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Dein Lied erklang, ich habe es gehöret...
Dein Lied erklang, ich habe es gehöret, Wie durch die Rosen es zum Monde zog; Den Schmetterling, der bunt im Frühling flog, Hast du zur frommen Biene dir bekehret, Zur Rose ist mein Drang, Seit mir dein Lied erklang! Dein Lied erklang, die Nacht hat's hingetragen, Ach, meiner Ruhe süßes Schwanenlied! Dem Mond, der lauschend von dem Himmel sieht, Den Sternen und den Rosen muß ich's klagen, Wohin sie sich nun schwang, Der dieses Lied erklang! Dein Lied erklang, es war kein Ton vergebens, Der ganze Frühling, der von Liebe haucht, Hat, als du sangest, nieder sich getaucht Im sehnsuchtsvollen Strome meines Lebens, Im Sonnenuntergang, Als mir dein Lied erklang!
Der Du von dem Himmel bist...
Der Du von dem Himmel bist, Alles Leiden endlich stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest: Ach ich bin so müd, so müde; Was soll aller Schmerz und Lust? Gottesfriede - Komm, o komm in meine Brust.
Der goldne Tag ist heimgegangen...
Der goldne Tag ist heimgegangen; Ich sah ihn über die Berge ziehn, Und all mein sehnendes Verlangen Floh mit ihm hin.
Bunt ist wohl um des Jünglings Hüften Der schimmernde Mantel hingewallt, Und leise in den Himmelslüften Sein Lied verhallt. Ich sah wohl die glühenden Locken Am Berge wehn, Oben ihn stehn, Und freundlich goldne Flocken Auf die Bahn hinsäen, Drauf weiter zu gehen. Da breitet das Leben Die Schmetterlingsflügel, Am duftigen Hügel Ihn hoch zu erheben, Uns nochmals zu geben. So traurig saß er oben Im Purpurzelt, Und grüßt' die Welt: Leb wohl da unten! Da hat ihn der Flügel Mit Flammen umwunden, Am duftigen Hügel Hinübergehoben.
Sein ödes Reich bleibt still zurücke, Die Welt verweilt ganz herrenlos. Das Leben forscht mit trübem Blicke Im eignen Schoß. Ein düstrer Mantel rauschet nieder Rund um des Jünglings verlaßnen Thron, Und aus den Wäldern hallet wider Ein trunkner Ton. Es rühren die nächtlichen Stunden Sich tief im Tal, Bereiten ein Mahl Im dämmernden Saal, Mit dichten Gewändern umwunden. Ein matter Strahl Blinkt am Pokal, Und süß betrunken, Vom goldenen Wein, Schlummert die jüngste Der Stunden schon ein, Die andern lauschen Von außenher zu, Und stürzen herein. Es sterben die Funken, Hinabgesunken Ist der letzte Strahl Von ihrem Pokal. Sie irren und rauschen Ohn' Schimmer und Schein, Ohn' alle Ruh'. Zerstört ist das Mahl Und dunkel der Saal. Da schreiten die Stunden so leise Wohl in die Nacht, Verhüllen auf finsterer Reise Mit ernstem Bedacht, In dunkeln Falten Die regen Gestalten, An denen sie sinnend vorüberwallten, Und alles umarmt sich rings umher, Es giebt keine einzelne Rechte mehr, Es öffnet jed Leben dem andern die Brust, Und trinket mit Lust, Ganz ohnbewußt, Den himmlischen Kuß, Den Wechselgenuß. So innig umschlungen, So heilig durchdrungen, Umhüllet ein Rausch, Den lieblichen Tausch.
Und endlich lösen die Arme sich auf, Der Mond zieht herauf; Der dämmernde Blick Träumt trunkenen Traum. Im himmlischen Raum Erblühen die Sterne, Und kehret das Licht Bescheiden zurück. Das Leben flicht Dann in der Ferne Den bräutlichen Kranz, Entzündet die Lieder, Erleuchtet den Tanz. Die reizenden Glieder Umhüllt ein Gewand, Durchsichtig gewebet. Das Leben erhebet, Zum Himmel gewandt, Den Busen, und strebet Sich wieder zu finden. Die Sehnsucht erwacht In schimmernder Nacht.
Der Jäger an den Hirten
Durch den Wald mit raschen Schritten Trage ich die Laute hin, Freude singt, was Leid gelitten, Schweres Herz hat leichten Sinn. Durch die Büsche muß ich dringen Nieder zu dem Felsenborn, Und es schlingen sich mit Klingen In die Saiten Ros' und Dorn. In der Wildnis wild Gewässer Breche ich mir kühne Bahn, Klimm' ich aufwärts in die Schlösser, Schaun sie mich befreundet an. Weil ich alles Leben ehre, Scheuen mich die Geister nicht, Und ich spring' durch ihre Chöre Wie ein irrend Zauberlicht. Haus' ich nächtlich in Kapellen Stört sich kein Gespenst an mir, Weil sich Wandrer gern gesellen, Denn auch ich bin nicht von hier.
Geister reichen mir den Becher, Reichen mir die kalte Hand, Denn ich bin ein frommer Zecher, Scheue nicht den glühen Rand. Die Sirene in den Wogen, Hätt' sie mich im Wasserschloß, Gäbe, den sie hingezogen, Gern den Fischer wieder los. Aber ich muß fort nach Thule, Suchen auf des Meeres Grund Einen Becher, meine Buhle Trinkt sich nur aus ihm gesund. Wo die Schätze sind begraben Weiß ich längst, Geduld, Geduld, Alle Schätze werd' ich haben Zu bezahlen alle Schuld. Während ich dies Lied gesungen, Nahet sich des Waldes Rand, Aus des Laubes Dämmerungen Trete ich ins offne Land. Aus den Eichen zu den Myrten, Aus der Laube in das Zelt, Hat der Jäger sich dem Hirten, Flöte sich dem Horn gesellt. Daß du leicht die Lämmer hütest Zähm' ich dir des Wolfes Wut, Weil du fromm die Hände bietest, Werd' ich deines Herdes Glut. Und willst du die Arme schlingen Um dein Liebchen zwei und zwei, Will ich dir den Fels schon zwingen, Daß er eine Laube sei. Du kannst Kränze schlingen, singen, Schnitzen, spitzen Pfeile süß, Ich kann ringen, klingen, schwingen Schlank und blank den Jägerspieß. Gieb die Pfeile, nimm den Bogen, Mir ist's Ernst und dir ist's Scherz, Hab' die Senne ich gezogen Du gezielt, so trifft's ins Herz.
Der Spinnerin Nachtlied
Es sang vor langen Jahren Wohl auch die Nachtigall, Das war wohl süßer Schall, Da wir zusammen waren. Ich sing' und kann nicht weinen, Und spinne so allein Den Faden klar und rein So lang der Mond wird scheinen. Als wir zusammen waren Da sang die Nachtigall Nun mahnet mich ihr Schall Daß du von mir gefahren. So oft der Mond mag scheinen, Denk' ich wohl dein allein, Mein Herz ist klar und rein, Gott wolle uns vereinen. Seit du von mir gefahren, Singt stets die Nachtigall, Ich denk' bei ihrem Schall, Wie wir zusammen waren.
Gott wolle uns vereinen Hier spinn' ich so allein, Der Mond scheint klar und rein, Ich sing' und möchte weinen.
Die Abendwinde wehen,
Die Abendwinde wehen, Ich muß zur Linde gehen, Muß einsam weinend stehen, Es kommt kein Sternenschein; Die kleinen Vöglein sehen Betrübt zu mir und flehen, Und wenn sie schlafen gehen, Dann wein' ich ganz allein! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!«
Ich muß die Hände ringen, Das Herz will mir zerspringen In bittrer Tränenflut, Ich sing' und möchte weinen, So lang der Mond mag scheinen, Sehn' ich mich nach der Einen, Bei der mein Leiden ruht! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!« Mein Herz muß nun vollenden, Da sich die Zeit will wenden, Es fällt mir aus den Händen Der letzte Lebenstraum. Entsetzliches Verschwenden In allen Elementen, Mußt' ich den Geist verpfänden, Und alles war nur Schaum! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!« Was du mir hast gegeben, Genügt ein ganzes Leben Zum Himmel zu erheben; O sage, ich sei dein! Da kehrt sie sich mit Schweigen Und gibt kein Lebenszeichen, Da mußte ich erbleichen, Mein Herz ward wie ein Stein. »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!« Heb Frühling jetzt die Schwingen, Laß kleine Vöglein singen, Laß Blümlein aufwärts dringen, Süß Lieb geht durch den Hain. Ich mußt' mein Herz bezwingen, Muß alles niederringen, Darf nichts zu Tage bringen, Wir waren nicht allein! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!« Wie soll ich mich im Freien Am Sonnenleben freuen, Ich möchte laut aufschreien, Mein Herz vergeht vor Weh! Daß ich muß alle Tränen, All Seufzen und all Sehnen Von diesem Bild entlehnen, Dem ich zur Seite geh'! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!« Wenn du von deiner Schwelle Mit deinen Augen helle, Wie letzte Lebenswelle Zum Strom der Nacht mich treibst, Da weiß ich, daß sie Schmerzen Gebären meinem Herzen Und löschen alle Kerzen, Daß du mir leuchtend bleibst! »Ich hör' ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch den Klee, Ich hör' ein Mägdlein klagen Von Weh, von bitterm Weh!«
Die Erde war gestorben
Die Erde war gestorben Ich lebte ganz allein, Die Sonne war verdorben, Zwei Augen gaben Schein, Da bot sie mir zu trinken Und blickte mich nicht an, Sie ließ die Augen sinken, Es war um mich getan. Reg' Frühling nur die Schwingen Sehn' nur, du Erde, dich, Ich kann nichts anders singen, Als, Jesus schau auf mich.
Die Gottesmauer
Draus vor Schleswig an der Pforte Wohnen armer Leute viel. Ach! des Feindes wilder Horde Werden sie das erste Ziel. Waffenstillstand ist gekündet; Dänen ziehen aus zur Nacht; Russen, Schweden sind verbündet, Brechen ein mit wilder Macht. Draus vor Schleswig, weit vor allen Liegt ein Hüttlein ausgesetzt. Draus vor Schleswig in der Hütte Singt ein frommes Mütterlein: »Herr, in deinen Schoß ich schütte Alle meine Sorg' und Pein!« Doch ihr Enkel, ohn' Vertrauen, Zwanzigjährig, neuster Zeit, Hat, den Bräutigam zu schauen, Seine Lampe nicht bereit. Draus vor Schleswig in der Hütte Singt das fromme Mütterlein. »Eine Mauer um uns baue!« Singt das fromme Mütterlein: »Daß dem Feinde vor uns graue, Nimm in deine Burg uns ein!« »Mutter«, spricht der Weltgesinnte, »Eine Mauer uns ums Haus Kriegt fürwahr nicht so geschwinde Euer lieber Gott heraus!« »Eine Mauer um uns baue!« Singt das fromme Mütterlein. »Enkel, fest ist mein Vertrauen, Wenn's dem lieben Gott gefällt, Kann Er uns die Mauer bauen, Was Er will, ist wohl bestellt.« Trommeln rumdidum rings prasseln; Die Trompeten schmettern drein; Rosse wiehern, Wagen rasseln; Ach, nun bricht der Feind herein! »Eine Mauer um uns baue!« Singt das fromme Mütterlein. Rings in alle Hütten brechen Schwed' und Russe mit Geschrei, Fluchen, lärmen, toben, zechen, Doch dies Haus gehn sie vorbei. Und der Enkel spricht in Sorgen: »Mutter, uns verrät das Lied!« Aber sieh! das Heer von Morgen Bis zur Nacht vorüberzieht. »Eine Mauer um uns baue!« Singt das fromme Mütterlein. Und am Abend tobt der Winter, Um die Fenster stürmt der Nord. »Schließt die Laden, liebe Kinder!« Spricht die Alte, und singt fort. Aber mit den Flocken fliegen Nur Kosakenpulke 'ran; Rings in allen Hütten liegen Sechszig, auch wohl achtzig Mann. »Eine Mauer um uns baue!« Singt das fromme Mütterlein. »Eine Mauer um uns baue!« Singt sie fort die ganze Nacht. Morgens wird es still: »O schaue, Enkel, was der Nachbar macht!« Auf nach innen geht die Türe; Nimmer käm' er sonst heraus: Daß er Gottes Allmacht spüre, Liegt der Schnee wohl haushoch draus. »Eine Mauer um uns baue!« Sang das fromme Mütterlein. »Ja! der Herr kann Mauern bauen! Liebe, gute Mutter, komm, Gottes Wunder anzuschauen!« Spricht der Enkel und ward fromm. Achtzehnhundertvierzehn war es, Als der Herr die Mauer baut'; In der fünften Nacht des Jahres Hat's dem Feind davor gegraut. »Eine Mauer um uns baue!« Sang das fromme Mütterlein.
Die Rose blüht, ich bin die fromme Biene,
Die Rose blüht, ich bin die fromme Biene, Die in der Blätter keuschen Busen sinkt, Und milden Tau und süßen Honig trinkt, Doch lebt ihr Glanz und bleibet ewig grüne. So singt mein tiefstes Freudenlied, Ach meine Rose blüht! Die Rose blüht, o Sonnenschein verziehe, Daß lange noch der liebe Sommer währt, Und mir kein Sturm die süße Lust versehrt, Daß all mein Heil aus dieser Rose blühe, So freut sich innig mein Gemüt, Weil meine Rose blüht! Die Rose blüht, und lacht vor andern Rosen, Mit solcher Huld, und Liebesmildigkeit, Daß gern mein Sinn sich zu der Pflicht erbeut, Mit andern Blumen nie mehr liebzukosen, Weil alle Liebe, die erglüht, Aus Dir Du Rose blüht!
Die Seufzer des Abendwinds wehen
Die Seufzer des Abendwinds wehen So jammernd und bittend im Turm; Wohl hör' ich um Rettung dich flehen, Du ringst mit den Wogen, versinkest im Sturm. Ich seh' dich am Ufer; es wallet Ein traurendes Irrlicht einher. Mein liebendes Rufen erschallet, Du hörest, du liebest, du stürzest ins Meer. Ich lieb' und ich stürze verwegen Dir nach in die Wogen hinab, Ich komme dir sterbend entgegen, Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab. Doch stürzt man den Stürmen des Lebens Von neuem mich Armen nun zu. Ich sinke; ich ringe vergebens, Ach nur in dem Abgrund des Todes ist Ruh'. Da schwinden die ewigen Fernen, Da endet kein Leben mit dir. Ich kenn' deinen Blick in den Sternen, Ach sieh nicht so traurig, hab' Mitleid mit mir!
Die Welt war mir zuwider
Die Welt war mir zuwider Die Berge lagen auf mir Der Himmel war mir zu nieder Ich sehnte mich nach dir, nach dir, O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Ich trieb wohl durch die Gassen Zwei lange Jahre mich An den Ecken mußt' ich passen Und harren nur auf dich, auf dich. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Und alle Liebeswunden Die brachen auf in mir Als ich dich endlich gefunden Ich lebt' und starb in dir, in dir! O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Ich hab' vor deiner Türe Die hellgestirnte Nacht, Daß dich mein Lieben rühre Oft liebeskrank durchwacht. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Ich gieng nicht zu dem Feste Trank nicht den edlen Wein Ertrug den Spott der Gäste Um nur bei dir zu sein. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Bin zitternd zu dir gekommen Als wärst du ein Jungfräulein, Hab' dich in Arm gekommen Als wärst du mein allein, allein. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Wie schlecht du sonst gewesen Vergaß ich liebend in mir Und all dein elendes Wesen Vergab ich herzlich dir ach dir, O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Als du mir nackt gegeben Zur Nacht den kühlen Trank Vergiftetest du mein Leben, Da war meine Seele so krank so krank, O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Bergab bin ich gegangen Mit dir zu jeder Stund, Hab' fest an dir gehangen Und gieng mit dir zu Grund. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Es hat sich an der Wunde Die Schlange fest gesaugt Hat mit dem gift'gen Munde Den Tod in mich gehaucht. O lieb Mädel, wie schlecht bist du! Und ach in all den Peinen War ich nur gut und treu Daß ich mich nannt' den Deinen Ich nimmermehr bereu', bereu'. O lieb Mädel, wie schlecht bist du!
Du Herrlicher! den kaum die Zeit erkannt,
Du Herrlicher! den kaum die Zeit erkannt, Der wie ein schuldlos Kind Begeistert fromm die treue keusche Hand Nach Gottes Flamme streckte, Der für das Eitle blind Ohn' umzuschaun zur Wiege alter Kunst Durch neuer Lüge Götzentempel drang, Und stillanschaund die Göttliche erweckte. Sie lächelte und nannte dich den Ihren, Der ihr die ird'schen Kränze so bedeutend schlang Und wollte dich, mit ihr zu triumphieren Zum sel'gen Born von allem Lichte führen. Wer dich geliebt, verstand den schönen Traum, Den du im Himmel träumtest, dessen Schatten Auf unsrer dunklen Erde lichten Saum Weissagend niederfiel. - Dein Künstlerwerk, es schien ein zierlich Spiel, Es rankte blumig auf und betend vor der Sonne Setzt fromme Kindlein du in süßer Kelche Wonne; Doch wie im Frühlingstaumel fromm ein Herz Das Siegsgepräng' des ew'gen Gottes liest, Wie in des Lebens ernstem Blumenscherz Dem Schauenden die Tiefe sich erschließt, So steht, die Schwester dieser sündentrunknen Zeit, Vor deinen Bildern glaubend, hoffend, liebend, die Beschaulichkeit. O trauert nicht um seinen frühen Tod! Er lebte nicht, er war ein Morgenrot, Das in der Zeiten trauriger Verwirrung Zu früh uns guter Tage Hoffnung bot, Wer dieser Blüte Früchte konnte ahnen, Der mußte tief bewußt der eigenen Verirrung, Der eignen Armut sich beschämend mahnen; So mußt' auch ich, wenn ich sein Werk durchdachte, Das wie ein Gottentzückter selig lachte, Zu mir, bewegt in ernster Demut sagen: Wie sollen die Vollendung wir ertragen? Und auf dem Babylon rings sah ich ragen, Die Kreuze frech, den Helden dran zu schlagen. O trauert nicht um seinen frühen Tod! Er lebte nicht, er war ein Abendrot, Verspätet aus verlornen Paradiesen Ließ täuschend es in unsrer Nächte Not Die ahndungsreichen Schimmer fließen. Und wer an seinem Grabe eine Nacht In Tränen harrt, bis daß der Tag erwacht, Den seines Lebens Morgenstern verhieß, Der wird, ist er ein Kind, den Morgen kaum erleben, Ist er ein frommer Mann, mit ihm, der uns verließ, Im Tode nur zum neuen Tage schweben. Die Zeit, sie ist die Nacht, in der wir weinen, Der Vorzeit Traum, er ist's, den wir verloren, Der Nachwelt, wird der Tag ihr einst erscheinen, Lebt unser Freund auf ewig - mir ist er geboren.
Ein Fischer saß im Kahne...
Ein Fischer saß im Kahne, Ihm war das Herz so schwer, Sein Liebchen war gestorben, Das glaubt' er nimmermehr. Und bis die Sternlein blinken, Und bis zum Mondenschein, Harrt er sein Lieb zu fahren Wohl auf dem tiefen Rhein. Da kömmt sie hergegangen Und steiget in den Kahn, Sie schwanket in den Knien, Hat nur ein Hemdlein an. Sie schwimmen auf den Wellen Hinab in tiefer Ruh', Da zittert sie und wanket, O Liebchen frierest Du? Dein Hemdlein spielt im Winde, Das Schifflein treibt so schnell; Hüll' dich in meinen Mantel, Die Nacht ist kühl und hell. Sie strecket nach den Bergen Die weißen Arme aus, Und freut sich, wie der Vollmond Aus Wolken sieht heraus. Und grüßt die alten Türme, Und will den hellen Schein, Mit ihren zarten Armen, Erfassen in dem Rhein. O setze dich doch nieder Herzallerliebste mein! Das Wasser treibt so schnelle O fall nicht in den Rhein. Und große Städte fliegen An ihrem Kahn vorbei, Und in den Städten klingen Der Glocken mancherlei. Da kniet das Mädchen nieder Und faltet seine Händ' Und seine hellen Augen Es zu dem Himmel wendt. Lieb Mädchen bete stille, Schwank' nicht so hin und her, Der Kahn, er möchte sinken, Das Wasser treibt so sehr. In einem Nonnenkloster Da singen Stimmen fein Und in dem Kirchenfenster Sieht man den Kerzenschein. Da singt das Mädchen helle Die Metten in dem Kahn, Und sieht dabei mit Tränen Den Fischerknaben an. Der Knabe singt mit Tränen Die Metten in dem Kahn, Und sieht dabei sein Mädchen Mit stummen Blicken an. So rot und immer röter Wird nun die tiefe Flut, Und weiß und immer weißer Das Mädchen werden tut. Der Mond ist schon zerronnen, Kein Sternlein mehr zu sehn, Und auch dem lieben Mädchen Die Augen schon vergehn. Lieb Mädchen guten Morgen! Lieb Mädchen gute Nacht! Warum willst du nun schlafen, Da schon die Sonn' erwacht. Die Türme blinken helle, Und froh der grüne Wald Von tausend bunten Stimmen In lautem Sang erschallt.
Da will er sie erwecken, Daß sie die Freude hör', Er sieht zu ihr hinüber Und findet sie nicht mehr. Und legt sich in den Nachen Und schlummert weinend ein, Und treibet weiter weiter Bis in die See hinein. Die Meereswellen brausen Und schleudern ab und auf Den kleinen Fischernachen Der Knabe wacht nicht auf. Doch fahren große Schiffe In stiller Nacht einher, So sehen sie die beiden Im Kahne auf dem Meer.
Es ist ein Schnitter, der heißt Tod...
Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Er mäht das Korn, wenn's Gott gebot; Schon wetzt er die Sense, Daß schneidend sie glänze, Bald wird er dich schneiden, Du mußt es nur leiden; Mußt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Was heut noch frisch und blühend steht Wird morgen schon hinweggemäht, Ihr edlen Narzissen, Ihr süßen Melissen, Ihr sehnenden Winden, Ihr Leid-Hyazinthen, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Viel hunderttausend ohne Zahl, Ihr sinket durch der Sense Stahl, Weh Rosen, weh Lilien, Weh krause Basilien! Selbst euch Kaiserkronen Wird er nicht verschonen; Ihr müßt zum Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Du himmelfarben Ehrenpreis, Du Träumer, Mohn, rot, gelb und weiß, Aurikeln, Ranunkeln, Und Nelken, die funkeln, Und Malven und Narden Braucht nicht lang zu warten; Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Du farbentrunkner Tulpenflor, Du tausendschöner Floramor, Ihr Blutes-Verwandten, Ihr Glut-Amaranthen, Ihr Veilchen, ihr stillen, Ihr frommen Kamillen, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Du stolzer, blauer Rittersporn, Ihr Klapperrosen in dem Korn, Ihr Röslein Adonis, Ihr Siegel Salomonis, Ihr blauen Cyanen, Braucht ihn nicht zu mahnen. Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein. Lieb Denkeli, Vergiß mein nicht, Er weiß schon, was dein Name spricht, Dich seufzerumschwirrte Brautkränzende Myrte, Selbst euch Immortellen Wird alle er fällen! Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Des Frühlings Schatz und Waffensaal Ihr Kronen, Zepter ohne Zahl, Ihr Schwerter und Pfeile, Ihr Speere und Keile, Ihr Helme und Fahnen Unzähliger Ahnen, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Des Maies Brautschmuck auf der Au, Ihr Kränzlein reich von Perlentau, Ihr Herzen umschlungen, Ihr Flammen und Zungen, Ihr Händlein in Schlingen Von schimmernden Ringen, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Ihr samtnen Rosen-Miederlein, Ihr seidnen Lilien-Schleierlein, Ihr lockenden Glocken, Ihr Schräubchen und Flocken, Ihr Träubchen, ihr Becher, Ihr Häubchen, ihr Fächer, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Herz, tröste dich, schon kömmt die Zeit, Die von der Marter dich befreit, Ihr Schlangen, ihr Drachen, Ihr Zähne, ihr Rachen, Ihr Nägel, ihr Kerzen, Sinnbilder der Schmerzen, Müßt in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! O heimlich Weh halt dich bereit! Bald nimmt man dir dein Trostgeschmeid, Das duftende Sehnen Der Kelche voll Tränen, Das hoffende Ranken Der kranken Gedanken Muß in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! Ihr Bienlein ziehet aus dem Feld, Man bricht euch ab das Honigzelt, Die Bronnen der Wonnen, Die Augen, die Sonnen, Der Erdsterne Wunder, Sie sinken jetzt unter, All in den Erntekranz hinein, Hüte dich schöns Blümelein! O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit! Den Kranz helft mir winden, Die Garbe helft binden, Kein Blümlein darf fehlen, Jed Körnlein wird zählen Der Herr auf seiner Tenne rein, Hüte dich schöns Blümelein!
Es leben die Soldaten...
Es leben die Soldaten, So recht von Gottes Gnaden, Der Himmel ist ihr Zelt, Ihr Tisch das grüne Feld. Ihr Bette ist der Rasen, Trompeter müssen blasen, Guten Morgen, gute Nacht, Daß man mit Lust erwacht. Ihr Wirtsschild ist die Sonne, Ihr Freund die volle Tonne, Ihr Schlafbuhl ist der Mond, Der in der Sternschanz wohnt. Die Sterne haben Stunden, Die Sterne haben Runden Und werden abgelöst, Drum Schildwacht sei getröst. Wir richten mit dem Schwerte, Der Leib gehört der Erde, Die Seel' dem Himmelszelt, Der Rock bleibt in der Welt. Wer fällt, der bleibet liegen, Wer steht, der kann noch siegen, Wer übrig bleibt, hat Recht, Und wer entflieht, ist schlecht. Zum Hassen oder Lieben Ist alle Welt getrieben, Es bleibet keine Wahl, Der Teufel ist neutral. Bedienet uns ein Bauer, So schmeckt der Wein fast sauer Doch ist's ein schöner Schatz So kriegt sie einen Schmatz. Auf mit Gott zum Kampf, ihr Brüder, Mit dem Schwert und dem Gebete, Reiß den Sieg vom Himmel nieder, Deutscher, Russe, Britte, Schwede! Helf' uns Gott, der Herr, der Hohe, Der auf uns herniederschauet, Seht schon lodern lichterlohe Scheiterhaufen rings erbauet. In den Flammen heil'gen Zornes, In gerechter Rache Gluten Brennt der Busch des bösen Dornes, Der die ganze Welt ließ bluten. Selig, wer von ganzem Herzen Alles, was ihn tief verletzet, Alle Trauer, alle Schmerzen, An dies heil'ge Opfer setzet.
Denn wir wollen das verbrennen, Was in Leib und Seel uns störet, Wer kann das mit Worten nennen, Was ihn in dem Geist empöret. Elend, Qual und Not und Frevel Trug und List und Hohn und Lüge, Schmolz der Feind zu glühem Schwefel, Daß die Flamme höher schlüge. Freudig drum ihr Kampfesbrüder, Schließt euch treulich um die Flammen, Brennt den Dorn zur Asche nieder, Der ein Ölbaum soll entstammen. Eine Taube soll sich schwingen Aus der Glut, soll Friedenszweige Der empörten Erde bringen, Daß sie aus der Zornflut steige. Friede ward umsonst verlanget, Unsrer Ehr' und Freiheit Friede, Auf zum Kampf nun, wer nicht banget, Und vor keinem Götzen kniete. Vivat alle mit einander, Vivat Georg und Alexander, Vivat Friedrich, Vivat Franz! Vivat hoch der Waffentanz! Brautkranz! Viktoria! Gloria!
Es saß der Meister vom Stuhle ...
Es saß der Meister vom Stuhle, Gar frech im eignen Kot, Wer wagt sich zu dem Pfuhle, Es tun ihm Prügel not, Wer schmeißt mich über und über, Wer bläst das Licht mir aus, Wer giebt mir Nasenstüber, Wer schickt mich recht nach Haus. Und kömmt er einst zum sterben, So stirbt sein ganzes Reich, Die Frösche all verderben, Krepiert er in dem Teich. Er saß einst an der Saale, Nun sitzt er auf dem Sand, Und hat bei seinem Mahle Die Esel all zur Hand. Da sitzt er, keiner frecher, Und platzet fast vor Wut, Und reicht den giftigen Becher Sich selbst und seiner Brut. Wir sehn ihn platzen, sinken Und stinken in eigner Schmer, Laßt ihn nur aus sich stinken, Dann stinkt es nimmermehr.
Es scheint ein Stern vom Himmel...
Es scheint ein Stern vom Himmel, Ein einz'ger in mein Herz, Er könnte wohl was Bessers tun, Da hätt' ich Nacht und Schmerz. Es spritzt ein Quell vom Felsen Ein Tröpfchen zu mir her, Er könnte wohl was Bessers tun, Daß ich verschmachtet wär'. Es singt ein Himmelvögelein An meiner Kerkerwand, Er könnte wohl was Bessers tun, Ich käm' um den Verstand. Es blüht ein einz'ges Blümlein Auf meinem Wege wüst, Es könnte wohl was Bessers tun, Daß ich verzweifeln müßt'. Vor mir streicht hin ein weißer Hirsch Mit goldenem Geweih, Er könnte wohl was Bessers tun, Daß ich verirret sei. Es scheint ein bißchen Sonnenschein Mir in die Nacht herein, Es könnte wohl was Bessers tun, Ich stürb' in dunkler Pein. Es fällt mir eine Blüte Des Segens ohne Frucht, Sie könnte wohl was Bessers tun. Ich glaubte mich verflucht. Es sieht mit Himmelsgüte Ein reines Aug' mich an, Es könnte wohl was Bessers tun, Dann wär's um mich getan. Es mahnet an dem Abgrund mich Ein frommer Liedermund Er könnte wohl was Bessers tun, Ich stürzte in den Schlund. Es tut ein frommes Mägdlein Wohl Engeldienst an mir, Sie könnte wohl was Bessers tun. Daß ich mein Heil verlier'. Mich hat der Herr geliebet, Er zeigte mir, was schön, Er könnte wohl was Bessers tun, Dann müßt' ich untergehn. Heut schienen Stern und Lichter Mir, was ich liebe, an, Sie könnten wohl was Bessers tun, Und haben's doch getan.
Mir hüpft das Herz in Freuden Ein Engel steht mir bei Es könnte wohl was Bessers tun, Bräch' es mir gleich entzwei. Ich muß die Güte lieben, Sie hat sich mein erbarmt, Sie könnte wohl was Bessers tun, Dann wär' ich ganz verarmt. O liebe, liebe Seele du, Mein Heil, mein Trost, mein Mut, Ich kann ja gar nichts Bessers tun, Denn alles ist ja gut.
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