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Annonciatens Bild
Am Hügel sitzt sie, wo von kühlen Reben Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke, Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke, Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben.
Orangen sind ihr in den Schoß gegeben Zu zeigen, wie die Glut sie nur entzücke, Und länger weilt die Sonne, sieht zurücke Zum stillen Kinde in das dunkle Leben.
Der freien Stirne schwarze Locken kränzet Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte, Zur Seite sitzt ein Pfau, der in den Strahlen
Der Sonne, der er sehnend ruft, erglänzet. Mit solchen Farben wollte das Gemüte Von Annonciata fromm ein Künstler malen.
Ans Vaterland
Was wäre der Dichter wunderbar Spiel, Zög's nicht wie Sonne durch innere Nacht; Was wohl der Zauber in Ton und Lied, Der wie der Frühling über Gräber hinzieht, Wenn er die Lebendigtoten nicht weckte, Und nicht die feigen Schlummernden schreckte. Stehet auf! stehet auf! so rufet die Zeit, Es ist der Richttag,der Herr ist nicht weit.
Armes Kind, es fleht dies Lied …
Armes Kind, es fleht dies Lied, Denke nicht, wer es gesungen, Wie der Herr, der auch nur sieht Auf die Herzen und nicht auf die Zungen.
Da ihm heut die Gnade ward, Die kein Heiliger verdienet, Sei dem Bruder auch nicht hart, Sei mit dem Getrennten ausgesühnet.
O vergib mir, so ich dich Je mit Wort und Tat verletzet, Recht von Herzen schmerzt es mich, Sei dir reichlich mit Gebet ersetzet.
Auf Dornen oder Rosen hingesunken ...
Auf Dornen oder Rosen hingesunken? – – Ob leiser Atem von den Lippen fließt – – Ob ihr der Krampf den kleinen Mund verschließt – – Kein Öl der Lampe? – oder keinen Funken? –
Der Jüngling – betend – tot – im Schlafe trunken? – Ob er der Jungfrau höchste Gunst genießt – Was ist's? das der gefallne Becher gießt – – Hat Gift, hat Wein, hat Balsam sie getrunken –
Und sieh! des Knaben Arme Flügel werden – – Nein Mantelsfalten, – Leichentuches Falten Um sie strahlt Heilgenschein – zerraufte Haare –
O deute die undeutlichen Geberden, O laß des Zweifels schmerzliche Gewalten – Enthüll, verhüll das Freudenbett – die Bahre.
Aus Köllen war ein Edelknecht …
Aus Köllen war ein Edelknecht Um Botschaft ausgegangen, Den Vater hielt ihm Engelbrecht Der Bischof hart gefangen.
Er ging gen Arle manchen Tag Er ging in schweren Sorgen, Sein Liebchen ihm im Sinne lag, Der hätt er es verborgen,
Ganz traurig er am Brunnen lag, In Busch und grünen Hecken, Da hört er schallen Hufesschlag, Und ging sich zu verstecken.
Er sah da einen frohen Mann Sein Roß zur Quelle lenken, Ein andrer ritt betrübt heran, Sein Pferd am Born zu tränken.
Betrübter Mann! der frohe sprach Gott woll dir Trost verleihen! O froher Mann! der andre sprach Was mag dich so erfreuen!
Herr Gottschalk sprach der frohe Mann Geht frei aus seinen Banden, Durch ein Mirakel er entrann Mit allen den Verbannten.
Er hatte eine kleine Maus Im Kerker zahm erzogen, Die ging da freundlich ein und aus, Und war ihm gar gewogen.
Doch einst sein kleiner Freund entlief, Und wollte nicht mehr kehren, Herr Gottschalk ihr gar traurig rief Das Mäuslein wollt nicht hören.
Das schmerzte den getreuen Mann, Sein Mäuslein wollt er haben, Mit seinen Freunden er begann, Nach ihrem Freund zu graben.
Und in der Erde eingescharrt Fand Meißel er und Feilen, Womit er ihre Bande hart, Gar leichtlich konnt zerteilen.
Der andre sprach, mein Schwesterlein Es liegt gar schwer gefangen, Und selbst das treue Mäuslein dein Könnt nicht zu ihr gelangen.
Des Schlosses Dach ist Himmelblau, Die Mauren grüne Wellen, Die Graben rings sind Flur und Au, Die Fenster Fluß und Quellen.
Der süße Knecht die Liebe brach In ihres Herzens Kammer, Ihm stürzten die Gesellen nach, Der Schmerz und böser Jammer.
Die Liebe blies das Lämpchen aus Die Schmerzen sie bezwungen, Und legten sie ins kühle Haus Wohl auf den Tod gefangen.
Am Fels wo wild der Rhein zerschellt, Wo bös die Schiffe stranden, Dort ewig Sie gefangen hält, Der Schlund in kühlen Banden.
Ein Freund des Bischofs sie belog, Herr Hermann sei erschlagen, Der insgeheim aus Köllen zog Den Vater zu erfragen.
Dann zäumten sie die Rosse auf Und rüst'ten sich zu scheiden Und gaben sich den Handschlag drauf Den Bischof zu bestreiten.
Und da sie aus dem Walde schon, Trat wieder zu der Quelle Hermann des treuen Gottschalks Sohn Der traurige Geselle.
Er schrie hinab zum Wasserschloß, Wo bös die Schiffe stranden, Wer macht mein Lieb von Feßlen los, Wer löset ihr die Banden,
Lebwohl lebwohl, Herr Vater mein, Leb frei in großen Ehren, Ich hab verlorn das Mäuslein klein, Das tut mich gar beschweren,
Lebwohl lebwohl, o Kerker mein Das Mäuslein ist verloren, Mein Schwert muß meine Feile sein, Da tät er sich durchbohren.
Und stürzt hinab ins kühle Haus, Wo Liebchen liegt gefangen, O Liebchen breit die Arme aus Ihn treulich zu umfangen.
Und läg gefangen im kühlen Haus Die mich so hart betrogen, Sie hätte, eh dies Liedchen aus Mich auch hinab gezogen –
Bestellte Poesie
Bleib nur stille, Gottes Wille Hat auch dich ja ausersehn, Alle Armut, alle Fülle Wird auch dir vorübergehn.
Bleib nur innig Treu und sinnig, Wie dich auch der Engel grüßt, Spreche: Deine Magd, Herr! bin ich, Die dir nie ihr Herz verschließt.
Bleib nur heiter, Blick nicht weiter Als zum Hirten, der dich führt. Sorge bricht die Himmelsleiter, Weil sie aus der Erde rührt.
Bleib vertrauend Aufwärts schauend, Nimm nur fremde Not ans Herz, Und auf die Verheißung bauend Trag die Erde himmelwärts.
Bleib nur selig, Ach allmählich Wird die Nacht vorüber gehn, Denk, nur wenge Stunden zähl ich, Schlafengehn wird Auferstehn.
Bleib nur liebend, Wenn betrübend Alles Leben treulos scheint, Stirb du, allen Liebe übend, Dann stirbst du dem Herrn vereint.
Bleib in Frieden, Ungeschieden, Eng getraut dem einzgen Gut, Der die Arm' ausstreckt hienieden, Bis Süßlieb am Herz ihm ruht.
Bleib nur betend, Wenig redend, Sorge für dein Gartenbeet, Säend, pflanzend, stützend, jätend, Bis es reif zur Ernte steht.
Bleib nur kindlich, Unverbindlich Dieser lügenvollen Welt, Einem nur unüberwindlich Wirk dein Herz ins Siegsgezelt.
Bleib nur leise, In dem Gleise, Wird zum Ernste einst das Spiel Und die wirre, bunte Reise Tritt zum lichtgeschmückten Ziel.
Bleib nicht, allen Zu gefallen, Wählend auf dem Scheideweg, Ob links?, rechts? zum Traum zu wallen? Segnend dich zur Seite leg.
Bleib nur hüpfend Und entschlüpfend, Allen ab- und zugewandt, Alle Schleifen hier verknüpfend Führen nicht ins Vaterland.
Bleib lebendig, Ganz abwendig Werd mir nie, o sei mir fromm, Mit dir leb ich, mit dir end ich – Fleh! daß uns sein Reich zukomm!
Bleib demütig! Einstens blüht ich, War doch nie so froh wie du, Arm war ich und übermütig, Gott und du ihr sah't mir zu!
Bleib geduldig, Denn ich huldig' Aller Huld allein in dir, Strafe, lohn'? was all verschuld ich? Gib stumm Kind, ach gib es mir!
Bleib, wie üblich, Fein und lieblich, Zäh und kraus, das arme Kind, Dessen Fesseln, nie verschieblich, Nimmer ich mein Herz entwind.
Bleib nicht länger Aus, denn enger, Immer enger, wird die Brust Deinem armen kranken Sänger – Dessen Herz du stimmen mußt.
Bleib nur bleibend, Blüten treibend, Bis der Herr zur Ernte geht, Für mich Ärmsten dieses schreibend, Opfre Früchte im Gebet!
Bleib das süße Ziel der Grüße, Grüß dich Gott viel tausendmal, Auf dem Baum im Paradiese Liebste Frau von Nachtigall!
Brautgesang
Komm heraus, komm heraus, o du schöne, schöne Braut, Deine guten Tage sind nun alle, alle aus. Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer, Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr! Mußt die Mägdlein lassen stehn, Mußt nun zu den Frauen gehn.
Lege an, lege an heut auf kurze, kurze Zeit Dein Seidenröslein, dein reiches Brautgeschmeid. Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer, Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr! Mußt die Zöpflein schließen ein Unterm goldnen Häubelein.
Lache nicht, lache nicht, deine Gold- und Perlenschuh Werden dich schön drücken, sind eng genug dazu. Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer, Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr! Wenn die andern tanzen gehn, Mußt du bei der Wiege stehn.
Winke nur, winke nur, sind gar leichte, leichte Wink' Bis den Finger drücket der goldne Treuering. Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer, Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr! Ringlein sehn heute lieblich aus, Morgen werden Fesseln draus.
Springe heut, springe heut deinen letzten, letzten Tanz. Welken erst die Rosen, stechen Dornen in dem Kranz. Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer, Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr! Mußt die Blümlein lassen stehn, Mußt nun auf den Acker gehn.
Das Elend soll ich einsam bauen …
Das Elend soll ich einsam bauen, O schweige nur, ich kenn das Leid, Den heißen Schmerz des kranken Pfauen Der nach der Sonne klimmend schreit, Ich fühle in dem Abendgrauen Der Nächte finstre Bitterkeit Ich war im seligsten Vertrauen Von je dem grimmen Schmerz geweiht Und soll das Elend einsam bauen.
Das Elend soll ich einsam bauen, Die Brunnen die ein Zauberschlag Hervorrief auf den dürren Auen Sie wenden sich, der junge Tag Will nicht mehr auf mich niedertauen Das Leben bricht mir den Vertrag Ich soll nun in die Wüste schauen, Ich, der der Einsamkeit erlag Soll einsam nun das Elend bauen
Das Elend soll ich einsam bauen Mir wie dem ersten Mann geschah Als in des Paradieses Auen Der Herr ihn einsam trauern sah Schuf er aus seiner Brust die Frauen, Der Himmel war der Erde nah Doch mit dem menschlichen Vertrauen War Schlange Frucht und Tod auch da. Drum muß ich einsam Elend bauen
Das Elend soll ich einsam bauen Verdorben war ich durch das Weib Wollt in der Jungfrau neu mich schauen, Die Gott verhießen, daß sie's bleib. Maria, Zuflucht der Jungfrauen, Erhalt dem Herren ihren Leib, Laß sie nicht blinder Not vertrauen Ob Erde sie vom Himmel treib. Ich muß mein Elend einsam bauen.
Das Elend soll ich einsam bauen O Jesus höre mein Geschrei Brich meiner Seele tiefes Grauen O Jesus, führ den Kelch vorbei Mach von der Hölle giftgen Klauen O Jesus meine Seele frei Ein armes kindliches Vertrauen O Jesus meinem Geist verleih Hilf mir mein Elend einsam bauen.
Das Elend soll ich einsam bauen –, Wohl auf mein Stab nach Jericho! Und will dir's vor der Wüste grauen, Gedenk der Kreuzweg führet so, Und fällst du in die Mörderklauen, So kommt die Liebe irgendwo Dir aus der Ferne zuzuschauen, Und läßt dich einsam Elend bauen.
Das Elend soll ich einsam bauen, Weil selbst die Liebe einsam ist, Ein reines Tier muß wiederkäuen, Einsam, was es gesellig frißt, Die Liebe ist jetzt am Verdauen Und fühlt nicht, daß du hungrig bist Das aber grad muß dich erbauen Das Elend auszubauen.
Des toten Bräutigams Lied
Ich ging auf grünen Wegen Und trug den Hochzeitskranz, Treu Lieb ging mir entgegen Geschmückt mit gleichem Glanz. O wie blinkte ihr Krönlein schön, Eh die Sonne wollt untergehn!
Und als die lichte Wonne Sich unter Wolken barg, Da spielt die letzte Sonne Im Kranz auf meinen Sarg. O wie blinkte etc.
Es ging im Witwenschleier Treu Lieb mit mir zu Grab, Und schwur, mein einzger Freier Sinkt mir mit dir hinab. O wie blinkte etc.
Sie steckt die Myrtenkrone Auf meinen Totenkranz, Die Weiber sprachen: Schone Ihn für den neuen Hans. O wie blinkte etc.
Sie wollt ihn mir nur geben, Wollt keines andern sein, Da lacht das volle Leben Mir in das Grab hinein. O wie blinkte etc.
Wer meine Kron erblickte Und ihre Myrte drauf, Zu seinem Nachbar nickte: Der wacht einst selig auf. O wie blinkte etc.
Doch als neun Monde gingen Stets müder durch den Sand, Den Strohkranz sie ihr hingen Ans Haus ob ihrer Schand. O wie blinkte etc.
Und die ihr Häcksel streuen Zur Nacht vor ihre Tür, Die hören's Kindlein schreien, Ich kann ja nichts dafür. O wie blinkte etc.
Auf meiner Krone wehen Noch ihre Myrten stets, Doch die sie schimmern sehen, Die sprechen: ja so geht's! O wie blinkte etc.
Dem Tode hingegeben Hat sie ihr Kränzlein leicht, Da hat das schlechte Leben Den Strohkranz ihr gereicht, O wie blinkte etc.
Ihr Kind am Kirchhof spielet, Und mit dem Abendlicht Hin nach dem Kränzlein schielet, Und recht unschuldig spricht, O wie blinkte etc.
Da hatt ich keine Ruhe Und mußte auferstehn, Und ging aus meiner Truhe Das Kränzlein einzusehn, O wie blinkte etc.
Ich wollt den Kranz mir holen, Ins Grab mir auf das Herz, Das Kind hat ihn gestohlen, Da fühlt ich wieder Schmerz, O wie blinkte etc.
Konnt nicht die Stimm erheben, Nicht schreien: Den Kranz gib her, Das Totsein wie das Leben War mir unendlich schwer. O wie blinkte etc.
Da half mir das Gewissen, Es nahm dem Kind den Kranz, Ich hab ihn unzerrissen, Ich hab ihn rein und ganz. O wie blinkte etc.
Um einen guten Namen Freit sie den ärmsten Mann, Da sie zur Kirche kamen, Sah sie die Kron nicht an, O wie blinkte etc.
Da sprach ich aus der Truhe: Hab Dank für Lust und Schmerz, Dein Kranz mit ewger Ruhe Kühlt mir das treue Herz, O wie blinkte etc.
Wohl mir, daß ich gestorben, Als er im vollen Glanz, Mir bist du nicht verdorben, Ich habe deinen Kranz. O wie blinkte etc.
Treu will ich ihn aufheben, Wenn wir uns wiedersehn, Sollst du im bessern Leben Mit ihm gezieret gehn. O wie blinkte etc.
Denn eine einzge Treue Ist aller Liebe wert, Und eine einzge Reue Zerbricht das Richterschwert, O wie blinkte etc.
Dies hört sie, ist gegangen Still mit dem armen Mann, Und sah nun ohne Bangen Mein einsam Krönlein an! O wie blinkte etc.
Und wenn die Abendwinde Leis durch die Kronen ziehn, Spricht sie zu ihrem Kinde, Gottlob, die Zeit geht hin. O wie blinkte mein Krönlein schön, Eh die Sonne wollt untergehn!
Die Klage, sie wecket …
Die Klage, sie wecket Den Toten nicht auf, Die Liebe nur decket Den Vorhang dir auf.
Man liebt und was immer Das Leben belebt, Mit fassenden Sinnen Die Augen erhebt.
Das zarte Umfassen, Es löst sich so bald, Die Augen erblassen Es stirbt die Gestalt.
Die Liebe, sie schicket Die Klage ihr nach Die Liebe, sie blicket Den Toten bald wach.
Die Klage, sie wecket Die Toten nicht auf, Die Liebe nur decket Das Leben dir auf.
Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen …
Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen, Und Hoffnung bietet mir die Freiheit an; Ich binde mich den heiligen Gesetzen, Und alle Pflicht erscheint ein leerer Wahn. Es stürzen bald des alten Glaubens Götzen, Zieht die Natur mich so mit Liebe an. O süßer Tod, in Liebe neu geboren, Bin ich der Welt, doch sie mir nicht verloren.
Die Liebe lehrt …
Die Liebe lehrt Mich lieblich reden, Da Lieblichkeit Mich lieben lehrte.
Arm bin ich nicht In Deinen Armen, Umarmst du mich Du süße Armut.
Wie reich bin ich In Deinem Reiche, Der Liebe Reichtum Reichst du mir.
O Lieblichkeit! O reiche Armut! Umarme mich In Liebesarmen.
Die Lilie blüht, ich bin die fromme Biene …
Die Lilie blüht, ich bin die fromme Biene, Die in der Blätter keuschen Busen sinkt, Und süßen Tau und milden Honig trinkt, Doch lebt ihr Glanz, und bleibet ewig grüne So [ist] dann selig mein Gemüt Weil meine Lilie blüht! Die Lilie blüht, Gott, laß den Schein verziehn, Damit die Zeit des Sommers langsam geht, Und weder Frost noch andre Not entsteht, So wird mein Glück in dieser Lilie blühn, So klingt mein süßes Freudenlied: Ach, meine Lilie blüht!
Draus bei Schleswig vor der Pforte …
Draus bei Schleswig vor der Pforte Wohnen armer Leute viel, Ach des Feindes wilder Horde Werden sie das erste Ziel. Waffenstillstand ist gekündet Dänen ziehen ab zur Nacht, Russen, Schweden stark verbündet, Brechen her mit wilder Macht. Draus bei Schleswig steht vor allen Weit ein Häuslein ausgesetzt.
Draus bei Schleswig in der Hütte Singt ein frommes Mütterlein, Herr, in deinen Schoß ich schütte Alle meine Angst und Pein. Doch ihr Enkel ohn Vertrauen, Zwanzigjährig neuster Zeit, Hat den Bräutigam zu schauen Seine Lampe nicht bereit. Draus bei Schleswig in der Hütte Singt ein frommes Mütterlein.
Eine Mauer um uns baue Singt das fromme Mütterlein, Daß dem Feinde vor uns graue Hüll in deine Burg uns ein. Mutter, spricht der Weltgesinnte, Eine Mauer uns ums Haus Kriegt unmöglich so geschwinde Euer lieber Gott heraus. Eine Mauer um uns baue: Singt das fromme Mütterlein.
Enkel fest ist mein Vertrauen, Wenn's dem lieben Gott gefällt, Kann er uns die Mauer bauen, Was er will ist wohl bestellt. Trommeln rommdidomm rings prasseln Die Trompeten schmettern drein, Rosse wiehern, Wagen rasseln, Ach nun bricht der Feind herein, Eine Mauer um uns baue Singt das fromme Mütterlein.
Rings in alle Hütten brechen Schwed und Russe mit Geschrei, Lärmen, fluchen, drängen, zechen. Doch dies Haus ziehn sie vorbei. Und der Enkel spricht in Sorgen Mutter, uns verrät das Lied. Aber sieh, das Heer vom Morgen Bis zur Nacht vorüberzieht. Eine Mauer um uns baue Singt das fromme Mütterlein.
Und am Abend tobt der Winter An das Fenster schlägt der Nord Schließt den Laden, liebe Kinder, Spricht die Alte und singt fort Aber mit den Flocken fliegen Vier Kosakenpulke an. Rings in allen Hütten liegen Sechzig, auch wohl achtzig Mann. Eine Mauer um uns baue Singt das fromme Mütterlein.
Bange Nacht voll Kriegsgetöse, Wie es wiehert, brüllet, schwirrt, Kantschuhhiebe, Kolbenstöße. Weh, des Nachbars Fenster klirrt Hurrah, Stupai, Boschkai, Kurba, Vinu, Gleba, Biba, Rack Schreit und flucht und plackt die Turba. Erst am Morgen zieht der Pack. Eine Mauer um uns baue Singt das fromme Mütterlein.
Eine Mauer um uns baue Singt sie fort die ganze Nacht. Morgens ward es still, o schaue Enkel, was der Nachbar macht! Auf nach innen geht die Türe, Nimmer käm er sonst hinaus. Daß er Gottes Allmacht spüre, Lag der Schnee wohl mannshoch draus. Eine Mauer um uns baue, Sang das fromme Mütterlein!
Ja der Herr kann Mauern bauen. Liebe fromme Mutter komm, Gottes Mauer anzuschauen, Sprach der Enkel und ward fromm. Achtzehnhundertvierzehn war es, Als der Herr die Mauer baut, In der fünften Nacht des Jahres Hat's dem Feind vor ihr gegraut. Eine Mauer um uns baue, Sing ich mit dem Mütterlein.
Dürstest du nach ewger Liebe …
Dürstest du nach ewger Liebe, Oh, so flehe nicht zum Herrn, Denn in deines Herzens Kern Steht die Quelle, Und darüber steht ein Stern, Er wird dich mit seiner Helle Immer tief zum Guten rühren Und zur Quelle würdig führen. Da magst du den Durst erquicken, Und wirst du im Niederblicken Gottes Bild im Wasserspiegel Mit dir, in dir spiegeln sehn, Grüß ihn stille. Ewig wirst du dann am Spiegel Ewig, ewig blühend stehn. Also ist des Herren Wille.
Wenn du fromme Sitte übest, Dich mit Zucht und Tugend kränzest Und den Spiegel nimmer trübest, Sieh dann! wie du selig glänzest, Und wird er dich wieder grüßen, Wirst du ganz von Wonne schwer Dich wie keusche Blumen bücken, Alles Liebe in dich schließen, Und es wird der Herr dich pflücken Und des Brunnens irdsches Siegel Brechen, daß ein weites Meer Wird die Quelle, himmelsspiegel. Sonne, Mond und alle Sterne Stehn dann über dir so klar, Und das Nahe und das Ferne Wird dir eigen, wird dir wahr.
Ein Becher voll von süßer Huld …
Ein Becher voll von süßer Huld Und eine glühnde Ungeduld Und eine arme trunkne Schuld Sie lehren mich zu flehen!
Du Becher voll von süßer Huld Vergib der glühnden Ungeduld Vergib die arme trunkne Schuld, Die ins Gericht will gehen.
Den Becher voll von süßer Huld Darf heut die glühnde Ungeduld Zur Buße armer trunkner Schuld Nicht sehn, und möcht vergehen!
Das freut den Becher süßer Huld Das schmerzt die glühnde Ungeduld Das straft die arme trunkne Schuld Mit bittern, bittern Wehen.
O Becher voll von süßer Huld, Woll' nicht die glühnde Ungeduld, Ob ihrer armen trunknen Schuld, Die heute büßt, verschmähen.
Fließ über Becher süßer Huld, Werd Asche glühnde Ungeduld, Die mag die arme trunkne Schuld Gemischt mit Tränen säen.
Auf daß du Becher süßer Huld Um dich in Schmerzen der Geduld, Still auf dem Grab der armen Schuld Die Lilie kann erstehen.
Die Lilie, die voll süßer Huld, Du sahst im Garten der Geduld Mit Stern und Engel ohne Schuld Du leuchten hast gesehen.
Ein Ritter an dem Rheine ritt ...
Ein Ritter an dem Rheine ritt In dunkler Nacht dahin, Ein Ritterlein, das reitet mit Und fragt: wohin dein Sinn?
Mein Sinn, der steht nach Minnen, Ich hab mich rumgeschlagen, Und konnt doch nichts gewinnen, Und mußt das Leben wagen.
Ei hast du nicht die Ehr davon? Die Ehr ist hohes Gut – Ich hätt die liebe Zeit davon, Die Ehr ist mir kein Gut. –
Mein Blut ist hingeflossen Rot zu der Erde nieder, So warm ich es vergossen, Gibt mir's die Ehr nicht wieder.
Da sprach das kleine Ritterlein: Daß Gott sich dein erbarm! Du mußt ein schlechter Ritter sein, Weil deine Ehr so arm. –
Ich will nun mit dir rechten, Weil du nicht ehrst die Ehre; Mein Ehr will ich verfechten, Setz deine nur zur Wehre.
Des Ritters Unwill war sehr groß, Drum er vom Rosse sprang, Auch machet sich der kleine los Und sich zur Erde schwang. –
Da fühlt sich der Geselle Von hinten fest umwinden, Es ist die Nacht nicht helle, Sie streiten wie die Blinden.
Und sinken beide in den Klee – Ei sprich! wer hat gesiegt! Der Ritter ohne Ach und Weh Bei einer Jungfrau liegt.
Ei hast du nicht die Ehr davon? Die Ehr ist hohes Gut – Ich hätt die liebe Zeit davon, Die Ehr ist mir kein Gut. –
Einsam will ich untergehn …
Einsam will ich untergehn, Keiner soll mein Leiden wissen! Wird der Stern, den ich gesehn, Von dem Himmel mir gerissen, Will ich einsam untergehn Wie ein Pilger in der Wüste.
Einsam will ich untergehn Wie ein Pilger in der Wüste! Wenn der Stern, den ich gesehn, Mich zum letzten Male grüßte, Will ich einsam untergehn Wie ein Bettler auf der Heide.
Einsam will ich untergehn Wie ein Bettler auf der Heide! Gibt der Stern, den ich gesehn, Mir nicht weiter das Geleite, Will ich einsam untergehn Wie der Tag im Abendgrauen.
Einsam will ich untergehn Wie der Tag im Abendgrauen! Will der Stern, den ich gesehn, Nicht mehr auf mich niederschauen, Will ich einsam untergehn Wie ein Sklave an der Kette.
Einsam will ich untergehn Wie der Sklave an der Kette! Scheint der Stern, den ich gesehn, Nicht mehr auf mein Dornenbette, Will ich einsam untergehn Wie ein Schwanenlied im Tode.
Einsam will ich untergehn Wie ein Schwanenlied im Tode! Ist der Stern, den ich gesehn, Mir nicht mehr ein Friedensbote, Will ich einsam untergehn Wie ein Schiff in wüsten Meeren.
Einsam will ich untergehn Wie ein Schiff in wüsten Meeren! Wird der Stern, den ich gesehn, Jemals weg von mir sich kehren, Will ich einsam untergehn Wie der Trost in stummen Schmerzen.
Einsam will ich untergehn Wie der Trost in stummen Schmerzen! Soll den Stern, den ich gesehn, Jemals meine Schuld verscherzen, Will ich einsam untergehn Wie mein Herz in deinem Herzen.
Engel, die Gott zugesehn …
Engel, die Gott zugesehn Sonn und Mond und Sterne bauen, Sprachen: Herr, es ist auch schön, Mit dem Kind ins Nest zu schauen.
Es ist keiner je allein …
Es ist keiner je allein, Wär auch Erd und Himmel Stein, Schien kein Mond, kein Sternenschein, Grüßte auch kein Lüftelein, Sänge auch kein Vögelein: Kehrt in jedem Herzen rein Doch der liebe Gott stets ein.
Es sang vor langen Jahren …
1. Es sang vor langen Jahren Wohl auch die Nachtigall, Das war wohl süßer Schall Da wir zusammen waren 2. Ich sing und kann nicht weinen Und spinne so allein, Den Faden klar und rein So lang der Mond wird scheinen 3. Da wir zusammen waren Sang süß die Nachtigall Nun mahnet mich ihr Schall Daß du von mir gefahren 4. So oft der Mond mag scheinen, Gedenk ich dein allein, Mein Herz ist klar und rein, Gott wolle uns vereinen 5. Seit du von mir gefahren Singt stets die Nachtigall Ich denk bei ihrem Schall Wie wir zusammen waren 6. Gott wolle uns vereinen, Hier spinn ich so allein, Der Mond scheint klar und rein, Ich sing und möchte weinen.
Es senke sich ein leiser Traum hernieder …
Es senke sich ein leiser Traum hernieder Der ihr der eignen Schönheit Gürtel löst Und sanften Blicks mit schmeichelndem Gefieder Des eignen Herzens Fülle ihr entblößt. Im leichten Spiel küss' sie der eignen Lieder Gestalten, und der leise Kuß erlöst Die Blume von der Träne die sie drücket Daß sie zum Grabe müd sich bücket.
Es setzten zwei Vertraute …
Es setzten zwei Vertraute Zum Rhein den Wanderstab, Der braune trug die Laute, Das Lied der blonde gab.
Es stehet im Abendglanze …
Es stehet im Abendglanze Ein freies heiliges Haus Da sehen mit schimmernden Augen Viel Knaben und Jungfraun heraus, Dort hab ich mein Liebchen gesehen Ein freundliches zierliches Kind, Sie konnte wohl schweben und drehen, Wie fallende Blüten im Wind
Und die in dem Hause wohnen Sind heilig und wissen es nicht Sie leben mit Kränzen und Kronen Alltäglich ein neues Gedicht Sie sind gleich den Göttern und handlen Wohl täglich in andrer Gestalt, Mein Liebchen wird auch sich verwandlen
O Liebchen, wo bist du geblieben, Ich steh vor dem schimmernden Haus, Und will dich bescheiden nur lieben O Liebchen o sehe heraus Ich will dein pflegen und warten, Im Herzen so treu, als ich kann, Da seh ich dich sitzen im Garten Wohl bei einem reichen Mann.
So kauf ich mir Rechen und Spaten Bind mir ein grün Schürzelein vor Und poche wohl als ein Gärtner An des reichen Mannes Tor Tu auf, tu auf den Garten, Ich will dir wohl ohne Sold Die Blumen all pflegen und warten Sie sind ja mein Silber und Gold.
So sei mir o Gärtner willkommen Zieh hoch die Blumen mir Zieh lang sie zu blühenden Ketten Ich habe ein Vögelchen hier, Zieh hoch und dicht eine Laube Zieh mir ein Gitterhaus Daß keiner mein Vogelchen raube, Und es nicht fliege aus,
Da klingt wohl sanft und süße Im Garten ein heilig Lied Die Bäume senden Grüße, Die Blume lauschend blüht, Da seh ich mein Liebchen so weinen, So blicken zu mir herauf, Die Sonne will nicht mehr scheinen, Die Blumen sie gehen nicht auf.
So hast du dann verlassen Der Götter freies Haus Der Locken Gold muß blassen, Der Augen Licht geht aus O Liebchen o sei nicht so munter, Du hast vergeudet dein Los, Dein Sternlein, es ging ja unter Tief in des Meeres Schoß
Ans Meer will ich mich stellen Betrübt im Abendschein, Und sehen, wie in die Wellen Versinkt dein Sternelein, Und niedersehn und weinen, Die Tränen all hinab, Sie wollen sich ja vereinen Mit deines Sternes Grab.
Dies Lied hab ich ersonnen Wohl vor dem Zauberhaus, Das glänzt in der Abendsonnen, Du blickst nicht mehr heraus Als Jugend um Liebe mußt brennen In irrem Liebeswahn, Da konnte sie ihn nicht erkennen, Und blickte so hell ihn doch an.
Es war einmal die Liebe …
Es war einmal die Liebe, Die himmelsklare Liebe, Wohl in gerechtem Zorn, Und sprach zum blinden Triebe: Verzeih! heut kriegst du Hiebe Ganz recht mit einem Dorn.
Da zagt der Trieb betroffen, Doch kaum hat ihn getroffen Der Liebe Dornenstreich, Sind alle Knospen offen, Der Dorn ganz ohn Verhoffen Schlug aus voll Rosen gleich.
Es war einmal die Liebe, Die himmelsklare Liebe, Sie war vom Trieb betrübt, Und sprach zum blinden Triebe: An dir, du Friedensdiebe, Wird Rache heut geübt.
Doch, als sie sich will rächen, Entstürzt in Tränenbächen Das Mitleid ihrer Brust, Sie kann den Stab nicht brechen, Die Lieb wird aller Schwächen Des Triebes sich bewußt.
Es war einmal die Liebe, Die himmelsklare Liebe, Sie war vom Trieb gekränkt, Und sprach zum blinden Triebe: Wenn dir kein Trost auch bliebe, Heut wird dir's nicht geschenkt.
Und, um ihm zu gedenken, Will sie ein Füllhorn senken Voll von Gerechtigkeit, Und hat mit Fahnenschwenken Den Richtplatz mit Geschenken Der Gnade überstreut.
Ei sag einmal du Liebe, Du himmelsklare Liebe, Wer hat dich das gelehrt, Daß man dem blinden Triebe Für strenge Dornenhiebe Nur Rosen mild beschert,
Und daß man für die Rute Dem blinden Übermute Nur süßen Honig gibt. Das lehrte dich der Gute, Der dich mit seinem Blute In deiner Schuld geliebt.
Da sang einmal der Liebe, Der himmelsklaren Liebe, Der Trieb dies Liebeslied, Daß Lieb dem blinden Triebe Das Licht ins Herz einübe, Das ihr im Auge blüht.
Da sah der Trieb verkläret, Was Liebe ihm gewähret, Und beide sprachen fromm: Du hast mich Trost gelehret, Du hast mir Licht bescheret, Trieb sei der Lieb willkomm!
Da faßt einmal die Liebe, Die himmelsklare Liebe Sich einen frischen Mut Und ward dem blinden Triebe, Daß er nicht irrend bliebe, Ein Blindenführer gut.
Da lernt der Trieb das Lieben, Da ward die Lieb getrieben, Bis sehend er, sie blind, Und beide sind's geblieben, Und ich hab es geschrieben, Lies du und bleib ein Kind!
Faselei Aus den heidnischen Studentenjahren in Jena
Vieles gaben die Götter mir, Und ich bete die sieben Bitten ohne Entbehren, Aber eines blieb mir versagt, Eines nur zähmt mir Mächtig den Übermut, Bannt mich zur Erde Nieder, den armen Sterblichen Sohn.
Wenn ich die hellen, Emsigen Tage, Suchend durchirrte Wenn ich die dunklen Einsamen Nächte Sinnend durchwachte, Bleibe ich suchend, Bleibe ich sinnend, Nimmer ach finde ich Nimmer ersinne ich Wie ich erlangen mag Die achte Bitte.
Bilden wohl kann ich manches, Lieder dichten und singen, Gerne auch leiht mir Und meinem Werke Die empfänglichen Sinne Mein Liebchen.
Aber Ruhe, Ruhe Wo wohnt sie Ach Ruhe, die nimmer Sich mir gesellet, Ewiges Wühlen Niederdringen mit Schwerkraft Zur tiefen göttlichen Mitte, Die alles festhält An des Herzens Pochender Werkstatt, Ewiges Ringen, Aufstreben mit Lichtes Leichte Zur hohen göttlichen Oberfläche, Die alles anschaut Mit des Auges Widerstrahlendem Spiegel. Nach euch beiden unzertrennliche Tiefe und Höhe Nach dir Natur Ringt zur Vollendung Das arme Erdenkind.
Sechs sind Tage Die Gott gebildet hat, An seinem Wohnhaus, Der verewigenden, ewigen Wunderbaren Natur Und an dem siebenten Tage da ruhte er Sieben sind Bitten Die ich geflehet habe In sieben Tagen, An seines Hauses Herrlicher Schwelle Und alle sieben Sind mir gewähret. Aber die achte Kann er nicht hören Denn er ruhet
Herr so zürne nicht, Daß ich Dir gleichen will Daß ich mir bilden will Wie du ein Wohnhaus Der verewigenden, ewigen Wunderbaren Kunst, Und an dem achten Tage dann ruhen.
Frühes Lied
Fahre fort mit Dornenschlägen, Weiße Rose, meinem Herzen, Dem verbrannten, quillt ein Segen, Aus den Tränen aus den Schmerzen,
Breche ganz mein altes Leben, Ich muß dir, die so erschienen Einen bessern Bruder geben Gott und dir in ihm zu dienen
Alles muß von dir ich nehmen Kann dir nichts, ach gar nichts geben, Denn du mußt den Drachen zähmen, Um dem Herrn den Schatz zu heben,
Sieh, ich beug mich dir zu Füßen Du Erbarmen, weine nieder, Lehre mich, wie du zu büßen Tränenquell der frommen Lieder
All mein Letzen und Verletzen, All mein Lügen, Trachten, Scheinen, Darauf sollst den Fuß du setzen Und so im Triumph erscheinen.
Alles, was du still gelitten, Deine Not, dein fromm Entsagen, Hat auch mir das Herz durchschnitten, Doch du, du hast es getragen
Alles was du je getragen, Sieh, das hab ich all verschuldet, Meine Schuld hat dich geschlagen, Und du hast so fromm geduldet.
Und nun trägst du dies versunkne, Das dich marterte, dies Herz, O du Gottesmitleidtrunkne An dem deinen, himmelwärts!
Frühling
Frühling soll mit süßen Blicken Mich entzücken und berücken, Sommer mich mit Frucht und Myrthen Reich bewirten, froh umgürten.
Herbst, du sollst mich Haushalt lehren, Zu entbehren, zu begehren, Und du Winter lehr mich sterben, Mich verderben, Frühling erben.
Frühmorgenlied vom Kirschblütenstrauß, schweren Stein und des lieben Herzens Güte und Segen 22. Mai 1817
Geschämig tritt die falbe Aurora vor das Himmelshaus, Da legt die graue Schwalbe Fromm plaudernd ihr die Träume aus.
Da sinken in das Blaue Der Sterne Geisteraugen ein, Da wäscht sich in dem Taue Das Licht den Sonnenschleier rein.
Mich weckend summt die Mücke Am Fenster, möcht zum Licht hinaus, Da lenk ich meine Blicke Auf einen Kirschenblütenstrauß.
Der Strauß, von dir gepflücket, Er hielt die Blüten fest bis heut, Doch hat sich heut gebücket Und seinen Schmuck umher gestreut.
Die Blätter aber strecket Er frisch noch zu dem Lichte aus, Zum Licht, das mich erwecket, Und dich und deinen treuen Strauß.
Vergib, geliebtes Leben, Daß ich zuerst an dich gedacht, Kann ich zum Licht noch streben, So ist's, weil mir's in dir erwacht.
Was wär mir dann die Sonne, Schien sie nicht in die Augen dein, In ihnen wird sie Wonne, In meinen wird sie Feuerpein.
Wohin ich in der Kammer Die irren Blicke schweifen laß, Schlägt mahnend mir ein Hammer Ans schwere Herz, ohn Unterlaß.
Die Bücher und die Bilder, Die geizig ich zusammentrug, Sie schreien immer wilder, O stein'ger Acker, stumpfer Pflug!
Die Steine wollt ich wälzen Zu einer freien Aussicht Lust, Es wuchs daraus ein Felsen, Der fiel zurück auf meine Brust.
Zerschmettert, unbegraben Lag ich in Wind und Wettersnot, Es fraßen mich die Raben, Ich starb und starb doch nie zu Tod.
Es wollt kein Vogel singen, Als wäre dieser Stein verflucht, Es wollt kein Quell entspringen, Der meine heiße Kehle sucht.
Nur Kröten, Ottern, Schlangen Umkrochen kalt mir meine Brust, Daß Kühlung ich empfangen Selbst von dem grimmen Ekel mußt.
Und wenn ich glühend weinte, Verzweiflung mich zu singen zwang, Da lobten mich die Freunde Hohnlächelnd im Vorübergang.
Heran wollt keiner treten, Den Stein zu wälzen von der Brust, Mit mir wollt keiner beten, Und ich hab kein Gebet gewußt.
Da rang ich endlich blutig Die rechte Hand mir los und frei, Und schlug ein Kreuz gar mutig, Daß Jesus mir barmherzig sei.
O wundertätig Zeichen! Du trugst die Sünde aller Welt, Ich fühlt die Last auch weichen, Du warst als Stütze aufgestellt.
Ein Vöglein kam gereiset, Baut mir ein Dornennest ins Herz, Das Vöglein Buße heißet, Und sein Gesang heißt: bittrer Schmerz.
Ein Gärtlein ich ihm baute Von herbem Kraut, heißt Reu und Leid, Da fraß es von dem Kraute, Trank meine Tränen allezeit.
Und heißer ward sein Brüten; Das Dornennest in meiner Brust Fühlt ich wie Feuer wüten, Das dürstend still ich tragen mußt.
So lag ich da alleine Und hört den Vogel, sah das Kraut, Als plötzlich von dem Steine Ein kühler Quell hernieder taut.
Da sah ich auf der Spitzen Des Steines in dem Sonnenschein Gar still, mitleidig sitzen Dich, liebes, frommes Jungfräulein.
Dem Quell, der mich erquicket, Erschlossest du das Felsentor, Aus deinen Augen blicket Die Gnade all, die ich verlor.
Du siehst mit frommen Sinnen Dem Tanz der kleinen Fliege zu Und gönnst den goldnen Spinnen Ihr schwebend Haus in Sonnenruh.
Den Käfer auf den Rücken Gefallen, richtest mild du auf, Schlägst sichere Blätterbrücken Der Ameise in ihrem Lauf.
Du räumest auf den Stegen Die Steine aus des Wandrers Schritt Und tiefst auf irren Wegen Die Spur mit deiner Füße Tritt.
Du richtest längs dem Pfade Die sturmgebeugte Ähre auf Und wirfst das zum Gestade Geführte Fischlein in den Lauf.
Du wärmst mit deinem Hauche Das nestentfallne Vögelein Und sammelst von dem Strauche Zum Bett ihm zarte Wolle ein.
Und seinen Eltern streuest Du deines Brotes Krümlein aus, Weinst mit dem Leid und freuest Dich mit der Lust in Gottes Haus.
Deckst selbst das Nest der Schlangen, Flehst selbst der Kröte um ein Schild, Siehst du die Spinne hangen Feindselig überm Ekelbild.
Mein Weh hast du gespüret Und riefst den Sünder gern zu Gast; Den Stein hast du gerühret, Er weichet schon, ich atme fast.
Mein Durst hat dich gezogen, Und deine Tränen flossen mir; Die ersten Gnadenwogen Entsprangen mir von dir, von dir.
Ich las aus deinen Blicken, Daß Gottes Lieb unendlich ist, Dein Mund konnt mich erquicken, Er sprach und sang von Jesu Christ.
Du sprachst: »Wie einst auf Erden Der Feind den lieben Herrn versucht, Daß Stein zu Brot soll werden, Hast du bei Jesu auch gesucht;
Du lebst nicht nur vom Brote, Nein, auch vom Wort aus Gottes Mund, Dich macht vom innern Tode Die Liebe Jesu nur gesund.
Der Stein, der dich erdrücket, Ist greulich vor der Seele mein, Doch hab ich ihn gerücket, O glaub! und Gott wird gnädig sein.«
Da glaubt ich, und den Riegel Schobst du hinweg vom Himmelstor, Und gabst dem Felsen Flügel Und trugst ihn über mir empor.
Doch lieg ich noch zerschlagen, Und treu noch pflegst du mich, lieb Kind, Bis auf Elias Wagen Ich endlich deinen Himmel find!
So Herz! mußt ich heut morgen, Als ich zum Lichte aufgewacht, Die Liebe von dir borgen, Die ich dem Schöpfer zugedacht.
So hab ich Gott gedanket, Daß er dich auch erwachen läßt, Wer schwer gefallen, wanket Und hält den Stab mit Ängsten fest.
Gärtnerlied im Liedergarten der Liebe
Du dauerst mich Seele! Der so hat gesungen Die lieblichste Kehle, Die süß'ste der Zungen. Wie kannst du noch leben, Noch andere Lippen Mit Küssen umschweben? Ich ging in den Klippen Berauschet zu Grund, Hätt je mich so innig, So innig und sinnig Der blühende Mund Der Lieder-Sirene Begrüßet im Bund. Ein Liebender bin ich Und weih eine Träne Dir, nüchterne Seele, Dir hat Philomele In Liedern gerungen, Mich hat sie bezwungen, Den Garten der Wonne Der andern zu bauen, O süßes Vertrauen! Ich lenke die Bronnen, Die trunken verronnen, Daß frisch sie betauen Die Blumen, die Lichter, Die Sterne, die Strahlen, Die Farben der Dichter, Um Liebe zu malen, O seliges Dienen! Dem Herzen, dem armen Ist's süß, zu erwarmen So sonnenbeschienen Vom Himmel der Augen Ist's süß, um die schwülen Gefühle zu kühlen, Die tötenden Gluten In hüpfende Fluten Der Lieder zu tauchen, Worin sie die Schmerzen, Die Feuer aushauchen Vom liebenden Herzen Ergoß und erkühlte, Bis Friede sie fühlte. O Gluten durchwühlt mich, In denen sie wühlte, O Fluten umkühlt mich, In denen sie kühlte, O Wellen umspielt mich, In denen sie spielte, O Blüten umblüht mich, In denen sie blühte, O Lieder durchglüht mich, In denen sie glühte, O stammelnde Lieder Voll Wahrheit und Güte, Mit feurigem Hauche, Mit Tränen im Auge, Klingt wieder, klingt wieder, Mein sind eure Leiden, Das Ringen, das Zagen, Das Scheiden, das Meiden, Das bittre Entsagen. Weint nieder, weint nieder, Ihr stammelnden Lieder. Euch liebt sie, euch schrieb sie, Ich lieb euch, ich lieb sie, Doch sie liebt nicht wieder, Ihr sehnenden Lieder! Süß ist, eure schlanken Verlangenden Ranken Mit Zier auf und nieder Zu schlingen, zu winden, In Lauben zu binden; Und muß hin und wieder Ein Reblein ich schneiden, Muß gleich ich mit leiden, Die Wunden, sie weinen, Da muß ich mich sehnen, O liebliche Lieder! Es sind eure Tränen Auch immer die meinen, So such ich und finde Die süßen Gedanken Und binde und winde Sie träumend in Schranken. Und irre die Pfade Der Luftlabyrinthe Bis hin zum Gestade, Wo unter der Linde Die dichtende Gnade Dem liebenden Kinde Im geistigen Bade So leuchtend, so linde Erkühlet die Glut, O selige Flut, O trunkener Spiegel Der schimmernden Glieder, Du küßtest das Siegel Der lieblichen Lieder, Wie war dir zu Mut? Und wie ich so sehne, Da lockt die Sirene; Komm nieder, komm nieder, Hier hat sie geruht, Hier duftet der Flieder, Hier ist es so gut, Hier löst sie das Mieder Und taucht in die Flut Das Wonnegefieder Der Phönix; ihr Blut Hat hier in den Wogen Gebadet die Triebe Und ist dann geflogen Durch Feuer und Glut, Und hat seine Liebe, Die rot war, verglühet, Bis weiß sie erblühet In heiligem Licht, So sang ein Gedicht.
Mich aber, mich haben Die Wogen begraben, In Flammen so rot Ergriff mich der Tod! Ach! wüßt es die Linder Sie riefe die Kinder, Und käme mit Segen Ans Ufer gekniet Und sänge ein Lied, Das Gott könnt bewegen, Weil gern sie vergibt, Sich mein zu erbarmen, Des Ärmsten der Armen, Der heiß sie geliebt, Der alles ihr Lieben Auch selber muß üben Und der in den Trieben, Die sie überlebt, Zu sterben nicht bebt.
Gesang der Liebe als sie geboren war
O Mutter halte dein Kindlein warm Die Welt ist kalt und helle, Und leg es sanft in deinen Arm An deines Herzens Schwelle.
Leg still es wo dein Busen bebt Und hold herabgebücket, Harr liebvoll, bis es die Äuglein hebt, Zum Himmel selig blicket.
Du strahlender Augenhimmel du, Du taust aus Mutteraugen Ach Herzenspochen, ach Lust, ach Ruh! An deinen Brüsten saugen.
Ich schau zu dir, so Tag als Nacht Muß ewig zu dir schauen Du mußt mir, die mich zur Welt gebracht, Auch eine Wiege bauen.
Um diese Wiege laß Seide nicht, Laß deinen Arm sich schlingen Und nur deiner milden Augen Licht Laß zu mir nieder dringen.
Und in deines keuschen Schoßes Hut Sollst du dein Kindlein schaukeln, Daß deine Worte so mild so gut Wie Träume es umgaukeln.
Da träumt mir, wie ich so ganz allein, Gewohnt dir unterm Herzen Wie nur die Freuden und Leiden dein Mich freuten und mich schmerzten.
Oft rief ich dir, komm! o Mutter komm! Kühl dich in Liebeswogen, Da fühltest du dich so sanft, so fromm Zu dir hinabgezogen,
Mit meiner Seele hielt treu und warm Ich dich in dir umschlungen, Und hab dir kindisch Sorg und Harm In Liedern weggesungen.
Was heilig in dir zu aller Stund, Das bin ich all gewesen O küß mich süßer Mund gesund, Weil du an mir genesen.
So lallt zu dir mein frommes Herz, Und nimmer lernt es sprechen, Blickt ewig zu dir, blickt himmelwärts Und möcht in Freude brechen,
Bricht's nicht in Freud', bricht's doch in Leid, Bricht es uns alle beiden Denn Wiedersehn geht fern und weit, Und nahe geht das Scheiden.
O Mutter halte dein Kindlein warm Die Welt ist kalt und helle Und leg es leis, bist du zu arm, Hin an des Grabes Schwelle.
Leg es in Linnen, die du gewebt, Zu Blumen, die du gepflücket, Stirb mit, daß wenn's die Äuglein hebt, Bei Gott es dich erblicket.
Gleich der Lilie, die erhöhet …
Gleich der Lilie, die erhöhet Unter Dornen leuchtend steht, So die Freundin rein erhöhet Unter andern Töchtern steht.
Wie die Lilie leuchtend strahlet Klar und rein und ohne Schuld, Steht Maria lichtdurchstrahlet Von des Himmels Gnad und Huld.
Dornen viel aus ihrem Stamme Trafen sie in ihrem Sohn, Doch des Herzens reine Flamme Gab für Bittres süßen Lohn;
Denn wenn sie die Dornen spornen, Duftet sie nochmal so süß, Drum als Lilie unter Dornen Sie das hohe Lied auch pries.
In der Lilie sieben Speere Tragen goldne Körnlein lind, Weil des heilgen Geistes Ehre Siebenfach in Strahlen rinnt.
Nieder sind sie reich getauet Zu des ewgen Königs Sohn, Als er liebend hat gebauet In der Lilie seinen Thron.
Einst auch strahlt zur letzten Stunde, Wenn er uns zu richten kehrt, Aus des ewgen Wortes Munde Rechts die Lilie, links das Schwert.
Rechts die Lilie, die Gnade, Links das Schwert, gerecht und streng, Links hin führen breite Pfade, Rechts hin Pfädlein, schmal und eng.
O du Lilie unter Dornen! O du Mutter gnadenvoll! Lasse mich durch Leiden spornen, Wie ich rechts hin wandeln soll.
Gut wohl ist es mit den Frommen Fromm zu sein, mit Reinen rein, Aber es ist hoch vollkommen, Unter Dornen Lilie sein.
Drum in Dornen hoch erhöhet Die geliebte Lilie blüht, Die da für die Sünder flehet, Bis das Heil sie niederzieht.
Bis aus ihr, dem Kelch der Gnade, Stieg des heilgen Geistes Frucht, Jesus, der auf dorngem Pfade Das verlorne Schäflein sucht,
Der da durch die Dornen dringet Nach der Lilie, nach der Braut, Bis er sie zu Tage ringet In der Kirche Blut betaut,
Die mit Rosen hoch verzieret, Die mit Lilien rein geschmückt, In den Martyr'n triumphieret, In den Jungfraun still entzückt.
Die als Brautleib auserwählet Mit des höchsten Königs Sohn Ewig jubelnd wird vermählet Vor des Vaters heilgem Thron.
Siehst die Lilie du, Adele! Und das Kindlein auch dabei, Sorge treu, daß deine Seele Für das Kindlein Lilie sei!
Dieses Lied sang von der Lilie, Der in Dornen weidend geht, Weil sie reimet auf Emilie, Die sub rosa sich versteht.
Herr, dir sei Lob und Dank …
Herr, dir sei Lob und Dank, Um immer mich zu finden, Willst du mich müd und krank Hier an mein liebes Schmerzensbettlein binden, Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!
Dein Will geschah' an mir, Gib nur Geduld, dann strafe, Ich bin verschuldet dir, Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave, Ach, nur dein Will gescheh' an mir!
Herr! wie es dir gefällt Willst du aufs Kreuz mich legen, Sei ich ans Kreuz gestellt, Geh kreuzbeladen, Herr, ich dir entgegen, Ach alles, wie es dir gefällt.
Treu hast du mich geliebt, Denn, könnt ich dir entfliehen, Ich hätt dich oft betrübt, So konntest du mich besser dir erziehen, Wie treu, Herr, hast du mich geliebt.
Wie ständ es wohl mit mir? Könnt ich wie andre Kinder Mich tummeln voll Begier. Sind andre blind, ach Herr, ich wär noch blinder, Ach Herr, wie ständ es dann mit mir.
O Herr, wie lieb und gut, Um viele Liebe zu erwecken, Wollt'st du mich junges Blut Als Quell des Mitleids auf das Lager strecken, O Herr, wie bist du lieb und gut.
Du hast mich heimgesucht, Gott Dank, daß ich hier liege, Herr, meiner Leiden Frucht Lehrt mich mein Engel an der Schmerzenswiege. Willkomm, Herr, der mich heimgesucht.
Herr! du bedienst dich mein; Gar manche Trostesworte, Worin der Name dein Das Süßste mir, erklingen hier am Orte, O Freude, du bedienst dich mein!
Wie's ist, so ist es recht, So schwach, mühselig, schwankend Von Epheu ein Geflecht Vom Kreuz gestützt, zum Licht sehnsüchtig rankend. Herr, wie es ist, ist's recht!
Herr, wär ich fromm und reich An Demut und an Schmerzen, Ich wucherte sogleich, Gäb allen Trost dir hin und litt von Herzen, Und litt mich fromm und reich.
O himmlische Geduld, Du kannst mit Schmerzen zahlen, Nimm auf mein Leid mit Huld, Ich opfre es vereint mit deinen Qualen. Sei bei mir, himmlische Geduld.
Die lieben Röschen all Und große süße Rosen, Des Freundes Seufzerschall Schneid ich für Dornen mir aus deinen Rosen, Nimm dir dein Röschen ganz und all!
Wie wär ich doch so arm Und könnte nichts verdienen, Wär mir an deinem Arm Nicht Lieb und Schmerz und die Geduld erschienen. Ach, Herr! wie wär ich dann so arm!
Das Röschen, Herr, ist dein; Könnt laufen ich und hüpfen, Manch Rosenblättchen fein Könnt in den Wind hinwehend dir entschlüpfen. Allein jetzt ist das Röschen dein.
Berührt von Gottes Hand Treibt mich ein still Entzücken Am Kreuz empor; zum Pfand Der Liebe will vielleicht mein Herr mich pflücken. Dann blüh ich neu in Jesu Hand.
Dir will das Röschen blühn, Du Haupt voll Blut und Wunden, Wie seh ich dich erglühn, Du Bräutigam, von Dornen ganz umwunden, Dir will das Dornenröschen blühn.
Du hast dein Röschen scharf Mit Dornen rings versehen, Daß keiner nahen darf Als du, der weiß mit Dornen umzugehen, Du hütest, Herr, dein Röschen scharf.
So ließ ein Pilger einst Dich Dornenröschen reden, Wenn du so leiden lernst, Dann kannst du zu den Wunden Jesu beten Für alle und den Pilger ernst!
Ich hab das Lämplein angesteckt …
Ich hab das Lämplein angesteckt Zum langen Angedenken, Und wenn mich kühle Erde deckt, Mag Kind und Enkel denken: Der Vater ruht im Tale aus, Und kömmt nicht mehr ins stille Haus. Lischst du o Herr mein stilles Licht, Das tief herab schon brennet, Und werd vor deinem Angesicht Ich nur ganz rein erkennet, So geht mit Freude angetan Erst recht mein schönstes Leuchten an.
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