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Er, der Herrlichste von allen ...
Er, der Herrlichste von allen, Wie so milde, wie so gut! Holde Lippen, klares Auge, Heller Sinn und fester Mut.
So wie dort in blauer Tiefe, Hell und herrlich, jener Stern, Also er an meinem Himmel, Hell und herrlich, hehr und fern.
Wandle, wandle deine Bahnen, Nur betrachten deinen Schein, Nur in Demut ihn betrachten, Selig nur und traurig sein!
Höre nicht mein stilles Beten, Deinem Glücke nur geweiht; Darfst mich niedre Magd nicht kennen, Hoher Stern der Herrlichkeit!
Nur die Würdigste von allen Darf beglücken deine Wahl, Und ich will die Hohe segnen, Segnen viele tausendmal.
Will mich freuen dann und weinen, Selig, selig bin ich dann; Sollte mir das Herz auch brechen, Brich, O Herz, was liegt daran?
Erscheinung
Die zwölfte Stunde war beim Klang der Becher Und wüstem Treiben schon herangewacht, Als ich hinaus mich stahl, ein müder Zecher. Und um mich lag die kalte, finstre Nacht; Ich hörte durch die Stille widerhallen Den eignen Tritt und fernen Ruf der Wacht. Wie aus den klangreich festerhellten Hallen In Einsamkeit sich meine Schritte wandten, Ward ich von seltsam trübem Mut befallen. Und meinem Hause nah, dem wohlbekannten, Gewahrt' ich, und ich stand versteinert fast, Daß hinter meinen Fenstern Lichter brannten. Ich prüfte zweifelnd eine lange Rast Und fragte: macht es nur in mir der Wein? Wie käm' zu dieser Stunde mir ein Gast? Ich trat hinzu und konnte bei dem Schein Im wohlverschloßnen Schloß den Schlüssel drehen Und öffnete die Thür und trat hinein. Und wie die Blicke nach dem Lichte spähen, Da ward mir ein Gesicht gar schreckenreich - Ich sah mich selbst an meinem Pulte stehen. Ich rief: „Wer bist du, Spuk?“ - er rief zugleich: „Wer stört mich auf in später Geisterstunde?“ Und sah mich an und ward, wie ich, auch bleich. Und unermeßlich wollte die Sekunde Sich dehnen, da wir starrend wechselseitig Uns ansahn, sprachberaubt mit offnem Munde. Und aus beklommner Brust zuerst befreit' ich Das schnelle Wort: „Du grause Truggestalt, Entweiche, mache mir den Platz nicht streitig!“ Und er, als einer, über den Gewalt Die Furcht nur hat, erzwingend sich ein leises Und scheues Lächeln, sprach erwidernd: „Halt! Ich bin's, du willst es sein; - um dieses Kreises, Des wahnsinn-drohnden, Quadratur zu finden: Bist du der rechte, wie du sagst, beweis' es; Ins Wesenlose will ich dann verschwinden. Du Spuk, wie du mich nennst, gehst du das ein, Und willst auch du zu gleichem dich verbinden?“ Drauf ich entrüstet: „Ja, so soll es sein! Es soll mein echtes Ich sich offenbaren, Zu Nichts zerfließen dessen leerer Schein!“ Und er: „So laß uns, wer du seist, erfahren!“ Und ich: „Ein solcher bin ich, der getrachtet Nur einzig nach dem Schönen, Guten, Wahren; Der Opfer nie dem Götzendienst geschlachtet Und nie gefrönt dem weltlich eitlen Brauch, Verkannt, verhöhnt, der Schmerzen nie geachtet; Der irrend zwar und träumend oft den Rauch Für Flamme hielt, doch mutig beim Erwachen Das Rechte nur verfocht: - bist du das auch?“ Und er, mit wildem, kreischend lautem Lachen: „Der du dich rühmst zu sein, der bin ich nicht. Gar anders ist's bestellt um meine Sachen. Ich bin ein feiger, lügenhafter Wicht, Ein Heuchler mir und andern, tief im Herzen Nur Eigennutz und Trug im Angesicht. Verkannter Edler du mit deinen Schmerzen, Wer kennt sich nun? Wer gab das rechte Zeichen? Wer soll, ich oder du, sein Selbst verscherzen? Tritt her, so du es wagst, ich will dir weichen!“ Drauf mit Entsetzen ich zu jenem Graus: „Du bist es, bleib und laß hinweg mich schleichen!“ - Und schlich, zu weinen, in die Nacht hinaus.
Es geht bei gedämpfter Trommel Klang ...
Es geht bei gedämpfter Trommel Klang; Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang! O wär er zur Ruh und alles vorbei! Ich glaub', es bricht mir das Herz entzwei!
Ich hab' in der Welt nur ihn geliebt, Nur ihn, dem jetzt man den Tod doch gibt! Bei klingendem Spiele wird paradiert; Dazu bin auch ich kommandiert.
Nun schaut er auf zum letzten Mal In Gottes Sonne freudigen Strahl; Nun binden sie ihm die Augen zu - Dir schenke Gott die ewige Ruh!
Es haben die Neun wohl angelegt; Acht Kugeln haben vorbeigefegt. Sie zittern alle vor Jammer und Schmerz - Ich aber, ich traf ihn mitten in das Herz.
Helft mir, ihr Schwestern ...
Helft mir, ihr Schwestern, Freundlich mich schmücken, Dient der Glücklichen heute mir, Windet geschäftig Mir um die Stirne Noch der blühenden Myrte Zier.
Als ich befriedigt, Freudigen Herzens, Sonst dem Geliebten im Arme lag, Immer noch rief er, Sehnsucht im Herzen, Ungeduldig den heutigen Tag.
Helft mir, ihr Schwestern, Helft mir verscheuchen Eine törichte Bangigkeit, Daß ich mit klarem Aug ihn empfange, Ihn, die Quelle der Freudigkeit.
Bist, mein Geliebter, Du mir erschienen, Giebst du mir, Sonne, deinen Schein? Laß mich in Andacht, Laß mich in Demut, Laß mich verneigen dem Herren mein.
Streuet ihm, Schwestern, Streuet ihm Blumen, Bringet ihm knospende Rosen dar, Aber euch, Schwestern, Grüß ich mit Wehmut Freudig scheidend aus eurer Schar.
Ich kann's nicht fassen, nicht glauben ...
Ich kann's nicht fassen, nicht glauben, Es hat ein Traum mich berückt; Wie hätt er doch unter allen Mich Arme erhöht und beglückt?
Mir war's, er habe gesprochen: "Ich bin auf ewig dein," Mir war's - ich träume noch immer, Es kann ja nimmer so sein.
O laß im Traume mich sterben, Gewieget an seiner Brust, Den seligsten Tod mich schlürfen In Tränen unendlicher Lust.
Im Herbst
Niedrig schleicht blaß hin die entnervte Sonne, Herbstlich goldgelb färbt sich das Laub, es trauert Rings das Feld schon nackt und die Nebel ziehen Über die Stoppeln.
Sieh, der Herbst schleicht her und der arge Winter Schleicht dem Herbst bald nach, es erstarrt das Leben; Ja, das Jahr wird alt, wie ich alt mich fühle Selber geworden!
Gute, schreckhaft siehst du mich an, erschrick nicht; Sieh, das Haupthaar weiß, und des Auges Sehkraft Abgestumpft; warm schlägt in der Brust das Herz zwar, Aber es friert mich!
Naht der Unhold, laß mich ins Auge ihm scharf sehn: Wahrlich, Furcht nicht flößt er mir ein, er komme, Nicht bewußtlos rafft er mich hin, ich will ihn Sehen und kennen.
Laß den Wermutstrank mich, den letzten, schlürfen, Nicht ein Leichnam längst, ein vergeßner, schleichen, Wo ich markvoll einst in den Boden Spuren Habe getreten.
Ach! ein Blutstrahl quillt aus dem lieben Herzen: Fasse Mut, bleib stark; es vernarbt die Wunde, Rein und liebwert hegst du mein Bild im Herzen Nimmer vergänglich.
Kanon
Das ist die Not der schweren Zeit! Das ist die schwere Zeit der Not! Das ist die schwere Not der Zeit! Das ist die Zeit der schweren Not!
Laß ruh'n die Toten
Es steht ein altes Gemäuer Hervor aus Waldes Nacht, Wohl standen Klöster und Burgen Einst dort in herrlicher Pracht.
Es liegen im kühlen Grunde Behauene Steine gereiht; Dort schlummern die Frauen, die Starken, Die Mächt'gen der alten Zeit.
Was kommst du nächtlicher Weile Durchwühlen das alte Gestein? Und fordest hervor aus den Gräbern Nur Staub und Totengebein.
Unmächtger Sohn der Stunde, Das ist der Zeiten Lauf, Laß ruh'n, laß ruh'n die Toten, Du weckst sie mit Klagen nicht auf.
Mich ärgern höchlich alle die Versuche ...
Mich ärgern höchlich alle die Versuche, Die Welt von Ost in West zurückzudrehen; Ich möcht' hinwiederum es gerne sehen, Daß man ihr, West in Ost, zu helfen suche.
Du Narr! du Narr! Wie es im großen Buche Geschrieben stehet, wird es doch geschehen; Die Welt wird ihren richt'gen Gang schon gehen, Dein Zorn gereicht dir einzig nur zum Fluche.
Ich weiß wohl, daß es nichts zu Sache thut, Und, wenn es gleich mir so im Sinne steht, Wohlan, sei still, mein Herz, schon gut, schon gut!
Nur, hör' ich sie, wie sie im Übermut Einander rühmen: „Ei! Wie gut es geht!“ Zum Henker! Macht es mir doch böses Blut.
Nun hast du mir den ersten Schmerz getan ...
Nun hast du mir den ersten Schmerz getan, Der aber traf. Du schläfst, du harter, unbarmherz'ger Mann, Der Todesschlaf.
Es blicket die Verlaßne vor sich hin, Die Welt is leer. Geliebet hab ich und gelebt, ich bin Nicht lebend mehr.
Ich zieh mich in mein Innres still zurück, Der Schleier fällt, Da hab ich dich und mein verlornes Glück, Du meine Welt!
Süßer Freund, du blickest ...
Süßer Freund, du blickest Mich verwundert an, Kannst es nicht begreifen, Wie ich weinen kann; Laß der feuchten Perlen Ungewohnte Zier Freudighell erzittern In dem Auge mir.
Wie so bang mein Busen, Wie so wonnevoll! Wüßt ich nur mit Worten, Wie ich's sagen soll; Komm und birg dein Antlitz Hier an meiner Brust, Will in's Ohr dir flüstern Alle meine Lust.
Weißt dur nun die Tränen, Die ich weinen kann? Sollst du nicht sie sehen, Du geliebter Mann? Bleib an meinem Herzen, Fühle dessen Schlag, Daß ich fest und fester Nur dich drücken mag.
Hier an meinem Bette Hat die Wiege Raum, Wo sie still verberge Meinen holden Traum; Kommen wird der Morgen, Wo der Traum erwacht, Und daraus dein Bildnis Mir entgegen lacht.
Seit ich ihn gesehen ...
Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein; Wo ich hin nur blicke, Seh ich ihn allein; Wie im wachen Traume Schwebt sein Bild mir vor, Taucht aus tiefstem Dunkel, Heller nur empor.
Sonst ist licht - und farblos Alles um mich her, Nach der Schwestern Spiele Nicht begehr ich mehr, Möchte lieber weinen, Still im Kämmerlein; Seit ich ihn gesehen, Glaub ich blind zu sein.
Traum der eignen Tage ...
Traum der eignen Tage, Die nun ferne sind. Tochter meiner Tochter, Du mein süßes Kind, Nimm, bevor die Müde Deckt das Leichentuch, Nimm ins frische Leben Meinen Segensspruch.
Siehst mich grau von Haaren, Abgezehrt und bleich, Bin, wie du, gewesen Jung und wonnereich, Liebte, so wie du liebst, Ward, wie du, auch Braut, Und auch du wirst altern, So wie ich ergraut.
Laß die Zeit im Fluge Wandeln fort und fort, Nur beständig wahre Deines Busens Hort; Hab ich's einst gesprochen, Nehm ich's nicht zurück: Glück ist nur die Liebe, Liebe nur ist Glück.
Als ich, den ich liebte, In das grab gelegt, Hab ich meine Liebe True in mir gehegt: War mein Herz gebrochen, Blieb mir fest der Mut, Und des Alters Asche Wahrt die heilge Glut.
Nimm, bevor die Müde Deckt das Leichentuch, Nimm ins frische Leben Meinen Segensspruch: Muß das Herz dir brechen, Bleibe fest dein Mut, Sei der Schmerz der Liebe Dann dein höchstes Gut.
Ungewitter
Auf hohen Burgeszinnen Der alte König stand Und überschaute düster Das düster umwölkte Land.
Es zog das Ungewitter Mit Sturmesgewalt herauf. Er stützte seine Rechte Auf seines Schwertes Knauf.
Die Linke, der entsunken Das gold'ne Scepter schon Hielt noch auf der finstern Stirne Die schwere goldne Kron'.
Da zog ihm seine Buhle Leis' an des Mantels Saum: "Du hast mich einst geliebet, Du liebst mich wohl noch kaum?"
"Was Lieb und Lust und Minne? Laß ab, du süsse Gestalt! Das Ungewitter ziehet Herauf mit Sturmesgewalt.
Ich bin auf Burgeszinnen Nicht König mit Schwert und Kron': Ich bin der empörten Zeiten Unmächtiger, bangender Sohn."
Vom Pythagoräischen Lehrsatz
Die Wahrheit, sie besteht in Ewigkeit, Wenn erst die blöde Welt ihr Licht erkannt; Der Lehrsatz, nach Pythagoras benannt, Gilt heute, wie er galt zu seiner Zeit.
Ein Opfer hat Pythagoras geweiht Den Göttern, die den Lichtstrahl ihm gesandt; Es thaten kund, geschlachtet und verbrannt, Einhundert Ochsen seine Dankbarkeit.
Die Ochsen seit dem Tage, wenn sie wittern, Daß eine neue Wahrheit sich enthülle, Erheben ein unendliches Gebrülle;
Pythagoras erfüllt sie mit Entsetzen; Und machtlos, sich dem Licht zu widersetzen, Verschließen sie die Augen und erzittern.
Was soll ich sagen?
Mein Aug' ist trüb, Mein Mund ist stumm, Du heißest mich reden, Es sei darum!
Dein Aug' ist klar, Dein Mund ist rot, Und was du nur wünschest, Das ist ein Gebot.
Mein Haar ist grau, Mein Herz ist wund, Du bist so jung Und bist so gesund.
Du heißest mich reden, Und machst mir's so schwer. Ich seh' dich so an Und zittre so sehr.
Zweites Lied von der alten Waschfrau
Es hat euch anzuhören wohl behagt, Was ich von meiner Waschfrau euch gesagt; Ihr habt's für eine Fabel wohl gehalten? Fürwahr, mir selbst erscheint sie fabelhaft; Der Tod hat längst sie alle hingerafft, Die jung zugleich gewesen mit den Alten.
Dies werdende Geschlecht, es kennt sie nicht Und geht an ihr vorüber ohne Pflicht Und ohne Lust, sich ihrer zu erbarmen. Sie steht allein. Der Arbeit zu gewohnt, Hat sie, solang' es ging, sich nicht geschont; Jetzt aber, wehe der vergess'nen Armen!
Jetzt drückt darnieder sie der Jahre Last; Noch emsig thätig, doch entkräftet fast Gesteht sie ein: "So kann's nicht lange währen. Mag's werden, wie's der liebe Gott bestimmt; Wenn er nicht gnädig bald mich zu sich nimmt, - Nicht schafft's die Hand mehr - muss er mich ernähren."
Solang' sie rüstig noch beim Waschtrog stand, War für den Dürst'gen offen ihre Hand; Da mochte sie nicht rechnen und nicht sparen. Sie dachte bloß: "Ich weiß, wie Hunger thut." - Vor eure Füsse leg' ich meinen Hut, Sie selber ist im Betteln unerfahren.
Ihr Fraun und Herrn, Gott lohn' es euch zumal, Er geb' euch dieses Weibes Jahre Zahl Und spät dereinst ein gleiches Sterbekissen! Denn wohl vor allem, was man Güter heißt, Sind's diese beiden, die man billig preist: Ein hohes Alter und ein rein Gewissen.
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