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Finkenlied, von neun Groschen Münze, Kamelgedanken und Überbeinen
Vom Gesange lust'ger Finken Durch das Fenster aufgeweckt Lasse ich den Schleier sinken, Der mir meine Seele deckt. Durch des alten Birnbaums Blüten Schaut zwar trüber Himmel her Doch in meiner Brust ist Frieden, Ach wenn's doch der ew'ge wär'. Nein, jetzt kann ich gar nicht trauen Alles scheint mir lieb und gut, Und mir wächst da überm Lauern Auch ein Finkenliedermut. Wie die kleinen Sänger schweben Wie es sehnt und lockt und zirpt. O wie herrlich klingt das Leben Wenn's zu neuem Leben wirbt. Keiner fällt ohn' Gottes Willen Von dem Dach, vom Haupt kein Haar, Und mein Schmerz läßt sich schon stillen, Weil ich einst unschuldig war. Und bin ich gleich abgefallen Fiel ich doch in Gottes Schoß Lieg' da mit den andern allen Heil in seiner Gnade groß. Munter, Herz, schwing dein Gefieder Auf, wohl auf zum Kreuzesbaum Täglich Sonne, täglich Lieder, Alle Nacht ein frommer Traum! Und ein Nest in seine Wunden Meiner Leidensbrut ich bau', Grün liegt seine Erde unten Oben schwebt sein Himmel blau. Und ich seh' auf grüner Aue Eine fromme Magd hinziehn Primlen bricht sie schwer vom Tal, Bis der jüngste Tag erschien. Bricht die Blumen, bricht die Blüte Bricht ihr Herz, die Heilandsfrucht Bietet es dem Gott der Güte Der den dürren Baum verflucht. Und sie spricht mit schwerem Herzen Gestern war mein Leiden schwer, Und ich fragte sie mit Schmerzen Was ihr dann begegnet wär'. Bange zagten meine Ohren, Was sie wohl für Leid angiebt, Weil neun Groschen ich verloren, Sagt sie, bin ich so betrübt. War's Courant? - Ei Gott behüte, Münze war's, dem Herrn sei Dank! - O du Spiegel aller Güte! Machst du mich doch freudenkrank. Denk, vom Dache fällt kein Sperling, Ohne Gott, vom Haupt kein Haar, Aus dem Beutel kein Pfund Sterling, Oder auch neun Groschen bar. Denk, was hatt' ich all verloren Leib und Seel und Gut und Heil Alles ward mir neu geboren Und noch mehr ward mir zuteil. Dich zu kennen, dich zu lieben, Dir zu folgen treu und still, Was mir wird, was mir geblieben, Alles ich dir teilen will. Leben, Kämpfen, Siegen, Sterben Abendrot und Morgenrot, Mitleid mit den armen Erben, Ihnen bleibt die Erdennot. Als die Magd mein Lied vernommen Hat sie freundlich mir genickt, Und der Nebel schien verschwommen, Und ein bißchen Sonne blickt. O lieb Herz! um Jesu willen Fasse einen frischen Mut Laß dich doch sein Herzblut stillen Bist ja Pelikanenbrut. Himmel, Himmel werd' doch heiter, Ach, herrje! da regnet's gar! Liebe Finklein, singt doch weiter, Da versteckte sich die Schar. Liebes, liebes Linum denke An neun Groschen Münze nicht. Doch sie spricht: zur Erde senke Ich des Opfers Fruchtgewicht. Doch es nimmt mit meinen Blüten Ja mein Heiland schon vorlieb, Apfel brauch' ich nicht zu hüten Vor dem schlauen Apfeldieb. Als ich sonst mit brünst'gen Ranke Auch auf goldne Frucht gehofft Hatte ich Kamelgedanken Über mich wohl selber oft. Arme Näherin mußt' lesen Vom Kamel und Nadelöhr Und gab dann dem eiteln Wesen Nimmer wieder ein Gehör. Bin jetzt eine arme Made, Matte Fliege, Stäublein klein, Bin ein Ekel, der aus Gnade Höchstens trägt ein Überbein. Wer giebt um solch schlechte Dinge Wohl neun Groschen Münze hin Drum mir mehr verloren gienge, Als ich selber wert ja bin. So' doch ist der armen Made Keine Speise je zu gut, Selbst für Jesu Leib nicht schade, Schade nicht für Jesu Blut. Ja ganz wohl! die matte Fliege Sitzt auf Gottes Angesicht, Wenn ein Engelsflügel schlüge, Er vertriebe sie da nicht. Stäublein klein! o ja! um nimmer Abzutreten von dem Tanz, Sonnenstäubchen tanzen immer Ohn' zu sinken aus dem Glanz. Ei du Ekel! ja ich eckle Seit ich dich im Herzen trug Vor der Welt, an allem mäckle Ich, nur nie an mir genug. Überbeines Gnaden zähle Überige Gnaden ein Überfleisch und Überseele, Überhimmelsschlüsselbein. Wer kann es dem Herrn verdenken Daß er Milde an dir übt, Dir, die ihm ihr Fleisch will schenken, Dafür Überbeine giebt. War doch Eva auch im Schlafe Nur des Adams Überbein, Eva umgekehrt ward Ave, Mögst du auch gegrüßet sein. Und weil ein Kameles Rücken Nur ein großes Überbein, Mag's drum, wenn die Schuh' dich drücken Gotts Kamelgedanken sein. Und so soll mein Mut nicht wanken Wenn er deinen hinken sieht, Also aus Kamelgedanken Sang ich dir dies Finkenlied.
Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe
1. Meister, ohne dein Erbarmen Muß im Abgrund ich verzagen, Willst du nicht mit starken Armen Wieder mich zum Lichte tragen. 2. Jährlich greifet deine Güte, In die Erde, in die Herzen, Jährlich weckest du die Blüte, Weckst in mir die alten Schmerzen. 3. Einmal nur zum Licht geboren, Aber tausendmal gestorben, Bin ich ohne dich verloren, Ohne dich in mir verdorben. 4. Wenn sich so die Erde reget, Wenn die Luft so sonnig wehet, Dann wird auch die Flut beweget, Die in Todesbanden stehet.
5. Und in meinem Herzen schauert Ein betrübter bittrer Bronnen, Wenn der Frühling draußen lauert, Kömmt die Angstflut angeronnen. 6. Weh! durch gift'ge Erdenlagen, Wie die Zeit sie angeschwemmet, Habe ich den Schacht geschlagen, und er ist nur schwach verdämmet. 7. Wenn nun rings die Quellen schwellen, Wenn der Grund gebärend ringet, Brechen her die gift'gen Wellen, Die kein Fluch, kein Witz mir zwinget. 8. Andern ruf' ich, schwimme, schwimme, Mir kann solcher Ruf nicht taugen, Denn in mir ja steigt die grimme Sündflut, bricht aus meinen Augen. 9. Und dann scheinen bös Gezüchte Mir die bunten Lämmer alle, Die ich grüßte, süße Früchte, Die nur reiften, bittre Galle. 10. Herr, erbarme du dich meiner, Daß mein Herz neu blühend werde, Mein erbarmte sich noch keiner Von den Frühlingen der Erde. 11. Meister, wenn dir alle Hände Nahn mit süßerfüllten Schalen, Kann ich mit der bittern Spende Meine Schuld dir nimmer zahlen. 12. Ach, wie ich auch tiefer wühle, Wie ich schöpfe, wie ich weine, Nimmer ich den Schwall erspüle Zum Kristallgrund fest und reine. 13. Immer stürzen mir die Wände, Jede Schicht hat mich belogen, Und die arbeitblut'gen Hände Brennen in den bittern Wogen. 14. Weh! der Raum wird immer enger, Wilder, wüster stets die Wogen, Herr, o Herr! ich treib's nicht länger, Schlage deinen Regenbogen. 15. Herr, ich mahne dich, verschone, Herr! ich hört' in jungen Tagen, Wunderbare Rettung wohne Ach, in deinem Blute, sagen. 16. Und so muß ich zu dir schreien, Schreien aus der bittern Tiefe, Könntest du auch nicht verzeihen, Daß dein Knecht so kühnlich riefe! 17. Daß des Lichtes Quelle wieder Rein und heilig in mir flute, Träufle einen Tropfen nieder, Jesus, mir, von deinem Blute!
Der Gottheit hoher Tempel ist zerstöret...
Der Gottheit hoher Tempel ist zerstöret Es ründen an der heil'gen Kuppel sich die Töne Nicht mehr in schöne Worte des Gebetes, Und teilen sich im Takte an den Säulen Den' in den Kronen leichte Melodien In lieblicher Verirrung schöner Locken Auf ihre ernsten hohen Stirnen wallen. Zertrümmert ist das herrliche Gebäude Und mit dem Echo ist das Wort gestorben. Vom weiten Himmel hallt kein Lied zurücke, Denn schrecklich ist die Macht des großen Lebens Und unermeßlich ist es hier zu beten.
Heil'ge Nacht, heil'ge Nacht!
Heil'ge Nacht, heil'ge Nacht! Sterngeschloßner Himmelsfrieden! Alles, was das Licht geschieden, Ist verbunden, Alle Wunden Bluten süß im Abendrot! Bjelbogs Speer, Bjelbogs Speer Sinkt ins Herz der trunknen Erde, Die mit seliger Geberde Eine Rose In dem Schoße Dunkler Lüste niedertaucht. Zücht'ge Braut, zücht'ge Braut! Deine süße Schmach verhülle, Wenn des Hochzeitbechers Fülle Sich ergießet. Also fließet n die brünst'ge Nacht der Tag!
Hör’ es klagt die Flöte wieder...
Fabiola Hör', es klagt die Flöte wieder, Und die kühlen Brunnen rauschen. Piast Golden wehn die Töne nieder, Stille, stille, laß uns lauschen! Fabiola Holdes Bitten, mild Verlangen, Wie es süß zum Herzen spricht! Piast Durch die Nacht, die mich umfangen, Blickt zu mir der Töne Licht.
Hörst du wie die Brunnen rauschen,
Hörst du wie die Brunnen rauschen, Hörst du wie die Grille zirpt? Stille, stille, laß uns lauschen, Selig, wer in Träumen stirbt. Selig, wen die Wolken wiegen, Wem der Mond ein Schlaflied singe, O wie selig kann der fliegen, Dem der Traum den Flügel schwingt, Daß an blauer Himmelsdecke Sterne er wie Blumen pflückt: Schlafe, träume, flieg', ich wecke Bald Dich auf und bin beglückt.
Ich bin durch die Wüste gezogen...
Ich bin durch die Wüste gezogen, Des Sandes glühende Wogen Verbrannten mir den Fuß, Es haben die Wolken gelogen, Es kam kein Regenguß. Die Sonne trank mir im Zorne Das Wasser aus jeglichem Borne An dem die Reise geruht, Ich dürste, es leckten die Dorne Meiner brennenden Wunden Blut.
Ich nahm den erschlagnen Kamelen Das Wasser und Blut aus den Kehlen Zu retten mein Weib und Kind, Die Schätze an Gold und Juwelen Begrub im Sande der Wind. Da wühlt' ich mit glühendem Schwerde Den Kindern manch Grab in die Erde Erwühlte mir keinen Quell, Ob Gott sie wohl finden werde, Die Hyänen heulten grell. Ein Kind unterm Mutterherzen Brach mit ihm, in schreienden Schmerzen Gebar sie es sterbend dem Tod, Es goß gleich glühenden Erzen Die Sonne mir Licht in die Not. Gern hätte ich Tränen getrunken, Die Augen weinten nur Funken, Ich wühlt' noch ein Grab in den Sand, Und bin in Verzweiflung gesunken, Ach weil ich kein Wasser fand. Da ward ich zur wandelnden Leiche, Auf daß ich den Brunnen erreiche, Den letzten auf glühender Bahn, Und wie ich so lechzend hinschleiche. Da brüllen die Tiger mich an. Des Tages glühende Schwelle Verbrannte, da kam ich zur Stelle, Der Brunnen war trocken und tot Es glühte zur Mitternacht helle Der Mond wie Kupfer so rot. Der Tod flog auf aus der Wüste, Und schauderte, da ich ihn grüßte, Und floh, da rief ich ihm zu, Daß einer hier sterben müßte, Er schrie mir: Erst lebe du! Denn sterben heißt Ruhe erwerben Drum kannst du nicht leben nicht sterben Der Durst ist unendlich in dir, Dein Erbteil, das will ich nicht erben So schrie er, und eilte von mir. Und heulend flog der Geselle Wüsteinwärts mit Pfeilesschnelle Der Sand schlug rasselnd um ihm, Da traf mich die glühende Welle Ach, daß ich erblindet bin.
O Nacht ohn' Anfang und Ende! Kein Stern, wohin ich mich wende, Kein Bogen, kein Pfeil kein Ziel, Da rang ich betend die Hände, Bis die Decke mir niederfiel. Da fühlt' ich das Ziel mir gekommen Die glühende Leiter erklommen, Ich schrie zu dem bitteren Stern Der Herr hat gegeben, genommen Gelobt sei der Wille des Herrn! Da hört' ich ein Flügelpaar klingen Da hört' ich ein Schwanenlied singen, Und fühlte ein kühlendes Wehn Und sah mit tauschweren Schwingen Einen Engel in der Wüste gehn. Und als ich ihn fragend begrüßte, Sag an, du Engel der Wüste Wie find' ich den Wasserquell? Sprach er: wer treulich büßte, Der steht an der Brunnenschwell'. Sag an, du Engel der Wüste, Und find' ich den Quell, da ich büßte. Wo find' ich Jerusalem Da sprach er: so ich das nicht wüßte. Käm' ich nicht von Bethlehem. So folge nun meinem Gleise, Blind wandeltest du im Kreise, Nach Jerusalem wolltest du, Reich mir die Hand auf der Reise, Du zogst nach Babylon zu. Der Herr trieb tausend Meilen Mich her um dich zu heilen, Zu brechen mein Brot mit dir, Den Becher mit dir auch zu teilen. Wohlauf, nun folge du mir. Und vor ihm kniete ich nieder, Er legte sein tauicht Gefieder Mir kühl um das glühende Haupt, Und sang mir die Pilgerlieder Da hab' ich geliebt und geglaubt. Da sah ich den Himmel wohl offen, Ach Gott! Kühl herniedergetroffen Kam die Gnade, die Segensflut, Da konnte ich endlich auch hoffen, Auf meines Erlösers Blut. Da sang ich, reich treulich die Hände, Die Augen nicht vor meinem Ende, O Schwesterlein von mir Nur nimmer, nimmermehr wende, Du, ich, wir sind nun ein Wir. Ein Tempel sei wo wir knien, Ein Glück sei, für das wir glühen Ein Streit, ein Siegespanier Ein Ort sei, wohin wir ziehen Ein Himmel sei dir und mir. So haben wir da wohl gesungen, Und Hand in Hand da geschlungen Und Flügel in Flügelpaar Uns über die Wüste geschwungen, Die ein Garten voll Segen war. Dies war wohl ein innerlich Sehen Ein innerlich Auferstehen In mir selber erwachte der Geist Die Wüste, das waren die Wehen In denen mein Leben gekreißt. All was ich verloren, begraben, All was ich allein, um zu haben In der heißen Wüste gesucht, Das soll mich im Geiste nun laben, In unverbotener Frucht. O Schimmer, o Lichter, o Farben, O alle ihr goldenen Garben, In Duft, in Sonne, im Tau, Ich schwelge, ich kann nicht mehr darben, Gott grüß' dich mein geistlicher Pfau! Ach alles, was je ich gewesen Kann dir in dem Spiegel ich lesen Kann vor dir in Tränen vergehn Kann vor dir in Reue genesen, Kann mit dir dann auferstehn. Und will dieser Abend verglimmen Laß höher und höher uns klimmen Auf Golgatha sinkt keine Nacht, Es singen da ewige Stimmen Am Kreuze, nun hab' ich vollbracht.
Ich eile hin, und ewig flieht dem Blicke ...
Ich eile hin, und ewig flieht dem Blicke Des Lebens Spiegel fort in wilder Flut, Die Sehnsucht in die Ferne nimmer ruht, Und weinend schaut Erinnerung zurücke Da blickt aus einer Blume neu Geschicke. Zwei blaue Kelche voll von Liebesglut Erwecken in dem Flüchtling neuen Mut; Daß er das Leben wieder jung erblicke. Es hat der Sinn die Aussicht wiederfunden, Er sieht im klaren Strome abgespiegelt, Des Wechsel-Lebens zwiefach-lieblich Bild, Die Fläche ruht und schwillt in tiefen Stunden, Wenn Leidenschaft die Trunkenheit entzügelt, Und Liebe sich dem Strome nackt enthüllt.
Ich kenn' ein Haus, ein Freudenhaus...
Ich kenn' ein Haus, ein Freudenhaus, Es hat geschminkte Wangen, Es hängt ein bunter Kranz heraus, Drin liegt der Tod gefangen. In meinem Mantel trag' ich hin Biskuit und süße Weine, Der Himmel weiß wohl, wer ich bin, Die Welt schimpft, was ich scheine. Die eine liest mir in der Hand Sie will mein Unglück lesen, Die andre malt mich an die Wand, Und nennt mich holdes Wesen. Die dritte weiß sich flink zu drehn Es schwindeln mir die Sinne Und jede dieser bösen Feen Sucht, wie sie mich umspinne. Doch dorten auf den Arm gelehnt Sitzt eine stumm und weinet, Sie hat sich längst mit Gott versöhnt, Und sitzet doch und weinet. Was will sie noch in diesem Haus, Sie muß den Spott erleiden, Es zischt der freche Chor sie aus, Du kannst uns doch nicht meiden. Sie schweigt und weint und trägt den Hohn Den schweren Büßerorden. Man zuckt die Achseln, kennt sie schon Sie ist zur Närrin worden. Doch ich berühr' um sie allein Die himmelschreinde Schwelle, Bei ihr, tret' ich zum Saal herein, Ist meine feste Stelle. Sie achtet's nicht, sie blickt nicht auf. Wenn alle tanzend fliegen, Seh' ich mit stetem Tränenlauf Das bleiche Haupt sie wiegen, So hundert Tage ohne Ruh' Sah ich sie wanken, weinen Und sprach, o Weib, welch Kind wiegst du? Will denn kein Schlaf erscheinen? Du hast dem Leid genug getan, Gieb mir's, ich will dir's tragen. Da schrie ihr Blick mich schneidend an, Doch konnt ihr Mund nichts sagen,
Und neulich nachts, um Mitternacht, Kam ich mit meiner Laute, Die Pforte hat sie aufgemacht, Die noch am Fenster schaute. Sie zieht mich in den Garten fort, Sitzt auf ein Hüglein nieder, Giebt keinen Blick und giebt kein Wort, Und weinet stille wieder. Zu ihren Füßen saß ich hin, Und ehrte ihren Kummer, Da hat mir Gott ein Lied verliehn, Ich sang sie in den Schlummer. Ich sang so kindlich, sang so fromm, Ach säng' ich je so wieder! O Ruhe komm, ach Friede komm, Küß ihre Augenlider! Und da sie schlief, da stieg so hold Ein Kindlein aus dem Hügel, Trug einen Kranz von Flittergold Und einen Taschenspiegel, Und brach ein Zweiglein Rosmarin, Das ihm am Herzen grünet, Und legt' es auf die Mutter hin, Und sprach: Gott ist versühnet. Und wo den Rosmarin es brach. Da bluteten zwei Wunden, Und als es kaum die Worte sprach, Ist es vor mir verschwunden. Die Mutter ist nicht mehr erwacht Noch schläft sie in dem Garten, Ich steh' und sing' die ganze Nacht, Kann wohl den Tag erwarten, Da ruft mich Zucht und Ehr' und Pflicht Aus diesem Haus der Sünde, Doch von der Mutter lass' ich nicht Ob ihrem armen Kinde. Es winkt zurück, wenn ich will gehn, Sitzt an des Hügels Schwelle, Und kann nicht aus dem Spiegel sehn, Sein Flitterkranz glänzt helle. Es brach das Haus, der Kranz fiel ab, Fiel auf den Sarg der Frauen, Ich blieb getreu, tät bei dem Grab Mir eine Hütte bauen.
Und daß die Schuld nicht mehr erwacht. Will ich da ewig singen, Bis Jesus richtend bricht die Nacht, Bis die Posaunen klingen. Oft mit dem Kind in Sturm und Wind, Sing' ich auf meinen Knieen, O Jesus! du gemordet Kind Du hast ja auch verziehen! Ein Tröpflein deines Blutes nur Laß auf die Mutter fallen, Das macht uns rein und klar und pur, Daß wir zum Lichte wallen.
Ich träumte hinab in das dunkle Tal...
Ich träumte hinab in das dunkle Tal Auf engen Felsenstufen Und hab' mein Liebchen ohne Zahl Bald hier, bald da gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Mein lieber Hirt nun sage mir, Hast du Treulieb gesehen, Sie wollte zu den Lämmern hier, Und dann zum Brunnen gehen, Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb in meinem Schoße saß Dort oben an den Klippen Und weil die Wangen ihr so blaß, So küßt' ich ihre Lippen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich blies die Flöte, ich flocht den Kranz Ich gieng ihr Blumen zu pflücken, Ich wollte sie zum Abendtanz, Als meine Buhle schmücken. Treulieb, Treulieb ist verloren! Da hört sie ein schallendes Jägerhorn Da tät sie die Öhrlein stellen Und schwang sich hinüber durch Distel und Dorn Und folgte dem Waldgesellen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte hinab in den dunklen Wald Auf engen Felsenstufen Und habe mein Liebchen, daß es schallt Bald hier, bald da gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein lieber Jäger nun sage mir Hast du mein Lieb gesehen, Sie wollte in das Waldrevier Zu Hirsch und Rehen gehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb lag heut in meinem Arm Im Schatten kühler Eichen Wir herzten uns, es ward ihr warm, Sie gieng ins Bad zu steigen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Der Mühlbursch hell ein Liedlein pfiff Da tauchte Treulieb unter, Und tauchte auf, sprang in sein Schiff, Ohn' Hemd doch frisch und munter. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träume hin an Mühlbachs Rand Auf engen Felsenstufen Und habe in schallender Klippenwand Mein Liebchen oft gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Nun lieber Müller nun sage mir Hase du mein Lieb gesehen Ich gab ihr Korn sie wollte hier Bei dir zur Mühle gehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb ist heut auf weichem Pfühl In meinem Arm entschlafen, Es klang die Schelle es klappte die Mühl', Das Auffüllen hab' ich verschlafen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Und als mich morgens die Reuter geweckt Die hier vorbei gezogen Hat sie der Trompeter in Mantel gesteckt Und mich um sie betrogen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte hin auf der Reuter Zug In Staub erkannt' ich die Hufen Und wo das Herz mir lauter schlug Hab' Treulieb ich gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein lieber Reuter willst du mir Wo Liebchen ist wohl sagen, Ich weiß sie hat geholfen dir Dein Zeltlein aufzuschlagen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb bei mir im Zelte lag, Das Pulfer hat sie gerochen Die ganze Nacht, doch früh am Tag Da ist sie aufgebrochen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Es zog der Bettelstudent vorbei Und spielte auf der Leier Sie guckt hinaus, was es wohl sei Und folgt dem neuen Freier. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte, ich folg' der Leier Klang Hinab viel Felsenstufen Und habe auf dem bittren Gang, Mein Liebchen noch oft gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein lieber Schüler sage mir Hast du Treulieb gesehen Sie wollt', ich weis es wohl, bei dir Zur Singeschule gehen. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Treulieb fraß mit mir auf einmal Wohl Bettelbrot zwei Pfunde Den Wein den sie dem Reuter stahl Trank ich aus ihrem Munde. Treulieb, Treulieb ist verloren! Doch als ich an der Schmiede stand Ums Abendbrot zu singen Viel größre Freude sie empfand An kräft'gem Hammerschwingen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein lieber Meister wohlgestalt Sprach sie zum ruß'gen Mohren Beschlag mich lieber warm als kalt Viel Eisen hab' ich verloren. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumt' zur Schmiede den schwarzen Gang Hinab so viele Stufen Und lauter als der Hammer klang Hab' ich Treulieb gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Der Meister sprach sie hat der Knecht Der Knecht, sie hat der Bube Der Bube wies mich dann zurecht, Zu Todengräbers Stube. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumt' hinab ins Totental Wohl tausend dunkle Stufen Und hab' mein Lieb wohl tausendmal Mit bittrer Angst gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein Todengräber nun sage mir Hast du mein Lieb gesehen Auf ihrer Mutter Grab allhier Wollt' sie die Blumen säen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb lag bei mir manche Nacht Und sang mir freche Lieder Und wenn ich ein Fräulein zu Grab gebracht Da stahl sie ihr den Mieder. Treulieb, Treulieb ist verloren! Sie stiehlt der Braut den Jungfernkanz Die schwarzen Todenschuhe Die zieht sie an und gieng zum Tanz, Und nimmt den Leichen die Ruhe. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Und als sie nach goldnen Ringen sucht Und in den Sarg tät langen, Der tote Jude der tief verflucht Hat zärtlich sie umfangen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Wo ist des toten Juden Grab, Wo ruht der böse Bube Der Totengräber zur Antwort gab Geh nach der Schindergrube. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte zum dunklen Galgen hin Hinauf viel tausend Stufen Und hab' mein Lieb mit wildem Sinn Wie Raben und Geier gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Nun toder Jude sage mir Hast du Treulieb gesehen, Sie wollte ganz allein zu dir Um dich zu taufen gehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Sie lag bei mir zur zwölften Stund, Und hat mir's nicht gedanket Es heulte zum Mond des Schinders Hund Der Gehenkte im Galgen schwanket. Treulieb, Treulieb ist verloren! Da läßt sie die edle vertrauliche Gruft Und stiehlt mir meine Geschmeider Und steigt herauf zu dem luftigen Schuft, Auf der dünnen Galgenleiter. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte hinauf ins leere Schloß Wohl auf der Leiter Stufen Und habe auf jeder Galgenspross' Nach meinem Lieb gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Nun sag' mir mein gehenkter Schuft Hast du Treulieb gesehen, Sie schöpfte hier wohl frische Luft Und wollte um sich sehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Sie hat mit mir im Mondenschein Ein Stündchen sich geschaukelt, Da hob sich Lärm und wildes Schrein Da kam es heran gegaukelt. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Zuerst der Hexen Troß voran Auf Gabeln und auf Besen, Und dann der Meister Urian Der hat sie sich erlesen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Er faßt die Jungfer sich aufs Korn Mit angenehmen Sitten Sie faßt den Teufel bei dem Horn Zum Blocksberg sie dann ritten. Treulieb, Treulieb ist verloren! Ich träumte hinauf die steile Höh' Auf engen Felsenstufen, Und hab' mit Ach und hab' mit Weh Nach meinem Liebchen gerufen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Nun lieber Teufel sage mir Hast du Treulieb gesehen Sie kam allein herauf zu dir, Dich kämpfend zu bestehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb sie küßte mich unterm Schwanz, Ich war ihr wohlgewogen, Doch hat sie mir beim wilden Tanz Ein Ohr schier abgelogen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Geh nimm sie wieder da sitzet sie, Auf einem Katzendrecke, Bist du Treulieb ich laut aufschrie, Als ich das Luder entdecke. Treulieb, Treulieb ist verloren! Mein lieb Treulieb, nun sage mir Hast du Treulieb gesehen Sie soll nun mir in dir allhier Wahrhaftiglich bestehen. Treulieb, Treulieb ist verloren! Treulieb, Treulieb sie sitzt allhie Auf mir dem falschen Schwure. Treulieb ist Dichterphantasie Und ich bin deine Hure. Treulieb, Treulieb ist verloren!
Ich wohnte unter vielen vielen Leuten...
Ich wohnte unter vielen vielen Leuten Und sah sie alle tot und stille stehn, Sie sprachen viel von hohen Lebensfreuden Und liebten, sich im kleinsten Kreis zu drehn; So war mein Kommen schon ein ewig Scheiden Und jeden hab' ich einmal nur gesehn, Denn nimmer hielt mich's, flüchtiges Geschicke Trieb wild mich fort, sehnt' ich mich gleich zurücke. Und manchem habe ich die Hand gedrücket, Der freundlich meinem Schritt entgegensah, Hab' in mir selbst die Kränze all gepflücket, Denn keine Blume war, kein Frühling da, Und hab' im Flug die Unschuld mit geschmücket, War sie verlassen meinem Wege nah; Doch ewig ewig trieb mich's schnell zu eilen, Konnt' niemals nicht des Werkes Freude teilen. Rund um mich war die Landschaft wild und öde, Kein Morgenrot, kein goldner Abendschein, Kein kühler Wind durch dunkle Wipfel wehte, Es grüßte mich kein Sänger in dem Hain; Auch aus dem Tal schallt keines Hirten Flöte, Die Welt schien mir in sich erstarrt zu sein. Ich hörte in des Stromes wildem Brausen Des eignen Fluges kühne Flügel sausen.
Nur in mir selbst die Tiefe zu ergründen, Senkt' ich ins Herz mit Allgewalt den Blick; Doch nimmer konnt' es eigne Ruhe finden, Kehrt' trübe in die Außenwelt zurück, Es sah wie Traum das Leben unten schwinden, Las in den Sternen ewiges Geschick, Und rings um mich ganz kalte Stimmen sprachen: »Das Herz, es will vor Wonne schier verzagen.« Ich sah sie nicht die großen Süßigkeiten, Vom Überfluß der Welt und ihrer Wahl Mußt' ich hinweg mit schnellem Fittich gleiten. Hinabgedrückt von unerkannter Qual, Konnt' nimmer ich den wahren Punkt erbeuten Und zählte stumm der Flügelschläge Zahl, Von ewigen unfühlbar mächt'gen Wogen In weite weite Ferne hingezogen.
Ich wollt' ein Sträußlein binden,
Ich wollt' ein Sträußlein binden, Da kam die dunkle Nacht, Kein Blümlein war zu finden, Sonst hätt' ich dir's gebracht. Da flossen von den Wangen Mir Tränen in den Klee, Ein Blümlein aufgegangen Ich nun im Garten seh'.
Das wollte ich dir brechen Wohl in dem dunklen Klee, Doch fing es an zu sprechen: »Ach tue mir nicht weh! Sei freundlich in dem Herzen, Betracht' dein eigen Leid, Und lasse mich in Schmerzen Nicht sterben vor der Zeit.« Und hätt's nicht so gesprochen, Im Garten ganz allein, So hätt' ich dir's gebrochen, Nun aber darf's nicht sein. Mein Schatz ist ausgeblieben, Ich bin so ganz allein. Im Lieben wohnt Betrüben, Und kann nicht anders sein.
Im Wetter auf der Heimfahrt
Am Dienstagnacht des Winters von 1833-34 gegeben 17. Sept. 1834
O du lieber wilder Regen O du lieber Sturm der Nacht, Da der Finsternis entgegen Ich mein Licht nach Haus gebracht. Sturm du warst ein Bild des Lebens, Licht du warst der Liebe Bild Das im Drang des Widerstrebens Leuchtet unter Jesu Schild. Doch ich bebe, zieht so brausend Spät der Sturm mir noch durchs Haar, Treibt das welke Laub mir sausend Noch im Kreis um den Altar. Meine Lampe flackert, lecket, Rußt die blanke Leuchte an, Zuckend hin und her geschrecket Zeigt ihr Schein mir irre Bahn. Gleich' ich doch dem armen Schwimmer, Der zum teuren Ziele ringt, Den verführt von falschem Schimmer Bald das wilde Meer verschlingt. Alles hab' ich sinken lassen, Sinken alle Lust der Welt, Eines treu ans Herz zu fassen, Was mich über Meer erhält. Eine Gott gefallne Blüte Trägt und hebt mein brennend Herz, Treib o Woge die verglühte Asche endlich heimatwärts. Aber diese Blüte kühlet Ewig mir die heiße Glut, Nie verzehrt, die in mir wühlet, Mich der Flamme irre Wut. O ertränk' mich wilder Regen, Schleudre mich du Sturm der Nacht Einem scharfen Fels entgegen, Daß mein schwerer Traum erwacht. Wind und Wasser um mich zanken, Auf den Bahnen wankt das Licht, Schwarze Wolken der Gedanken Stürzen vor das Weltgericht. Soll ich fliehen, soll ich bleiben, O unnennbar liebes Gut! Wolle mich zum Ziele treiben, Wo die ganze Hoffnung ruht. Alles, was, im Sturm zu schiffen Einst mein banger Arm umfaßt, Treibt um mich, der selbst ergriffen Schwebt ohn' Steuer und ohn' Mast. Eines ist mir nur geblieben, Eines, das ich nie verlor, Ein unsterblich treues Lieben Reißt mich überm Meer empor. Heil dir, die des Sturmes Zügel Mir mit Kinderhänden lenkt, Und die reinen Himmelsflügel Segelnd durch die Nacht hin schwenkt. Immergrüne Dornenkrone Die die Rosen seelwärts flicht, Daß der Leib, aufschreit, o schone! Und der Geist in Wonne bricht.
Ja ich trag' dich dicht am Herzen, Du zerreißest mir die Brust, Doch die Nesselglut der Schmerzen Deckt mir eine heil'ge Lust. Selig, gehst du treu zur Seiten, Schweb' ich durch die Wetternacht, Ist es doch ein süßes Leiden, Wenn die fromme Lippe lacht. O unnennbar lebend Sterben, Himmelsbrot in Erdennot, Lachen in uns selbst die Erben, Macht der Tod die Wangen rot. Tagsanbruch im Augenbrechen, Glühnden Durst machst du zum Trank, Dornen blühn, wenn Rosen stechen, Erdenheil ist himmelskrank. Wer bist du? mit müden Händen Fasset dich ein letzter Traum, Als die Nacht sich wollte wenden Tratst du hell ihr auf den Saum. Lichtes Sprosse - Himmelsleiter, Flüßchen steig' allein nicht auf, Öffne doch die Türe weiter, Treibe meinen müden Lauf. O süß Kind, Geliebte, Schwester, Schatten, Leben, Leid und Lust, Alle Vöglein haben Nester, Und mein Herz hat eine Brust. An der Türe angekommen Sprachst du mir ein freundlich Wort, Hättst mich gerne aufgenommen, Doch mein Richter trieb mich fort. Kann ich einst zu ruhn verdienen Mit dir unter einem Dach, Summen über uns die Bienen Auferstehungsblumen wach. Blumenaug' im Morgengrauen Traumberauscht von Tränentau Wirst du nach dem Bruder schauen Perlen wiegend auf der Au. Wirst süß duftend nicken, blicken Flüstern zu des Gärtners Hand, Sollst den Armen mit mir pflücken Hab' zum Tod ihn treu erkannt.
Ja wenn ich erst kann verdienen, Unter deinem Dach zu ruhn, Ist der Morgen schon erschienen Andres bleibt mir noch zu tun. Muß noch einsam ringend steuern Durch die wilde Wetternacht, Bis zu allen Fegefeuern Mir dein Flügel Kühlung facht. O zu selig, daß ich Armer Stehe in so edler Pein, Daß ich ewig den Erbarmer Seh' in des Gerichtes Schein. Und so bin durch Wind und Wogen Ich wie ein verlornes Kind Durch die Blumen hingezogen, Daß ich dir ein Sträußlein bind', Und der Strauß den ich gepflücket Ist das sturmverwirrte Lied, Würd' er an dein Herz gedrücket, Dann wär' er dem Herrn erblüht. Als ich ihr dies Lied gelesen Ward ich arm und todeskrank, Ach und bin noch nicht genesen Denn ich trank den Zaubertrank.
In dem Lichte wohnt das Heil...
In dem Lichte wohnt das Heil, Doch der Pfad ist uns verloren Oder unerklimmbar steil, Wenn wir außer uns ihn steigen Werden wir am Abgrund schwindeln Aber in uns selbst, da zeigen Klar und rein die Pfade sich Glauben, Hoffen, Lieben, Schweigen, Laß uns diese Pfade steigen, Daß wir nicht am Abgrund schwindeln. Wollte Gott herab sich neigen Und uns seine Hände reichen, Sieh den Gottessohn in Windeln!
In dir ringelt die Träne, auf dir lächelt das Mondlicht...
In dir ringelt die Träne, auf dir lächelt das Mondlicht, Welle, bald Woge, bald Strom, wie dich das Ufer umkränzt, Gifttrank und lieblicher Wein, wie dich die Schale umfaßt. Lethe wird nimmer in dir, Psychen ein Spiegel wohl oft, Aber es tauchet der Schwan ins heilignüchterne Wasser Trunken das Haupt, und singt sterbend dem Sternbild den Gruß.
In Lieb'? - In Lust? - im Tod? Verschmachtet? trunken?
Ob Odem von der süßen Lippe fließt, Was ist's, das der gefallne Becher gießt? Hat Gift, hat Wein, hat Tränen sie getrunken? Kein Öl, die Lampe, oder keinen Funken? Ob ihr ein Gott? ein Krampf? den Mund verschließt? Ob rings nur Dorn, ob keine Rose sprießt, Ist an ein Herz das andre hier gesunken,
Sag? diese Arme wollen Flügel werden - Nein Falten sind es - Leichentuches Falten Das liebe Haupt strahlt Gloria - zerraufte Haare!
Sink nieder, Nacht! Nein! Blitz strahl' zu der Erde Deck' zu, erleucht' des Zweifels Peingestalten Verhüll', enthüll' das Rosenbett, die Bahre.
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