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Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset …
Ist des Lebens Band mit Schmerz gelöset, Liegt der Körper ohne Blick, ohn Leben, Fremde Liebe weint, und er geneset. Seine Liebe muß zum Himmel schweben, Von dem trägen Leibe keusch entblößet, Kann zu Gott der Engel sie erheben. Und er hält sie mit dem Arm umfasset, Schwebet höher, bis das Grab erblasset.
Ist er durchs Vergängliche gedrungen, Kehrt die Seele in die Ewigkeit, Oh, so ist dem Tod genug gelungen, Und er stürzet rückwärts in die Zeit. Um die Seele bleibet Wonn geschlungen, Alles gibt sich ihr, die alles beut, Wird zum ewgen Geben und Empfangen, Kann des Wechsels Ende nie erlangen!
Jäger und Hirt
Durch den Wald mit raschen Schritten Trage ich die Laute hin, Liebe singt, was Leid gelitten, Schweres Herz hat leichten Sinn.
Durch die Büsche muß ich dringen Nieder zu dem Felsenborn, Und es schlingen sich mit Klingen Durch die Saiten Ros' und Dorn.
In der Wildnis wild Gewässer Breche ich mir kühne Bahn, Steig ich aufwärts in die Schlösser, Schaun sie mich befreundet an.
Haus ich nächtlich in Kapellen, Stört sich kein Gespenst an mir, Weil sich Wandrer gern gesellen, Denn auch ich bin nicht von hier.
Seh ich Zauberschätze glimmen, Locket bald durch Sumpf und Moor Mich der Irrwisch hin und stimmen Muß mein Lautenschlag dem Chor.
Zu der Gnomen Hochzeitfeier, Zu der Elfen luftgem Tanz Tönet meine ernste Leier Unerschreckt im Mondenglanz.
In dem Schoß der Wunderberge In der Zauberfräulein Haus Führen mich die schlauen Zwerge Und ich singe ohne Graus.
Geister reichen mir den Becher, Reichen mir die kalte Hand, Denn ich bin ein kühner Zecher, Scheue nicht den glühen Rand.
Ja beim Mahl zur bösen Stunde Leert den Becher ich mit Faust, Wo berührt vom Satansmunde Höllenglut im Weine braust.
Alles ist mir schon geschehen, Meine Schale ist erfüllt, Seit ich selber mich gesehen, Hab das Antlitz ich verhüllt.
Zu der Mainacht Hexenreihen Spiel ich nun ein geistlich Lied, Daß die Schar mit Maledeien Vor dem fremden Sänger flieht.
In Frau Venus Berg die Leier Hab mit Keuschlamm ich geschmückt Und sie hat mich ohne Schleier An die volle Lust gedrückt.
Doch sie konnte mich nicht rühren, Sie verging in frommer Scham, Ließ sich leicht von mir verführen, Daß sie einen Schleier nahm.
Die Sirene in den Wogen, Hätt sie mich im Wasserschloß, Gäbe, den sie hingezogen, Gern den Fischer wieder los.
Wo der Schwan im Wellenspiegel In sein Sternbild niedertaucht, Bricht der Schmerz auch mir das Siegel, Daß mein Leid im Liede haucht.
Meinen weißen Hirsch verloren Hab ich mit dem Goldgeweih; Die in ihm war eingeboren Starb mit ihm die schöne Fei.
Weh, mich hatte die Meduse Mit dem Schlangenblick versteint, Und seitdem hat meine Muse Nicht gelachet, nicht geweint.
Doch mit scharfen Wünschelruten Schlug ihr Amor ins Gesicht, Daß ihr aus in Tränenfluten Die versteinte Seele bricht.
Bittre Meere um mich rannen, Und wie auch die Phantasie Mochte bunte Segel spannen, Nie ach nie, erschafft ich sie!
Und nun kehre ich von Thule, Fand da auf des Meeres Grund Einen Becher, meine Buhle Trinkt sich nur aus ihm gesund.
Füllet euch ihr ewigen Tage, Mond und Sonne steigt und sinkt, Dürstend ich den Becher trage, Und sie fehlt, die aus ihm trinkt.
Suchend geh ich durchs Gedränge Und die Schuldner mahnen mich, Und ich singe viel Gesänge, Doch im Herzen weine ich.
Wo die Schätze sind begraben Weiß ich wohl, Geduld, Geduld, Einer schwebt am Kreuz erhaben, Der bezahlet meine Schuld.
Während ich dies Lied gesungen Nahet sich des Waldes Rand, Aus des Laubes Dämmerungen Trete ich ins offne Land.
Aus der Eichen zu den Myrten, Aus der Laube in das Zelt, Hat der Jäger sich dem Hirten, Flöte sich dem Horn gesellt.
Während du die Lämmer hütest, Zähm ich dir des Wolfes Wut, Wenn du fromm die Hände bietest Werd ich deines Herdes Glut.
Und willst du die Arme schlingen Um ein Liebchen zwei und zwei, Will ich dir den Baum schon zwingen, Daß er eine Laube sei.
Du kannst Kränze schlingen, singen, Schnitzen, spitzen Pfeile süß, Ich kann ringen, klingen, schwingen, Schlank und blank den Jägerspieß.
Gib die Pfeile, nimm den Bogen, Mir ist's Ernst und dir ist's Scherz, Hab die Sehne ich gezogen, Du gezielt, dann trifft's ins Herz.
Wild getan, wie stolz gesprochen, Weh der Pfeil flog seine Bahn, Hat des Lammes Herz durchstochen, Drohend sah der Hirt mich an.
Dorn ward da die Rosenkrone Um sein göttlich mildes Haupt, Vater! rief er, ihn verschone, Denn er hat an mich geglaubt.
Jesuskind, du Licht der Blinden …
Jesuskind, du Licht der Blinden Mache mich doch einmal blind Daß ich dir, wie mir dies Kind, Auf dem Pfad mich mög verbinden Wo du mich auch hin willst führen Denn mein armes eignes Licht Kann auch selbst beim Licht noch nicht Dich das wahre Licht recht spüren O wie töricht, töricht ist Der nicht in allem ohne Ausnahm Folget dir zu jeder Frist.
Kein Tierlein ist auf Erden …
Kein Tierlein ist auf Erden Dir, lieber Gott zu klein, Du ließt sie alle werden, Und alle sind sie dein. Zu dir, zu dir Ruft Mensch und Tier Der Vogel dir singt, Das Fischlein dir springt, Die Biene dir brummt, Der Käfer dir summt. Auch pfeifet dir das Mäuslein klein: Herr Gott, du sollst gelobet sein!
Das Vöglein in den Lüften Singt dir aus voller Brust, Die Schlange in den Klüften Zischt dir in Lebenslust. Zu dir, zu dir Ruft Mensch und Tier usw. Die Fischlein, die da schwimmen, Sind, Herr, vor dir nicht stumm, Du hörest ihre Stimmen, Ohn dich kommt keines um. Zu dir, zu dir usw.
Vor dir tanzt in der Sonne Der kleinen Mücken Schwarm, Zum Dank für Lebenswonne Ist keins zu klein und arm. Zu dir, zu dir usw.
Sonn, Mond gehn auf und unter In deinem Gnadenreich, Und alle deine Wunder Sind sich an Größe gleich. Zu dir, zu dir usw.
Zu dir muß jedes ringen, Wenn es in Nöten schwebt, Nur du kannst Hülfe bringen, Durch den das Ganze lebt. Zu dir, zu dir usw.
In starker Hand die Erde Trägst du mit Mann und Maus, Es ruft dein Odem, Werde! Und bläst das Lichtlein aus. Zu dir, zu dir usw.
Kein Sperling fällt vom Dache Ohn dich, vom Haupt kein Haar, O teurer Vater, wache Bei uns in der Gefahr. Zu dir, zu dir usw.
Behüt uns vor der Falle Und vor dem süßen Gift Und vor der Katzenkralle, Die gar unfehlbar trifft! Zu dir, zu dir usw.
Daß unsre Fahrt gelinge, Schütz uns vor aller Not, Und helf uns zu dem Ringe Und zu dem Zuckerbrot! Zu dir, zu dir usw.
Laß rauschen Lieb, laß rauschen (Mündlich)
Ich hört ein Sichlein rauschen, Wohl rauschen durch das Korn, Ich hört ein Mägdlein klagen, Sie hätt ihr Lieb verlorn.
Laß rauschen Lieb, laß rauschen, Ich acht nicht, wie es geht, Ich tät mein Lieb vertauschen In Veilchen und im Klee.
Du hast ein Mägdlein worben In Veilchen und im Klee, So steh ich hier alleine, Tut meinem Herzen weh.
Ich hör ein Hirschlein rauschen Wohl rauschen durch den Wald, Ich hör mein Lieb sich klagen, Die Lieb verrauscht so bald.
Laß rauschen, Lieb, laß rauschen, Ich weiß nicht, wie mir wird, Die Bächlein immer rauschen, Und keines sich verirrt.
Liebesnacht im Haine
Um uns her der Waldnacht heilig Rauschen Und der Büsche abendlich Gebet, Seh ich dich so lieblich bange lauschen Wenn der West durch dürre Blätter weht.
Und ich bitte: Jinni holde, milde Sieh ich dürste, sehne mich nach dir Sinnend blickst du durch der Nacht Gefilde Wende deinen süßen Blick nach mir.
Ach dann wendet Jinni voll Vertrauen Ihres Lebens liebesüßen Blick Mir ins wonnetrunkne Aug' zu schauen Aus des Tages stillem Grab zurück.
Und es ist so traulich dann, so stille Wenn ihr zarter Arm mich fest umschlingt Und ein einz'ger liebevoller Wille Unsrer Seelen Zwillingspaar durchdringt.
Nur von unsrer Herzen lautem Pochen Von der heil'gen Küsse leisem Tausch Von der Seufzer Lispel unterbrochen Ist der Geisterfeier Wechselrausch.
Auf des Äthers liebestillen Wogen Kömmt Diane dann so sanft und mild Auf dem lichten Wagen hergezogen Bis ihn eine Wolke schlau verhüllt,
Und sie trinket dann an Latmus' Gipfel Ihrer Liebe süßen Minnelohn Ihre Küsse flüstern durch die Wipfel, Küssend, nennst du mich Endymion.
Liest auch wohl mit züchtigem Verzagen Meiner Blicke heimlich stille Glut Und es sterben alle deine Klagen Weil die Liebe dir am Herzen ruht.
Fest umschling ich dich von dir umschlungen Stirbt in unsrem Arm die rege Zeit Und es wechseln schon des Lichtes Dämmerungen Starb schon Gestern wird schon wieder heut.
Wenn die lieben Sterne schon ermatten Wechseln wir noch heimlich Seligkeit Träumen in den tiefen dunklen Schatten Flehend und gewährend Ewigkeit.
Fest an dich gebannt in dich verloren Zähle ich an deines Herzens Schlag Liebestammelnd jeden Schritt der Horen Scheidend küsset uns der junge Tag.
Mariens Bild
Im kleinen Stübchen, das von ihrer Seele An reiner Zierde uns ein Abbild schenket, Sitzt sie und stickt, den holden Blick gesenket, Daß sich ins reine Werk kein Fehler stehle.
Was ihres Busens keuscher Flor verhehle Und ihre Hand in stillem Fleiße lenket, Die Lilie an ihrer Seite denket, Das Täubchen dir in ihrem Schoß erzähle.
Durchs Fenster sehen linde Sonnenstrahlen, Die Josephs Bild, das eine Wand bedecket, Mit ihrem frohen Glanze heller malen,
Und wär der Schein der Taube zu vereinen, Die sie herabgebückt im Schoß verstecket, Marie würde Mutter Gottes scheinen.
Nachtigall, ich hör dich singen …
Nachtigall, ich hör dich singen 's Herz im Leib möcht mir zerspringen, Komme doch und sag mir bald, Wie sich alles hier verhalt'. Nachtigall, ich seh dich laufen, An dem Bächlein tust du saufen, Tunkst hinein dein Schnäbelein, Meinst es sei der beste Wein! Nachtigall, wohl ist gut wohnen In der Linde grünen Kronen, Bei dir, lieb Frau Nachtigall, Küß dich Gott viel tausendmal!
Nicht alle wissen so wie du zu schauen …
Nicht alle wissen so wie du zu schauen Du Landschaftsmaler bei dem Doktor Faust, Der du den Hexen Nebelbrücken baust Durch winterlichen Kirchhofs frostig Grauen
Die Münche ziehn zur Gruft, es scheint zu tauen Der kahle Baum greift in die Nacht, es saust Ein kalter Wind, und unterirdisch haust In Trümmern tief ein Kreuz, und gibt Vertrauen
Zwei Lichter schimmern irre bei der Wahrheit (Die Totenkreuze starren auf den Hügeln) Gefroren ist der Atem, den man hauchet Zu ernst zum fliehen und zu kalt zum knien (Und oben liegt des Himmels blaue Klarheit)
Du gleichst der Schwalbe, die mit grauen Flügeln Den Himmel streift, die Brust ins Wasser tauchet Warum willst du denn nimmer mit ihr ziehen.
O Tannebaum! o Tannebaum! …
O Tannebaum! o Tannebaum! Du bist mir ein edler Zweig, So treu bist du, man glaubt es kaum, Grünst sommers und winters gleich.
Wenn andere Bäume schneeweiß sein Und traurig um sich sehen, Sieht man den Tannebaum allein Ganz grün im Walde stehen.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Mein Schätzel ist kein Tannebaum, Ist auch kein edler Zweig, Ich war ihm treu, man glaubt es kaum, Doch blieb er mir nicht gleich.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Er sah die andern schneeweiß sein Und schimmernd um sich sehn, Und mochte nicht mehr grün allein Bei mir im Walde stehn.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Der andern Bäume dürres Reis Schlägt grün im Frühling aus, Pocht er sein Röckchen, bleibts doch weiß, Schlägt nie das Grün heraus.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Oft hab ich bei mir selbst gedacht, Er kömmt noch einst nach Haus, Spricht: Hab mir selbst was weiß gemacht, Poch mir mein Röcklein aus.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Und klopft ich ihn auch poch, poch, poch, So fliegt nur Staub heraus; Das schöne treue Grün kommt doch Nun nimmermehr heraus.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Drum als er mich letzt angelacht, Ich ihm zur Antwort gab: Hast dir und mir was weiß gemacht, Dein Röcklein färbet ab.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
O Tannebaum! o Tannebaum! Wie traurig ist dein Zweig, Du bist mir wie ein stiller Traum, Und mein Gedanken gleich.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
Du sahst so gar ernsthaftig zu, Als er mir Treu versprach, Sprich, sag mir doch, was denkest du, Daß er mir Treue brach.
O Tannebaum! o Tannebaum! etc.
O kühler Wald …
O kühler Wald, Wo rauschest du, In dem mein Liebchen geht? O Widerhall, Wo lauschest du, Der gern mein Lied versteht?
O Widerhall, O sängst du ihr Die süßen Träume vor, Die Lieder all, O bring sie ihr, Die ich so früh verlor!
Im Herzen tief, Da rauscht der Wald, In dem mein Liebchen geht, In Schmerzen schlief Der Widerhall, Die Lieder sind verweht.
Im Walde bin Ich so allein, O Liebchen, wandre hier, Verschallet auch Manch Lied so rein, Ich singe andre dir!
O lieber Gott, so mild und lind …
O lieber Gott, so mild und lind, Du schließest mit Erbarmen Die Kinder all, die Waisen sind, In deine Vaterarmen.
Siehst nieder in der stillen Nacht Mit tausend kleinen Sternen, Und wo dein freundlich Auge wacht, Muß sich der Feind entfernen.
Drum fasse Mut, du Menschenkind, Verlier dich nicht im Dunkeln, Die Lichter ja am Himmel sind Um tröstlich dir zu funkeln.
O wie so oft …
O wie so oft Hab ich ein Zeichen erhofft, Zogen Sterne den schimmernden Bogen Durch die himmlische Leere Durch die himmlische Tiefe, Daß ich der irdischen Schwere Endlich auf immer entschliefe, Aber der Morgen Löschte die Sterne aus, Weckte die Sorgen, Weckte des Herzens Haus, Und des Alltäglichen Macht Zwang die Ahndung der Nacht.
O wie so viel Nahte der Sehnsucht das Ziel Sanken Dürstende müde Gedanken Hin an brennender Schwelle Selig kühlender Ferne, Ach da stürzte zum Herzen die Welle Und das lachende Licht in die finsteren Sterne, Aber die Ebbe Kehrte, die Flut wich, Heißer die Steppe Umgürtet mit Glut mich, Und den brennenden Pfeil Mahnte das fliehende Ziel zur Eil.
O wie so tief Oft aus den Wogen mich's rief! Fielen Um nach den Sternen zu zielen Tränen zu spiegelnden Seen Die zwischen blumigten Wiesen, Augen der Erde, aufsehen, Himmlische Kinder zu grüßen. Aber die Fläche Ringelt, das Bild bricht, Bittere Bäche Rinnet so wild nicht! Freudig ja springet ein Fisch, Und ich mord ihn, decke den Tisch.
O wie so rein Wächst in der Schönheit der Schein, Scheinet Sie aus der Einfalt und einet Recht in der lauteren Klarheit Strahlen der himmlischen Güte Zum sehenden sichtbaren Auge der Wahrheit, Das das schaffet und selbst ist die Frucht und die Blüte Aber die Dichter Machen die Glieder zum Leibe gern Schneiden Gesichter In einen Kirschenkern Traurig und lachend, o gebe Lieber der Erde ihn, daß er lebe
Blütenvoll Früchtevoll Dir und den Deinen himmlischen Segen
Gebe Auf irdischen Wegen.
Süßer Mai du Quell des Lebens …
Süßer Mai du Quell des Lebens Bist so süßer Blumen voll Liebe sucht auch nicht vergebens Wem sie Kränze winden soll
Süßer Mai, mit Blumen-Glocken Läutest du das Fest mir ein Ich bekränze ihre Locken, Will ein frommer Gast auch sein
Süßer Mai, zum Liebesmahle Trägst du Blumen-Kelche ein Blüten-Säulen stehn im Saale Drüber wölbt sich Sonnenschein
Süßer Mai, in deinen Kelchen Küssen fromme Bienen sich Aber unter allen welchen Hast du eingefüllt für mich!
Süßer Mai! du bringest nieder Blume, Blüte, Sonnenschein, Daß ich wisse, wem die Lieder, Wem das Herz, das Leben weihn.
Süßer Maie Blütenjunge …
Süßer Maie Blütenjunge Bring ihr blühnde Friedenszweige, Bitte sie mit süßer Zunge, Daß sie dir die Blume zeige Der sie gerne mag vertrauen In den Busen ihr zu blicken. Und dann will ich auf den Auen Einen lieben Kranz ihr pflücken, Will die Blumen sprechen lehren »Wolle Huld der Schuld gewähren, Die schon harte Straf erlitte.«
Schnell nieder mit der alten Welt …
Schnell nieder mit der alten Welt, Die neue zu erbauen. Der, dem die Liebe sich gesellt, Darf nicht nach Trümmern schauen. Aus Kraft und nicht aus Reue dringt, Was die Vergangenheit verschlingt.
Schweig, Herz! kein Schrei …
Schweig, Herz! kein Schrei! Denn alles geht vorbei! Doch daß ich auferstand Und wie ein Irrstern ewig sie umrunde, Ein Geist, den sie gebannt, Das hat Bestand!
Ja, alles geht vorbei! Nur dieses Wunderband, Aus meines Wesens tiefstem Grunde Zu ihrem Geist gespannt, Das hat Bestand!
Ja, alles geht vorbei! Doch ihrer Güte Pfand, Jed Wort aus ihrem lieben frommen Munde, Folgt mir ins andre Land Und hat Bestand!
Ja, alles geht vorbei! Doch sie, die mich erkannt, Den Harrenden, wildfremd an Ort und Stunde, Ging nicht vorbei, sie stand, Reicht mir die Hand!
Ja, alles geht vorbei! Nur eines ist kein Tand, Die Pflicht, die mir aus seines Herzens Grunde Das liebe Kind gesandt, Die hat Bestand!
Ja, alles geht vorbei! Doch diese liebe Hand, Die cih in tiefer, freudenheller Stunde An meinem Herzen fand, Die hat Bestand!
Ja, alles geht vorbei! Nur dieser heiße Brand In meiner Brust, die bittre süße Wunde, Die linde Hand verband, Die hat Bestand!
Simphonie
Ruhe! – die Gräber erbeben; Ruhe! – und heftig hervor Stürzt aus der Ruhe das Leben, Strömt aus sich selbsten empor Die Menge, vereinzelt im Chor.
Schaffend eröffnet der Meister Gräber – Geborener Tanz Schweben die tönenden Geister; Schimmert im eigenen Glanz Der Töne bunt wechselnder Kranz.
Alle in einem verschlungen, Jeder im eigenen Klang, Mächtig durchs Ganze geschwungen, Eilet der Geister Gesang Gestaltet die Bühne entlang.
Heilige brausende Wogen, Ernst und wollüstige Glut Strömet in schimmernden Bogen, Sprühet in klingender Wut Des Geistertanz silberne Flut.
Alle in einem erstanden, Sind sie sich selbst nicht bewußt Daß sie sich einzeln verbanden; Fühlt in der eigenen Brust Ein jeder vom Ganzen die Lust.
Aber im inneren Leben Fesselt der Meister das Sein; Läßt sie dann ringen und streben; Handelnd durcheilet die Reihn Das Ganze im einzelnen Schein.
Singet leise, leise, leise …
Singet leise, leise, leise, Singt ein flüsternd Wiegenlied, Von dem Monde lernt die Weise, Der so still am Himmel zieht.
Denn es schlummern in dem Rheine Jetzt die lieben Kindlein klein, Ameleya wacht alleine Weinend in dem Mondenschein.
Singt ein Lied so süß gelinde, Wie die Quellen auf den Kieseln, Wie die Bienen um die Linde Summen, murmeln, flüstern, rieseln.
So weit als die Welt …
So weit als die Welt, So mächtig der Sinn, So viel Fremde er umfangen hält, So viel Heimat ist ihm Gewinn.
Sonett
Es saß ein Kind ganz still zu meinen Füßen, Und spielte froh mit freundlichen Gedanken, Es blickt mich an, bis ihm die Blicke sanken, Und goldne ferne Lande sich erschließen,
Von allen Seiten dringt ein süßes Grüßen, Das alte Leben muß nun abwärts wanken, Daß neue frohe Zweige grün umranken Und rund umher ihm zarte Blumen sprießen.
Das Kind erwacht, und fraget mich mit Bangen, Ob andern wohl ein solcher Traum gelinge, Ob ich's allein mit Zauberei umfangen,
Daß dankbar es die Arme um mich schlinge. Da rötet mir Verwunderung die Wangen Woher das Kind die kühne Frag erschwinge.
Sonne willst du untergehen …
Sonne willst du untergehen O so schicke erst die Sterne Daß die Nacht mich nicht bezwinge Wenn ich ihr die Botschaft bringe Wiedersehen, Wiedersehen Ist nicht ferne.
Still beschauet mich ihr Bäume Und ihr weißen Marmorbilder Und ihr Quellen, lustge Bronnen, Bald ist euch der Freund entronnen Sinket nieder grünen Räume Tauet milder.
Sonne bist du untergangen O so schicke bald die Sterne Daß die Nacht mich zu ihr bringe Daß ich ihr die Botschaft singe Wie verlangen und erlangen Nicht mehr ferne.
St. Meinrad
Graf Berthold von Sulchen, der fromme Mann, Er führt sein Söhnlein an der Hand; Meinrad, mein Söhnlein von fünf Jahren, Du mußt mit mir gen Reichenau fahren.
Hatto, Hatto, nimm hin das Kind, Alle lieben Engelein mit ihm sind; Die geistlich Zucht mag er wohl lernen, Und mag ein Spiegel der Münche werden.
Er ging zur Schul barfuß ohne Schuh; Und legt die geistlich Kunst sich zu; Die Weisheit kam ihm vor der Zeit, Da ward er zu einem Priester geweiht.
Da schickt ihn Hatto auf den Zürcher See, Daß er ins Klösterlein bei Jona geh; Bei Jona zu Oberpollingen, Da lehrt er die Münch beten und singen.
Da er lange ihr Schulmeister war, Und ihn die Brüder ehrten gar; Tät er oft an dem Ufer stehen, Und nach dem wilden Gebirg hinsehen.
Sein Gewissen zog ihn zur Wüste hin, Zur Einsamkeit stand all sein Sinn; Er sprach zu einem Münch: Mein Bruder, Rüst uns ein Schifflein und zwei Ruder.
Über See zur Wildnis zur Wüstenei, Hab ich gehört gut fischen sei; Da gehn die Fischlein in den einsamen Bächen! Ja Herr, mein Meister, der Münch tät sprechen.
Sie fuhren gen Rapperswyl über See, Zu einer frommen Wittib sie da gehn; Bewahr uns die Gewand, sie zur ihr sprechen, Daß sie uns nicht in der Wildnis zerbrechen.
Sankt Meinrad und der Bruder gut, Sie folgten wohl der Bächlein Flut: Sie fischten hinan in dem Flüßlein Sille, Bis in die Alp gar wild und stille.
O Herr und Meister, lieber Sankt Meinrad, Wir haben Fischlein schon mehr als satt; Noch nit genug Meinrad da saget, Steigt, wo der Finsterwald herraget.
Und da sie gegangen den dritten Tag Im finstern Wald eine Matte lag; Ein Born da unter Steinen quillet, Da hat Sankt Meinrad den Durst gestillet.
Nun lieber Bruder, nun ist's genug, Gen Rapperswyl die Fisch er trug; Die fromm Wittib stand vor der Pforten, Und grüßt die Münch mit frohen Worten.
Willkomm, willkomm, ihr bleibt schier lang, Die reißende Tier, die machten mich bang; Die Fisch, die tät sie braten und sieden, Die aßen sie in Gottes Frieden.
Frau hört mich an durch Gott den Herrn! Die Wittib sprach: Das tu ich gern! Ein armer Priester hat das Begehren, Sein Leben im Finsterwald zu verzehren.
Nun sprecht, ob hier ein Frommer leb, Der ihm ein klein Almosen geb; Sie sprach: Ich bin allein allhiere, Ich werd ihm ein Almoseniere.
Da tät Sankt Meinrad ihr vertrauen, Daß er sich wollt ein Zelle bauen; Und kehrt nach Oberpollingen, Tät noch ein Jahr da beten und singen.
Aber die Einsamkeit drängt ihn sehr, Er hat kein ruhig Stund da mehr, Und eilt nach Rapperswyl zu der Frauen, Die ließ ihm da seine Zelle bauen.
Am Etzel wohnt er sieben Jahr, Viel fromme Leut die kamen dar; Seine Heiligkeit macht groß Geschrei, Und zog da gar viel Volks herbei.
Solch weltlich Ehr bracht ihm viel Schmerz, Sein Hüttlein rückt er waldeinwärts; Zum finstern Wald, wo das Brünnlein quillet, Das ihm einst seinen Durst gestillet.
Und wenn er sich das Holz abhaut, Daraus er seine Zelle baut; Find't er ein Nest mit jungen Raben, Die tät er da mit Brot erlaben.
Die fromm Frau auch von Rapperswyl Schickt ihm Almosen ein gut Teil; So lebt er während funfzehn Jahren, Sein Freund die beiden Raben waren.
Von Wollrau war ein Zimmermann, Der kam da zu dem Wald heran; Und bat auch den St. Meinrad eben, Sein Kindlein aus der Tauf zu heben.
Da ging St. Meinrad hinab ins Land, Dem Zimmermann zur Taufe stand; Und kam da wieder zu vielen Ehren, Das täten zwei böse Mörder hören.
Peter und Reinhard dachten wohl, St. Meinrads Opferstock wär voll; Und wie sie zum Finsterwald eintreten, Die Raben schreien in großen Nöten.
St. Meinrad las die Meß zur Stund, Der Herr tät ihm sein Stündlein kund; Da betet er aus ganzer Seele, Daß ihn der Himmel auserwähle.
Die Mörder schlagen an die Tür: Du böser Münich tret herfür; Tu auf, gib uns dein Geld zusammen, Sonst stecken wir dein Haus in Flammen.
Im Finsterwald schallt's ganz verworrn, Die Raben mehren ihren Zorn; Um ihre Häupter sie wütend kreisen, Nach ihren Augen hacken und beißen.
St. Meinrad sanft zu ihnen tritt, Bringt ihnen Brot und Wasser mit; Eßt, trinkt, ihr Gäste, seid willkommen, Dann tut, warum ihr hergekommen.
Der Reinhard sprach: Warum komm ich? St. Meinrad sprach: Zu töten mich; Da schrien sie beide: Kannst du es wissen? So werden wir's vollbringen müssen.
Nun gib dein Silber und all dein Gut! Da schlugen sie ihn wohl aufs Blut; Und da sie seine Armut sahen, Täten sie ihn zu Boden schlagen.
Da sprach der liebe Gottesmann: Ihr lieben Freund, nun hört mich an; Zünd't mir ein Licht zu meiner Leiche, Dann eilt, daß euch kein Feind erreiche.
Der Peter ging da zur Kapell, Zu zünden an die Kerze hell; Die tät durch Gott von selbst erbrennen, Die Mörder da ihr Schuld erkennen.
Die Kerze brennt an seiner Seit, Ein Wohlgeruch sich auch verbreit; Sein Seel tät zu dem Himmel ziehen, Die Mörder da erschrocken fliehen.
Aber die frommen Raben beid, Die gaben ihnen bös Geleit; Um ihre Häupter sie zornig kreisen, Und ihnen Haar und Stirn zerreißen.
Durch Wollrau kamen sie gerannt, Der Zimmermann die Raben kannt; Da tät er seinen Bruder bitten, Zu folgen ihren wilden Schritten.
Indes lief er in den Finsterwald, Sucht seinen lieben Gevatter bald; Der lag erschlagen auf grüner Heide, Die Kerze brannt an seiner Seite.
Er küßt ihn auf den blutgen Mund, Hüllt in den Mantel ihn zur Stund; Legt weinend ihn in die Kapelle, An seines heilgen Altars Schwelle.
Und eilt herunter in das Land, Sein Jammer allen macht bekannt; Und schickt hinauf sein Kind und Frauen, Nach ihrem heilgen Freund zu schauen.
Die Mörder fand er im Wirtshaus, An der Schifflande zu Zürich drauß; Die Raben stießen die Fenster ein, Und warfen um das Bier und Wein.
Die Mörder man ergriff und band, Ihr Schuld, die haben sie bekannt; Und bis hin auf den Scheiterhaufen, Die Raben sie wohl hacken und raufen.
Der Abt zu Reichenau da hört, Der fromm St. Meinrad sei ermörd't; Schickt auch mit Licht und Fahn viel Brüder, Zu holen des St. Meinrads Glieder.
Und da der Leib zum Etzel kam, Wo er gewohnt der heilge Mann; Da war der Sarg nicht zu bewegen, Sie mußten ihn da niederlegen.
Sein heilig Herz und Ingeweid Sie da begruben zu der Zeit; Den Leib sie dann mit Beten und Singen Nach Reichenau zur Kirche bringen.
Wo er gestorben und gelebt, Das Kloster Einsiedeln sich erhebt; Für fromme Pilger ein Wunderquelle, Quillt dort in St. Meinrads Kapelle.
Tief unter mir ist alle Welt geschwunden …
Tief unter mir ist alle Welt geschwunden Seit ich an eines schönen Geistes Hand, Die Binde von den Augen losgebunden, Auf meines Daseins höchster Zinne stand, Ist alle Lust oft rund um mich gewunden Weil sich die Liebe schaffend um mich wand, Auch wird wohl einst mein krankes Herz gesunden Hab ich die Aussicht wieder nur gefunden.
Unstet in meinen Schritten…
Unstet in meinen Schritten, Herr, hab ich oft gefehlt, Du hast durch mich gelitten, Ach! Wunden ungezählt.
Laß mich nicht lang mehr wallen, Führ mich an deiner Hand, Wo ich nicht mehr kann fallen, Heim in dein Vaterland.
Laß nicht mein Herz erkalten, Herr Jesu! du allein Mach Wesen aus Gestalten, Und führ den Schein ins Sein.
Es bleichten meine Tränen Den Schleier nimmer rein, Herr, schenke meinem Sehnen Der Gnade Sonnenschein.
Herr, werfe mir herüber Ein Blatt aus deinem Kranz, Geschmückt darf ich hinüber Dann in der Bräute Glanz.
Von den Mauern Widerklang …
Von den Mauern Widerklang Fragt es in dem Herzen bang Ist es ihre Stimme? Durch die Nacht dringt nicht mein Blick Kehret mir ein Ton zurück Ist's nur meine Stimme?
Wenn ich in des Himmelshöh Sich die Sterne küssen seh Wärens unsre Sterne! Auf der hohen Wände Rand Meine Augen hingebannt Seh ich nur die Sterne
Heiß ist Liebe, Nacht ist kühl Und ich sah ach viel zu viel Dir ins schwarze Auge Nacht ist voller Lug und Trug Nimmer sehen wir genug Ihr im dunklen Auge.
Weihelied zum Ziel und Ende
Herr, Gott, dich will ich preisen, Solang mein Odem weht, O hör auf meine Weisen, O sieh auf mein Gebet. Bin ich im Himmel oben, Da lern ich andern Sang, Da will ich hoch dich loben Mein ewig Leben lang.
Jetzt laß dir wohlgefallen Mein treu einfältig Lied Muß doch ein Kindlein lallen, Wenn es die Mutter sieht. Nun hab ich auch gesehen, Wie du so väterlich, Will nun nichts mehr verstehen Als dich, mein Vater, dich.
Ich saß in meiner Kammer, Sah trüb ins Leben hin, Die Seele rang in Jammer, Voll Sorge war mein Sinn; Da floß ein heilig Sehnen Mir in das öde Herz, Da brach mein Blick in Tränen Und schaute himmelwärts.
Da war dein Himmel offen, Stern traf in Augenstern, Mein Glauben, Lieben, Hoffen Fand Gnade vor dem Herrn. Das Lied, das ich verschwiegen, Das Lied, das leis ich sang, Sah ich die Engel wiegen In Davids Harfenklang.
Und sah, den ich gerühret Mit meinem Lerchensang, Zum Herrn von mir geführet Auf einem Dornengang. Er sang mit mir zusammen Mit selgem Flug und Fall, In Gottes Liebesflammen, Trotz Lerch, trotz Nachtigall!
Weihnachtlied
Kein Sternchen mehr funkelt, Tief nächtlich umdunkelt Lag Erde so bang, Rang seufzend mit Klagen Nach leuchtenden Tagen, Ach! Harren ist lang.
Als plötzlich erschlossen, Vom Glanze durchgossen, Den Himmel sie sieht; Es sangen die Chöre: Gott Preis und Gott Ehre! Erlösung war da.
Es sangen die Chöre: Den Höhen sei Ehre, Dem Vater sei Preis, Und Frieden hienieden, Ja Frieden, ja Frieden, Dem ganzen Erdkreis.
Wir waren verloren, Nun ist uns geboren, Was Gott uns verhieß, Ein Kindlein zum Lieben, Und nie zu betrüben, Ach, Lieb ist ja süß!
O segne die Zungen, Die mit mir gesungen, Du himmlisches Kind! Und laß dir das Lallen Der Kinder gefallen, So lieblich und lind.
O Friede dem Zorne, O Röschen, dem Dorne So lieblich erblüht; Süß lallende Lippe Des Kinds in der Krippe, Dir gleicht wohl dies Lied.
Weil meine Lieb' zum Grab gegangen …
Weil meine Lieb' zum Grab gegangen, Und in den starren Blick gesehn, Und an dem stummen Mund gehangen, Muß neu mein Schmerz heut auferstehn.
Im Osten hat mir's trüb getaget Das freudige, das neue Licht; Die lange Nacht lag ich verzaget, Dein Abschiedswort verstand ich nicht.
Ein Wehelaut, du Herz der Güte, Zwei Augen, die mich angeschaut, Doch was drin flehte, was drin glühte, Das ward mir Armen nicht vertraut.
Du fühltest wie so krank ich scheide, Du edles, mitleidtrunknes Herz, Und gabst erbarmend zum Geleite Den Ton, den Blick, den eignen Schmerz.
Den Blick sah ich wohl vor mir stehen, Die lange bang durchweinte Nacht, Bis ich durch deines Wehlauts Flehen Aus schönem Schlummer früh erwacht.
Da ist dein Schmerz mich wecken kommen, Er legte mir aufs Herz die Hand, Und sprach, du krankes Herz willkommen, Weil heut der Heiland auferstand.
Willkomm, o Schmerz, so sprach ich wieder, Mein Herz ist schwer, das Grab ist leer, Und heiße Tränen sandt ich nieder, Daß Tau auch in dem Garten wär.
Du zeihtest mich, daß viele Freuden Mit andern ich nicht teilen kann, So gib mir Leiden, Leiden, Leiden, So nimm mein Herz zum Mitleid an.
Die Tränen, die so stürzend fließen, Sind nicht auf Felsen aufgesät, Ich weiß, daß Blumen daraus sprießen, Und daß mein Lieben aufersteht.
Ja aufersteht mit allen Wunden Nach langen Qualen lichtverklärt, Wenn alles wieder ist verbunden, Was zu dem Leib des Herrn gehört.
Jetzt da ich hin zum Garten irre, Und in die Felsentale seh, Da sproßt mein Schmerz wie bittre Myrrhe, Da wird mein Herz wie Aloe.
Blind tapp ich an den Felsenwänden Und streue auf dem Grabe aus, Den ich gepflückt von linden Händen, Den schmerzenvollen Blumenstrauß.
Komm mit, komm mit, schenk eine Träne, Den Ton, den Blick, zur Spezerei, Und grüße mit der Magdalene Den Herrn durch einen Jubelschrei.
Alleluja!
Wenn es stürmet auf den Wogen …
Wenn es stürmet auf den Wogen, Sitzt die Schifferin zu Haus, Doch ihr Herz ist hingezogen Auf die weite See hinaus,
Bei jeder Welle, die brandet Schäumend an Ufers Rand, Denkt sie, er strandet, er strandet, er strandet, Er kehret mir nimmer zum Land.
Bei des Donners wildem Toben Sitzt die Schäferin zu Haus, Doch ihr Herz, das schwebet oben In des Wetters wildem Saus.
Bei jedem Strahle, der klirrte Schmetternd durch Donners Groll, Denkt sie, mein Hirte, mein Hirte, mein Hirte Mir nimmermehr kehren soll.
Wenn es in dem Abgrund bebet, Sitzt des Bergmanns Weib zu Haus, Doch ihr treues Herz, das schwebet In des Schachtes dunklem Graus.
Bei jedem Stoße, der rüttet Hallend im dunkelem Schacht, Denkt sie, verschüttet, verschüttet, verschüttet Ist mein Knapp in der Erde Nacht.
Wenn die Feldschlacht tost und klirret, Sitzt des Kriegers Weib zu Haus, Doch ihr banges Herz, das irret In des Kampfes wilden Strauß.
Bei jedem Knall, jedem Hallen Der Stücke an Bergeswand Denkt sie gefallen, gefallen, gefallen Ist mein Held nun fürs Vaterland.
Aber fern schon über die Berge, Zogen die Wetter, der Donner verhallt, Horch wie die jubelnde, trunkene Lerche, Tireli, Tireli, siegreich erschallt.
Raben zieht weiter! Himmel wird heiter, Dringe mir, dringe mir, Sonne hervor!
Jubelnde Lerche, Über die Berge, Singe mir, singe mir, Wonne ins Ohr.
Mit Zipreß und Lorbeer kränzet Sieg das freudig ernste Haupt, Herr! wenn er mir niederglänzet Mit dem Trauergrün umlaubt!
Dann sternlose Nacht sei willkommen, Der Herr hat gegeben den Stern, Der Herr hat genommen, genommen, genommen, Gelobt sei der Wille des Herrn!
Wer ist ärmer als ein Kind …
Wer ist ärmer als ein Kind, An dem Scheideweg geboren, Heut geblendet, morgen blind, Ohne Führer geht's verloren, Wer ist ärmer, als ein Kind. Wer dies einmal je empfunden, Ist den Kindern durch das Jesuskind verbunden!
Welch Geheimnis ist ein Kind, Gott ist auch ein Kind gewesen, Weil wir Gottes Kinder sind, Kam ein Kind uns zu erlösen. Welch Geheimnis ist ein Kind. Wer dies einmal etc.
O wie dankbar ist ein Kind, Pflege ich die zarte Pflanze, Schütz ich sie vor Sturm und Wind, Wird's ein Schmuck im Himmelsglanze, O wie dankbar ist ein Kind. Wer dies einmal etc.
Die im Himmel waren Kind, Die auch, die der Fluch getroffen, Ach, so such ein Kind geschwind, Lehr es glauben, lieben, hoffen, Die im Himmel waren Kind. Wer dies einmal etc.
Welch ein Bote ist ein Kind, Jedes Wort, das es erquicket, Bis zum Himmelsgarten rinnt, Wo das Wort war ausgeschicket, Welch ein Bote ist ein Kind. Wer dies einmal etc.
Zu mir sendet Gott das Kind, Das nicht weiß, was tun, was lassen, Wie ich gebend bin gesinnt, Wird sein Herz die Gabe fassen, Zu mir sendet Gott das Kind. Wer dies einmal etc.
Wie so leicht lehrt sich ein Kind All zum Guten, all zum Bösen Wie den Schlüssel es gewinnt, Wird es alle Rätsel lösen, Wie so leicht lehrt sich ein Kind. Wer dies einmal etc.
Sei nicht bange um das Kind, Laß es alles selbst verdienen, Sei barmherzig, streng und lind, Sei wie Gott mit dir, mit ihnen, Sei nicht bange um das Kind. Wer dies einmal etc.
Wie gelehrig ist ein Kind, So wie du es lehrest lesen In dem Buch, in dem wir sind, So wird einst sein ganzes Wesen, Wie gelehrig ist ein Kind. Wer dies einmal etc.
Willst du segnen, lehr ein Kind, Aus dem Körnlein werden Ähren, Wie dein Körnlein war gesinnt, Wird das Brot die Welt einst nähren. Willst du segnen, lehr ein Kind. Wer dies einmal etc.
Keine Blume kennt das Kind, Giftige erscheinen bunter, Wenn es Lust am Bunten find't, Bricht's die Frucht und gehet unter, Keine Blume kennt das Kind. Wer dies einmal etc.
Ach wer führt dies schwache Kind, Höll und Himmel stehen offen, Daß das Lamm dem Wolf entrinnt, Hat es mich wohl angetroffen. Ach, wer führt dies schwache Kind. Wer dies einmal etc.
Durch die Wüste zieht das Kind, Nur der Faden meiner Hände Führt es durch das Labyrinth, Es wird wandeln wie ich's sende. Durch die Wüste zieht das Kind. Wer dies einmal etc.
In der Krippe lag ein Kind, Ochs und Esel es verehren; Wo ich je ein Kindlein find, Will ich's lieben, pflegen, lehren, In der Krippe lag ein Kind. Wer dies einmal etc.
Zu mir Sünder kam dies Kind, Lehrte mich den Vater kennen, Darum, wo ich ein Kindlein find, Muß ich's meinen Bruder nennen. Zu mir Sünder kam dies Kind. Wer dies einmal etc.
Wie so heilig ist ein Kind, Nach dem Wort von Gottes Sohne Aller Kinder Engel sind Zeugen vor des Vaters Throne, Wie so selig ist ein Kind! Wer dies einmal etc.
Welche Würde hat ein Kind, Sprach das Wort doch selbst die Worte: Die nicht wie die Kinder sind, Gehn nicht ein zur Himmelspforte. Welche Würde hat ein Kind. Wer dies einmal etc.
Werden muß ich wie ein Kind, Wenn ich will zum Vater kommen, Kinder, Kinder, kommt geschwind, Ich wär gerne mitgenommen, Ich muß werden wie ein Kind. Wer dies einmal etc.
Dieses Lied ist für ein Kind, Das noch nie ein Kind betrübet, Und aus Jesu Liebe sinnt, Ob es Kinderliebe übet, Dieses Lied ist für ein Kind, Und weil solches es empfunden, Ist's den Kindern durch das Jesuskind verbunden!
Wer dies sang war auch ein Kind Und ist jetzt ein armer Sünder, Und er schreibt auf Sturm und Wind: Wachet über Gottes Kinder, Wer dies sang, war auch sein Kind. Herr, laß dies ihn heiß empfinden, Sich den Kindern durch das Jesuskind verbinden!
Wie du sollst in Schönheit wallen …
Wie du sollst in Schönheit wallen Und dem Herrn doch wohlgefallen? Frag die Wiesenblümelein Die nicht ihrer Schönheit denken, Sich der Sonne heben, senken, Einsam duften und allein, Wo sie sproßten, in dem Garten Ruhig auch den Tod erwarten Ihrer Schönheit ewgen Samen Gottes Lüften gern vertrauen Freudig sterben und nicht schauen Wo der Herr sie aus will säen in Gottes Namen. Nichts vergehet, nichts entstehet Alles ist unendlich da Doch die armen Augen taugen Nur den Tod zu sehn. Dichter, du sollst eingestehn, Daß die Rose, die verblichen Du der Sterblichkeit verglichen, Eh sie war, und da sie glühte, Und nachdem sie längst verblühte, Daß die Rose eh und je Die ich hier erblassen seh, Ewiglich in Gott florieret Und wer dieses recht verstehet Triumphieret: Nichts vergehet, nichts entstehet, Alles ist unendlich da!
Wie sich auch die Zeit will wenden, enden …
Wie sich auch die Zeit will wenden, enden Will sich nimmer doch die Ferne, Freude mag der Mai mir spenden, senden Möcht Dir alles gerne, weil ich Freude nur erlerne, Wenn Du mit gefaltnen Händen Freudig hebst der Augen Sterne.
Alle Blumen mich nicht grüßen, süßen Gruß nehm ich von Deinem Munde. Was nicht blühet Dir zu Füßen, büßen Muß es bald zur Stunde, eher ich auch nicht gesunde, Bis Du mir mit frohen Küssen Bringest meines Frühlings Kunde.
Wenn die Abendlüfte wehen, sehen Mich die lieben Vöglein kleine Traurig an der Linde stehen, spähen Wen ich wohl so ernstlich meine, daß ich helle Tränen weine, Wollen auch nicht schlafen gehen, Denn sonst wär ich ganz alleine.
Vöglein euch mag's nicht gelingen, klingen Darf es nur von ihrem Sange, Wie des Maies Wonneschlingen, fingen Alles ein in neuem Zwange; aber daß ich Dein verlange Und Du mein, mußt Du auch singen, Ach das ist schon ewig lange.
Wiegenlied
Singet leise, leise, leise, singt ein flüsternd Wiegenlied; von dem Monde lernt die Weise, der so still am Himmel zieht.
Singt ein Lied so süß gelinde, wie die Quellen auf den Kieseln, wie die Bienen um die Linde summen, murmeln, flüstern, rieseln.
Wiegenlied eines jammernden Herzen
O schweig nur, Herz! die drohende Sibylle, Die dir durch deinen Frieden, Wehe! kreischt, Den grimmen Geier, der dich so zerfleischt, Bannt dir ein mildes Kind und deckt ganz stille Die schreinde Wunde dir, mit Taubenflügeln, Weckt dir den Morgenstern auf stummen Hügeln.
O schweig nur, Herz! Horch! Klang von Engelsschwingen! Was zuckst du so? du mußt fein leise tun, Wo man dir singet, wie so sanft sie ruhn, Die Seligen, dahin wird man dich bringen, Sei still! was schreist du? einsam ist kein Leben, Kein Grab; schlaf süß; die Liebste träumt daneben.
O schweig nur, Herz! du hast ja nichts besessen, Du läßt ja nichts zurück, wem trauerst du? Auch deines Himmels Augen fallen zu, Doch seiner Liebe Licht strahlt ungemessen; Brichst du, bricht jenes Herz? wer bleibt, wird sagen, O schönre Lust, halb hier, halb dort zu schlagen!
O schweig nur, Herz! du magst wohl selig schweigen, Was schreist du nur! dir fiel ein süßes Los, Dich wiegt die Unschuld ohne Grau'n im Schoß, Aus tiefen Augen blickt dein Himmelszeichen; Sei ihr nicht schwer, sei selig, träume, schwebe, Wein um die Traube nicht, wein mit der Rebe!
O schweig nur, Herz! sonst nennt dich einen Raben Die Liebste, die nur Tauben Futter gibt, O diene still und treu, bis sie dich liebt, Werd eine Taube, die nur will sie haben; O selig, ihr als Taube zu gehören, So lang sie sich der Raben wird erwehren!
O schweig nur, Herz! und lerne sel'ger schauen Als andre, in die Huld, die sie umgibt, Daß sie dir mehr, als allen andern gibt, Das zwinge sie, dir stumm einst zu vertrauen, Schweige, dulde, glaube, hoffe, liebe, baue Dein Elend fromm, daß sie dir ganz vertraue!
Willkomm, leb wohl …
Willkomm, leb wohl! So spricht ein liebend Grüßen Zu Lichtern, die den Scheideblick versüßen, Wenn Dichter unsre ewigen Gedanken Vermählen in des Augenblickes Schranken. O Glut! die wir entzünden Auf Schätzen, die auf Ewgem gründen Und in der Zeit verschwinden, Du wirst verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden!
Hast du den Schein verstanden, Als ich im Hain gestanden, Von meiner bunten Hülle, Von meinen Wunden stille, Von meines Herzens Tränen, Von meines Auges Sehnen? Hat dich gerührt, du feine Garbe, Der braunen Weizenähre Farbe, So hat es ein mir liebes Herz doch ausgesprochen, Ein Herz von Schmerz gebrochen; Es wird verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Kannst du mein Licht verstehen, Wenn tiefe Schatten mich umwehen, Wird auch mein still Erkennen In deiner Lampe, kluge Jungfrau, brennen, Könnt je, was tief mich rührt, dein Herz bewegen, Wollt' ich in deine Hand es ruhig legen; Der Seele Blick, so selten nur verstanden, Des Herzens Schlag, des innig mir verwandten, Wird all verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Konnt'st du, als ich vorüberging, mich lieben, Erkenne auch, was dir von mir geblieben, Und manche tiefe Aussicht mir erschlossen; Des Taues Blick im Blumenkelch entsprossen, Jed' Licht, jed' Wort, jed' leisen Klanges Wenden Des kranken Herzen, das in Kinderhänden Gleich einem Vogel stirbt, wird all verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Was du in mir verstehen kannst und lieben, Ist, was dich lieben muß und ganz erkennen, Und ist, was mich von dem, das dir geblieben, Weil ich's geliebt, erkannt, nie mehr kann trennen, Und wird verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Da wird Verwandtes bei Verwandtem stehen, Und was wir liebten, werden wir verstehen, Da wird, was du in mir geliebt, aus dir auch fruchten, Und aus uns wird erblühen, was wir suchten; Da wird in dir, was du in mir mußt lieben, Und, was geliebt von mir, bei dir geblieben, Gar streng verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Leb wohl, Willkomm! du feine kleine Garbe, Wenn jemals ich nach heim'schem Brote darbe, Seh ich die Zeilen an, die du geschrieben, Und fühl mein Lieben drin, das dir geblieben, Und denk der Herzen, die da unser denken, Bis ihre Schmerzen sie zur Erde senken, Die all verrechnet werden Am Löhnungstag des Himmels auf der Erden.
Wo schlägt ein Herz, das bleibend fühlt? ...
Wo schlägt ein Herz, das bleibend fühlt? Wo ruht ein Grund, nicht stets durchwühlt? Wo strahlt ein See, nicht stets durchspült? Ein Mutterschoß, der nie erkühlt? Ein Spiegel, nicht für jedes Bild - Wo ist ein Grund, ein Dach, ein Schild, Ein Himmel, der kein Wolkenflug, Ein Frühling, der kein Vögelzug, Wo eine Spur, die ewig treu, Ein Gleis, das nicht stets neu und neu? Ach, wo ist Bleibens auf der Welt, Ein redlich, ein gefriedet Feld, Ein Blick, der hin und her nicht schweift, Und dies und das und nichts ergreift, Ein Geist, der sammelt und erbaut - Ach, wo ist meiner Sehnsucht Braut? Ich trage einen treuen Stern Und pflanzt ihn in den Himmel gern Und find kein Plätzchen tief und klar Und keinen Felsgrund zum Altar; Hilf suchen, Süße, halt, o halt, Ein jeder Himmel leidt Gewalt.
Zorn und Liebe
O Zorn! du Abgrund des Verderben, Du unbarmherziger Tyrann, Du frißt und tötest ohne Sterben Und brennest stets von Neuem an; Wer da gerät in deine Haft Gewinnt der Hölle Eigenschaft.
Wo ist, o Liebe, deine Tiefe, Der Abgrund deiner Wunderkraft? Oh, wer an deiner Quell entschliefe, Der hätte Gottes Eigenschaft; O wer, o Lieb, in deinem Meer Gleich einem Tropfen sich verlör!
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