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Und wieder ob den Landen Lag jüngst ein schwerer Bann: Da ist ein Mann erstanden, Ein ganzer, deutscher Mann; Ein Deutscher und ein Freier, Wer hätte das gedacht? Daß selbst die deutsche Leier Aus ihrem Schlaf erwacht.
Ein Deutscher und ein Freier, Was ihr wohl selten schaut; Jawohl, ein kühner Freier Um eine stolze Braut: Der schwur gar laute Fehde Der trotzigen Gewalt, Daß rings von seiner Rede Das Echo widerhallt:
"Mög' euch der Herr behüten Der Kronen lichten Glanz: Doch flechtet aus den Blüten Auch endlich einen Kranz; Um all die deutschen Sonnen Muß auch ein Himmel sein, Er muß zu einer Tonnen, Der deutsche Feuerwein.
Drum kommt, ihr Herrn, geschwinde, Laßt uns zur Taufe gehn: Bei einem schönen Kinde Sollt ihr Gevatter stehn! Wollt ihr den Namen wissen? Einheit, der soll es sein: Ihr bindet in die Kissen Ihm wohl die Freiheit ein?
Und was ihr sonst versprochen, Gebt auch die Rede frei! Er wird ja doch zerbrochen, Der Stab der Tyrannei; Nie wird sich mehr erheben Bis zu des Adlers Nest Die Wespe, die ihr Leben Mit ihrem Stachel läßt.
Es wird zunichte werden Der Sklaverei Phantom, Und frei rauscht durch die Erden Der Freiheit Alpenstrom; Der Strom, der sich sein Bette Nur tiefer, tiefer wühlt, Bis er die letzte Kette Der Menschheit fortgespült.
Vertraut doch eurem Volke, Dem Seemann, der nie irrt Und weiß, was euch die Wolke Am Abend bringen wird; Dem Schnitter, der die Garbe, Die reife, wohl erkennt, Dem Krieger, den die Narbe Vor jedem Treffen brennt!
Es kommt ein Sturm, drum gehen Die Seelen auch so hoch, Ihr müßt das Steuer drehen: So hört, ihr Fürsten, doch! Hier hilft kein Kompaßregeln, Hier hilft am Strand kein Turm; Wollt ihr noch weiter segeln, So segelt mit dem Sturm."
So rief er laute Fehde Der trotzigen Gewalt, Daß noch von seiner Rede Das Echo widerhallt. Den Weisen, den Gelehrten, Hat's aber mißbehagt: Gleich jenen Schriftgelehrten, Wenn sie der Herr gefragt.
Die deutsche Flotte
Erwach', mein Volk, mit neuen Sinnen! Blick' in des Schicksals goldnes Buch, Lies aus den Sternen dir den Spruch: Du sollst die Welt gewinnen! Erwach', mein Volk, heiß deine Töchter spinnen! Wir brauchen wieder einmal deutsches Linnen Zu deutschem Segeltuch.
Hinweg die feige Knechtsgebärde; Zerbrich der Heimat Schneckenhaus, Zieh mutig in die Welt hinaus, Daß sie dein eigen werde! Du bist der Hirt der großen Völkerherde, Du bist das große Hoffnungsvolk der Erde, Drum wirf den Anker aus!
War Hellas einst von beßrem Stamme Als du? von beßrem Stamme Rom? Daß Hermann, dein gepriesner Ohm, Mein Volk, dich nicht verdamme - Hinaus ins Meer mit Kreuz und Oriflamme! Sei mündig und entlaufe deiner Amme, Wie seinem Quell dein Strom!
Wohl ist sie dein, die schönste Flotte, Die je ein sterblich Aug' entzückt: Der Münster Schiffe, wie geschmückt Hast du sie deinem Gotte! Du lächelst ob der Feinde schwachem Spotte, Wenn sie auf schwankem Brett, die freche Rotte, Die Frucht der Erde pflückt.
Auch diese Frucht sollst du ersiegen, Wenn erst das Salz dein Ruder netzt, Und all die Sterne, die sich jetzt Stolz überm Haupt dir wiegen, Gleich schmucken Sklaven dir zu Füßen liegen; So zwischen zweien Himmeln hinzufliegen - Dies Ziel ist dir gesetzt!
O blick' hinaus ins Schrankenlose! Bestürmt dein Herz nicht hohe Lust, Wenn, wie an einer Mädchenbrust Die aufgeblühte Rose, Die Sonne zittert in des Meeres Schoße? Und rauschen nicht der Tiefe tausend Moose Dir zu: du mußt! du mußt!?
Gleicht nicht das heil'ge Meer dem weiten Friedhof der Welt, darüber hin Die Wogen Decken von Rubin Und grüne Hügel breiten? Um deiner Toten Asche mußt du streiten! Ha! schlummern nicht aus deiner Hansa Zeiten Auch deutsche Helden drin?
Wiegt sich nicht auf kristallnem Stuhle Im Meer der Nereiden Schar, Die sich ihr Schicksal Jahr um Jahr Abspinnt von goldner Spule? Lockt sie dich nicht, der Becher nicht von Thule, Das wilde Meer, der Freiheit Hohe Schule, Lockt dich nicht die Gefahr? -
Das Meer wird uns vom Herzen spülen Den letzten Rost der Tyrannei, Sein Hauch die Ketten wehn entzwei Und unsre Wunden kühlen. O laßt den Sturm in euren Locken wühlen, Um frei wie Sturm und Wetter euch zu fühlen; Das Meer, das Meer macht frei!
Kühn, wie der Adler kommt geflogen, Nimmt der Gedanke dort den Lauf, Kühn blickt der Mann zum Mann hinauf, Den Rücken ungebogen. Noch schwebt der Geist des Schöpfers auf den Wogen, Und in den Furchen, die Kolumb gezogen, Geht Deutschlands Zukunft auf.
Wie dich die Lande anerkennen, Soll auch das Meer dein Lehen sein, Das alle Zungen benedein Und einen Purpur nennen. Er soll nicht mehr um Krämerschultern brennen - Wer will den Purpur von dem Kaiser trennen? Ergreif ihn, er ist dein.
Ergreif ihn und mit ihm das Steuer Der Weltgeschichte, fass' es keck! Ihr Schiff ist morsch, ihr Schiff ist leck, Sei du der Welt Erneuer! Du bist des Herrn Erwählter und Getreuer; O sprich, wann lodern wieder deutsche Feuer Von jenes Schiffes Deck?
Hör', Deutschland, höre deine Barden: Dir blüht manch lustig Waldrevier - Erbaue selbst die Segler dir, Der Freiheit beste Garden, Mit eignen Flaggen, eigenen Kokarden; Bleib nicht der Sklave jenes Leoparden Und seiner schnöden Gier!
Wen bittrer Armut Not erfaßte, Und wer verbannt die See durchwallt, Daß heiße Sehnsucht nicht zu bald Die Seele ihm belaste: Dem sei's beim Schwanken einst der deutschen Maste, Als ob er träumend noch zu Hause raste Im kühlen Eichenwald.
Es wird geschehn! sobald die Stunde Ersehnter Einheit für uns schlägt, Ein Fürst den deutschen Purpur trägt, Und einem Herschermunde Ein Volk vom Po gehorchet bis zum Sunde; Wenn keine Krämerwage mehr, wie Pfunde, Europas Schicksal wägt.
Schon schaut mein Geist das nie Geschaute, Mein Herz wird segelgleich geschwellt, Schon ist die Flotte aufgestellt, Die unser Volk erbaute; Schon lehn' ich selbst, ein deutscher Argonaute, An einem Mast, und kämpfe mit der Laute Ums goldne Vlies der Welt.
Bei Hamburgs Brand
Ein freies Wort in Hamburgs Flammen! Denn in den Flammen seht ihr's gern; Es wird mich Fürst und Volk verdammen Und doch - ich find' kein Lied, ihr Herrn; Kaum will ein Laut sich in mir regen, Ein Laut für den Philistersegen, Der aus der heißen Asche bricht; Laßt mich ein Sprüchlein niederlegen: Bewahrt das Feuer und das Licht!
Ihr wißt, ich bin ein schlechter Reimer, Dies liegt trotz eurer Nacht am Tag; Doch ist mein Vers kein Wassereimer, Den man zum Löschen füllen mag; Ich jauchzte, als die Feuerzungen Jüngst so beredt durchs Land geklungen, Ja, Feuer! rief noch mein Gedicht; Ich hab' den Stürmen zugesungen: Bewahrt das Feuer und das Licht!
Manch trocken Auge ward gefeuchtet, Manch kalte Seele wurde heiß, Und glühend hat das Eis geleuchtet, Das starre, deutsche Gletschereis; Der Bund der Eintracht ward beschworen, Das Feuer hat uns neugeboren, Des Rheines Wasser konnt' es nicht - O sei kein Funke drum verloren: Bewahrt das Feuer und das Licht!
Laßt sie von Land zu Lande wallen, Die Glut, die uns solch Heil gebar; Laßt alle, alle Tempel fallen, Doch jede Seele werd' Altar. "Mehr Licht!" nur Licht kann uns erretten, Nur Feuer tilgt das Mal der Ketten, Das Feuer halte sein Gericht. Das Feuer will die Freiheit betten: Bewahrt das Feuer und das Licht!
Eine Erinnerung
Als Polens letzte Schlacht verloren, Da ging's hinunter an den Rhein, Und auf den Bergen ward geschworen: "Wir wollen freie Männer sein!" Und tief im Tal hört man's gewittern, Und durch die Lande fliegt ein Wort, Daß freudig alle Herzen zittern - Ein böser Traum! und jenen Rittern Ist hinter sieben Eisengittern Der Jugend Blüte schnell verdorrt.
Wohl viel hat uns der Tod genommen, Mehr noch das Leben uns geraubt; Doch drum, ihr Brüder, unbeklommen, Noch trägt die Freiheit stolz ihr Haupt! Uns blieb ihr Bild - was liegt am Rahmen? Wen wird das schlechte Holz gereun? Laßt sie vergehn, die großen Namen! Sie werden kommen, wie sie kamen, Und neue Helden, neuen Samen In unsrer Toten Asche streun.
Noch gibt's ja Prediger vom Berge, Für die man schon die Dornen flicht, Doch freilich! Dies Geschlecht der Zwerge Verstehet ihre Sprüche nicht; Die tief im Witz begraben liegen, Die hohen Herrn verstummen hier - Kein Bücken gilt's mehr und kein Biegen, Die Freiheit ruft schon an den Wiegen: "In meinem Zeichen müßt ihr siegen!" In ihrem Zeichen siegen wir.
Wie Zeus durch den Olympus schreitet Mit Donnern, naht der große Tag: Ob aller Welt wird er verbreitet, Daß alle Welt sich freuen mag. Dem Sehnen ward das Wort verliehen, Der Stern der Zeit fand seine Bahn; Dem Sturm geweihter Melodieen Wird auch der letzte Feind entfliehen, Und, der Verheißung Schwalben, ziehen Dem Völkerfrühling wir voran.
Der Knechtschaft Baal wird zuschanden, Der Blinde weiß nicht, was er tut: Er schlägt den süßen Wein in Banden Und mehrt nur seines Feuers Glut. Seht ihn, der heut der Haft entsprungen, Wie wirft er seiner Perlen Schar! Hurra, ihr frischen, freien Zungen! Hurra, du Volk der Nibelungen, Bring' diesen alten Geist dem jungen, Dem guten Geist zum Opfer dar!
Einkehr in die Schweiz
Im Frühjahr 1840
Alles ringt sich von der Scholle, Alles ist emporgestiegen; Will am End' die blütenvolle Erde in den Himmel fliegen?
Meiner Heimat Strand befeuchtend, Glänzt vor mir des Seees Spiegel, Drauf die Sonne, purpurleuchtend, Wie der Liebe rotes Siegel.
Und ich seh' in allen Fernen Opfer von den Bergen rauchen, Und ich möchte mit den Sternen Meine Seele untertauchen.
Und es dampfet durch die Lüfte Auf zu mir des Tales Brodem, Und es duften alle Düfte, Wie einst meiner Liebsten Odem.
Frühling unten, Frühling oben Und so Flur wie Hügel reicher; Alle Not hinweggehoben Und der Himmel selber weicher.
Doch kein Herz, das er, zu teilen Diese Seligkeit, mir gönnte - Und so wünsch' ich mir zuweilen Etwas, das ich hassen könnte.
Heimweh
O Land, das mich so gastlich aufgenommen, O rebenlaubumkränzter, stolzer Fluß - Kaum bin ich eurer Schwelle nahgekommen, Klingt schon mein Gruß herb wie ein Scheidegruß. Was soll dem Auge eure Schönheit frommen, Wenn diese arme Seele betteln muß? Er ist so kalt, der fremde Sonnenschein; Ich möchte, ja ich möcht' zu Hause sein!
Die Schwalben seh' ich schon im stillen Flug Die Häuser - nur das meine nicht - umschweben; O warme Luft, und doch nicht warm genug, Verpflanzte Blumen wieder zu beleben! Der Baum, der seine jungen Sprossen schlug, Was wird dem Fremdling er im Herbste geben? Vielleicht ein Kreuz und einen Totenschrein - Mich friert, mich friert! ich möcht' zu Hause sein! -
Die Schweiz
1842
Land der Sehnsucht, drin die Berge wie der Freiheit Prachtstatüen, Wie aus blankem Gold und Silber von dem Herrn gegossen, glühen; Berge, die er seinem Himmel als die letzten Säulen gab, Wiege seiner Wetterwolken, seiner Adler einsam Grab!
Land der Sehnsucht, drin die Ströme sich wie mutige Rebellen In die Ebne niederstürzen, auch der Rhein mit seinen Wellen, Auch der Rhein mit seinen Wellen, der die vielen Worte hört - Ob's die deutschen Fürsten ahnen, daß sich auch der Rhein empört?
Daß er hier sich nicht um Klippen, nicht um deutsche Lieder kümmert, Und den eignen Friedensbogen tausendfach im Sturz zertrümmert? Ob ihr auch so voll des Lobes, deutsche Sänger, hier erschient, Wo er donnernd schon als Säugling seine Sporen sich verdient?
Wo die ersten Schöpfungsworte laut noch durch die Lüfte klingen: Land der Dichter! das emporsteigt, adlergleich, auf Felsenschwingen; Wo die Erde heißverlangend nach dem Kranz der Sterne faßt, Bis sie vor der eignen Größe tief erschaudert und erblaßt:
Wieder bin ich dein geworden! wieder glänzt ihr, stolze Firnen, Jeden Abend, jeden Morgen frische Rosen um die Stirnen; Land der Sehnsucht, ob auch eitel manch ein Sklave mit dir prahlt, Bleibst du doch der treuste Spiegel, der die Freiheit widerstrahlt!
Einstens, hört' ich, ging ein Engel durch der Herren Länder fragen, Ob ihr Boden nicht den Samen auch der Freiheit möchte tragen? Und er bat um wenig Erde, und er bat um wenig Raum, Wenig Raum und wenig Erde braucht ein solcher Freiheitsbaum.
Doch sie riefen ihre Schergen in die Täler, auf die Hügel, Und der Engel nahm den Samen wieder unter seine Flügel, Trug ihn aus dem finstern Lande in der Berge Purpurschein, Senkt' ihn statt in lockrer Erde in den Schoß der Felsen ein.
Also mußt' er seine Wurzeln wie die junge Tanne treiben: Mög' er auch wie eure Tannen immer grün, o Schweizer, bleiben! Sicher vor des Himmels Blitze und vor eurer eignen Hand, Sicher vor des Fremdlings Witze und - vor eignem Unverstand.
Aus den Bergen
Jeder Mensch hat seinen Stern, Jeder Hofrat seinen; Jeder Pudel seinen Kern: Laßt auch mir den meinen! Ward mir leider nicht zuteil, Daß ich euch ergötze, Aber denkt: ich bin ein Keil, Weil ihr grobe Klötze.
Ja - ich habe kein Gemüt Für der Mägdlein Wangen, Für die Blümchen, die verblüht, Eh' sie aufgegangen; Ja, ich bin ein schlechter Held Wider Türk' und Franken, Mache selbst um jene Welt Mir nicht viel Gedanken.
Ich gehöre zum Verband Aller großen Toren. Heil! wenn unser Vaterland Den Verstand verloren! Wenn's einmal, ein Löwe noch, Seine Mähne schüttelt Und am altgewohnten Joch Der Philister rüttelt!
Alle Herzen, stolz und heiß, Müssen dort verbluten; Darum in dies Gletschereis Flücht' ich meine Gluten: Droben an des Gießbachs Strand, An des silberhellen, Jauchz' ich, daß im flachen Land Euch die Ohren gellen.
Was ihr nur mit Schmach und Tod Wisset zu befehden, Trunken vor dem Morgenrot Darf ich's jetzo reden, Rufen in den goldnen Tag Tief aus Herz und Kehle: "Raum, ihr Herrn, dem Flügelschlag Einer freien Seele!"
Wo mit unbezähmter Lust Ob den letzten Hütten Dürre Felsen aus der Brust Ewige Ströme schütten; Wo in ungezügeltem Lauf Noch die Wasser tosen, Lad' ich meine Waren auf: Wilde, wilde Rosen!
Habt da draußen manchen Tropf, Der mag vor euch zagen; Ich will trotzig meinen Kopf Wie die Berge tragen. O, wie winzig dünken mich Eure Siebensachen! Wer die Blitze unter sich, Kann auch eurer lachen.
Unseren Künstlern
quand même noch zwei Sonette!
I.
Bei einem Gemälde von Cornelius
Die Zeit ist die Madonna der Poeten, Die Mater dolorosa, die gebären Den Heiland soll. Drum halt die Zeit in Ehren: Du kannst nichts Höheres, denn sie, vertreten.
Hat deine Zeit einmal nicht Lust zum Beten, Du wirst sie keines Besseren belehren! Warum die Augen ewig rückwärts kehren? Im eigenen Jahrhundert dich verspäten?
Ich achte all dies strahlende Gelichter Und deinen ganzen Himmel nicht sehr teuer, Obschon du höflichst dreingesetzt den Dichter.
Nimm einen Lorbeer für die Ungeheuer Und für die kolossalen Bösewichter, Doch deine Heiligen - die wirf ins Feuer!
II.
Die Blumen überwuchern unsre Saaten, Drum fehlet uns ein Held von echtem Korne, Der tief getrunken aus der Mannheit Borne Und helfen kann, wo Tausende nur raten;
Der sich versteht auf hohe freie Taten, Des Auge flammt in hellem Liebeszorne, Der die Tyrannen peitschet mit dem Dorne Von jeder Rose, so sie uns zertraten.
Ein Held, des Worte leuchten in die Runde, Der unsres Vaterlands zersprengte Teile Zusammenzaubern kann zu neuem Bunde;
Ein Held, der, wo die Not erheischet Eile, Die Waffen in der Hand trägt, statt im Munde, Zum Schwert greift, statt nach Pinsel oder Feile.
Wohlgeboren und Hochwohlgeboren
Von zwei deutschen Dichtern in Paris.
I. Wohlgeboren
So hab' ich es nach langen Jahren Zu diesem Posten noch gebracht Und leider nur zu oft erfahren, Wer hier im Land das Wetter macht. Du sollst, verdammte Freiheit! mir Die Ruhe fürder nicht gefährden; Lisette, noch ein Gläschen Bier! Ich will ein guter Bürger werden.
Auch ich sprach einst vom Vaterland Und solchen sonderbaren Dingen, Ich trug mein schwarzrotgolden Band Und ließ die Sporen furchtbar klingen: Doch selig, wer im Gleise geht Und still im Joche zieht auf Erden - Was hilft die Genialität? Ich will ein guter Bürger werden.
Diogenes vor seiner Tonne - Vortrefflich, wie beneid' ich ihn! Es war noch keine Julisonne, Die jenen Glücklichen beschien. Was Monarchie? was Republik? Wie sich die Leute toll gebärden! Zum Teufel mit der Politik! Ich will ein guter Bürger werden.
Gewiß, man tobt sich einmal aus - Es wär' ja um die Jugend schade - Doch, führt man erst sein eigen Haus, So werden Fünfe plötzlich grade. In welcher Mühle man uns mahlt, Das macht uns nimmer viel Beschwerden; Der ist mein Herr, der mich bezahlt -, Ich will ein guter Bürger werden.
Jedwedem Umtrieb bleib' ich fern, Der Henker mag das Volk beglücken! Ein Orden ist ein eigner Stern, Wer einen hat, der soll sich bücken. Bück' dich, mein Herz! bald fahren wir Zur Residenz mit eignen Pferden; Lisette, noch ein Gläschen Bier! Ich will ein guter Bürger werden.
II. Hochwohlgeboren
Justum et tenacem propositi virum - Horatius
Ein guter Bürger willst du werden? Pfui, Freund! - Ein guter Bürger - du? Das also war dein Ziel auf Erden? Dem stürmten deine Lieder zu? O, nimm's zurück, das ekle Wort! Wer mag sich so gemein gebärden? Nein, nein, mich reißt es weiter fort: Ich muß Geheimer Hofrat werden!
Um meine Wiege sah die Amme Schon frühe den Prophetenschein, Und in mir diese ew'ge Flamme, Sie kann, sie darf nicht Lüge sein. Bleib du im Tal, wo dir's behagt, Und grase mit den Pöbelherden, In mir steht fest, was ich gesagt: Ich muß Geheimer Hofrat werden!
Daß unsre Wege so sich teilen, Glaub' mir, Georg, es tut mir weh; Du gehst zum Bier; und ich derweilen Zu einem Oberappellationsgerichtsvizepräsidenten -Tee. Du hast erfüllt dein stilles Los, Das meine liegt noch den Behörden Der dunkeln Zukunft schwer im Schoß: Ich muß Geheimer Hofrat werden!
So mancher hat's doch schon erreicht, Der höher noch als ich gedachte, Der krummer seinen Vers vielleicht Und krummer seinen Rücken machte. Was einer kann, das kann auch ich! - - Und, trotz Gefährden und Beschwerden, Schwör' ich's - St. Huber, höre mich! - Ich muß Geheimer Hofrat werden!
Sieh: ein Logis im ersten Stocke, Recht weit und reich, mit Maß geheizt, Ein Kreuzchen auf dem schwarzen Rocke, Das sich kokett versteckt und spreizt, Ein Chaischen, ein Livreechen drauf, Und fährt's auch mit Fiakerpferden - Bruder! die Seele geht mir auf: - Ich muß Geheimer Hofrat werden!
Noch lebt ein Gott: Verdienst zu lohnen, Noch steht manch edles Fürstenhaus; Gott teilt den Fürsten ihre Kronen, Die Fürsten uns die Titel aus. Gewiß, gewiß! ich find' es noch Mein letztes Ziel auf dieser Erden; Wär's nur um Voigtens Nekrolog: - Ich muß Geheimer Hofrat werden!
Franz Dingelstedt.
Die Partei
An Ferdinand Freiligrath
Die ihr gehört - frei hab' ich sie verkündigt: Ob jedem recht: - schiert ein Poet sich drum? Seit Priams Tagen, weiß er, wird gesündigt In Ilium und außer Ilium. Er beugt sein Knie dem Helden Bonaparte, Und hört mit Zürnen d'Enghiens Todesschrei: Der Dichter steht auf einer höhern Warte Als auf den Zinnen der Partei.
Ferdinand Freiligrath. (S. dessen Gedicht auf den Tod von Diego Leon. "Morgenblatt" Nr. 286, Jahrg. 1841.)
Du drückst den Kranz auf eines Mannes Stirne, Der wie ein Schächer jüngst sein Blut vergoß, Indessen hier die königliche Dirne Die Sündenhefe ihrer Lust genoß; Ich will ihm den Zypressenkranz gewähren, Düngt auch sein Blut die Saat der Tyrannei - Für ihn den milden Regen deiner Zähren! Doch gegen sie die Blitze der Partei!
Partei! Partei! Wer sollte sie nicht nehmen, Die noch die Mutter aller Siege war! Wie mag ein Dichter solch ein Wort verfemen, Ein Wort, das alles Herrliche gebar? Nur offen wie ein Mann: Für oder wider? Und die Parole: Sklave oder frei? Selbst Götter stiegen vom Olymp hernieder Und kämpften auf der Zinne der Partei!
Sieh hin! dein Volk will neue Bahnen wandeln! Nur des Signales harrt ein stattlich Heer; Die Fürsten träumen, laßt die Dichter handeln! Spielt Saul die Harfe, werfen wird den Speer! Den Panzer um - geöffnet sind die Schranken, Brecht immer euer Saitenspiel entzwei, Und führt ein Fähnlein ewiger Gedanken Zur starken, stolzen Fahne der Partei!
Das Gestern ist wie eine welke Blume - Man legt sie wohl als Zeichen in ein Buch - Begrabt's mit seiner Schmach und seinem Ruhme Und webt nicht länger an dem Leichentuch! Dem Leben gilt's ein Lebehoch zu singen, Und nicht ein Lied im Dienst der Schmeichelei; Der Menschheit gilt's ein Opfer darzubringen, Der Menschheit, auf dem Altar der Partei!
O stellt sie ein die ungerechte Klage, Wenn ihr die Angst so mancher Seele schaut; Es ist das Bangen vor dem Hochzeitstage, Das hoffnungsvolle Bangen einer Braut. Schon drängen allerorten sich die Erben Ans Krankenlager unsrer Zeit herbei; Laßt, Dichter, laßt auch ihr den Kranken sterben, Für eures Volkes Zukunft nehmt Partei!
Ihr müßt das Herz an eine Karte wagen, Die Ruhe über Wolken ziemt euch nicht; Ihr müßt euch mit in diesem Kampfe schlagen, Ein Schwert in eurer Hand ist das Gedicht. O wählt ein Banner, und ich bin zufrieden, Ob's auch ein andres, denn das meine sei; Ich hab' gewählt, ich habe mich entschieden, Und meinen Lorbeer flechte die Partei!
Duett der Pensionierten
Die Anerkennung, welche dem einer unserer ersten Familien (in Lübeck) angehörenden Dichter Em. Geibel vom König von Preußen zuteil wurde, hat hier in allen Kreisen die freudigste Sensation erregt. Eben stand der junge Dichter im Begriff, zu einem sogenannten Brotstudium überzugehen und sich nach Spanien zu begeben, um dort seine bereits in Griechenland begonnenen Studien der romanischen Literatur fortzusetzen und sich so für ein akademisches Lehrfach auszubilden - die Munifizenz des preußischen Monarchen (300 pr. Tlr.!) hat ihn nun in die angenehme Lage versetzt, ganz der edlen Dichtkunst zu leben; statt nach Spanien wird er sich nun an den Rhein begeben, wohin ihn zunächst das Verlangen treibt, Freiligrath kennen zu lernen. - "Augsburg. Allg. Ztg." 6. Febr. 1843.
GEIBEL: Bist du's? FREILIGRATH: Ja, ich bin es - GEIBEL: der da - FREILIGRATH: Der da - GEIBEL: seinen Speer geschwungen Und die Drachen - FREILIGRATH: ja, die Drachen, Samt dem Drachenfürst, bezwungen. GEIBEL: Bist du's? FREILIGRATH: Ja, willst du mich kennen? Ja, ich bin es in der Tat, Den Bediente Bruder nennen, Bin der Sänger Freiligrath. GEIBEL: O, so salb' ich dich mit Narden Und so räuchr' ich dir mit Ambra, O du bardigster der Barden, Rettest mich vor dem Alhambra, Du der Sänger des Diego, Vor dem Lande des Riego, Vor dem Tiger, vor dem Nero, Vor dem grausen Espartero - Ohne dich, den einzig Edeln, Lernt' ich nie so trefflich wedeln; Heiße Geibel, so's erlaubt ist, Wenn man 'mal ein Dichterhaupt ist: Bin der Sohn von einem Pastor, Möchte gerne mich zum Kastor Machen; willst du Pollux sein? FREILIGRATH: Ich gesteh', ich hätte lieber Die Unsterblichkeit allein, Doch dies Demagogenfieber - GEIBEL: Bändigen wir nur zu zwein! FREILIGRATH: Und so laß uns unsre Flammen - GEIBEL: Tun zu einem Brand zusammen - FREILIGRATH: Braten als getreue Diener - GEIBEL: Die verfluchten Jakobiner, BEIDE: Und verzehren dann in Frieden Die Pension der Invaliden.
Heidenlied
"Der verfluchte Faffe weiß selbst nicht, was e wil; hol ihn der Deuffel!" Friedrich der Große
Wie lebten doch die Heiden So herrlich und so froh! Das war ein Volk von Seiden, Wir sind ein Volk von Stroh; Entführt' ein Ochs ein schönes Kind Zuweilen auch - doch glaubet mir: Die Heiden waren nicht so blind, Nicht halb so blind als wir.
Die Heiden, 's ist doch schade Um solch ingenium; Sie hießen Vier gerade Und nahmen Fünf für krumm; Auch hatt' die Jungferschaft ein End', Sobald die Magd ein Kind gebar, Dieweil das N. T. Noch nicht erfunden war.
Sie taten, was sie mochten, Die Frechheit war enorm; Sie siegten wenn sie fochten, Auch ohne Uniform; Sie hatten keine Polizei Und tranken lieber Wein als Bier, Wie waren doch die Heiden frei, Die Heiden! - aber ihr?
Und von Achill und Hektor, Wie's im Homerus steht, Bis zu dem letzten Rektor Der Universität, Da gab's kein Buch in ganz Athen - O schreckliche Verworfenheit! Man wurde vom Spazierengehn Und von der Luft gescheit.
Wie wußten sie die Tatzen Den Pfaffen abzuhaun! Die durften nur nach Spatzen, Nicht nach den Weibern schaun; Den Prinzen gar erging es schlecht, Die fanden kaum ein Nachtquartier; Wie hatten doch die Heiden recht, Die Heiden! - aber ihr?
Die Heiden, ach! die Heiden, Die keine Christen sind, Sie spinnen doch die Seiden Für manch ein Christenkind; Drum lebe hoch das Heidenpack Und jeder echte Heidenstrick, Homerus mit dem Bettelsack Und ihre Republick!
1841. 1843
Die Lust war groß, drum ist das Leid unsäglich; Ganz Deutschland sprang begeistert auf vom Sitze Und prüfte träumend seiner Schwerter Spitze: Das Wort klang prächtig, doch die Tat blieb kläglich.
Was bargen jene Wolken, die sich täglich Zu Wettern ballten bei der jähen Hitze? Für Knaben windige Theaterblitze - Pfui! die Komödie wird unerträglich.
Von alten Heiligen ein kleines Rudel - Und darum die Berliner gar so kindisch? Und darum so viel Wochenblattsgesudel?
Ein bißchen Griechisch und ein bißchen Indisch - O schöner Kern von einem solchen Pudel! - Ich dacht' es gleich; er wedelte so hündisch.
Pour le mérite
Sie wollen dir den Tag entfernen, Der schon so frisch am Himmel weht: Das ist's, was in den neuen Sternen Für dich, mein Volk, geschrieben steht!
Man gibt als Futter deinen Blicken Der Sterne kalten, falschen Schein; Du magst sie all zusammenflicken, Sie werden keine Sonne sein.
Nicht eine Lanze wird es brechen, Das neue, zahme Rittertum; Kaum wird ein Sänger für dich sprechen, Man macht ja selbst die Sänger stumm.
Nein, edles Roß! du bist verloren Und von der Meute totgehetzt, Wenn nicht der Fremdling dir die Sporen Bald wieder in die Flanken setzt;
Wenn sie nicht draußen Freiheit rufen, Daß du in Galle überschäumst, Und hoch mit flammensprühnden Hufen Dich gegen deine Dränger bäumst;
Wenn sich nicht über deinem Hause Von Westen her ein Wetter ballt, Und bis in deine sichre Klause Der Donner der Empörung schallt.
Du bist und bleibst ein Knecht, der fluchend Am heil'gen Zorn sein Süpplein kocht, Bis fremde Völker, Einlaß suchend, Erst an die Türe dir gepocht!
Amnestie
Sie lächeln! - doch ihr Lächeln ist verloren, Vergebens ihrer Blicke Sonnenschein; Wie ich für Fürstendonner keine Ohren, Hab' ich kein Herz für ihre Schmeichelein. O seht euch vor, es ist ein falsches Treiben! Und diese Gnade - unser jüngst Gericht! Wir wollen, Brüder, auf dem Walplatz bleiben: Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht!
In Rosen gilt's die Freiheit zu erdrücken, Die sich in Ketten nicht erdrosseln läßt: O gönnt dem Volk, dem Pöbel sein Entzücken, Dies falsche, heuchlerische Freudenfest! Ihn hungert wohl, er geht nach seinem Brode, Das man ihm fürder reichlicher verspricht. Uns dürstet. Drum: dies Glas dem freien Tode! Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht!
Ei schaut, der Käfig wird nun aufgeschlossen, Da längst der Vogel nicht mehr fliegen kann. So mancher unsrer alten Kampfgenossen Ist nun ein müder, ein gebrochner Mann! Hübsch sind die Blumen, drin ihr sprecht; nur schade, Daß draus der Dorn des Despotismus sticht. Das Recht vor Gott braucht keines Königs Gnade: Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht!
Geschäftig drängt das Volk von nah und ferne, Des Fürsten Hände küssend, sich heran: Es sei - wir folgen unserm eignen Sterne, Des Thrones Himmel ist nicht seine Bahn. Mag sich die Welt im Strahl der Gnade sonnen, Ich kenn' ein Fähnlein doch, das weiter ficht; Frisch, meine Jugend, frisch den Kampf begonnen! Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht!
Was war denn zu vergessen und vergeben, Und welche Todessünde zu verzeihn? Nach mancher Krone pflegten wir zu streben; Doch sagt, schenkt man in euern Kronen Wein? Wir wollten uns so gern mit euch versöhnen! Gebt Raum der Freiheit, wie dem Tageslicht! Ihr zaudert? - Gut, so laßt den Schlachtruf tönen: Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht!
So will's die Zeit; sie heischet Feuerzungen, Ihr Sturm verweht der Liebe sanften Hauch; Doch was wir für die Freiheit einst errungen, Errangen wir für unsre Liebsten auch. Wenn alle jubelnd in die Hände schlagen, Weil 'mal ein Gnadenstrom aus Felsen bricht - Dann können unsre braven Mädchen sagen: Mein Liebster starb, doch er ergab sich nicht!
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