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Abend
Endet schon des Tages Leben und sein ganzes Glück? Töne und Gestalten schweben in sich selbst zurück.
Zwischen Wachen, zwischen Träumen trinkt die Seele schon, zugeweht aus andern Räumen, leisen Harfenton.
Breite nun, du sternenschöne, atemstille Nacht, deine Schleier und versöhne wo ein Leiden wacht.
Ein Prophet
Ihr könnt mir glauben, er hat's gesehn ganz wie es kommt und ist und wird.
Im Hornungspätrot ist's geschehn, Vom Zweig ein Fink ist abgeschwirrt, der spürte ein Saften zuerst im Baum, spürte, spürte und nickte kaum, schwirrt ab und sagt: Auf Ehrenwort, schon rieselt's innen im Ast und kriecht wie Füße herauf an einer Wand, mir war's, wie wenn man Tauwind riecht, daß mir das Haar zu Berge stand; ich hab's gespürt, es rückt so fort und muß noch stärker und muß uns bald herüberläuten vom hohen Wald: Es treibt und steigt und ist im Lauf, und unser keiner hält es auf; es kommt! Es kommt!
So sagt er, und wie Lebensduft ging heimliches Schüttern durch die Luft.
Elysium
Und ist's mit dieser Welt herum, und komm' ich ins Elysium, meiner Ahne Haus muß mit hinein, sonst mag ich nicht darinnen sein. Hinter dem Hause muß am Hag die Sonne lagern den ganzen Tag, daß golden durch der Blätter Lucken wie Engelsbacken die Kürbiss' gucken, daß die Nachbarn wieder herüberschaun, die Arme aufgestemmt am Zaun, wie sie am Sonntag aus den Pfeifen lassen die blauen Wolken schweifen; lustige Mägde ziehn am Haus in weißer Schürze den Weg hinaus; doch draußen schütteln am Gartensaum wir Buben den frühsten Birnenbaum.
So sei es im Elysium, sonst scher' ich mich den Teufel drum.
Sommermorgen
Leise träumt die Sommernacht; bei den kühlen Bronnen hab' ich dich herangewacht, erster Hauch der Sonnen.
Gestern in der Abendluft, als sie untergangen, blieb von ihrem Gold ein Duft fern im Westen hangen,
Und er schwebte durch die Nacht über bis zum Norden, hat den Osten rot gemacht, daß es Morgen worden.
Perl' an Perle hängt der Tau um des Grases Blüten, und man sieht den Dampf der Au warme Stunden brüten.
Tiefer schon an Turm und Dach rückt die Helle nieder, in den Wipfeln allgemach wachen auf die Lieder.
Sieh - ein Blitz am Himmel hin! Durch der Blätter Beben zittert mir um Wang' und Kinn, Tag, dein Sonnenweben;
Und ich seh' dein Lichtgespinst alle Welt umfließen, wie du mir das Herz durchrinnst, sonniges Ergießen.
Flutend schlägt mir überm Haupt Duft und Klang zusammen; was die Seele hofft und glaubt, alles steht in Flammen.
Und so viel sie trinken mag, rauscht vom Himmel nieder; denn des Lebens voller Tag strömt allmächtig wieder.
Um Mitternacht
Ein Tag stirbt auch, wie ein Mensch verscheidet.
In letzter Nacht um die Zwölfuhrglocke sah ich es zittern beim blauen Mondschein in meinem Glase, wie ein sterbender Mensch in des andern Hände sein letztes Leben hinüberzittert.
Also geschieht es, wenn dem kommenden Tage der scheidende Tag sich überantworten muß, und der kommende ruft noch dem scheidenden nach: Grüß' mir die Mutter, die ewige Zeit, wenn du hinüberkommst, bald sehen wir alle uns drüben wieder. -
Und kein so schönes Zittern des Todes und Zittern des Lebens vermocht' ich zu denken.
Doch eines kam noch, als die Lüfte bebten beim Sonnenaufgang, und ich betete tief in die Seele hinein: Gelobt sei das ewige heilige Licht! Und die verbleichenden Sterne sprachen: In Ewigkeit!
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