|
Pfingsten
Unter halbverwelkten Maien Schläft der liebe Freund so still; Oh! wie soll es ihn erfreuen, Was ich ihm vertrauen will: Ohne Wurzeln dieses Reisig, Es verdorrt das junge Blut; Aber Liebe, wie Herr Dreyßig, Nähret ihre Pflanzen gut.
Aug um Ohr
Was dem Auge dar sich stellet, Sicher glauben wir's zu schaun, Was dem Ohr sich zugesellet, Gibt uns nicht ein gleich Vertraun; Darum deine lieben Worte Haben oft mir wohlgetan, Doch ein Blick am rechten Orte, Übrig läßt er keinen Wahn.
Blick um Blick
Wenn du dich im Spiegel besiehst, Denke, daß ich diese Augen küßte Und mich mit mir selbst entzweien müßte, Sobalde du mich fliehst: Denn da ich nur in diesen Augen lebe, Du mir gibst, was ich gebe, So wär ich ganz verloren; Jetzt bin ich immer wie neu geboren.
Hauspark
Liebe Mutter, die Gespielen Sagen mir schon manche Zeit, Daß ich besser sollte fühlen, Was Natur im Freien beut. Bin ich hinter diesen Mauern, Diesen Hecken, diesem Buchs, Wollen sie mich nur bedauern Neben diesem alten Jux.
Solche schroffe grüne Wände Ließen sie nicht länger stehn; Kann man doch von einem Ende Gleich bis an das andre sehn. Von der Schere fallen Blätter, Fallen Blüten, welch ein Schmerz! Asmus, unser lieber Vetter, Nennt es puren Schneiderscherz.
Stehn die Pappeln doch so prächtig Um des Nachbars Gartenhaus; Und bei uns wie niederträchtig Nehmen sich die Zwiebeln aus! Wollt ihr nicht den Wunsch erfüllen - Ich bescheide mich ja wohl! Heuer nur, um Gottes willen, Liebe Mutter, keinen Kohl!
Der neue Kopernikus
Art'ges Häuschen hab ich klein, Und, darin verstecket, Bin ich vor der Sonne Schein Gar bequem bedecket.
Denn da gibt es Schalterlein, Federchen und Lädchen, Finde mich so wohl allein Als mit hübschen Mädchen.
Denn, o Wunder! mir zur Lust Regen sich die Wälder, Näher kommen meiner Brust Die entfernten Felder.
Und so tanzen auch vorbei Die bewachsnen Berge, Fehlet nur das Lustgeschrei Aufgeregter Zwerge.
Doch so gänzlich still und stumm Rennt es mir vorüber, Meistens grad und oft auch krumm, Und so ist mir's lieber.
Wenn ich's recht betrachten will Und es ernst gewahre, Steht vielleicht das alles still, Und ich selber fahre.
Gegenseitig
Wie sitzt mir das Liebchen? Was freut sie so groß? Den Fernen, sie wiegt ihn, Sie hat ihn im Schoß;
Im zierlichen Käfig Ein Vöglein sie hält, Sie läßt es heraußer, So wie's ihr gefällt.
Hat's Picken dem Finger, Den Lippen getan, Es flieget und flattert, Und wieder heran.
So eile zur Heimat, Das ist nun der Brauch, Und hast du das Mädchen, So hat sie dich auch.
Freibeuter
Mein Haus hat kein Tür, Mein Tür hat ke Haus: Und immer mit Schätzel Hinein und heraus.
Mei Küch hat ke Herd, Mei Herd hat ke Küch; Da bratet's und siedet's Für sich und für mich.
Mei Bett hat ke Gstell, Mei Gstell hat ke Bett. Doch wüßt ich nit enen, Der's lustiger hett.
Mei Keller is hoch, Mei Scheuer is tief, Zuoberst zuunterst - Da lag ich und schlief.
Und bin ich erwachen, Da geht es so fort; Mei Ort hat ke Bleibens, Mein Bleibens ken Ort.
Wanderlied
Von dem Berge zu den Hügeln, Niederab das Tal entlang, Da erklingt es wie von Flügeln, Da bewegt sich's wie Gesang; Und dem unbedingten Triebe Folget Freude, folget Rat; Und dein Streben, sei's in Liebe, Und dein Leben sei die Tat!
Denn die Bande sind zerrissen, Das Vertrauen ist verletzt; Kann ich sagen, kann ich wissen, Welchem Zufall ausgesetzt Ich nun scheiden, ich nun wandern, Wie die Witwe, trauervoll, Statt dem einen, mit dem andern Fort und fort mich wenden soll!
Bleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Überall sind sie zu Haus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los; Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß.
Loge
Symbolum
Des Maurers Wandeln, Es gleicht dem Leben, Und sein Bestreben, Es gleicht dem Handeln Der Menschen auf Erden.
Die Zukunft decket Schmerzen und Glücke. Schrittweis dem Blicke, Doch ungeschrecket Dringen wir vorwärts,
Und schwer und ferne Hängt eine Hülle Mit Ehrfurcht. Stille Ruhn oben die Sterne Und unten die Gräber.
Betracht sie genauer, Und siehe, so melden Im Busen der Helden Sich wandelnde Schauer Und ernste Gefühle.
Doch rufen von drüben Die Stimmen der Geister, Die Stimmen der Meister: "Versäumt nicht zu üben Die Kräfte des Guten.
Hier winden sich Kronen In ewiger Stille, Die sollen mit Fülle Die Tätigen lohnen! Wir heißen euch hoffen."
Verschwiegenheit
Wenn die Liebste zum Erwidern Blick' auf Liebesblicke beut, Singt ein Dichter gern in Liedern, Wie ein solches Glück erfreut! Aber Schweigen bringet Fülle Reicheren Vertrauns zurück; Leise, leise! Stille, stille! Das ist erst das wahre Glück.
Wenn den Krieger wild Getöse, Tromml' und Pauken, aufgeregt, Er den Feind in aller Blöße Schmetternd über Länder schlägt, Nimmt er wegen Siegsverheerung Gern den Ruhm, den lauten, an, Wenn verheimlichte Verehrung Seiner Wohltat wohlgetan.
Heil uns! Wir verbundne Brüder Wissen doch, was keiner weiß; Ja, sogar bekannte Lieder Hüllen sich in unsern Kreis. Niemand soll und wird es schauen, Was einander wir vertraut: Denn auf Schweigen und Vertrauen Ist der Tempel aufgebaut.
Gegentoast der Schwestern
Zum 24. Oktober 1820, dem Stiftungs- und Amalienfeste
Unser Dank, und wenn auch trutzig, Grüßend alle lieben Gäste, Mache keinen Frohen stutzig: Denn wir feiern eure Feste.
Sollten aber wir, die Frauen, Dankbar solche Brüder preisen, Die, ins Innere zu schauen, Immer uns zur Seite weisen?
Doch Amalien, der hehren, Die auch euch verklärt erscheinet, Sprechend, singend ihr zu Ehren Sind wir doch mit euch vereinet.
Und indem wir eure Lieder Denken keineswegs zu stören, Fragen alle sich die Brüder, Was sie ohne Schwestern wären.
Trauerloge
Der unvergeßlichen Prinzessin Karoline von Weimar-Eisenach, vermählten Erbprinzessin von Mecklenburg-Schwerin gewidmet 1816
An dem öden Strand des Lebens, Wo sich Dün auf Düne häuft, Wo der Sturm im Finstern träuft, Setze dir ein Ziel des Strebens. Unter schon verloschnen Siegeln Tausend Väter hingestreckt, Ach! von neuen, frischen Hügeln Freund an Freunden überdeckt.
Hast du so dich abgefunden, Werde Nacht und Äther klar, Und der ew'gen Sterne Schar Deute dir belebte Stunden, Wo du hier mit Ungetrübten, Treulich wirkend, gern verweilst Und auch treulich den geliebten Ewigen entgegeneilst.
Dank des Sängers
Von Sängern hat man viel erzählt, Die in ein Schloß gekommen, Wo nichts ermangelt, nichts gefehlt, Sie haben Platz genommen. Doch war wo, irgendwo ein Platz, Vergleichbar diesem Brüderschatz, Wo auch ich Platz genommen?
Ihr fraget nicht, woher ich sei, Wir alle sind von oben; Doch singend wird der Freie frei Und darf die Brüder loben. Die Brust entlöse der Gesang! Was außen eng, was außen bang, Uns macht es nicht beklommen.
So hab ich euch denn schon den Dank, Den ich gedacht, erwiesen Und euch mit Tönen rein und schlank Als Würdige gepriesen. Was bleibet übrig als der Schall, Den wir so gerne hören, Wenn überall, allüberall Im stillen wir uns vermehren.
Zur Logenfeier des 3. Septembers 1825
Einleitung
Einmal nur in unserm Leben, Was auch sonst begegnen mag, Ist das höchste Glück gegeben, Einmal feiert solchen Tag!
Einen Tag, der froh erglänzend Bunten Schmucks der Nacht entsteigt, Sich gesellig nun begrenzend Segensvoll zum Berge neigt.
Darum öffnet eure Pforten, Laßt Vertrauteste herein; Heute soll an allen Orten Liebe nah der Liebe sein!
Zwischengesang
Laßt fahren hin das allzu Flüchtige! Ihr sucht bei ihm vergebens Rat; In dem Vergangnen lebt das Tüchtige, Verewigt sich in schöner Tat.
Und so gewinnt sich das Lebendige Durch Folg aus Folge neue Kraft, Denn die Gesinnung, die beständige, Sie macht allein den Menschen dauerhaft.
So löst sich jene große Frage Nach unserm zweiten Vaterland; Denn das Beständige der ird'schen Tage Verbürgt uns ewigen Bestand.
Schlußgesang
Nun auf und laßt verlauten, Ihr brüderlich Vertrauten! Wie ihr geheim verehret, Nach außen sei's gekehret! Nicht mehr in Sälen Verhalle der Sang.
Und jubelnd übermaßen Durchziehet neue Straßen! Wo wir ins Leere schauten, Erscheinen edle Bauten Und Kranz an Kränzen Die Reihen entlang.
So äußeres Gebäude Verkündet innre Freude; Der Schule Raum erheitert, Zu lichtem Saal erweitert; Die Kinder scheuen Nicht Moder noch Zwang.
Nun in die luft'gen Räume! Wer pflanzte diese Bäume, Ihr kinderfrohen Gatten? Er pflegte diese Schatten, Und Wälder umgrünen Die Hügel entlang.
Die Plage zu vergessen, Das Gute zu ermessen, So aufgeregt als treulich, So treusam wie erfreulich Stimmet zusammen In herzlichem Sang!
Wie viel er ausgespendet, Auch weit und breit vollendet, Die Unzahl sich verbündet, Unsäglich Glück gegründet, Das wiederholet Das Leben entlang.
Gott und Welt
Weite Welt und breites Leben, Langer Jahre redlich Streben, Stets geforscht und stets gegründet, Nie geschlossen, oft gerundet, Ältestes bewahrt mit Treue, Freundlich aufgefaßtes Neue, Heitern Sinn und reine Zwecke: Nun! man kommt wohl eine Strecke.
Proömion
Im Namen dessen, der Sich selbst erschuf Von Ewigkeit in schaffendem Beruf; In Seinem Namen, der den Glauben schafft, Vertrauen, Liebe, Tätigkeit und Kraft; In Jenes Namen, der, so oft genannt, Dem Wesen nach blieb immer unbekannt:
So weit das Ohr, so weit das Auge reicht, Du findest nur Bekanntes, das Ihm gleicht, Und deines Geistes höchster Feuerflug Hat schon am Gleichnis, hat am Bild genug; Es zieht dich an, es reißt dich heiter fort, Und wo du wandelst, schmückt sich Weg und Ort; Du zählst nicht mehr, berechnest keine Zeit, Und jeder Schritt ist Unermeßlichkeit.
Was wär ein Gott, der nur von außen stieße, Im Kreis das All am Finger laufen ließe! Ihm ziemt's, die Welt im Innern zu bewegen, Natur in Sich, Sich in Natur zu hegen, So daß, was in Ihm lebt und webt und ist, Nie Seine Kraft, nie Seinen Geist vermißt.
Im Innern ist ein Universum auch; Daher der Völker löblicher Gebrauch, Daß jeglicher das Beste, was er kennt, Er Gott, ja seinen Gott benennt, Ihm Himmel und Erden übergibt, Ihn fürchtet und wo möglich liebt.
Wiederfinden
Ist es möglich, Stern der Sterne, Drück ich wieder dich ans Herz! Ach! was ist die Nacht der Ferne Für ein Abgrund, für ein Schmerz! Ja, du bist es! meiner Freuden Süßer, lieber Widerpart; Eingedenk vergangner Leiden Schaudr' ich vor der Gegenwart.
Als die Welt im tiefsten Grunde Lag an Gottes ew'ger Brust, Ordnet' er die erste Stunde Mit erhabner Schöpfungslust, Und er sprach das Wort: "Es werde!" Da erklang ein schmerzlich Ach! Als das All mit Machtgebärde In die Wirklichkeiten brach.
Auf tat sich das Licht! sich trennte Scheu die Finsternis von ihm, Und sogleich die Elemente Scheidend auseinanderfliehn. Rasch in wilden, wüsten Träumen Jedes nach der Weite rang, Starr, in ungemeßnen Räumen, Ohne Sehnsucht, ohne Klang.
Stumm war alles, still und öde, Einsam Gott zum erstenmal! Da erschuf er Morgenröte, Die erbarmte sich der Qual; Sie entwickelte dem Trüben Ein erklingend Farbenspiel, Und nun konnte wieder lieben, Was erst auseinanderfiel.
Und mit eiligem Bestreben Sucht sich, was sich angehört, Und zu ungemeßnem Leben Ist Gefühl und Blick gekehrt: Sei's Ergreifen, sei es Raffen, Wenn es nur sich faßt und hält! Allah braucht nicht mehr zu schaffen, Wir erschaffen seine Welt.
So mit morgenroten Flügeln Riß es mich an deinen Mund, Und die Nacht mit tausend Siegeln Kräftigt sternenhell den Bund. Beide sind wir auf der Erde Musterhaft in Freud und Qual, Und ein zweites Wort: Es werde! Trennt uns nicht zum zweitenmal.
Weltseele
Verteilet euch nach allen Regionen Von diesem heil'gen Schmaust Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen Ins All und füllt es aus!
Schon schwebet ihr in ungemeßnen Fernen Den sel'gen Göttertraum Und leuchtet neu, gesellig, unter Sternen Im lichtbesäten Raum.
Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen, Ins Weit' und Weitr' hinan. Das Labyrinth der Sonnen und Planeten Durchschneidet eure Bahn.
Ihr greifet rasch nach ungeformten Erden Und wirket schöpfrisch jung, Daß sie belebt und stets belebter werden Im abgemeßnen Schwung.
Und kreisend führt ihr in bewegen Lüften Den wandelbaren Flor Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften Die festen Formen vor.
Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen Zu übertreffen strebt; Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen, Und jedes Stäubchen lebt.
Und so verdrängt mit liebevollem Streiten Der feuchten Qualme Nacht; Nun glühen schon des Paradieses Weiten In überbunter Pracht.
Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen, Gestaltenreiche Schar, Und ihr erstaunt auf den beglückten Auen Nun als das erste Paar,
Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben Im sel'gen Wechselblick. Und so empfangt mit Dank das schönste Leben Vom All ins All zurück.
Dauer im Wechsel
Hielte diesen frühen Segen, Ach, nur eine Stunde fest! Aber vollen Blütenregen Schüttelt schon der laue West. Soll ich mich des Grünen freuen, Dem ich Schatten erst verdankt? Bald wird Sturm auch das zerstreuen, Wenn es falb im Herbst geschwankt.
Willst du nach den Fruchten greifen, Eilig nimm dein Teil davon! Diese fangen an zu reifen, Und die andern keimen schon; Gleich mit jedem Regengusse Ändert sich dein holdes Tal, Ach, und in demselben Flusse Schwimmst du nicht zum zweitenmal.
Du nun selbst! Was felsenfeste Sich vor dir hervorgetan, Mauern siehst du, siehst Paläste Stets mit andern Augen an. Weggeschwunden ist die Lippe, Die im Kusse sonst genas, Jener Fuß, der an der Klippe Sich mit Gemsenfreche maß,
Jene Hand, die gern und milde Sich bewegte, wohlzutun, Das gegliederte Gebilde, Alles ist ein andres nun. Und was sich an jener Stelle Nun mit deinem Namen nennt, Kam herbei wie eine Welle, Und so eilt's zum Element.
Laß den Anfang mit dem Ende Sich in eins zusammenziehn! Schneller als die Gegenstände Selber dich vorüberfliehn. Danke, daß die Gunst der Musen Unvergängliches verheißt, Den Gehalt in deinem Busen Und die Form in deinem Geist.
Eins und Alles
Im Grenzenlosen sich zu finden, Wird gern der Einzelne verschwinden, Da löst sich aller Überdruß; Statt heißem Wünschen, wildem Wollen, Statt läst'gem Fordern, strengem Sollen Sich aufzugeben ist Genuß.
Weltseele, komm, uns zu durchdringen! Dann mit dem Weltgeist selbst zu ringen Wird unsrer Kräfte Hochberuf. Teilnehmend führen gute Geister, Gelinde leitend, höchste Meister, Zu dem, der alles schafft und schuf.
Und umzuschaffen das Geschaffne, Damit sich's nicht zum Starren waffne, Wirkt ewiges lebendiges Tun. Und was nicht war, nun will es werden Zu reinen Sonnen, farbigen Erden, In keinem Falle darf es ruhn.
Es soll sich regen, schaffend handeln, Erst sich gestalten, dann verwandeln; Nur scheinbar steht's Momente still. Das Ewige regt sich fort in allen: Denn alles muß in Nichts zerfallen, Wenn es im Sein beharren will.
Vermächtnis
Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen! Das Ew'ge regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: denn Gesetze Bewahren die lebend'gen Schätze, Aus welchen sich das All geschmückt.
Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden; Das alte Wahre, faß es an! Verdank es, Erdensohn, dem Weisen, Der ihr, die Sonne zu umkreisen, Und dem Geschwister wies die Bahn.
Sofort nun wende dich nach innen, Das Zentrum findest du dadrinnen, Woran kein Edler zweifeln mag. Wirst keine Regel da vermissen: Denn das selbständige Gewissen Ist Sonne deinem Sittentag.
Den Sinnen hast du dann zu trauen, Kein Falsches lassen sie dich schauen, Wenn dein Verstand dich wach erhält. Mit frischem Blick bemerke freudig, Und wandle sicher wie geschmeidig Durch Auen reichbegabter Welt.
Genieße mäßig Füll und Segen, Vernunft sei überall zugegen, Wo Leben sich des Lebens freut. Dann ist Vergangenheit beständig, Das Künftige voraus lebendig, Der Augenblick ist Ewigkeit.
Und war es endlich dir gelungen, Und bist du vom Gefühl durchdrungen: Was fruchtbar ist, allein ist wahr - Du prüfst das allgemeine Walten, Es wird nach seiner Weise schalten, Geselle dich zur kleinsten Schar.
Und wie von alters her im stillen Ein Liebewerk nach eignem Willen Der Philosoph, der Dichter schuf, So wirst du schönste Gunst erzielen: Denn edlen Seelen vorzufühlen Ist wünschenswertester Beruf.
Parabase
Freudig war vor vielen Jahren Eifrig so der Geist bestrebt, Zu erforschen, zu erfahren, Wie Natur im Schaffen lebt.
Und es ist das ewig Eine, Das sich vielfach offenbart; Klein das Große, groß das Kleine, Alles nach der eignen Art. Immer wechselnd, fest sich haltend, Nah und fern und fern und nah; So gestaltend, umgestaltend - Zum Erstaunen bin ich da.
Die Metamorphose der Pflanzen
Dich verwirret, Geliebte, die tausendfältige Mischung Dieses Blumengewühls über dem Garten umher; Viele Namen hörest du an, und immer verdränget Mit barbarischem Klang einer den andern im Ohr. Alle Gestalten sind ähnlich, und keine gleichet der andern; Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, Auf ein heiliges Rätsel. Oh, könnt ich dir, liebliche Freundin, Überliefern sogleich glücklich das lösende Wort! Werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze, Stufenweise geführt, bildet zu Blüten und Frucht. Aus dem Samen entwickelt sie sich, sobald ihn der Erde Stille befruchtender Schoß hold in das Leben entläßt Und dem Reize des Lichts, des heiligen, ewig bewegten, Gleich den zärtesten Bau keimender Blätter empfiehlt. Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt, Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos; Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt, Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend, Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht. Aber einfach bleibt die Gestalt der ersten Erscheinung; Und so bezeichnet sich auch unter den Pflanzen das Kind. Gleich darauf ein folgender Trieb, sich erhebend, erneuet, Knoten auf Knoten getürmt, immer das erste Gebild. Zwar nicht immer das gleiche; denn mannigfaltig erzeugt sich, Ausgebildet, du siehst's, immer das folgende Blatt, Ausgedehnter, gekerbter, getrennter in Spitzen und Teile, Die verwachsen vorher ruhten im untern Organ. Und so erreicht es zuerst die höchst bestimmte Vollendung, Die bei manchem Geschlecht dich zum Erstaunen bewegt. Viel gerippt und gezackt, auf mastig strotzender Fläche, Scheinet die Fülle des Triebs frei und unendlich zu sein. Doch hier hält die Natur, mit mächtigen Händen, die Bildung An und lenket sie sanft in das Vollkommnere hin. Mäßiger leitet sie nun den Saft, verengt die Gefäße, Und gleich zeigt die Gestalt zärtere Wirkungen an. Stille zieht sich der Trieb der strebenden Ränder zurücke, Und die Rippe des Stiels bildet sich völliger aus. Blattlos aber und schnell erhebt sich der zärtere Stengel, Und ein Wundergebild zieht den Betrachtenden an. Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin. Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich, Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entläßt. Also prangt die Natur in hoher, voller Erscheinung, Und sie zeiget, gereiht, Glieder an Glieder gestuft. Immer staunst du aufs neue, sobald sich am Stengel die Blume Über dem schlanken Gerüst wechselnder Blätter bewegt. Aber die Herrlichkeit wird des neuen Schaffens Verkündung; Ja, das farbige Blatt fühlet die göttliche Hand, Und zusammen zieht es sich schnell; die zärtesten Formen, Zwiefach streben sie vor, sich zu vereinen bestimmt. Traulich stehen sie nun, die holden Paare, beisammen, Zahlreich ordnen sie sich um den geweihten Altar. Hymen schwebet herbei, und herrliche Düfte, gewaltig, Strömen süßen Geruch, alles belebend, umher. Nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige Keime Hold in den Mutterschoß schwellender Früchte gehüllt. Und hier schließt die Natur den Ring der ewigen Kräfte; Doch ein neuer sogleich fasset den vorigen an, Daß die Kette sich fort durch alle Zeiten verlänge Und das Ganze belebt, so wie das Einzelne, sei. Wende nun, o Geliebte, den Blick zum bunten Gewimmel, Das verwirrend nicht mehr sich vor dem Geiste bewegt. Jede Pflanze verkündet dir nun die ew'gen Gesetze, Jede Blume, sie spricht lauter und lauter mit dir. Aber entzifferst du hier der Göttin heilige Lettern, Überall siehst du sie dann, auch in verändertem Zug. Kriechend zaudre die Raupe, der Schmetterling eile geschäftig, Bildsam ändre der Mensch selbst die bestimmte Gestalt! O gedenke denn auch, wie aus dem Keim der Bekanntschaft Nach und nach in uns holde Gewohnheit entsproß, Freundschaft sich mit Macht aus unserm Innern enthüllte, Und wie Amor zuletzt Blüten und Früchte gezeugt. Denke, wie mannigfach bald die, bald jene Gestalten, Still entfaltend, Natur unsern Gefühlen geliehn! Freue dich auch des heutigen Tags! Die heilige Liebe Strebt zu der höchsten Frucht gleicher Gesinnungen auf, Gleicher Ansicht der Dinge, damit in harmonischem Anschaun Sich verbinde das Paar, finde die höhere Welt.
Epirrhema
Müsset im Naturbetrachten Immer eins wie alles achten; Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das ist außen. So ergreifet ohne Säumnis Heilig öffentlich Geheimnis.
Freuet euch des wahren Scheins, Euch des ernsten Spieles: Kein Lebendiges ist ein Eins, Immer ist's ein Vieles.
Metamorphose der Tiere
Wagt ihr, also bereitet, die letzte Stufe zu steigen Dieses Gipfels, so reicht mir die Hand und öffnet den freien Blick ins weite Feld der Natur. Sie spendet die reichen Lebensgaben umher, die Göttin, aber empfindet Keine Sorge wie sterbliche Fraun um ihrer Gebornen Sichere Nahrung; ihr ziemet es nicht: denn zwiefach bestimmte Sie das höchste Gesetz, beschränkte jegliches Leben, Gab ihm gemeßnes Bedürfnis, und ungemessene Gaben, Leicht zu finden, streute sie aus, und ruhig begünstigt Sie das muntre Bemühn der vielfach bedürftigen Kinder; Unerzogen schwärmen sie fort nach ihrer Bestimmung.
Zweck sein selbst ist jegliches Tier, vollkommen entspringt es Aus dem Schoß der Natur und zeugt vollkommene Kinder. Alle Glieder bilden sich aus nach ew'gen Gesetzen, Und die seltenste Form bewahrt im geheimen das Urbild. So ist jeglicher Mund geschickt, die Speise zu fassen, Welche dem Körper gebührt, es sei nun schwächlich und zahnlos Oder mächtig der Kiefer gezahnt, in jeglichem Falle Fördert ein schicklich Organ den übrigen Gliedern die Nahrung. Auch bewegt sich jeglicher Fuß, der lange, der kurze, Ganz harmonisch zum Sinne des Tiers und seinem Bedürfnis. So ist jedem der Kinder die volle, reine Gesundheit Von der Mutter bestimmt: denn alle lebendigen Glieder Widersprechen sich nie und wirken alle zum Leben. Also bestimmt die Gestalt die Lebensweise des Tieres, Und die Weise zu leben, sie wirkt auf alle Gestalten Mächtig zurück. So zeiget sich fest die geordnete Bildung, Welche zum Wechsel sich neigt durch äußerlich wirkende Wesen. Doch im Innern befindet die Kraft der edlern Geschöpfe Sich im heiligen Kreise lebendiger Bildung beschlossen. Diese Grenzen erweitert kein Gott, es ehrt die Natur sie: Denn nur also beschränkt war je das Vollkommene möglich. Doch im Inneren scheint ein Geist gewaltig zu ringen, Wie er durchbräche den Kreis, Willkür zu schaffen den Formen Wie dem Wollen; doch was er beginnt, beginnt er vergebens. Denn zwar drängt er sich vor zu diesen Gliedern, zu jenen, Stattet mächtig sie aus, jedoch schon darben dagegen Andere Glieder, die Last des Übergewichtes vernichtet Alle Schöne der Form und alle reine Bewegung. Siehst du also dem einen Geschöpf besonderen Vorzug Irgend gegönnt, so frage nur gleich, wo leidet es etwa Mangel anderswo, und suche mit forschendem Geiste, Finden wirst du sogleich zu aller Bildung den Schlüssel Denn so hat kein Tier, dem sämtliche Zähne den obern Kiefer umzäunen, ein Horn auf seiner Stirne getragen, Und daher ist den Löwen gehörnt der ewigen Mutter Ganz unmöglich zu bilden, und böte sie alle Gewalt auf; Denn sie hat nicht Masse genug, die Reihen der Zähne Völlig zu pflanzen und auch Geweih und Hörner zu treiben.
Dieser schöne Begriff von Macht und Schranken, von Willkür Und Gesetz, von Freiheit und Maß, von beweglicher Ordnung, Vorzug und Mangel erfreue dich hoch; die heilige Muse Bringt harmonisch ihn dir, mit sanftem Zwange belehrend. Keinen höhern Begriff erringt der sittliche Denker, Keinen der tätige Mann, der dichtende Künstler; der Herrscher, Der verdient, es zu sein, erfreut nur durch ihn sich der Krone. Freue dich, höchstes Geschöpf der Natur, du fühlest dich fähig, Ihr den höchsten Gedanken, zu dem sie schaffend sich aufschwang, Nachzudenken. Hier stehe nun still und wende die Blicke Rückwärts, prüfe, vergleiche, und nimm vom Munde der Muse, Daß du schauest, nicht schwärmst, die liebliche volle Gewißheit.
Antipirrhema
So schauet mit bescheidnem Blick Der ewigen Weberin Meisterstück, Wie ein Tritt tausend Fäden regt, Die Schifflein hinüber herüber schießen, Die Fäden sich begegnend fließen, Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt, Das hat sie nicht zusammengebettelt, Sie hat's von Ewigkeit angezettelt, Damit der ewige Meistermann Getrost den Einschlag werfen kann.
Im ernsten Beinhaus war's ...
Im ernsten Beinhaus war's, wo ich beschaute, Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten; Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute. Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten, Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen, Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten. Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen, Fragt niemand mehr, und zierlich tät'ge Glieder, Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen. Ihr Müden also lagt vergebens nieder, Nicht Ruh im Grabe ließ man euch, vertrieben Seid ihr herauf zum lichten Tage wieder, Und niemand kann die dürre Schale lieben, Welch herrlich edlen Kern sie auch bewahrte. Doch mir Adepten war die Schrift geschrieben, Die heil'gen Sinn nicht jedem offenbarte, Als ich inmitten solcher starren Menge Unschätzbar herrlich ein Gebild gewahrte, Daß in des Raumes Moderkält und Enge Ich frei und wärmefühlend mich erquickte, Als ob ein Lebensquell dem Tod entspränge. Wie mich geheimnisvoll die Form entzückte! Die gottgedachte Spur, die sich erhalten! Ein Blick, der mich an jenes Meer entrückte, Das flutend strömt gesteigerte Gestalten. Geheim Gefäß! Orakelsprüche spendend, Wie bin ich wert, dich in der Hand zu halten, Dich höchsten Schatz aus Moder fromm entwendend Und in die freie Luft, zu freiem Sinnen, Zum Sonnenlicht andächtig hin mich wendend. Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen, Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare? Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen, Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.
Urworte. Orphisch
DAIMON, Dämon
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen, Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist alsobald und fort und fort gediehen Nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen, So sagten schon Sibyllen, so Propheten; Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
TYCHÊ, das Zufällige
Die strenge Grenze doch umgeht gefällig Ein Wandelndes, das mit und um uns wandelt; Nicht einsam bleibst du, bildest dich gesellig, Und handelst wohl so, wie ein andrer handelt: Im Leben ist's bald hin-, bald widerfällig, Es ist ein Tand und wird so durchgetandelt. Schon hat sich still der Jahre Kreis geründet, Die Lampe harrt der Flamme, die entzündet.
ERÔS, Liebe
Die bleibt nicht aus! - Er stürzt vom Himmel nieder, Wohin er sich aus alter Öde schwang, Er schwebt heran auf luftigem Gefieder Um Stirn und Brust den Frühlingstag entlang, Scheint jetzt zu fliehn, vom Fliehen kehrt er wieder, Da wird ein Wohl im Weh, so süß und bang. Gar manches Herz verschwebt im Allgemeinen, Doch widmet sich das edelste dem Einen.
ANANKÊ, Nötigung
Da ist's denn wieder, wie die Sterne wollten: Bedingung und Gesetz; und aller Wille Ist nur ein Wollen, weil wir eben sollten, Und vor dem Willen schweigt die Willkür stille; Das Liebste wird vom Herzen weggescholten, Dem harten Muß bequemt sich Will und Grille. So sind wir scheinfrei denn nach manchen Jahren Nur enger dran, als wir am Anfang waren.
ELPIS, Hoffnung
Doch solcher Grenze, solcher ehrnen Mauer Höchst widerwärt'ge Pforte wird entriegelt, Sie stehe nur mit alter Felsendauer! Ein Wesen regt sich leicht und ungezügelt: Aus Wolkendecke, Nebel, Regenschauer Erhebt sie uns, mit ihr, durch sie beflügelt, Ihr kennt sie wohl, sie schwärmt durch alle Zonen; Ein Flügelschlag - und hinter uns Äonen!
Atmosphäre
"Die Welt, sie ist so groß und breit, Der Himmel auch so hehr und weit, Ich muß das alles mit Augen fassen, Will sich aber nicht recht denken lassen."
Dich im Unendlichen zu finden, Mußt unterscheiden und dann verbinden; Drum danket mein beflügelt Lied Dem Manne, der Wolken unterschied.
Howards Ehrengedächtnis
Wenn Gottheit Camarupa, hoch und hehr, Durch Lüfte schwankend wandelt leicht und schwer, Des Schleiers Falten sammelt, sie zerstreut, Am Wechsel der Gestalten sich erfreut, Jetzt starr sich hält, dann schwindet wie ein Traum, Da staunen wir und traun dem Auge kaum;
Nun regt sich kühn des eignen Bildens Kraft, Die Unbestimmtes zu Bestimmtem schafft; Da droht ein Leu, dort wogt ein Elefant, Kameles Hals, zum Drachen umgewandt, Ein Heer zieht an, doch triumphiert es nicht, Da es die Macht am steilen Felsen bricht; Der treuste Wolkenbote selbst zerstiebt, Eh er die Fern erreicht, wohin man liebt.
Er aber, Howard, gibt mit reinem Sinn Uns neuer Lehre herrlichsten Gewinn. Was sich nicht halten, nicht erreichen läßt, Er faßt es an, er hält zuerst es fest; Bestimmt das Unbestimmte, schränkt es ein, Benennt es treffend! - Sei die Ehre dein! - Wie Streife steigt, sich ballt, zerflattert, fällt, Erinnre dankbar deiner sich die Welt.
Stratus
Wenn von dem stillen Wasserspiegelplan Ein Nebel hebt den flachen Teppich an, Der Mond, dem Wallen des Erscheins vereint, Als ein Gespenst Gespenster bildend scheint, Dann sind wir alle, das gestehn wir nur, Erquickt', erfreute Kinder, o Natur!
Dann hebt sich's wohl am Berge, sammelnd breit An Streife Streifen, so umdüstert's weit Die Mittelhöhe, beidem gleich geneigt, Ob's fallend wässert oder luftig steigt.
Cumulus
Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre Der tüchtige Gehalt berufen wäre, Steht Wolke hoch, zum herrlichsten geballt, Verkündet, festgebildet, Machtgewalt Und, was ihr fürchtet und auch wohl erlebt, Wie's oben drohet, so es unten bebt.
Cirrus
Doch immer höher steigt der edle Drang! Erlösung ist ein himmlisch leichter Zwang. Ein Aufgehäuftes, flockig löst sich's auf, Wie Schäflein tripplend, leicht gekämmt zu Hauf. So fließt zuletzt, was unten leicht entstand, Dem Vater oben still in Schoß und Hand.
Nimbus
Nun laßt auch niederwärts, durch Erdgewalt Herabgezogen, was sich hoch geballt, In Donnerwettern wütend sich ergehn, Heerscharen gleich entrollen und verwehn! - Der Erde tätig-leidendes Geschick! Doch mit dem Bilde hebet euren Blick: Die Rede geht herab, denn sie beschreibt, Der Geist will aufwärts, wo er ewig bleibt.
Entoptische Farben
An Julien
Laß dir von den Spiegeleien Unsrer Physiker erzählen, Die am Phänomen sich freuen, Mehr sich mit Gedanken quälen.
Spiegel hüben, Spiegel drüben, Doppelstellung, auserlesen; Und dazwischen ruht im Trüben Als Kristall das Erdewesen.
Dieses zeigt, wenn jene blicken, Allerschönste Farbenspiele; Dämmerlicht, das beide schicken, Offenbart sich dem Gefühle.
Schwarz wie Kreuze wirst du sehen, Pfauenaugen kann man finden; Tag und Abendlicht vergehen, Bis zusammen beide schwinden.
Und der Name wird ein Zeichen, Tief ist der Kristall durchdrungen: Aug in Auge sieht dergleichen Wundersame Spiegelungen.
Laß den Makrokosmus gelten, Seine spenstischen Gestalten! Da die lieben kleinen Welten Wirklich Herrlichstes enthalten.
|