit den Tellern und den Tassen. Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen Geschwenkten Nächten und man hört sein Flennen.
Von Zeit zu Zeit scheint es umherzurennen Mit Trumpf, Atout und ausgespielten Assen. Auf Seil und Räder scheint es aufzupassen Und ist an seinem Lärmen zu erkennen.
Es ist beschäftigt in der Gängelschwemme Und hochweis weht dann seine erzene Haube, Auf seinen Fingern zittern Hahnenkämme,
Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube. Dann reißen plötzlich alle wehen Dämme Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube.
Der Pasquillant
Auch konnt es unserm Scharfsinn nicht entgehen, Daß ein Herr Geist uns zu bemäkeln pflegt, Indem er ein Pasquill zusammenträgt, Das ihm die Winde um die Ohren säen.
Bald kritzelt er, bald hüpft er aufgeregt Um uns herum, dann bleibt er zuckend stehen Und reckt den Schwartenhals, um zu erspähen, Was sich in unserm Kabinett bewegt.
Den Bleistiftstummel hat er ganz zerbissen, Die Drillichnaht ist hinten aufgeschlissen, Doch dünkt er sich ein Diplomatenjäger.
De fakto dient bewußter Schlingenleger Dem Kastellan als Flur- und Straßenfeger Und hat das Recht die Kübel auszugießen.
Der gefallene Cherub
Er kreiste um die gläsernen Pilaster Und hob die Stimme, daß er gellend riefe. Es glänzte seines Fluges Hieroglyphe Im Tempelbau der großen Zoroaster.
Da war's, als ob der Atem uns entschliefe. Es sank sein Haupt, wie eine Riesenaster, Umhüllt von schweren Schwingen seiner Laster Verschlang ihn eine bodenlose Tiefe.
Wir sahens wohl und uns beschlich ein Sehnen Nach Untergang und gallgetränkten Tränen Zu schlürfen aller Trauermeere Flut.
Vergiftet fühlten wir das eigene Wähnen Und ein Verlangen, uns dort anzulehnen, Wo der versunkenste der Engel ruht.
Die Schlange Waga
Wer kennt mich noch? Ich trug die Persermütze. Es spiegelte darin der Schlange Bild. Ihr grauer Blick, der mich gefangen hielt, Verwehrte mir des Paradieses Spitze.
Die Lanze schwang ich bis zu ihrem Sitze. Die Schlange schnellte auf, sie ringelte sich wild. Es zischte ihres Kopfes schmaler Schild. Und ich verschwand in ihr gleich einem Blitze.
Da war ich Vater, Mutter, Sohn zugleich, Und fand mich lächelnd nun in ihrem Leibe. Vor mir erhellte sich ein Lotosteich.
Ich ward hinabgetaucht von einem Weibe. Und neugeboren trieb ich mit der Flut Als jüngstes Kind aus ihres Schoßes Hut.
An lichtgewobener Kette
An lichtgewobener Kette muß ich hängen Aus hohen Himmeln in das trübe Leben, Genötigt hin und her zu schweben, Weil sanfte Ätherwellen mich bedrängen.
Man haucht mich an mit Worten und mit Klängen, Und schon will meine Flügelwaage beben. Um die Erschütterungen aufzuheben, Dreh ich mich in den ewigen Gesängen.
So sieht man wohl in frommen Kemenaten Aus Watte und aus Werg an einem Faden Die Geistestaube schweben im Geviert.
Sie lauschet unter Kerzen und Gebeten Den sieben Gaben und den scheuen Reden, Dieweil ein Krönlein ihre Haube ziert.
Der Büßer
Verdorrt der Mund und trocken die Gedärme So tanze ich um meinen eignen Schatten. Aus meinem Bette spiel ich mit den Ratten Und sauge aus den Fingern mir die Wärme.
Damit ich mich nicht allzu bitter härme Ließ eine güt'ge Macht mein Herz ermatten. Die Sehnsucht starb. Nur meine nimmersatten Verflogenen Ohren hängen noch am Lärme.
Da ich mich also in mir selbst verfangen Bin ich auch meinen Häschern nicht entgangen Und teile die Gemeinschaft schriller Käuze.
Im Lappenkleide und bedeckt mit Schorfen Werd täglich ich den Wärtern vorgeworfen, Die striegeln mich mit einem Eisenkreuze.
Der Literat
Ich bin der große Gaukler Vauvert. In hundert Flammen lauf ich einher. Ich knie vor den Altären aus Sand, Violette Sterne trägt mein Gewand. Aus meinem Mund geht die Zeit hervor, Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr.
Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet, Der hinter den Rädern der Sonne steht. Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete, Flieg ich im Dunste der Lügengebete. Das Tympanum schlag ich mit großem Schall. Ich hüte die Leichen im Wasserfall.
Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer, Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer. Hysteria clemens hab ich besungen In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen. Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat Streu ich der Worte verfängliche Saat.
König Salomo
Als König Salomo beim Tempelbau Mit den Dämonen stritt, die ihn umsaßen, Ließ er in Mitternächten dumpf und grau Die Zymbel schlagen und Posaune blasen.
An seiner Seite sah man eine Frau, Die aufgebaut war ganz aus Parabasen, Aus Saba kam sie wie ein weißer Pfau Und stand wie eine Mumie in Exstasen.
Der König selber saß in seinem Zelt, Um dessen Öffnung Feuer hing in Fransen Und wies gebietend in die Unterwelt.
Da stiegen Mauern auf gleich goldenen Schanzen Die Zedern fügten sich und ungezählt Sah man die Tiere und die Teufel tanzen.
Legende
Vor einem hellen Marienbild Spielte ein Bettler die Geige. Die Vögel sangen im Herbstgefild, Der Tag ging schon zur Neige.
Er spielte der Reben süße Last, Die hingen ihm bis zur Stirne, Er spielte den reifen Apfelast Und der Berge schneeige Firne.
Er spielte der blauen Seen Licht, Die leuchteten ihm aus den Augen. Er sang zu der Geige und immer noch nicht Wollte das Lied ihm taugen.
Da sang er den Mond und die Sterne dazu Die konnte er alle verschenken Und weinte des Waldes einsame Ruh, Die tät seine Geige tränken.
Er spielte und sang und merkte kaum Wie Maria sich leise bewegte Und ihm beim Spiel ihrer Hände Schaum Auf die wehenden Locken legte.
Er drehte beim Spiele sich hin und her, Das tönende Holz unterm Kinne. Er wollte, daß seine süße Mär In alle vier Winde zerrinne.
Da stieg die Madonna vom Sockel herab Und folgte ihm auf seine Wege. Die gingen bergauf und gingen bergab Durch Gestrüpp und Dornengehege.
Er spielte noch, als schon der Hahn gekräht Und manche Saite zersprungen. Auf Dreien spielt er die Trinität Auf zweien die Engelszungen.
Zuletzt war es nur noch das heimliche Lied Vom eingeborenen Sohne. Maria deckte den Mantel auf ihn Darin schläft er zum ewigen Lohne.
Epitaph
Der gute Mann, den wir zu Grabe tragen, Sieht wächsern aus und scheint erstarrt zu sein. Doch war er so verliebt in allen Schein, Daß man sich hüten muß, ihn tot zu sagen.
Er liebte es in allen Lebenslagen Dem Unerhörten nur Gehör zu leihn. Umgeben so von hundert Fabulein Kann man nur zögernd ihm zu glauben wagen.
Drum, wenn auch jetzt sein schmaler Maskenmund Geschlossen liegt und nicht mehr sprechen mag: Er lauscht vielleicht nur in den Schöpfergrund ...
Und steht dann wieder auf wie jeden Tag. Laßt ihn getrost bei seinem Leichenspiele. Er lächelt schon und wir sind kaum am Ziele.
brulba dori daula dalla …
brulba dori daula dalla sula lori wauga malla lori damma fusmalu Dasche mame came rilla schursche saga moll vasvilla suri pauge fuzmalu Dolli gamba bokamufti sabel ize spogagufti palazuma polja gei mula dampe dori villa alles virds schavi drestilla offi lima dozapau pozadau
Buddha und der Knabe
Deine Kniee sind scharf und überaus flüchtig. Deine Brust ist voll heißer Ranken unzüchtig. Dein Leib schlägt weiße Bogen und schnellt sich durchs Zimmer. Deine Lippen sind Blutegel in bläulichem Schimmer. Deine satten Lippen, wie sie sich strotzend ringeln! Wenn du küssest, wühlt sich dein Haupt ein bis zu den Lockenkringeln. Höre, du mein Zögling, Gesell und Buhlknabe, Was ich hinter deinen auftrotzenden Augensternen erschaut habe: Du willst meine Hände, die sich in Weisheit falten, Einnehmen mit allen Sturm- und Honiggewalten. Du willst, daß meine hochtrabende Asketengebärde Vor deiner rotperlenden Lachgier zu Schanden werde. Du willst, daß mein Füllhorn, aus dem die Flüsse rauschen Zum Streitschuh werde, um den wir Küsse tauschen. Deine Lippen begehren wie Kitzenmäuler Ihre eifrigen Zähnchen zu wetzen. Meine Finger sollen zehn springende Fohlen sein, Die über Zäune und Sträucher setzen.
Der blaue Abend
Es wettert Lichtkomplex vom Himmel auf die Straßen, Aus Fensterfronten wandeln hoch die blauen Huren. Oh holde Stunde sanfter Mädchennasen, Oh Unisono und Zusammenklang der Turm- und Taschenuhren! Der Mond steigt in die Rundung metaphysisch höher, Ein Pferd macht müde sich's bequem in einem Vogelneste. Verzückt entschwebt dem Volk ein violetter Seher, Und schwarzer Violinklang tönt aus dem Asbeste. Glasbläserei und Kuppel weißer Bögen, Wölbt hoch euch aus dem Lichtkreis dieser Stadt! Es ist, als ob aus Finsternis viel Tränen zögen Und kranken Gottes Haupt erglänzet matt. Es lehnen sich die Häuser blond zurücke. Sind Türme weiße Engel, die entschweben. Vom Himmel stürzt zur Hölle eine Brücke, Auf der die Toten händeringend kleben.
Der Geliebten
Der Blas- und Eu-Phemieen reiche Kette Hab' ich geschlungen dir, Geliebte, um das Bein. Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte, So könntest du mir Kakadu und Sperber sein. Erinnre dich der Nacht in jenem Bette, Als eine Spinne alle weißen Perlen fraß, Als über dich gebeugt die Freundin Juliette Zu Häupten dir und mir zu Füßen saß. Empörte Fistelstimmen stelzten aus der Mette. Tuberkulinsaft blumte groß auf Tisch und Wänden. Der Mond hing sich ans Morgenrot in Glatzenglätte Und malte grüne Ringel deinen Händen. Dann kam der Sommer und ein groß Gefrette. Auch Kraniche geruhn, sich hoch zu schneuzen. Und wenn ich dies nicht zu bemerken hätte, So hätte jenes nichts zu benedeuzen. Nur sollt ich nicht gehabt die Telegraphendrätte Zu sehr bewegt nach dir, als schließlich du entschwandest. Denn dieses tatst du in der Magensätte Des ersten Tags mit dem, den du nicht kanntest.
Der Rasta-Querkopf (Ein Lied für die Trommel) Es ging ein Mann im Syrerland, Hielt einen Querkopf in der Hand, Den tät der Baas bestaunen. Rasta kreuz und Rasta quer, Wo hat der Mann den Querkopf her? Rasta Rasta Rasta Rasta Rasta Bry Trumm Baas. Es liegt ein Tier am Wüstenrand, Das frißt Kritiken aus dem Sand Und hat verfluchte Launen. Rasta kreuz und Rasta quer, Wo hat der Bry das Querschiff her? Rasta Rasta Rasta Rasta Rasta Bry Trumm Baas. Hing auch ein Bild an einer Wand. Viel nacktes Pferd beim Jüngling stand. Das wollen wir beclownen. Rasta kreuz und Rasta quer, Cubismus ist kein Schießgewehr. Rasta Rasta Rasta Rasta Rasta Bry Trumm Baas. War eine Stadt in Bayerland, Da hingen vier am Leierband. Die hörten Odins Raunen. Rasta kreuz und Rasta quer, Schon waren es drei Querköpf mehr. Basta Basta Basta Basta Basta Bry Trumm Baas.
Der Verzückte
Und manchmal überfällt mich eine tolle Seligkeit. Alle Dinge tragen den Orchideenmantel der Herrlichkeit. Alle Gesichte tragen an goldenen Stäben zur Schau ihr innerstes Wesen. Die Inschriften der Natur fangen zu stammeln an, leicht zu lesen. Alle Wunder drängen wie Seesterne an die Oberfläche. Die Golfströme der Luft kreisen und schweben wie diamantene Bäche. Aus jedem toten Gerät wollen sich hundert staunende Augen erheben. In jedem Stein überschlägt sich wild eifersüchtiges Leben. Die Kirchtürme flammende Gottesschwerter. Dröhnend schlagen die Stunden. Meine Zunge eine Jerichorose. Duft strömt und Musik mir vom Munde. Auf meine Fingerspitzen, die sich in Beschwörungen ducken, Lassen sich alle verirrten Küsse nieder, die durch das Weltall zucken. Daher begibt es sich, daß über den fliegenden Dächern der Stadt, Die mich beherbergt, der leuchtende Mond seinen Bogen hat Wie aus Opal geschnitten ein weitgespannter Viadukt, Und daß nicht mehr Wirklichkeit ist, was da spukt. Es sind geisterhafte Orchester auf der Wanderung zu vernehmen. Es ist, als ob unterm Pflaster Höllen aus Licht heraufgeschwommen kämen. Die Menschen, die da gehen, schreiten an elfenbeinernen Stöcken. Die Häuser, die da stehen, prunken in Purpurmänteln und Galaröcken. Die Bilder und die Gesichte kommen hervor wie trunkene Tropenfalter, Wenn du in roten Nächten durch die Glutgärten Ceylons gehst. An Ärmel und Kniee hangen sich ihrer so viele und schwer, Daß du ermattet zuletzt, ganz wirr und taumelnd im blühenden Gifte stehst.
Die Katze
Als meine Katze, die mir schwesterlich gesinnt, Jählings aus ihrem indischen Traum erwachte, Da sah sie sich so wirr unfaßbar um, Daß ich ihr derb ins furchige Antlitz lachte. Sie kam von einer haßerfüllten Jagd. Ihr stand das Maul noch breit von fetten Lüsternheiten. Es troff noch ganz von Schilf und Dschungelduft ihr Fell. Schweif und Gebiß aus höllischen Gebreiten. Nun saß sie aufrecht da mit einem Rucke Kraft ihrer eingestemmten erzgeschärften Klauen Wie ein gefoppter Nachtmahr der auf Tücke sinnt, In böser Rachlust funkelnd anzuschauen. Als jedoch plötzlich sich in mystischem Entschlusse Das Ofenrohr zum Raupenbuckel spannte Und auf dem Teppich blau und gelber Blitze Zucken Ein Feuerspiel im Ornament abbrannte, Als auch der Perpendikel aus dem Eingeweid der Uhr Heraushing blutig wüst, ein ärztlich Instrument aus Messingblechen Und sich die Bilder an der Wand verschoben Wie großer Geisterhände sacht vorhandene Flächen, Da schwang der grünen Bestie maßlose Erregung Sich pfeifend auf des Spiegelschrankes Bogen, Den Rücken hochgekrümmt wie Augenbrauen, Die sich japanische Prinzessen vormals zogen.
Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt …
Früh, eh der Tag seine Schwingen noch regt, Alles noch schlummert und träumet und ruht, Blümchen noch nickt in der Winde Hut, Eh noch im Forste ein Vogel anschlägt, Schreitet ein Engel Durchs tauweiße Land Streut ans den Segen Mit schimmernder Hand. Und es erwachet die Au und der Wald. Blumen bunt reiben die Äuglein sich klar, Staunen und flüstern in seliger Schar. Aufstrahlt die Sonne, ein Amselruf schallt. Aber der Engel Zog längst schon landaus. Flog wieder heim In sein Vaterhaus.
Ick bin in Tempelhof jeboren …
Ick bin in Tempelhof jeboren Der Flieder wächst mich aus die Ohren. In meinem Maule grast die Kuh. Ick geh zuweilen sehr und schwanger Auf einem Blumen-i-o-anger Mein Vater, was sagst Du dazu? Wir gleichen sehr den Baletteusen, Pleureusen – Dösen – Schnösen – lösen. Gewollt zu haben – selig sein. Verehrte Herrn, verehrte Damen, Die um mich hören herzu kamen Dies widmet der Gesangverein. Und Jungfraun kamen wunderbar Geschmeide scheidegelb im Haar Mit schlankgestielten Lilien. Der Kakagei und Papadu Die sahen auch dabei dazu Und kamen aus Brasilien.
Komm heraus, o Herr, komm heraus, o Herr …
Komm heraus, o Herr, komm heraus, o Herr, Und tanz mit meiner Seel. Sie ist so rein und wohlgebaut. Du hast sie auch schon angeschaut, Drum ist sie ohne Fehl. Stehe auf, o Herr, stehe auf, o Herr. Und führe mich zum Tanz. Durch die Lichterflut Über Grab und Schutt. O, du überirdischer Glanz! Komm herab, o Herr, komm herab, o Herr, Wir sehnen uns nach dir. Das Herze überzückt sich fast. Dein Wirbel hat uns angefaßt. Nun sind wir nicht mehr hier. Der Ohnmacht nah, wie wunderbar Ruht sichs in deinem Arm. Kein schlechter Mensch dringt bis hierher. Keine Nacht und Kält und Hunger mehr. Hier ist uns wohl und warm. Wie du fröhlich bist, Herr Jesus Christ, Du süßer Bräutigam! Über Nacht und Tag, wer's fassen mag, Wer's lassen oder hassen mag, Die Seele zu dir kam. Wie du löblich bist und erheblich bist, Das ist ein himmlisch Spiel. Wie du groß und stark und gewaltig bist. Wie du licht- sind feuergestaltig bist, Das sag ich nicht zuviel. Laß nach, o Herr, laß nach, o Herr, Mir schwindet Sinn um Sinn. Meine Schulter hat sich müd gewiegt. Ich weiß nicht, was mich so beglückt, Ob ich tot oder lebend bin.
Liebeslied für Euphemia
O Phemie: uns ist der Mond ein großes gelbes Tulpenbeet (Es wälzen keuchend sich vom Horizonte Hollands taube Strahlen). Vermischt sich Apfelmusgehirn mit Loderherz: kommt Eros viel zu spät Und wir befinden uns weitaus am wohlsten in der Vertikalen. Kioske öffneten sich rasch und Illustrierte schrillen. Wir treiben Wucher mit dem Kinofilmband! Wir liebten kilometerweise! Nach des Regisseures Willen! Und jedes Pfundstück war uns neuer Akte Unterpfand. Und Euphemie, wenn sentiment nicht mehr aktuell ist... Dann fliehen wir nach Monte, Phemie: ich habe drei Systeme! Du hast nur eins: du bringst die Kavaliere heeme. Dann erbst du wohl das Doppelte, weil du so sexuell bist; Ein Auto blüht uns und ein Landhaus: Abbazzia. O Phemie: halt die Fleppen blank! Denk an die nächste Razzia!
Narzissus
Ein helles Mädchen spitzt die Kniee, tanzend. Narzissus sanft vibrierend küßt ihr blaues Haar. Zwei gelbe Autos keuchen, fort sich pflanzend, Und trollen dumpf, geschwächt, zu der Kasinobar. Es lästern oft Kokotten und Chauffeure. Doch vor der Taube beugen sie den Nacken tief. Der Bauch des Universums schwillt aus einem Göhre, Und Hahn und Pferd verdrehn die Hälse schief. Es auch geschieht ein ungeheures Tun: Maria hebt sich von dem Wolkensitze. Die Zeppeline schreien, Dreatnougths fliehn. Ein Grenadier feikt in die Opiumspritze. Es bleibt kein Hund im Schoße der Madonnen. Viel Senatoren, Patriarchen jappt das hohe Seil. Auf Sacco-Ösen schrillen Querpfeif-Wonnen Der Teufel, die aus Lüften schießen steil.
O, Großpapa, o Graspopo …
O, Großpapa, o Graspopo Wir sind bald wie, wir sind bald wo? Wir sind warum? Weswegen? Der Eduard zieht den Degen. O Eduard steck den Degen ein. Was denkst Du dir denn dadabei'n Des morgens um halb fünfe? Er sagte nichts mehr dadarauf. Er stützt sich auf den Degenknauf Und macht sich auf die Strümpfe.
Sieben schizophrene Sonette
1. Der grüne König Wir, Johann, Amadeus Adelgreif, Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis, Erzkaiser über allen Unterschleif Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis Erheben unsern grimmen Löwenschweif Und dekretieren vor den leeren Saldis: "Ihr Räuberhorden, eure Zeit ist reif. Die Hahnenfeder ab, ihr Garibaldis. Man sammle alle Blätter unserer Wälder Und stanze Gold daraus, soviel man mag, Das ausgedehnte Land braucht neue Gelder. Und eine Hungersnot liegt klar am Tag. Sofort versehe man die Schatzbehälter Mit Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag."
2. Die Erfindung Als ich zum ersten Male diesen Narren Mein neues Totenwäglein vorgeführt, War alle Welt im Leichenhaus gerührt Von ihren Selbstportraits und anderen Schmarren. Sie sagten mir: nun wohl, das sei ein Karren, Jedoch die Räder seien nicht geschmiert, Auch sei es innen nicht genug verziert Und schließlich wollten sie mich selbst verscharren. Sie haben von der Sache nichts begriffen, Als daß es wurmig zugeht im Geliege Und wenn ich mich vor Lachen jetzt noch biege, So ist es, weil sie drum herum gestanden, Die Pfeife rauchten und den Mut nicht fanden, Hineinzusteigen in die schwarze Wiege.
3. Der Dorfdadaist In Schnabelschuhen und im Schnürkorsett Hat er den Winter überstanden, Als Schlangenmensch im Teufelskabinett Gastierte er bei Vorstadtdilettanten. Nun sich der Frühling wieder eingestellt Und Frau Natura kräftig promenierte, Hat ihn die Lappen- und Attrappenwelt Verdrossen erst und schließlich degoutieret. Er hat sich eine Laute aufgezimmert Aus Kistenholz und langen Schneckenschrauben, Die Saiten rasseln und die Stimme wimmert, Doch läßt er sich die Illusion nicht rauben. Er brüllt und johlt, als hinge er am Spieße. Er schwenkt jucheiend seinen Brautzylinder. Als Schellenkönig tanzt er auf der Wiese Zum Purzelbaum der Narren und der Kinder.
4. Der Schizophrene Ein Opfer der Zerstückung, ganz besessen Bin ich - wie nennt ihr's doch? - ein Schizophrene. Ihr wollt, daß ich verschwinde von der Szene, Um euren eigenen Anblick zu vergessen. Ich aber werde eure Worte pressen In des Sonettes dunkle Kantilene. Es haben meine ätzenden Arsene Das Blut euch bis zum Herzen schon durchmessen. Des Tages Licht und der Gewohnheit Dauer Behüten euch mit einer sichern Mauer Vor meinem Aberwitz und grellem Wahne. Doch plötzlich überfällt auch euch die Trauer. Es rüttelt euch ein unterirdischer Schauer Und ihr zergeht im Schwunge meiner Fahne.
5. Das Gespenst Gewöhnlich kommt es, wenn die Lichter brennen. Es poltert mit den Tellern und den Tassen. Auf roten Schuhen schlurrt es in den nassen Geschwenkten Nächten und man hört sein Flennen. Von Zeit zu Zeit scheint es umherzurennen Mit Trumpf, Atout und ausgespielten Assen. Auf Seil und Räder scheint es aufzupassen Und ist an seinem Lärmen zu erkennen. Es ist beschäftigt in der Gängelschwemme Und hochweis weht dann seine erzene Haube, Auf seinen Fingern zittern Hahnenkämme, Mit schrillen Glocken kugelt es im Staube. Dann reißen plötzlich alle wehen Dämme Und aus der Kuckucksuhr tritt eine Taube.
6. Der Pasquillant Auch konnt es unserm Scharfsinn nicht entgehen, Daß ein Herr Geist uns zu bemäkeln pflegt, Indem er ein Pasquill zusammenträgt, Das ihm die Winde um die Ohren säen. Bald kritzelt er, bald hüpft er aufgeregt Um uns herum, dann bleibt er zuckend stehen Und reckt den Schwartenhals, um zu erspähen, Was sich in unserm Kabinett bewegt. Den Bleistiftstummel hat er ganz zerbissen, Die Drillichnaht ist hinten aufgeschlissen, Doch dünkt er sich ein Diplomatenjäger. De fakto dient bewußter Schlingenleger Dem Kastellan als Flur- und Straßenfeger Und hat das Recht die Kübel auszugießen.
7. Intermezzo Ich bin der große Gaukler Vauvert. In hundert Flammen lauf ich einher. Ich knie vor den Altären aus Sand, Violette Sterne trägt mein Gewand. Aus meinem Mund geht die Zeit hervor, Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr. Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet, Der hinter den Rädern der Sonne steht. Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete, Flieg ich im Dunste der Lügengebete. Das Tympanum schlag ich mit großem Schall. Ich hüte die Leichen im Wasserfall. Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer, Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer. Hysteria clemens hab ich besungen In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen. Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat Streu ich der Worte verfängliche Saat.
Sonnuntergang
Nun steh ich vor gewaltigem Schein Und staune in's Abendrot hinein. Am Walde lehnt mein Rücken an: Der Wald raunt nur noch dann und wann, Ob alle die Stämme beisammen sind Und ängstlich geht der Wächter Wind. Und vor mir sinkt die Stadt hinunter Wie ein unglaubhaft Traumeswunder. Von Dörfern Rauch zieht dicht und schwer Wie über Kohlenmeiler her. Mich aber flügelt gewaltiger Schein In die gleißenden Abendrotwirbel hinein.
Versiegle mir die Zunge, binde mich…
Versiegle mir die Zunge, binde mich Und raube mir die letzte Gabe. Verschütte meinen Wein, zerstreue mich, Daß ich in Dir gelitten habe. Oh, hülle mich in Nacht, Barmherziger, Umstelle mich mit Deinen heiligen Bränden. Laß mich als Opfer fallen immerdar, Doch nur von Deinen priesterlichen Händen.
Waldgreis
Geh hundert Meilen die Buchen lang Den grauviolettenen Stämmegang Wo das Jahrtausend die Kronen treibt Und mit den Nägeln sich Runen schreibt – Geh hundert Meilen im teppichten Schoß Durchs schwer überkuppelte, blührote Moos, Wo nur als wunderlich Lied noch tönt, Was deinem glänzenden Auge fröhnt. – Da kommst du an einen gelichteten Raum, Es steht eine Hütte da, sichtbar kaum, So herzen sie Geißblatt und Winden weiß, – An ihrem Pförtchen lehnt zwergig ein Greis. Der schaut so gar traumhaft und schaut nur und schweigt, Sein Blick dir bis tief in die Seele reicht, Und müde wirst du, unendlich müd', Und das Wunderlied schwellt und webt und verzieht. Und der Alte, er winkt. Gern folgst du ihm nach, Draußen die Nacht überringt schon den Tag. Blau irrt am Fensterchen flimmernder Schein, Und du hörst Märchen vom Menschelein.
Widmung für Chopin
Drei Meere tanzen hochgeschürzt ans Land. Des Droschkenkutschers Hut durchbohren Mondesstrahlen. Als Kehrichtwalze holpert der Verstand, Wir glänzen durch die Nacht gleich singenden Aalen. Giraffenhals ragt schräg zum Nordlichthimmel. Die Mondesratte knüpft ihm bleichen Kragen. Am Tropenkoller würgt ein Polizistenlümmel. Bald werden wir ein neues Land erfragen. Aus unsrem Ohr lustwandeln Eiterströme. Das Auge rankt sich wüst um das Monokel. An einem Drahtseil leckt ein schlichter Böhme. Ein Schwein steht segnend auf dem Marmorsockel. Zehntausendfarbenschnee. Cocytus. Kinotempel. Ein Mann greift weibernd nach dem Hosensack. Auf Eselsrücken brennen handgroß Feuerstempel Und Hähne machen Kopfsprung in den Chapeau claque.
Die überwachten Stunden
Die überwachten Stunden Fallen einander zu. Und ach, die müden Kinder Lächeln und gehen zur Ruh.
Und ihre traurigen Stirnen Leuchten und senken sich tief. In den verschütteten Nächten War es, daß ich dich rief.
Fremd erschien mir die Nähe Töricht Ziel und Sinn In deine schützenden Hände Sank ich vergehend hin.
Ein Traum
Im dunkelblauen Sunde Landeten wir spät. Es stand eine rote Wunde, Der Mond überm Rudergerät.
Wir nahmen ein wenig Zehrung Aus einem schmalen Boot, Und stiegen über die Nehrung Ins Morgenrot.
Durch wehende Oliven Stiegen wir leicht hinan, Und sahen ringsum schlafen Die Länder im Mittagsbann.
Wir saßen an steinernen Tischen Und tranken uns weidlich satt, Von Brot und trockenen Fischen Wurden die Lippen matt.
Um unsere Ohren stäubte Das Meer, ein Muschelgetön, Ein Veilchenduft betäubte Die Sinne uns im Föhn.
Wir tauchten in die Fluten Und schwammen weit hinaus. Die Möven kamen und ruhten Am Strande bei uns aus.
Entrückt und nah
Entrückt und nah, belebend und doch Schein, So seh ich, Liebste, dich vor mir errichtet. Ein Umriß, der vor meinen Blicken flüchtet Und dem es doch bestimmt ist, Bild zu sein.
Die Hände haben längst darauf verzichtet Zu fassen nach Gestalt von Fleisch und Bein. Genug zu wissen, daß du Brot und Wein Und zartes Feuer bist, das mich belichtet.
Die Augen werden einst in Moder fallen. Was war ich ohne dich? Ein irres Lallen, Ein Dunkel und ein Rausch der Bitternisse.
Laß wehen durch mein Wort die lichten Küsse. Laß sinken in mein dämmerndes Gedicht Vom Brunnenrande her dein Angesicht.
Frühling
So hast du in Behutsamkeit Mit Lauben und mit Ranken Den Garten meiner Nacht umsäumt Jetzt lächeln die Gedanken.
Nun singen mir im Gitterwerk Die süßen Nachtigallen Und wo ich immer lauschen mag Will mir ein Lied einfallen.
Die Sonne strahlt in deinem Blick Und geht in meinem unter. So schenkst du mir den schönen Tag Ein mildes Sternenwunder.
So hast du meinen dunklen Traum Durchleuchtet aller Enden Und wo ich immer schreiten mag, Begegne ich deinen Händen.
Kind und Traum
Kind und Traum und früher Garten Wandeln wir durch lauter Licht. Reifer Früchte runde Schatten Malen sich auf dein Gesicht.
Wipfel neigen grün die Zweige Tief in den erfüllten Grund. Wanderselig, wundertrunken Übt ein Vogel seinen Mund.
Sieh, es hat die schöne Sonne Sich in deinem Haar verfangen, Deiner Augen blaue Sterne Sind schon in mein Lied gegangen.
Noch Eines, Emmy ...
Wenn je ich still und ganz mich zu dir kehre, Dann mußt du groß und schweigend mich empfangen. Aus irrer Dunkelheit kam ich gegangen, Besorgt, daß ich dein lichtes Bild verzehre.
Wenn ich zu forschen lächelnd dir verwehre Nach Lust und Leid, die doch auch mir erklangen, Nach Stern und Freund, die mir am Wege sangen, So wisse, daß ich tiefer dir gehöre.
Nur eines war's, das mich bewegte Hervorzugehn aus vielem Ungemach, Das eine nur, das fiebernd mich erregte,
Und das mich schützte, daß ich nicht erlag: Den Kindesglanz in deinem Seelengrunde Noch einmal trinken mit berauschtem Munde ...
Schmücke dich, Liebste
Schmücke dich, Liebste, der Abend naht. Winde dir Ketten ins leuchtende Haar. Siehe, die Sonne will sich verneigen. Tiefer noch will sich die Stille verschweigen. Kerze flammt am Altar.
Wisse, die Seele liebt sich zu verschwenden. Brennende Feier und wehe Musik. Leiser noch will ihr Geheimnis lallen. Goldener Tropfen, zögerndes Fallen Ist ihr unsägliches Glück.
Hülle dich, Liebste, in weiße Gewänder, Ehe die Saite zerspringt. Lächle im Saale der Engel und Rosen, Laß dir die kindliche Stirne kosen, Ehe das Echo verklingt.
Sei mir ein Fest und ein zärtliches Wunder, Milder noch blühe dein Schein. Wenn wir die magischen Worte tauschen, Geht durch die Seele ein Flügelrauschen, Dem wir uns weihn.
Schmücke dich, Liebste, oh, süßes Verwehen. Bald ist der Sommer verklungen. Über den Hügeln welken die Kränze, Doch in die Höhen der himmlischen Tänze Sind wir entrückt und verschlungen.
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