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Lyrisches
Töne, Lied, aus weiter Ferne, Säusle heimlich nächster Nähe, So der Freude, so dem Wehe! Blinken doch auch so die Sterne. Alles Gute wirkt geschwinder; Alte Kinder, junge Kinder Hören's immer gerne.
Ballade
"Herein, o du Guter! du Alter, herein! Hier unten im Saale, da sind wir allein, Wir wollen die Pforte verschließen. Die Mutter, sie betet, der Vater im Hain Ist gangen, die Wölfe zu schießen. O sing uns ein Märchen, o sing es uns oft, Daß ich und der Bruder es lerne, Wir haben schon längst einen Sänger gehofft - Die Kinder, sie hören es gerne."
"Im nächtlichen Schrecken, im feindlichen Graus Verläßt er das hohe, das herrliche Haus, Die Schätze, die hat er vergraben. Der Graf nun so eilig zum Pförtchen hinaus, Was mag er im Arme denn haben? Was birget er unter dem Mantel geschwind? Was trägt er so rasch in die Ferne? Ein Töchterlein ist es, da schläft nun das Kind." - Die Kinder, sie hören es gerne.
"Nun hellt sich der Morgen, die Welt ist so weit, In Tälern und Wäldern die Wohnung bereit, In Dörfern erquickt man den Sänger, So schreitet und heischt er undenkliche Zeit, Der Bart wächst ihm länger und länger; Doch wächst in dem Arme das liebliche Kind, Wie unter dem glücklichsten Sterne, Geschützt in dem Mantel vor Regen und Wind." - Die Kinder, sie hören es gerne.
"Und immer sind weiter die Jahre gerückt, Der Mantel entfärbt sich, der Mantel zerstückt, Er könnte sie länger nicht fassen. Der Vater, er schaut sie, wie ist er beglückt! Er kann sich für Freude nicht lassen; So schön und so edel erscheint sie zugleich, Entsprossen aus tüchtigem Kerne, Wie macht sie den Vater, den teuren, so reich!" - Die Kinder, sie hören es gerne.
"Da reitet ein fürstlicher Ritter heran, Sie recket die Hand aus, der Gabe zu nahn, Almosen will er nicht geben. Er fasset das Händchen so kräftiglich an: ›Die will ich‹, so ruft er, ›aufs Leben!‹ ›Erkennst du‹, erwidert der Alte, ›den Schatz, Erhebst du zur Fürstin sie gerne; Sie sei dir verlobet auf grünendem Platz.‹" - Die Kinder, sie hören es gerne.
"Sie segnet der Priester am heiligen Ort, Mit Lust und mit Unlust nun ziehet sie fort, Sie möchte vom Vater nicht scheiden. Der Alte, er wandelt nun hier und bald dort, Er träget in Freuden sein Leiden. So hab ich mir Jahre die Tochter gedacht, Die Enkelein wohl in der Ferne; Sie segn' ich bei Tage, sie segn' ich bei Nacht." - Die Kinder, sie hören es gerne.
Er segnet die Kinder; da poltert's am Tor, Der Vater, da ist er! Sie springen hervor, Sie können den Alten nicht bergen - "Was lockst du die Kinder! du Bettler! du Tort Ergreift ihn, ihr eisernen Schergen Zum tiefsten Verlies den Verwegenen fort!" Die Mutter vernimmt's in der Ferne, Sie eilet, sie bittet mit schmeichelndem Wort - Die Kinder, sie hören es gerne.
Die Schergen, sie lassen den Würdigen stehn, Und Mutter und Kinder, sie bitten so schön; Der fürstliche Stolze verbeißet Die grimmige Wut, ihn entrüstet das Flehn, Bis endlich sein Schweigen zerreißet: "Du niedrige Brut! du vom Bettlergeschlecht! Verfinsterung fürstlicher Sterne! Ihr bringt mir Verderben! Geschieht mir doch recht..." - Die Kinder, sie hören's nicht gerne.
Noch stehet der Alte mit herrlichem Blick, Die eisernen Schergen, sie treten zurück, Es wächst nur das Toben und Wüten. "Schon lange verflucht ich mein ehliches Glück, Das sind nun die Früchte der Blüten! Man leugnete stets, und man leugnet mit Recht, Daß je sich der Adel erlerne; Die Bettlerin zeugte mir Bettlergeschlecht." - Die Kinder, sie hören's nicht gerne.
"Und wenn euch der Gatte, der Vater verstößt, Die heiligsten Bande verwegentlich löst, So kommt zu dem Vater, dem Ahnen! Der Bettler vermag, so ergraut und entblößt, Euch herrliche Wege zu bahnen. Die Burg, die ist meine! Du hast sie geraubt, Mich trieb dein Geschlecht in die Ferne; Wohl bin ich mit köstlichen Siegeln beglaubt!" - Die Kinder, sie hören es gerne.
"Rechtmäßiger König, er kehret zurück, Den Treuen verleiht er entwendetes Glück, Ich löse die Siegel der Schätze." So rufet der Alte mit freundlichem Blick: "Euch künd ich die milden Gesetze. Erhole dich, Sohn! Es entwickelt sich gut, Heut einen sich selige Sterne, Die Fürstin, sie zeugte dir fürstliches Blut." - Die Kinder, sie hören es gerne.
Paria
Des Paria Gebet
Großer Brahma, Herr der Mächte Alles ist von deinem Samen, Und so bist du der Gerechte! Hast du denn allein die Brahmen, Nur die Rajas und die Reichen, Hast du sie allein geschaffen? Oder bist auch du's, der Affen Werden ließ und unseresgleichen?
Edel sind wir nicht zu nennen: Denn das Schlechte, das gehört uns, Und was andre tödlich kennen, Das alleine, das vermehrt uns. Mag dies für die Menschen gelten, Mögen sie uns doch verachten; Aber du, du sollst uns achten, Denn du könntest alle schelten.
Also, Herr, nach diesem Flehen, Segne mich zu deinem Kinde; Oder eines laß entstehen, Das auch mich mit dir verbinde! Denn du hast den Bajaderen Eine Göttin selbst erhoben; Auch wir andern, dich zu loben, Wollen solch ein Wunder hören.
Legende
Wasser holen geht die reine, Schöne Frau des hohen Brahmen, Des verehrten, fehlerlosen, Ernstester Gerechtigkeit. Täglich von dem heiligen Flusse Holt sie köstlichstes Erquicken; - Aber wo ist Krug und Eimer? Sie bedarf derselben nicht. Seligem Herzen, frommen Händen Ballt sich die bewegte Welle Herrlich zu kristallner Kugel; Diese trägt sie frohen Busens, Reiner Sitte, holden Wandelns Vor den Gatten in das Haus.
Heute kommt die morgendliche Im Gebet zu Ganges' Fluten, Beugt sich zu der klaren Fläche - Plötzlich überraschend spiegelt Aus des höchsten Himmels Breiten Über ihr vorübereilend Allerlieblichste Gestalt Hehren Jünglings, den des Gottes Uranfänglich schönes Denken Aus dem ew'gen Busen schuf; Solchen schauend, fühlt ergriffen Von verwirrenden Gefühlen Sie das innere, tiefste Leben,
Will verharren in dem Anschaun, Weist es weg, da kehrt es wieder, Und verworren strebt sie flutwärts, Mit unsichrer Hand zu schöpfen; Aber ach! sie schöpft nicht mehr! Denn des Wassers heilige Welle Scheint zu fliehn, sich zu entfernen, Sie erblickt nur hohler Wirbel Grause Tiefen unter sich.
Arme sinken, Tritte straucheln, Ist's denn auch der Pfad nach Hause? Soll sie zaudern? soll sie fliehen? Will sie denken, wo Gedanke, Rat und Hülfe gleich versagt? - Und so tritt sie vor den Gatten; Er erblickt sie, Blick ist Urteil, Hohen Sinns ergreift das Schwert er, Schleppt sie zu dem Totenhügel, Wo Verbrecher büßend bluten. Wüßte sie zu widerstreben? Wüßte sie sich zu entschuld'gen, Schuldig, keiner Schuld bewußt?
Und er kehrt mit blutigem Schwerte Sinnend zu der stillen Wohnung; Da entgegnet ihm der Sohn: "Wessen Blut ist's? Vater! Vater!" "Der Verbrecherin!" - "Mitnichten! Denn es starret nicht am Schwerte Wie verbrecherische Tropfen, Fließt wie aus der Wunde frisch. Mutter, Mutter! tritt heraus her! Ungerecht war nie der Vater, Sage, was er jetzt verübt." "Schweige! Schweige! 's ist das ihre!"
"Wessen ist es?" - "Schweige! Schweige!" "Wäre meiner Mutter Blut!!! Was geschehen? was verschuldet? Her das Schwert! ergriffen hab ich's; Deine Gattin magst du töten, Aber meine Mutter nicht! In die Flammen folgt die Gattin Ihrem einzig Angetrauten, Seiner einzig teuren Mutter In das Schwert der treue Sohn."
"Halt', o halte!" rief der Vater, "Noch ist Raum, enteil, enteile! Füge Haupt dem Rumpfe wieder, Du berührest mit dem Schwerte, Und lebendig folgt sie dir."
Eilend, atemlos erblickt er Staunend zweier Frauen Körper Überkreuzt, und so die Häupter; Welch Entsetzen! welche Wahl! Dann der Mutter Haupt erfaßt er, Küßt es nicht, das tot erblaßte, Auf des nächsten Rumpfes Lücke Setzt er's eilig, mit dem Schwerte Segnet er das fromme Werk.
Aufersteht ein Riesenbildnis. - Von der Mutter teuren Lippen, Göttlich-unverändert-süßen, Tönt das grausenvolle Wort: "Sohn, o Sohn! welch Übereilen! Deiner Mutter Leichnam dorten, Neben ihm das freche Haupt Der Verbrecherin, des Opfers Waltender Gerechtigkeit!
Mich nun hast du ihrem Körper Eingeimpft auf ewige Tage; Weisen Wollens, wilden Handelns Werd ich unter Göttern sein. Ja, des Himmelsknaben Bildnis Webt so schön vor Stirn und Auge; Senkt sich's in das Herz herunter, Regt es tolle Wutbegier.
Immer wird es wiederkehren, Immer steigen, immer sinken, Sich verdüstern, sich verklären, So hat Brahma dies gewollt. Er gebot ja buntem Fittich, Klarem Antlitz, schlanken Gliedern, Göttlich-einzigem Erscheinen, Mich zu prüfen, zu verführen; Denn von oben kommt Verführung, Wenn's den Göttern so beliebt. Und so soll ich, die Brahmane, Mit dem Haupt im Himmel weilend, Fühlen, Paria, dieser Erde Niederziehende Gewalt.
Sohn, ich sende dich dem Vater! Tröste! - Nicht ein traurig Büßen, Stumpfes Harren, stolz Verdienen Halt euch in der Wildnis fest; Wandert aus durch alle Welten, Wandelt hin durch alle Zeiten, Und verkündet auch Geringstem: Daß ihn Brahma droben hört!
Ihm ist keiner der Geringste - Wer sich mit gelähmten Gliedern, Sich mit wild zerstörtem Geiste, Düster, ohne Hülf und Rettung, Sei er Brahma, sei er Paria, Mit dem Blick nach oben kehrt, Wird's empfinden, wird's erfahren: Dort erglühen tausend Augen, Ruhend lauschen tausend Ohren, Denen nichts verborgen bleibt.
Heb ich mich zu seinem Throne, Schaut er mich, die Grausenhafte, Die er gräßlich umgeschaffen, Muß er ewig mich bejammern, Euch zugute komme das. Und ich werd ihn freundlich mahnen, Und ich werd ihm wütend sagen, Wie es mir der Sinn gebietet, Wie es mir im Busen schwellet. Was ich denke, was ich fühle - Ein Geheimnis bleibe das."
Dank des Paria
Großer Brahma! nun erkenn ich, Daß du Schöpfer bist der Welten! Dich als meinen Herrscher nenn ich, Denn du lässest alle gelten.
Und verschließest auch dem Letzten Keines von den tausend Ohren; Uns, die tief Herabgesetzten, Alle hast du neu geboren.
Wendet euch zu dieser Frauen, Die der Schmerz zur Göttin wandelt; Nun beharr ich anzuschauen Den, der einzig wirkt und handelt.
Trilogie der Leidenschaft
An Werther
Noch einmal wagst du, vielbeweinter Schatten, Hervor dich an das Tageslicht, Begegnest mir auf neubeblümten Matten, Und meinen Anblick scheust du nicht. Es ist, als ob du lebtest in der Frühe, Wo uns der Tau auf einem Feld erquickt Und nach des Tages unwillkommner Mühe Der Scheidesonne letzter Strahl entzückt; Zum Bleiben ich, zum Scheiden du erkoren, Gingst du voran - und hast nicht viel verloren.
Des Menschen Leben scheint ein herrlich Los: Der Tag wie lieblich, so die Nacht wie groß! Und wir, gepflanzt in Paradieses Wonne, Genießen kaum der hocherlauchten Sonne, Da kämpft sogleich verworrene Bestrebung Bald mit uns selbst und bald mit der Umgebung; Keins wird vom andern wünschenswert ergänzt, Von außen düstert's, wenn es innen glänzt, Ein glänzend Äußres deckt mein trüber Blick, Da steht es nah - und man verkennt das Glück.
Nun glauben wir's zu kennen! Mit Gewalt Ergreift uns Liebreiz weiblicher Gestalt: Der Jüngling, froh wie in der Kindheit Flor, Im Frühling tritt als Frühling selbst hervor, Entzückt, erstaunt, wer dies ihm angetan? Er schaut umher, die Welt gehört ihm an. Ins Weite zieht ihn unbefangne Hast, Nichts engt ihn ein, nicht Mauer, nicht Palast; Wie Vögelschar an Wäldergipfeln streift, So schwebt auch er, der um die Liebste schweift, Er sucht vom Äther, den er gern verläßt, Den treuen Blick, und dieser hält ihn fest.
Doch erst zu früh und dann zu spät gewarnt, Fühlt er den Flug gehemmt, fühlt sich umgarnt, Das Wiedersehn ist froh, das Scheiden schwer, Das Wieder-Wiedersehn beglückt noch mehr, Und Jahre sind im Augenblick ersetzt; Doch tückisch harrt das Lebewohl zuletzt.
Du lächelst, Freund, gefühlvoll, wie sich ziemt: Ein gräßlich Scheiden machte dich berühmt; Wir feierten dein kläglich Mißgeschick, Du ließest uns zu Wohl und Weh zurück; Dann zog uns wieder ungewisse Bahn Der Leidenschaften labyrinthisch an; Und wir, verschlungen wiederholter Not, Dem Scheiden endlich - Scheiden ist der Tod! Wie klingt es rührend, wenn der Dichter singt, Den Tod zu meiden, den das Scheiden bringt! Verstrickt in solche Qualen, halbverschuldet, Geb ihm ein Gott zu sagen, was er duldet.
Elegie
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt. Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen, Von dieses Tages noch geschloßner Blüte? Das Paradies, die Hölle steht dir offen; Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüte! - Kein Zweifeln mehr! Sie tritt ans Himmelstor, Zu ihren Armen hebt sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen, Als wärst du wert des ewig schönen Lebens; Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen, Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens, Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Tränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel, Schien die Minuten vor sich her zu treiben! Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel: So wird es auch der nächsten Sonne bleiben. Die Stunden glichen sich in zartem Wandern Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.
Der Kuß, der letzte, grausam süß, zerschneidend Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen. Nun eilt, nun stockt der Fuß, die Schwelle meidend, Als trieb' ein Cherub flammend ihn von hinnen; Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen, Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte Dies Herz sich nie geöffnet, selige Stunden Mit jedem Stern des Himmels um die Wette An ihrer Seite leuchtend nicht empfunden; Und Mißmut, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere Belasten's nun in schwüler Atmosphäre.
Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände, Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten? Die Ernte, reift sie nicht? Ein grün Gelände, Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten? Und wölbt sich nicht das überweltlich Große, Gestaltenreiche, bald Gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben Schwebt, seraphgleich, aus ernster Wolken Chor, Als glich' es ihr, am blauen Äther droben Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor; So sahst du sie in frohem Tanze walten, Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden, Ein Luftgebild statt ihrer festzuhalten; Ins Herz zurück! dort wirst du's besser finden, Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten; Zu vielen bildet eine sich hinüber, So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte Und mich von dannauf stufenweis beglückte; Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte, Den letztesten mir auf die Lippen drückte: So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben Mit Flammenschrift ins treue Herz geschrieben.
Ins Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret, Für sie sich freut an seiner eignen Dauer, Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret, Sich freier fühlt in so geliebten Schranken Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden, Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen, Entschlüssen, rascher Tat sogleich gefunden! Wenn Liebe je den Liebenden begeistet, Ward es an mir aufs lieblichste geleistet;
Und zwar durch siel - Wie lag ein innres Bangen Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere: Von Schauerbildern rings der Blick umfangen Im wüsten Raum beklommner Herzensleere; Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle, Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -, Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden In Gegenwart des allgeliebten Wesens; Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören Den tiefsten Sinn, den Sinn, ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben, Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben, Enträtselnd sich den ewig Ungenannten; Wir heißen's: fromm sein! - Solcher seligen Höhe Fühl ich mich teilhaft, wenn ich vor ihr stehe.
Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten, Vor ihrem Atem, wie vor Frühlingslüften, Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten, Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften; Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert, Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist, als wenn sie sagte: Stund um Stunde Wird uns das Leben freundlich dargeboten, Das Gestrige ließ uns geringe Kunde, Das Morgende, zu wissen ist's verboten; Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute, Die Sonne sank und sah noch, was mich freute.
Drum tu wie ich und schaue, froh verständig, Dem Augenblick ins Auge! Kein Verschieben! Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig, Im Handeln sei's, zur Freude, sei's dem Lieben; Nur wo du bist, sei alles, immer kindlich, So bist du alles, bist unüberwindlich.
Du hast gut reden, dacht ich, zum Geleite Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes, Und jeder fühlt an deiner holden Seite Sich augenblicks den Günstling des Geschickes; Mich schreckt der Wink, von dir mich zu entfernen - Was hilft es mir, so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute, Was ziemt denn der? Ich wüßt es nicht zu sagen; Sie bietet mir zum Schönen manches Gute, Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen; Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen, Da bleibt kein Rat als grenzenlose Tränen.
So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam; Doch nie geläng's, die innre Glut zu dämpfen! Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam, Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen. Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen; Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,
Fehlt's am Begriff: wie sollt er sie vermissen? Er wiederholt ihr Bild zu tausend Malen. Das zaudert bald, bald wird es weggerissen, Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen; Wie könnte dies geringstem Troste frommen, Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen?
Verlaßt mich hier, getreue Weggenossen! Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos; Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen, Die Erde weit, der Himmel hehr und groß; Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt, Naturgeheimnis werde nachgestammelt.
Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren, Der ich noch erst den Göttern Liebling war; Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren, So reich an Gütern, reicher an Gefahr; Sie drängten mich zum gabeseligen Munde, Sie trennen mich, und richten mich zugrunde.
Aussöhnung
Die Leidenschaft bringt Leiden! - Wer beschwichtigt Beklommnes Herz, das allzuviel verloren? Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt? Vergebens war das Schönste dir erkoren! Trüb ist der Geist, verworren das Beginnen; Die hehre Welt, wie schwindet sie den Sinnen!
Da schwebt hervor Musik mit Engelschwingen, Verflicht zu Millionen Tön um Töne, Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen, Zu überfüllen ihn mit ew'ger Schöne: Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen Den Götterwert der Töne wie der Tränen.
Und so das Herz erleichtert merkt behende, Daß es noch lebt und schlägt und möchte schlagen, Zum reinsten Dank der überreichen Spende Sich selbst erwidernd willig darzutragen. Da fühlte sich - o daß es ewig bliebe! - Das Doppelglück der Töne wie der Liebe.
Äolsharfen
Gespräch
Er Ich dacht, ich habe keinen Schmerz, Und doch war mir so bang ums Herz, Mir war's gebunden vor der Stirn Und hohl im innersten Gehirn - Bis endlich Trän auf Träne fließt, Verhaltnes Lebewohl ergießt. - Ihr Lebewohl war heitre Ruh, Sie weint wohl jetzund auch wie du.
Sie Ja, er ist fort, das muß nun sein! Ihr Lieben, laßt mich nur allein, Sollt ich euch seltsam scheinen, Es wird nicht ewig währen! Jetzt kann ich ihn nicht entbehren. Und da muß ich weinen.
Er Zur Trauer bin ich nicht gestimmt, Und Freude kann ich auch nicht haben: Was sollen mir die reifen Gaben, Die man von jedem Baume nimmt! Der Tag ist mir zum Überdruß, Langweilig ist's, wenn Nächte sich befeuern; Mir bleibt der einzige Genuß, Dein holdes Bild mir ewig zu erneuern. Und fühltest du den Wunsch nach diesem Segen, Du kämest mir auf halbem Weg entgegen.
Sie Du trauerst, daß ich nicht erscheine, Vielleicht entfernt so treu nicht meine, Sonst wär mein Geist im Bilde da. Schmückt Iris wohl des Himmels Bläue? Laß regnen, gleich erscheint die neue. Du weinst! Schon bin ich wieder da.
Er Ja, du bist wohl an Iris zu vergleichen! Ein liebenswürdig Wunderzeichen. So schmiegsam herrlich, bunt in Harmonie Und immer neu und immer gleich wie sie.
Ungeduld
Immer wieder in die Weite, Über Länder an das Meer, Phantasien, in der Breite Schwebt am Ufer hin und her! Neu ist immer die Erfahrung: Immer ist dem Herzen bang, Schmerzen sind der Jugend Nahrung, Tränen seliger Lobgesang.
Lust und Qual
Knabe saß ich, Fischerknabe, Auf dem schwarzen Fels im Meer, Und bereitend falsche Gabe, Sang ich, lauschend rings umher. Angel schwebte lockend nieder; Gleich ein Fischlein streift und schnappt, Schadenfrohe Schelmenlieder - Und das Fischlein war ertappt.
Acht am Ufer, durch die Fluren, Ins Geklüfte tief zum Hain, Folgt ich einer Sohle Spuren, Und die Hirtin war allein. Blicke sinken, Worte stocken! - Wie ein Taschenmesser schnappt, Faßte sie mich in die Locken, Und das Bübchen war ertappt.
Weiß doch Gott, mit welchem Hirten Sie aufs neue sich ergeht! Muß ich in das Meer mich gürten, Wie es sauset, wie es weht. Wenn mich oft im Netze jammert Das Gewimmel groß und klein; Immer möcht ich noch umklammert Noch von ihren Armen sein!
Immer und Überall
Dringe tief zu Berges Grüften, Wolken folge hoch zu Lüften; Muse ruft zu Bach und Tale Tausend, aber tausend Male.
Sobald ein frisches Kelchlein blüht, Es fordert neue Lieder; Und wenn die Zeit verrauschend flieht, Jahrszeiten kommen wieder.
März
Es ist ein Schnee gefallen, Denn es ist noch nicht Zeit, Daß von den Blümlein allen, Daß von den Blümlein allen Wir werden hoch erfreut.
Der Sonnenblick betrüget Mit mildem, falschem Schein, Die Schwalbe selber lüget, Die Schwalbe selber lüget, Warum? Sie kommt allein!
Sollt ich mich einzeln freuen, Wenn auch der Frühling nah? Doch kommen wir zu zweien, Doch kommen wir zu zweien, Gleich ist der Sommer da.
April
Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr? Denn ihr sagt was gar zu Schönes, Gar des lieblichsten Getönes; Und in gleichem Sinne fragt ihr.
Doch ich glaub euch zu erfassen: Hinter dieser Augen Klarheit Ruht ein Herz in Lieb und Wahrheit Jetzt sich selber überlassen,
Dem es wohl behagen müßte, Unter so viel stumpfen, blinden Endlich einen Blick zu finden, Der es auch zu schätzen wüßte.
Und indem ich diese Chiffern Mich versenke zu studieren, Laßt euch ebenfalls verführen, Meine Blicke zu entziffern!
Mai
Leichte Silberwolken schweben Durch die erst erwärmten Lüfte, Mild, von Schimmer sanft umgeben, Blickt die Sonne durch die Düfte; Leise wallt und drängt die Welle Sich am reichen Ufer hin, Und wie reingewaschen helle, Schwankend hin und her und hin, Spiegelt sich das junge Grün.
Still ist Luft und Lüftchen stille; Was bewegt mir das Gezweige? Schwüle Liebe dieser Fülle, Von den Bäumen durchs Gesträuche. Nun der Blick auf einmal helle, Sieh! der Bübchen Flatterschar, Das bewegt und regt so schnelle, Wie der Morgen sie gebar, Flügelhaft sich Paar und Paar.
Fangen an, das Dach zu flechten - Wer bedürfte dieser Hütte? - Und wie Zimmrer, die gerechten, Bank und Tischchen in der Mitte! Und so bin ich noch verwundert, Sonne sinkt, ich fühl es kaum; Und nun führen aber hundert Mir das Liebchen in den Raum, Tag und Abend, welch ein Traum!
Juni
Hinter jenem Berge wohnt Sie, die meine Liebe lohnt. Sage, Berg, was ist denn das? Ist mir doch, als wärst du Glas
Und ich wär nicht weit davon; Denn sie kommt, ich seh es schon, Traurig, denn ich bin nicht da, Lächelnd, ja, sie weiß es ja!
Nun stellt sich dazwischen Ein kühles Tal mit leichten Büschen, Bächen, Wiesen und dergleichen, Mühlen und Rändern, den schönsten Zeichen, Daß da gleich wird eine Fläche kommen, Weite Felder unbeklommen. Und so immer, immer heraus, Bis mir an Garten und Haust Aber wie geschicht's? Freut mich das alles nicht - Freute mich des Gesichts Und der zwei Äuglein Glanz, Freute mich des leichten Gangs, Und wie ich sie seh Vom Zopf zur Zeh!
Sie ist fort, ich bin hier, Ich bin weg, bin bei ihr.
Wandelt sie auf schroffen Hügeln, Eilet sie das Tal entlang, Da erklingt es wie mit Flügeln, Da bewegt sich's wie Gesang.
Und auf diese Jugendfülle, Dieser Glieder frohe Pracht Harret einer in der Stille, Den sie einzig glücklich macht.
Liebe steht ihr gar zu schön, Schönres hab ich nie gesehn! Bricht ihr doch ein Blumenflor Aus dem Herzen leicht hervor.
Denk ich: Soll es doch so sein! Das erquickt mir Mark und Bein; Wähn ich wohl, wenn sie mich liebt, Daß es noch was Beßres gibt?
Und noch schöner ist die Braut, Wenn sie sich mir ganz vertraut, Wenn sie spricht und mir erzählt, Was sie freut und was sie quält.
Wie's ihr ist und wie's ihr war, Kenn ich sie doch ganz und gar. Wer gewänn an Seel und Leib Solch ein Kind und solch ein Weib!
Frühling übers Jahr
Das Beet, schon lockert Sich's in die Höh, Da wanken Glöckchen So weiß wie Schnee; Safran entfaltet Gewalt'ge Glut, Smaragden keimt es Und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren So naseweis, Schalkhafte Veilchen, Versteckt mit Fleiß; Was auch noch alles Da regt und webt, Genug, der Frühling, Er wirkt und lebt.
Doch was im Garten Am reichsten blüht, Das ist des Liebchens Lieblich Gemüt. Da glühen Blicke Mir immerfort, Erregend Liedchen, Erheiternd Wort, Ein immer ollen, Ein Blütenherz, Im Ernste freundlich Und rein im Scherz. Wenn Ros und Lilie Der Sommer bringt, Er doch vergebens Mit Liebchen ringt.
Fürs Leben
Nach diesem Frühlingsregen, Den wir so warm erfleht, Weibchen, o sieh den Segen, Der unsre Flur durchweht! Bis in die blaue Trübe Verliert sich unser Blick! Hier wandelt noch die Liebe, Hier hauset noch das Glück.
Das Pärchen weißer Tauben, Du siehst, es fliegt dorthin, Wo um besonnte Lauben Gefüllte Veilchen blühn. Dort banden wir zusammen Den allerersten Strauß, Dort schlugen unsre Flammen Zuerst gewaltig aus.
Doch als uns vom Altare, Nach dem beliebten Ja, Mit manchem jungen Paare, Der Pfarrer eilen sah, Da gingen andre Sonnen Und andre Monden auf, Da war die Welt gewonnen Für unsern Lebenslauf.
Und hunderttausend Siegel Bekräftigten den Bund, Im Wäldchen auf dem Hügel, Im Busch am Wiesengrund, In Höhlen, im Gemäuer, Auf des Geklüftes Höh, Und Amor trug das Feuer Selbst in das Rohr am See.
Wir wandelten zufrieden, Wir glaubten uns zu zwei; Doch anders war's beschieden, Und sieh! wir waren drei, Und vier und fünf und sechse, Sie saßen um den Topf, Und nun sind die Gewächse Fast all uns übern Kopf.
Und dort, in schöner Fläche, Das neugebaute Haus Umschlingen Pappelbäche, So freundlich sieht's heraus. Wer schaffte wohl da drüben Sich diesen frohen Sitz? Ist es mit seiner Lieben Nicht unser braver Fritz?
Und wo im Felsengrunde Der eingeklemmte Fluß Sich schäumend aus dem Schlunde Auf Räder stürzen muß: Man spricht von Müllerinnen, Und wie so schön sie sind; Doch immer wird gewinnen Dort hinten unser Kind.
Doch wo das Grün so dichte Um Kirch und Rasen steht, Da, wo die alte Fichte Allein zum Himmel weht, Da ruhet unsrer Toten Frühzeitiges Geschick Und leitet von dem Boden Zum Himmel unsern Blick.
Es blitzen Waffenwogen Den Hügel schwankend ab. Das Heer, es kommt gezogen, Das uns den Frieden gab. Wer mit der Ehrenbinde Bewegt sich stolz voraus? Es gleichet unserm Kinde! So kommt der Karl nach Haus.
Den liebsten aller Gäste Bewirtet nun die Braut; Sie wird am Friedensfeste Dem Treuen angetraut. Und zu den Feiertänzen Drängt jeder sich herbei; Da schmückest du mit Kränzen Der jüngsten Kinder drei.
Bei Flöten und Schalmeien Erneuert sich die Zeit, Da wir uns einst im Reihen Als junges Paar gefreut; Und in des Jahres Laufe, Die Wonne fühl ich schon! Begleiten wir zur Taufe Den Enkel und den Sohn.
Für ewig
Denn was der Mensch in seinen Erdeschranken Von hohem Glück mit Götternamen nennt, Die Harmonie der Treue, die kein Wanken, Der Freundschaft, die nicht Zweifelsorge kennt; Das Licht, das Weisen nur zu einsamen Gedanken, Das Dichtern nur in schönen Bildern brennt, Das hatt ich all in meinen besten Stunden In ihr entdeckt und es für mich gefunden.
Zwischen beiden Welten
Einer Einzigen angehören, Einen Einzigen verehren, Wie vereint es Herz und Sinn! Lida! Glück der nächsten Nähe, William! Stern der schönsten Höhe, Euch verdank ich, was ich bin; Tag' und Jahre sind verschwunden, Und doch ruht auf jenen Stunden Meines Wertes Vollgewinn.
Aus einem Stammbuch von 1604
Hoffnung beschwingt Gedanken, Liebe Hoffnung, In klarster Nacht hinauf zu Cynthien, Liebe! Und sprich: wie sie sich oben umgestaltet, So auf der Erde schwindet, wächst mein Glück.
Und wispere sanft-bescheiden ihr ans Ohr, Wie Zweifel oft das Haupt hing, Treue tränte. Und ihr, Gedanken, mißzutraun geneigt, Beschilt euch die Geliebte dessenthalb, So sagt: ihr wechselt zwar, doch ändert nicht, Wie sie dieselbe bleibt und immer wechselt. Untrauen tritt ins Herz, vergiftet's nicht, Denn Lieb ist süßer, von Verdacht gewürzt. Wenn sie verdrießlich dann das Aug umwölkt, Des Himmels Kläre widerwärtig schwärzt, Dann, Seufzerwinde, scheucht die Wolken weg, Tränt nieder, sie in Regen aufzulösen. Gedanke, Hoffnung, Liebe bleibt nur dort, Bis Cynthia scheint, wie sie mir sonst getan.
Um Mitternacht
Um Mitternacht ging ich, nicht eben gerne, Klein kleiner Knabe, jenen Kirchhof hin Zu Vaters Haus, des Pfarrers; Stern am Sterne, Sie leuchteten doch alle gar zu schön; Um Mitternacht.
Wenn ich dann ferner in des Lebens Weite Zur Liebsten mußte, mußte, weil sie zog, Gestirn und Nordschein über mir im Streite, Ich gehend, kommend Seligkeiten sog; Um Mitternacht.
Bis dann zuletzt des vollen Mondes Helle So klar und deutlich mir ins Finstere drang, Auch der Gedanke willig, sinnig, schnelle Sich ums Vergangne wie ums Künftige schlang; Um Mitternacht.
Sankt Nepomuks Vorabend
Karlsbad, den 15. Mai 1820
Lichtlein schwimmen auf dem Strome, Kinder singen auf der Brücken, Glocke, Glöckchen fügt vom Dome Sich der Andacht, dem Entzücken.
Lichtlein schwinden, Sterne schwinden; Also löste sich die Seele Unsres Heil'gen, nicht verkünden Durft er anvertraute Fehle.
Lichtlein, schwimmet! Spielt, ihr Kinder! Kinderchor, o singe, singe! Und verkündiget nicht minder, Was den Stern zu Sternen bringe.
Im Vorübergehn
Ich ging im Felde So für mich hin, Und nichts zu suchen, Das war mein Sinn.
Da stand ein Blümchen Sogleich so nah, Daß ich im Leben Nichts lieber sah.
Ich wollt es brechen, Da sagt' es schleunig: "Ich habe Wurzeln, Die sind gar heimlich.
Im tiefen Boden Bin ich gegründet; Drum sind die Blüten So schön geründet.
Ich kann nicht liebeln, Ich kann nicht schranzen; Mußt mich nicht brechen, Mußt mich verpflanzen."
Ich ging im Walde So vor mich hin; Ich war so heiter, Wollt immer weiter - Das war mein Sinn.
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