Gedichte von Grünthal-Ridala

zurück

Villem Grünthal-Ridala,
Estland (1885-1942)

Winterabend
Das Gefühl des Frühlings

             Winterabend
(Aus dem Estnischen übersetzt von Paul Kuuse)

Über den dämmernden, zärtlichen Schatten
Des blauen und schneeigen Matten,
Wirft die sinkende Sonne mit Mühen
Rötliches Glühen.

Über die schneeigen Fluren, die grenzlos weiten,
Sich so kahl und öde breiten
Die einsame Pfade und ein Weg
Über des Flusses Steg,
Wo bräunliche Bäume
Nun sehen die Träume.

Längs dem endlosen Wege glitten
Und rollten Schlitten,
Bei des blassen Mondes Funkensprühen
In des Abends roten Glühen
In die Ferne...
 


     Das Gefühl des Frühlings
(Aus dem Estnischen übersetzt von Paul Kuuse)

Etwas schon leuchtet und glänzet und schlaget
Hinter den weitesten Hügeln;
Hinter den weitesten Wäldern
Jemand was rufet und jauchzet und saget.

Himmel glitzert und strahlet und kläret;
Wiesen und Blüten schon schauen
Blühende, duftende Auen -
In das Gebüsch sich was rennet und kehret.

Etwas schon leuchtet und glänzet und schlaget
Hinter den weitesten Hügeln;
Hinter den weitesten Wäldern
Jemand was rufet und jauchzet und saget.

In meinem Herzen geheim was erwachet,
Etwas, was schwellet und greifet;
Etwas, was zärtlich gereifet,
Und in der Seele es singet und lachet.