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Der Archipelagus
Kehren die Kraniche wieder zu dir, und suchen zu deinen Ufern wieder die Schiffe den Lauf? umatmen erwünschte Lüfte dir die beruhigte Flut, und sonnet der Delphin, Aus der Tiefe gelockt, am neuen Lichte den Rücken? Blüht Ionien? ists die Zeit? denn immer im Frühling, Wenn den Lebenden sich das Herz erneut und die erste Liebe den Menschen erwacht und goldner Zeiten Erinnrung, Komm ich zu dir und grüß in deiner Stille dich, Alter!
Immer, Gewaltiger! lebst du noch und ruhest im Schatten Deiner Berge, wie sonst; mit Jünglingsarmen umfängst du Noch dein liebliches Land, und deiner Töchter, o Vater! Deiner Inseln ist noch, der blühenden, keine verloren. Kreta steht und Salamis grünt, umdämmert von Lorbeern, Rings von Strahlen umblüht, erhebt zur Stunde des Aufgangs Delos ihr begeistertes Haupt, und Tenos und Chios Haben der purpurnen Früchte genug, von trunkenen Hügeln Quillt der Cypriertrank, und von Kalauria fallen Silberne Bäche, wie einst, in die alten Wasser des Vaters. Alle leben sie noch, die Heroenmütter, die Inseln, Blühend von Jahr zu Jahr, und wenn zu Zeiten, vom Abgrund Losgelassen, die Flamme der Nacht, das untre Gewitter, Eine der holden ergriff, und die Sterbende dir in den Schoß sank, Göttlicher! du, du dauertest aus, denn über den dunkeln Tiefen ist manches schon dir auf und untergegangen.
Auch die Himmlischen, sie, die Kräfte der Höhe, die stillen, Die den heiteren Tag und süßen Schlummer und Ahnung Fernher bringen über das Haupt der fühlenden Menschen Aus der Fülle der Macht, auch sie, die alten Gespielen, Wohnen, wie einst, mit dir, und oft am dämmernden Abend, Wenn von Asiens Bergen herein das heilige Mondlicht Kömmt und die Sterne sich in deiner Woge begegnen, Leuchtest du von himmlischem Glanz, und so, wie sie wandeln, Wechseln die Wasser dir, es tönt die Weise der Brüder Droben, ihr Nachtgesang, im liebenden Busen dir wieder. Wenn die allverklärende dann, die Sonne des Tages, Sie, des Orients Kind, die Wundertätige, da ist, Dann die Lebenden all im goldenen Traume beginnen, Den die Dichtende stets des Morgens ihnen bereitet, Dir, dem trauernden Gott, dir sendet sie froheren Zauber, Und ihr eigen freundliches Licht ist selber so schön nicht Denn das Liebeszeichen, der Kranz, den immer, wie vormals, Deiner gedenk, doch sie um die graue Locke dir windet. Und umfängt der Aether dich nicht, und kehren die Wolken, Deine Boten, von ihm mit dem Göttergeschenke, dem Strahle Aus der Höhe dir nicht? dann sendest du über das Land sie, Daß am heißen Gestad die gewittertrunkenen Wälder Rauschen und wogen mit dir, daß bald, dem wandernden Sohn gleich, Wenn der Vater ihn ruft, mit den tausend Bächen Mäander Seinen Irren enteilt und aus der Ebne Kayster Dir entgegenfrohlockt, und der Erstgeborne, der Alte, Der zu lange sich barg, dein majestätischer Nil itzt Hochherschreitend aus fernem Gebirg, wie im Klange der Waffen, Siegreich kömmt, und die offenen Arme der sehnende reichet.
Dennoch einsam dünkest du dir; in schweigender Nacht hört Deine Weheklage der Fels, und öfters entflieht dir Zürnend von Sterblichen weg die geflügelte Woge zum Himmel. Denn es leben mit dir die edlen Lieblinge nimmer, Die dich geehrt, die einst mit den schönen Tempeln und Städten Deine Gestade bekränzt, und immer suchen und missen, Immer bedürfen ja, wie Heroen den Kranz, die geweihten Elemente zum Ruhme das Herz der fühlenden Menschen.
Sage, wo ist Athen? ist über den Urnen der Meister Deine Stadt, die geliebteste dir, an den heiligen Ufern, Trauernder Gott! dir ganz in Asche zusammengesunken, Oder ist noch ein Zeichen von ihr, daß etwa der Schiffer, Wenn er vorüberkommt, sie nenn und ihrer gedenke? Stiegen dort die Säulen empor und leuchteten dort nicht Sonst vom Dache der Burg herab die Göttergestalten? Rauschte dort die Stimme des Volks, die stürmischbewegte, Aus der Agora nicht her, und eilten aus freudigen Pforten Dort die Gassen dir nicht zu gesegnetem Hafen herunter? Siehe! da löste sein Schiff der fernhinsinnende Kaufmann, Froh, denn es wehet' auch ihm die beflügelnde Luft und die Götter Liebten so, wie den Dichter, auch ihn, dieweil er die guten Gaben der Erd ausglich und Fernes Nahem vereinte. Fern nach Cypros ziehet er hin und ferne nach Tyros, Strebt nach Kolchis hinauf und hinab zum alten Aegyptos, Daß er Purpur und Wein und Korn und Vließe gewinne Für die eigene Stadt, und öfters über des kühnen Herkules Säulen hinaus, zu neuen seligen Inseln Tragen die Hoffnungen ihn und des Schiffes Flügel, indessen Anders bewegt, am Gestade der Stadt ein einsamer Jüngling Weilt und die Woge belauscht, und Großes ahndet der Ernste, Wenn er zu Füßen so des erderschütternden Meisters Lauschet und sitzt, und nicht umsonst erzog ihn der Meergott.
Denn des Genius Feind, der vielgebietende Perse, Jahrlang zählt' er sie schon, der Waffen Menge, der Knechte, Spottend des griechischen Lands und seiner wenigen Inseln, Und sie deuchten dem Herrscher ein Spiel, und noch, wie ein Traum, war Ihm das innige Volk, vom Göttergeiste gerüstet. Leicht aus spricht er das Wort und schnell, wie der flammende Bergquell, Wenn er, furchtbar umher vom gärenden Aetna gegossen, Städte begräbt in der purpurnen Flut und blühende Gärten, Bis der brennende Strom im heiligen Meere sich kühlet, So mit dem Könige nun, versengend, städteverwüstend, Stürzt von Ekbatana daher sein prächtig Getümmel; Weh! und Athene, die herrliche, fallt; wohl schauen und ringen Vom Gebirg, wo das Wild ihr Geschrei hört, fliehende Greise Nach den Wohnungen dort zurück und den rauchenden Tempeln; Aber es weckt der Söhne Gebet die heilige Asche Nun nicht mehr, im Tal ist der Tod, und die Wolke des Brandes Schwindet am Himmel dahin, und weiter im Lande zu ernten, Zieht, vom Frevel erhitzt, mit der Beute der Perse vorüber.
Aber an Salamis Ufern, o Tag an Salamis Ufern! Harrend des Endes stehn die Athenerinnen, die Jungfraun, Stehn die Mütter, wiegend im Arm das gerettete Söhnlein, Aber den Horchenden schallt von Tiefen die Stimme des Meergotts Heilweissagend herauf, es schauen die Götter des Himmels Wägend und richtend herab, denn dort an den bebenden Ufern Wankt seit Tagesbeginn, wie langsamwandelnd Gewitter, Dort auf schäumenden Wassern die Schlacht, und es glühet der Mittag, Unbemerket im Zorn, schon über dem Haupte den Kämpfern. Aber die Männer des Volks, die Heroenenkel, sie walten Helleren Auges jetzt, die Götterlieblinge denken Des beschiedenen Glücks, es zahmen die Kinder Athenes Ihren Genius, ihn, den todverachtenden, jetzt nicht. Denn wie aus rauchendem Blut das Wild der Wüste noch einmal Sich zuletzt verwandelt erhebt, der edleren Kraft gleich, Und den Jäger erschröckt, kehrt jetzt im Glanze der Waffen, Bei der Herrscher Gebot, furchtbargesammelt den Wilden, Mitten im Untergang, die ermattete Seele noch einmal. Und entbrannter beginnts; wie Paare ringender Männer Fassen die Schiffe sich an, in die Woge taumelt das Steuer, Unter den Streitern bricht der Boden, und Schiffer und Schiff sinkt.
Aber in schwindelnden Traum vom Liede des Tages gesungen, Rollt der König den Blick; irrlächelnd über den Ausgang Droht er, und fleht, und frohlockt, und sendet, wie Blitze, die Boten. Doch er sendet umsonst, es kehret keiner ihm wieder. Blutige Boten, Erschlagne des Heers, und berstende Schiffe, Wirft die Rächerin ihm zahllos, die donnernde Woge, Vor den Thron, wo er sitzt am bebenden Ufer, der Arme, Schauend die Flucht, und fort in die fliehende Menge gerissen, Eilt er, ihn treibt der Gott, es treibt sein irrend Geschwader Über die Fluten der Gott, der spottend sein eitel Geschmeid ihm Endlich zerschlug und den Schwachen erreicht' in der drohenden Rüstung.
Aber liebend zurück zum einsamharrenden Strome Kommt der Athener Volk und von den Bergen der Heimat Wogen, freudig gemischt, die glänzenden Scharen herunter Ins verlassene Tal, ach! gleich der gealterten Mutter, Wenn nach Jahren das Kind, das verlorengeachtete, wieder Lebend ihr an die Brüste kehrt, ein erwachsener Jüngling, Aber im Gram ist ihr die Seele gewelkt und die Freude Kommt der hoffnungsmüden zu spät und mühsam vernimmt sie, Was der liebende Sohn in seinem Danke geredet: So erscheint den Kommenden dort der Boden der Heimat. Denn es fragen umsonst nach ihren Hainen die Frommen, Und die Sieger empfängt die freundliche Pforte nicht wieder, Wie den Wanderer sonst sie empfing, wenn er froh von den Inseln Wiederkehrt' und die selige Burg der Mutter Athene Über sehnendem Haupt ihm fernherglänzend heraufging. Aber wohl sind ihnen bekannt die verödeten Gassen Und die trauernden Gärten umher und auf der Agora, Wo des Portikus Säulen gestürzt und die göttlichen Bilder Liegen, da reicht in der Seele bewegt, und der Treue sich freuend, Jetzt das liebende Volk zum Bunde die Hände sich wieder. Bald auch suchet und sieht den Ort des eigenen Hauses Unter dem Schutt der Mann; ihm weint am Halse, der trauten Schlummerstätte gedenk, sein Weib, es fragen die Kindlein Nach dem Tische, wo sonst in lieblicher Reihe sie saßen, Von den Vätern gesehn, den lächelnden Göttern des Hauses. Aber Gezelte bauet das Volk, es schließen die alten Nachbarn wieder sich an, und nach des Herzens Gewohnheit Ordnen die luftigen Wohnungen sich umher an den Hügeln. So indessen wohnen sie nun, wie die Freien, die Alten, Die, der Stärke gewiß und dem kommenden Tage vertrauend, Wandernden Vögeln gleich, mit Gesange von Berge zu Berg einst Zogen, die Fürsten des Forsts und des weitumirrenden Stromes. Doch umfangt noch, wie sonst, die Muttererde, die treue, Wieder ihr edel Volk, und unter heiligem Himmel Ruhen sie sanft, wenn milde, wie sonst, die Lüfte der Jugend Um die Schlafenden wehn, und aus Platanen Ilissus Ihnen herüberrauscht, und neue Tage verkündend, Lockend zu neuen Taten, bei Nacht die Woge des Meergotts Fernher tönt und fröhliche Träume den Lieblingen sendet. Schon auch sprossen und blühn die Blumen mählich, die goldnen, Auf zertretenem Feld, von frommen Händen gewartet, Grünet der Ölbaum auf, und auf Kolonos Gefilden Nähren friedlich, wie sonst, die Athenischen Rosse sich wieder.
Aber der Muttererd und dem Gott der Woge zu Ehren Blühet die Stadt itzt auf, ein herrlich Gebild, dem Gestirn gleich Sichergegründet, des Genius Werk, denn Fesseln der Liebe Schafft er gerne sich so, so hält in großen Gestalten, Die er selbst sich erbaut, der immerrege sich bleibend. Sieh! und dem Schaffenden dienet der Wald, ihm reicht mit den andern Bergen nahe zur Hand der Pentele Marmor und Erze, Aber lebend, wie er, und froh und herrlich entquillt es Seinen Händen, und leicht, wie der Sonne, gedeiht das Geschäft ihm. Brunnen steigen empor und über die Hügel in reinen Bahnen gelenkt, ereilt der Quell das glänzende Becken; Und umher an ihnen erglänzt, gleich festlichen Helden Am gemeinsamen Kelch, die Reihe der Wohnungen, hoch ragt Der Prytanen Gemach, es stehn Gymnasien offen, Göttertempel entstehn, ein heiligkühner Gedanke Steigt, Unsterblichen nah, das Olympion auf in den Aether Aus dem seligen Hain; noch manche der himmlischen Hallen! Mutter Athene, dir auch, dir wuchs dein herrlicher Hügel Stolzer aus der Trauer empor und blühte noch lange, Gott der Wogen und dir, und deine Lieblinge sangen Frohversammelt noch oft am Vorgebirge den Dank dir.
O die Kinder des Glücks, die frommen! wandeln sie fern nun Bei den Vätern daheim, und der Schicksalstage vergessen, Drüben am Lethestrom, und bringt kein Sehnen sie wieder? Sieht mein Auge sie nie? ach! findet über den tausend Pfaden der grünenden Erd, ihr göttergleichen Gestalten! Euch das Suchende nie, und vernahm ich darum die Sprache, Darum die Sage von euch, daß immertrauernd die Seele Vor der Zeit mir hinab zu euern Schatten entfliehe? Aber näher zu euch, wo eure Haine noch wachsen, Wo sein einsames Haupt in Wolken der heilige Berg hüllt, Zum Parnassos will ich, und wenn im Dunkel der Eiche Schimmernd, mir Irrenden dort Kastalias Quelle begegnet, Will ich, mit Tränen gemischt, aus blütenumdufteter Schale Dort, auf keimendes Grün, das Wasser gießen, damit doch, O ihr Schlafenden all! ein Totenopfer euch werde. Dort im schweigenden Tal, an Tempes hangenden Felsen, Will ich wohnen mit euch, dort oft, ihr herrlichen Namen! Her euch rufen bei Nacht, und wenn ihr zürnend erscheinet, Weil der Pflug die Gräber entweiht, mit der Stimme des Herzens Will ich, mit frommem Gesang euch sühnen, heilige Schatten! Bis zu leben mit euch, sich ganz die Seele gewöhnet. Fragen wird der Geweihtere dann euch manches, ihr Toten! Euch, ihr Lebenden auch, ihr hohen Kräfte des Himmels, Wenn ihr über dem Schutt mit euren Jahren vorbeigeht, Ihr in der sicheren Bahn! denn oft ergreifet das Irrsal Unter den Sternen mir, wie schaurige Lüfte, den Busen, Daß ich spähe nach Rat, und lang schon reden sie nimmer Trost den Bedürftigen zu, die prophetischen Haine Dodonas, Stumm ist der delphische Gott, und einsam liegen und öde Längst die Pfade, wo einst, von Hoffnungen leise geleitet, Fragend der Mann zur Stadt des redlichen Sehers heraufstieg. Aber droben das Licht, es spricht noch heute zu Menschen, Schöner Deutungen voll und des großen Donnerers Stimme Ruft es: Denket ihr mein? und die trauernde Woge des Meergotts Hallt es wider: Gedenkt ihr nimmer meiner, wie vormals? Denn es ruhn die Himmlischen gern am fühlenden Herzen; Immer, wie sonst, geleiten sie noch, die begeisternden Kräfte, Gerne den strebenden Mann und über Bergen der Heimat Ruht und waltet und lebt allgegenwärtig der Aether, Daß ein liebendes Volk in des Vaters Armen gesammelt, Menschlich freudig, wie sonst, und Ein Geist allen gemein sei. Aber weh! es wandelt in Nacht, es wohnt, wie im Orkus, Ohne Göttliches unser Geschlecht. Ans eigene Treiben Sind sie geschmiedet allein, und sich in der tosenden Werkstatt Höret jeglicher nur und viel arbeiten die Wilden Mit gewaltigem Arm, rastlos, doch immer und immer Unfruchtbar, wie die Furien, bleibt die Mühe der Armen. Bis, erwacht vom ängstigen Traum, die Seele den Menschen Aufgeht, jugendlich froh, und der Liebe segnender Othem Wieder, wie vormals oft, bei Hellas blühenden Kindern, Wehet in neuer Zeit und über freierer Stirne Uns der Geist der Natur, der fernherwandelnde, wieder Stilleweilend der Gott in goldnen Wolken erscheinet. Ach! und säumest du noch? und jene, die Göttlichgebornen, Wohnen immer, o Tag! noch als in Tiefen der Erde Einsam unten, indes ein immerlebender Frühling Unbesungen über dem Haupt den Schlafenden dämmert? Aber länger nicht mehr! schon hör ich ferne des Festtags Chorgesang auf grünem Gebirg und das Echo der Haine, Wo der Jünglinge Brust sich hebt, wo die Seele des Volks sich Stillvereint im freieren Lied, zur Ehre des Gottes, Dem die Höhe gebührt, doch auch die Tale sind heilig; Denn, wo fröhlich der Strom in wachsender Jugend hinauseilt, Unter Blumen des Lands, und wo auf sonnigen Ebnen Edles Korn und der Obstwald reift, da kränzen am Feste Gerne die Frommen sich auch, und auf dem Hügel der Stadt glänzt, Menschlicher Wohnung gleich, die himmlische Halle der Freude. Denn voll göttlichen Sinns ist alles Leben geworden, Und vollendend, wie sonst, erscheinst du wieder den Kindern Überall, o Natur! und, wie vom Quellengebirg, rinnt Segen von da und dort in die keimende Seele dem Volke. Dann, dann, o ihr Freuden Athens! ihr Taten in Sparta! Köstliche Frühlingszeit im Griechenlande! wenn unser Herbst kömmt, wenn ihr gereift, ihr Geister alle der Vorwelt! Wiederkehret und siehe! des Jahrs Vollendung ist nahe! Dann erhalte das Fest auch euch, vergangene Tage! Hin nach Hellas schaue das Volk, und weinend und dankend Sänftige sich in Erinnerungen der stolze Triumphtag!
Aber blühet indes, bis unsre Früchte beginnen, Blüht, ihr Gärten Ioniens! nur, und die an Athens Schutt Grünen, ihr Holden! verbergt dem schauenden Tage die Trauer! Kränzt mit ewigem Laub, ihr Lorbeerwälder! die Hügel Eurer Toten umher, bei Marathon dort, wo die Knaben Siegend starben, ach! dort auf Chäroneas Gefilden, Wo mit den Waffen ins Blut die letzten Athener enteilten, Fliehend vor dem Tage der Schmach, dort, dort von den Bergen Klagt ins Schlachttal täglich herab, dort singet von Oetas Gipfeln das Schicksalslied, ihr wandelnden Wasser, herunter! Aber du, unsterblich, wenn auch der Griechengesang schon Dich nicht feiert, wie sonst, aus deinen Wogen, o Meergott! Töne mir in die Seele noch oft, daß über den Wassern Furchtlosrege der Geist, dem Schwimmer gleich, in der Starken Frischem Glücke sich üb, und die Göttersprache, das Wechseln Und das Werden versteh, und wenn die reißende Zeit mir Zu gewaltig das Haupt ergreift und die Not und das Irrsal Unter Sterblichen mir mein sterblich Leben erschüttert, Laß der Stille mich dann in deiner Tiefe gedenken
Der Wanderer
Einsam stand ich und sah in die afrikanischen dürren Ebnen hinaus; vom Olymp regnete Feuer herab, Reißendes! milder kaum, wie damals, da das Gebirg hier Spaltend mit Strahlen der Gott Höhen und Tiefen gebaut. Aber auf denen springt kein frischaufgrünender Wald nicht In die tönende Luft üppig und herrlich empor. Unbekränzt ist die Stirne des Bergs und beredtsame Bäche Kennet er kaum, es erreicht selten die Quelle das Tal. Keiner Herde vergeht am plätschernden Brunnen der Mittag, Freundlich aus Bäumen hervor blickte kein gastliches Dach. Unter dem Strauche saß ein ernster Vogel gesanglos, Aber die Wanderer flohn eilend, die Störche, vorbei. Da bat ich um Wasser dich nicht, Natur! in der Wüste, Wasser bewahrte mir treulich das fromme Kamel. Um der Haine Gesang, ach! um die Gärten des Vaters Bat ich vom wandernden Vogel der Heimat gemahnt. Aber du sprachst zu mir: Auch hier sind Götter und walten, Groß ist ihr Maß, doch es mißt gern mit der Spanne der Mensch.
Und es trieb die Rede mich an, noch Andres zu suchen, Fern zum nördlichen Pol kam ich in Schiffen herauf. Still in der Hülse von Schnee schlief da das gefesselte Leben, Und der eiserne Schlaf harrte seit Jahren des Tags. Denn zu lang nicht schlang um die Erde den Arm der Olymp hier, Wie Pygmalions Arm um die Geliebte sich schlang. Hier bewegt' er ihr nicht mit dem Sonnenblicke den Busen, Und in Regen und Tau sprach er nicht freundlich zu ihr; Und mich wunderte des und törig sprach ich: O Mutter Erde, verlierst du denn immer, als Witwe, die Zeit? Nichts zu erzeugen ist ja und nichts zu pflegen in Liebe, Alternd im Kinde sich nicht wieder zu sehn, wie der Tod. Aber vielleicht erwarmst du dereinst am Strahle des Himmels, Aus dem dürftigen Schlaf schmeichelt sein Othem dich auf; Daß, wie ein Samkorn, du die eherne Schale zersprengest, Los sich reißt und das Licht grüßt die entbundene Welt, All die gesammelte Kraft aufflammt in üppigem Frühling, Rosen glühen und Wein sprudelt im kärglichen Nord.
Also sagt ich und jetzt kehr ich an den Rhein, in die Heimat, Zärtlich, wie vormals, wehn Lüfte der Jugend mich an; Und das strebende Herz besänftigen mir die vertrauten Offnen Bäume, die einst mich in den Armen gewiegt, Und das heilige Grün, der Zeuge des seligen, tiefen Lebens der Welt, es erfrischt, wandelt zum Jüngling mich um. Alt bin ich geworden indes, mich bleichte der Eispol, Und im Feuer des Süds fielen die Locken mir aus. Aber wenn einer auch am letzten der sterblichen Tage, Fernher kommend und müd bis in die Seele noch jetzt Wiedersähe dies Land, noch Einmal müßte die Wang ihm Blühn, und erloschen fast glänzte sein Auge noch auf. Seliges Tal des Rheins! kein Hügel ist ohne den Weinstock, Und mit der Traube Laub Mauer und Garten bekränzt, Und des heiligen Tranks sind voll im Strome die Schiffe, Städt und Inseln, sie sind trunken von Weinen und Obst. Aber lächelnd und ernst ruht droben der Alte, der Taunus, Und mit Eichen bekränzt neiget der Freie das Haupt.
Und jetzt kommt vom Walde der Hirsch, aus Wolken das Tagslicht, Hoch in heiterer Luft siehet der Falke sich um. Aber unten im Tal, wo die Blume sich nähret von Quellen, Streckt das Dörfchen bequem über die Wiese sich aus. Still ists hier. Fern rauscht die immer geschäftige Mühle, Aber das Neigen des Tags künden die Glocken mir an. Lieblich tönt die gehämmerte Sens und die Stimme des Landmanns, Der heimkehrend dem Stier gerne die Schritte gebeut, Lieblich der Mutter Gesang, die im Grase sitzt mit dem Söhnlein; Satt vom Sehen entschliefs; aber die Wolken sind rot, Und am glänzenden See, wo der Hain das offene Hoftor Übergrünt und das Licht golden die Fenster umspielt, Dort empfängt mich das Haus und des Gartens heimliches Dunkel, Wo mit den Pflanzen mich einst liebend der Vater erzog; Wo ich frei, wie Geflügelte, spielt auf luftigen Ästen, Oder ins treue Blau blickte vom Gipfel des Hains. Treu auch bist du von je, treu auch dem Flüchtlinge blieben, Freundlich nimmst du, wie einst, Himmel der Heimat, mich auf.
Noch gedeihn die Pfirsiche mir, mich wundern die Blüten, Fast, wie die Bäume, steht herrlich mit Rosen der Strauch. Schwer ist worden indes von Früchten dunkel mein Kirschbaum, Und der pflückenden Hand reichen die Zweige sich selbst. Auch zum Walde zieht mich, wie sonst, in die freiere Laube Aus dem Garten der Pfad oder hinab an den Bach, Wo ich lag, und den Mut erfreut am Ruhme der Männer, Ahnender Schiffer; und das konnten die Sagen von euch, Daß in die Meer ich fort, in die Wüsten mußt, ihr Gewaltgen! Ach! indes mich umsonst Vater und Mutter gesucht. Aber wo sind sie? du schweigst? du zögerst? Hüter des Hauses! Hab ich gezögert doch auch! habe die Schritte gezählt, Da ich nahet, und bin, gleich Pilgern, stille gestanden. Aber gehe hinein, melde den Fremden, den Sohn, Daß sich öffnen die Arm und mir ihr Segen begegne, Daß ich geweiht und gegönnt wieder die Schwelle mir sei! Aber ich ahn es schon, in heilige Fremde dahin sind Nun auch sie mir, und nie kehret ihr Lieben zurück.
Vater und Mutter? und wenn noch Freunde leben, sie haben Andres gewonnen, sie sind nimmer die Meinigen mehr. Kommen werd ich, wie sonst, und die alten, die Namen der Liebe Nennen, beschwören das Herz, ob es noch schlage, wie sonst, Aber stille werden sie sein. So bindet und scheidet Manches die Zeit. Ich dünk ihnen gestorben, sie mir. Und so bin ich allein. Du aber, über den Wolken, Vater des Vaterlands! mächtiger Aether! und du Erd und Licht! ihr einigen drei, die walten und lieben, Ewige Götter! mit euch brechen die Bande mir nie. Ausgegangen von euch, mit euch auch bin ich gewandert, Euch, ihr Freudigen, euch bring ich erfahrner zurück. Darum reiche mir nun, bis oben an von des Rheines Warmen Bergen mit Wein reiche den Becher gefüllt! Daß ich den Göttern zuerst und das Angedenken der Helden Trinke, der Schiffer, und dann eures, ihr Trautesten! auch, Eltern und Freund'! und der Mühn und aller Leiden vergesse Heut und morgen und schnell unter den Heimischen sei.
Der Gang aufs Land
An Landauer
Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein. Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft. Trüb ists heut, es schlummern die Gäng und die Gassen und fast will Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit. Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag. Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen, Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt. Nur daß solcher Reden und auch der Schritt' und der Mühe Wert der Gewinn und ganz wahr das Ergötzliche sei. Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gewünschte Wir beginnen und erst unsere Zunge gelöst, Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist, Und von trunkener Stirn höher Besinnen entspringt, Mit der unsern zugleich des Himmels Blüte beginnen, Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.
Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es, Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich. Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land. Nämlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden, Wo den Gästen das Haus baut der verständige Wirt; Daß sie kosten und schaun das Schönste, die Fülle des Landes, Daß, wie das Herz es wünscht, offen, dem Geiste gemäß Mahl und Tanz und Gesang und Stuttgarts Freudegekrönt sei, Deshalb wollen wir heut wünschend den Hügel hinauf. Mög ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt, Oder, wie sonst, wenns andern gefällt, denn alt ist die Sitte, Und es schauen so oft lächelnd die Götter auf uns, Möge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun, Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.
Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume Zahllos, blühend weiß, wallen in wiegender Luft, Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.
Stuttgart
An Siegfried Schmid
1
Wieder ein Glück ist erlebt. Die gefährliche Dürre geneset, Und die Schärfe des Lichts senget die Blüte nicht mehr. Offen steht jetzt wieder ein Saal, und gesund ist der Garten, Und von Regen erfrischt rauschet das glänzende Tal, Hoch von Gewächsen, es schwellen die Bäch und alle gebundnen Fittige wagen sich wieder ins Reich des Gesangs. Voll ist die Luft von Fröhlichen jetzt und die Stadt und der Hain ist Rings von zufriedenen Kindern des Himmels erfüllt. Gerne begegnen sie sich, und irren untereinander, Sorgenlos, und es scheint keines zu wenig, zu viel. Denn so ordnet das Herz es an, und zu atmen die Anmut, Sie, die geschickliche, schenkt ihnen ein göttlicher Geist. Aber die Wanderer auch sind wohlgeleitet und haben Kränze genug und Gesang, haben den heiligen Stab Vollgeschmückt mit Trauben und Laub bei sich und der Fichte Schatten; von Dorfe zu Dorf jauchzt es, von Tage zu Tag, Und wie Wagen, bespannt mit freiem Wilde, so ziehn die Berge voran und so träget und eilet der Pfad.
2
Aber meinest du nun, es haben die Tore vergebens Aufgetan und den Weg freudig die Götter gemacht? Und es schenken umsonst zu des Gastmahls Fülle die Guten Nebst dem Weine noch auch Beeren und Honig und Obst? Schenken das purpurne Licht zu Festgesängen und kühl und Ruhig zu tieferem Freundesgespräche die Nacht? Hält ein Ernsteres dich, so spars dem Winter und willst du Freien, habe Geduld, Freier beglücket der Mai. Jetzt ist Anderes not, jetzt komm und feire des Herbstes Alte Sitte, noch jetzt blühet die Edle mit uns. Eins nur gilt für den Tag, das Vaterland, und des Opfers Festlicher Flamme wirft jeder sein Eigenes zu. Darum kränzt der gemeinsame Gott umsäuselnd das Haar uns, Und den eigenen Sinn schmelzet, wie Perlen, der Wein. Dies bedeutet der Tisch, der geehrte, wenn, wie die Bienen, Rund um den Eichbaum, wir sitzen und singen um ihn, Dies der Pokale Klang, und darum zwinget die wilden Seelen der streitenden Männer zusammen der Chor.
3
Diese neigende Zeit, komm ich entgegen sogleich, Bis an die Grenze des Lands, wo mir den lieben Geburtsort Und die Insel des Stroms blaues Gewässer umfließt. Heilig ist mir der Ort, an beiden Ufern, der Fels auch, Der mit Garten und Haus grün aus den Wellen sich hebt. Dort begegnen wir uns; o gütiges Licht! wo zuerst mich Deiner gefühlteren Strahlen mich einer betraf. Dort begann und beginnt das liebe Leben von neuem; Aber des Vaters Grab seh ich und weine dir schon? Wein und halt und habe den Freund und höre das Wort, das Einst mir in himmlischer Kunst Leiden der Liebe geheilt. Andres erwacht! ich muß die Landesheroen ihm nennen, Barbarossa! dich auch, gütiger Christoph, und dich, Konradin! wie du fielst, so fallen Starke, der Efeu Grünt am Fels und die Burg deckt das bacchantische Laub, Doch Vergangenes ist, wie Künftiges, heilig den Sängern, Und in Tagen des Herbsts sühnen die Schatten wir uns.
4
So der Gewaltgen gedenk und des herzerhebenden Schicksals, Tatlos selber, und leicht, aber vom Aether doch auch Angeschauet und fromm, wie die Alten, die göttlicherzognen Freudigen Dichter ziehn freudig das Land wir hinauf. Groß ist das Werden umher. Dort von den äußersten Bergen Stammen der Jünglinge viel, steigen die Hügel herab. Quellen rauschen von dort und hundert geschäftige Bäche, Kommen bei Tag und Nacht nieder und bauen das Land. Aber der Meister pflügt die Mitte des Landes, die Furchen Ziehet der Neckarstrom, ziehet den Segen herab. Und es kommen mit ihm Italiens Lüfte, die See schickt Ihre Wolken, sie schickt prächtige Sonnen mit ihm. Darum wächset uns auch fast über das Haupt die gewaltge Fülle, denn hieher ward, hier in die Ebne das Gut Reicher den Lieben gebracht, den Landesleuten, doch neidet Keiner an Bergen dort ihnen die Gärten, den Wein Oder das üppige Gras und das Korn und die glühenden Bäume, Die am Wege gereiht über den Wanderern stehn.
5
Aber indes wir schaun und die mächtige Freude durchwandeln, Fliehet der Weg und der Tag uns, wie den Trunkenen, hin. Denn mit heiligem Laub umkränzt erhebet die Stadt schon, Die gepriesene, dort leuchtend ihr priesterlich Haupt. Herrlich steht sie und hält den Rebenstab und die Tanne Hoch in die seligen purpurnen Wolken empor. Sei uns hold! dem Gast und dem Sohn, o Fürstin der Heimat! Glückliches Stuttgart, nimm freundlich den Fremdling mir auf Immer hast du Gesang mit Flöten und Saiten gebilligt, Wie ich glaub, und des Lieds kindlich Geschwätz und der Mühn Süße Vergessenheit bei gegenwärtigem Geiste, Drum erfreuest du auch gerne den Sängern das Herz. Aber ihr, ihr Größeren auch, ihr Frohen, die allzeit Leben und walten, erkannt, oder gewaltiger auch, Wenn ihr wirket und schafft in heiliger Nacht und allein herrscht Und allmächtig empor ziehet ein ahnendes Volk, Bis die Jünglinge sich der Väter droben erinnern, Mündig und hell vor euch steht der besonnene Mensch -
6
Engel des Vaterlands! o ihr, vor denen das Auge, Seis auch stark, und das Knie bricht dem vereinzelten Mann, Daß er halten sich muß an die Freund und bitten die Teuern, Daß sie tragen mit ihm all die beglückende Last, Habt, o Gütige, Dank für den und alle die Andern, Die mein Leben, mein Gut unter den Sterblichen sind. Aber die Nacht kommt! laß uns eilen, zu feiern das Herbsttest Heut noch! voll ist das Herz, aber das Leben ist kurz, Und was uns der himmlische Tag zu sagen geboten, Das zu nennen, mein Schmid! reichen wir beide nicht aus. Treffliche bring ich dir und das Freudenfeuer wird hoch auf Schlagen und heiliger soll sprechen das kühnere Wort. Siehe! da ist es rein! und des Gottes freundliche Gaben, Die wir teilen, sie sind zwischen den Liebenden nur. Anderes nicht - o kommt! o macht es wahr! denn allein ja Bin ich und niemand nimmt mir von der Stirne den Traum? Kommt und reicht, ihr Lieben, die Hand! das möge genug sein, Aber die größere Lust sparen dem Enkel wir auf.
Brot und Wein
An Heinze
1
Rings um ruhet die Stadt; still wird die erleuchtete Gasse, Und, mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg. Satt gehn heim von Freuden des Tags zu ruhen die Menschen, Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt Wohlzufrieden zu Haus; leer steht von Trauben und Blumen, Und von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt. Aber das Saitenspiel tönt fern aus Gärten; vielleicht, daß Dort ein Liebendes spielt oder ein einsamer Mann Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen Immerquillend und frisch rauschen an duftendem Beet. Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken, Und der Stunden gedenk rufet ein Wächter die Zahl. Jetzt auch kommet ein Wehn und regt die Gipfel des Hains auf, Sieh! und das Schattenbild unserer Erde, der Mond, Kommet geheim nun auch; die Schwärmerische, die Nacht kommt, Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns, Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen, Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.
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Wunderbar ist die Gunst der Hocherhabnen und niemand Weiß, von wannen und was einem geschiehet von ihr. So bewegt sie die Welt und die hoffende Seele der Menschen, Selbst kein Weiser versteht, was sie bereitet, denn so Will es der oberste Gott, der sehr dich liebet, und darum Ist noch lieber, wie sie, dir der besonnene Tag. Aber zuweilen liebt auch klares Auge den Schatten Und versuchet zu Lust, eh es die Not ist, den Schlaf, Oder es blickt auch gern ein treuer Mann in die Nacht hin, Ja, es ziemet sich, ihr Kränze zu weihn und Gesang, Weil den Irrenden sie geheiliget ist und den Toten, Selber aber besteht, ewig, in freiestem Geist. Aber sie muß uns auch, daß in der zaudernden Weile, Daß im Finstern für uns einiges Haltbare sei, Uns die Vergessenheit und das Heiligtrunkene gönnen, Gönnen das strömende Wort, das, wie die Liebenden, sei, Schlummerlos, und vollern Pokal und kühneres Leben, Heilig Gedächtnis auch, wachend zu bleiben bei Nacht.
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Auch verbergen umsonst das Herz im Busen, umsonst nur Halten den Mut noch wir, Meister und Knaben, denn wer Möcht es hindern und wer möcht uns die Freude verbieten? Göttliches Feuer auch treibet, bei Tag und bei Nacht, Aufzubrechen. So komm! daß wir das Offene schauen, Daß ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist. Fest bleibt Eins; es sei um Mittag oder es gehe Bis in die Mitternacht, immer bestehet ein Maß, Allen gemein, doch jeglichem auch ist eignes beschieden, Dahin gehet und kommt jeder, wohin er es kann. Drum! und spotten des Spotts mag gern frohlockender Wahnsinn, Wenn er in heiliger Nacht plötzlich die Sänger ergreift. Drum an den Isthmos komm! dorthin, wo das offene Meer rauscht Am Parnaß und der Schnee delphische Felsen umglänzt, Dort ins Land des Olymps, dort auf die Höhe Cithärons, Unter die Fichten dort, unter die Trauben, von wo Thebe drunten und Ismenos rauscht im Lande des Kadmos, Dorther kommt und zurück deutet der kommende Gott.
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Seliges Griechenland! du Haus der Himmlischen alle, Also ist wahr, was einst wir in der Jugend gehört? Festlicher Saal! der Boden ist Meer! und Tische die Berge, Wahrlich zu einzigem Brauche vor alters gebaut! Aber die Thronen, wo? die Tempel, und wo die Gefäße, Wo mit Nektar gefüllt, Göttern zu Lust der Gesang? Wo, wo leuchten sie denn, die fernhintreffenden Sprüche? Delphi schlummert und wo tönet das große Geschick? Wo ist das schnelle? wo brichts, allgegenwärtigen. Glücks voll, Donnernd aus heiterer Luft über die Augen herein?. Vater Aether! so riefs und flog von Zunge zu Zunge Tausendfach, es ertrug keiner das Leben allein; Ausgeteilet erfreut solch Gut und getauschet, mit Fremden, Wirds ein Jubel, es wächst schlafend des Wortes Gewalt: Vater! heiter! und hallt, so weit es gehet, das uralt Zeichen, von Eltern geerbt, treffend und schaffend hinab. Denn so kehren die Himmlischen ein, tiefschütternd gelangt so Aus den Schatten herab unter die Menschen ihr Tag.
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Unempfunden kommen sie erst, es streben entgegen Ihnen die Kinder, zu hell kommet, zu blendend das Glück, Und es scheut sie der Mensch, kaum weiß zu sagen ein Halbgott, Wer mit Namen sie sind, die mit den Gaben ihm nahn. Aber der Mut von ihnen ist groß, es füllen das Herz ihm Ihre Freuden und kaum weiß er zu brauchen das Gut, Schafft, verschwendet und fast ward ihm Unheiliges heilig, Das er mit segnender Hand törig und gütig berührt. Möglichst dulden die Himmlischen dies; dann aber in Wahrheit Kommen sie selbst und gewohnt werden die Menschen des Glücks Und des Tags und zu schaun die Offenbaren, das Antlitz Derer, welche, schon längst Eines und Alles genannt, Tief die verschwiegene Brust mit freier Genüge gefüllet, Und zuerst und allein alles Verlangen beglückt; So ist der Mensch; wenn da ist das Gut, und es sorget mit Gaben Selber ein Gott für ihn, kennet und sieht er es nicht. Tragen muß er, zuvor; nun aber nennt er sein Liebstes, Nun, nun müssen dafür Worte, wie Blumen, entstehn.
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Und nun denkt er zu ehren in Ernst die seligen Götter, Wirklich und wahrhaft muß alles verkünden ihr Lob. Nichts darf schauen das Licht, was nicht den Hohen gefället, Vor den Aether gebührt Müßigversuchendes nicht. Drum in der Gegenwart der Himmlischen würdig zu stehen, Richten in herrlichen Ordnungen Völker sich auf Untereinander und baun die schönen Tempel und Städte Fest und edel, sie gehn über Gestaden empor - Aber wo sind sie? wo blühn die Bekannten, die Kronen des Festes? Thebe welkt und Athen; rauschen die Waffen nicht mehr In Olympia, nicht die goldnen Wagen des Kampfspiels, Und bekränzen sich denn nimmer die Schiffe Korinths? Warum schweigen auch sie, die alten heilgen Theater? Warum freuet sich denn nicht der geweihete Tanz? Warum zeichnet, wie sonst, die Stirne des Mannes ein Gott nicht, Drückt den Stempel, wie sonst, nicht dem Getroffenen auf? Oder er kam auch selbst und nahm des Menschen Gestalt an Und vollendet' und schloß tröstend das himmlische Fest.
7
Aber Freund! wir kommen zu spät. Zwar leben die Götter, Aber über dem Haupt droben in anderer Welt. Endlos wirken sie da und scheinens wenig zu achten, Ob wir leben, so sehr schonen die Himmlischen uns. Denn nicht immer vermag ein schwaches Gefäß sie zu fassen, Nur zu Zeiten erträgt göttliche Fülle der Mensch. Traum von ihnen ist drauf das Leben. Aber das Irrsal Hilft, wie Schlummer, und stark machet die Not und die Nacht, Bis daß Helden genug in der ehernen Wiege gewachsen, Herzen an Kraft, wie sonst, ähnlich den Himmlischen sind. Donnernd kommen sie drauf. Indessen dünket mir öfters Besser zu schlafen, wie so ohne Genossen zu sein, So zu harren, und was zu tun indes und zu sagen, Weiß ich nicht, und wozu Dichter in dürftiger Zeit. Aber sie sind, sagst du, wie des Weingotts heilige Priester, Welche von Lande zu Land zogen in heiliger Nacht.
8
Nämlich, als vor einiger Zeit, uns dünket sie lange, Aufwärts stiegen sie all, welche das Leben beglückt, Als der Vater gewandt sein Angesicht von den Menschen, Und das Trauern mit Recht über der Erde begann, Als erschienen zuletzt ein stiller Genius, himmlisch Tröstend, welcher des Tags Ende verkündet' und schwand, Ließ zum Zeichen, daß einst er da gewesen und wieder Käme, der himmlische Chor einige Gaben zurück, Derer menschlich, wie sonst, wir uns zu freuen vermöchten, Denn zur Freude, mit Geist, wurde das Größre zu groß Unter den Menschen und noch, noch fehlen die Starken zu höchsten Freuden, aber es lebt stille noch einiger Dank. Brot ist der Erde Frucht, doch ists vom Lichte gesegnet, Und vom donnernden Gott kommet die Freude des Weins. Darum denken wir auch dabei der Himmlischen, die sonst Da gewesen und die kehren in richtiger Zeit, Darum singen sie auch mit Ernst, die Sänger, den Weingott Und nicht eitel erdacht tönet dem Alten das Lob.
9
Ja! sie sagen mit Recht, er söhne den Tag mit der Nacht aus, Führe des Himmels Gestirn ewig hinunter, hinauf, Allzeit froh, wie das Laub der immergrünenden Fichte, Das er liebt, und der Kranz, den er von Efeu gewählt, Weil er bleibet und selbst die Spur der entflohenen Götter Götterlosen hinab unter das Finstere bringt. Was der Alten Gesang von Kindern Gottes geweissagt, Siehe! wir sind es, wir; Frucht von Hesperien ists! Wunderbar und genau ists als an Menschen erfüllet, Glaube, wer es geprüft! aber so vieles geschieht, Keines wirket, denn wir sind herzlos, Schatten, bis unser Vater Aether erkannt jeden und allen gehört. Aber indessen kommt als Fackelschwinger des Höchsten Sohn, der Syrier, unter die Schatten herab. Selige Weise sehns; ein Lächeln aus der gefangnen Seele leuchtet, dem Licht tauet ihr Auge noch auf. Sanfter träumet und schläft in Armen der Erde der Titan, Selbst der neidische, selbst Cerberus trinket und schläft.
Heimkunft
An die Verwandten
1
Drin in den Alpen ists noch helle Nacht und die Wolke, Freudiges dichtend, sie deckt drinnen das gähnende Tal Dahin, dorthin toset und stürzt die scherzende Bergluft, Schroff durch Tannen herab glänzet und schwindet ein Strahl. Langsam eilt und kämpft das freudigschauernde Chaos, Jung an Gestalt, doch stark, feiert es liebenden Streit Unter den Felsen, es gärt und wankt in den ewigen Schranken, Denn bacchantischer zieht drinnen der Morgen herauf. Denn es wächst unendlicher dort das Jahr und die heilgen Stunden, die Tage, sie sind kühner geordnet, gemischt. Dennoch merket die Zeit der Gewittervogel und zwischen Bergen, hoch in der Luft weilt er und rufet den Tag. Jetzt auch wachet und schaut in der Tiefe drinnen das Dörflein Furchtlos, Hohem vertraut, unter den Gipfeln hinauf. Wachstum ahnend, denn schon, wie Blitze, fallen die alten Wasserquellen, der Grund unter den Stürzenden dampft, Echo tönet umher, und die unermeßliche Werkstatt Reget bei Tag und Nacht, Gaben versendend, den Arm.
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Ruhig glänzen indes die silbernen Höhen darüber, Voll mit Rosen ist schon droben der leuchtende Schnee. Und noch höher hinauf wohnt über dem Lichte der reine Selige Gott vom Spiel heiliger Strahlen erfreut. Stille wohnt er allein und hell erscheinet sein Antlitz, Der ätherische scheint Leben zu geben geneigt, Freude zu schaffen, mit uns, wie oft, wenn, kundig des Maßes, Kundig der Atmenden auch zögernd und schonend der Gott Wohlgediegenes Glück den Städten und Häusern und milde Regen, zu öffnen das Land, brütende Wolken, und euch, Trauteste Lüfte dann, euch, sanfte Frühlinge, sendet, Und mit langsamer Hand Traurige wieder erfreut, Wenn er die Zeiten erneut, der Schöpferische, die stillen Herzen der alternden Menschen erfrischt und ergreift, Und hinab in die Tiefe wirkt, und öffnet und aufhellt, Wie ers liebet, und jetzt wieder ein Leben beginnt, Anmut blühet, wie einst, und gegenwärtiger Geist kömmt, Und ein freudiger Mut wieder die Fittige schwellt.
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Vieles sprach ich zu ihm, denn, was auch Dichtende sinnen Oder singen, es gilt meistens den Engeln und ihm; Vieles bat ich, zu lieb dem Vaterlande, damit nicht Ungebeten uns einst plötzlich befiele der Geist; Vieles für euch auch, die im Vaterlande besorgt sind, Denen der heilige Dank lächelnd die Flüchtlinge bringt, Landesleute! für euch, indessen wiegte der See mich, Und der Ruderer saß ruhig und lobte die Fahrt. Weit in des Sees Ebene wars Ein freudiges Wallen Unter den Segeln und jetzt blühet und hellet die Stadt Dort in der Frühe sich auf, wohl her von schattigen Alpen Kommt geleitet und ruht nun in dem Hafen das Schiff. Warm ist das Ufer hier und freundlich offene Tale, Schön von Pfaden erhellt, grünen und schimmern mich an. Gärten stehen gesellt und die glänzende Knospe beginnt schon, Und des Vogels Gesang ladet den Wanderer ein. Alles scheinet vertraut, der vorübereilende Gruß auch Scheint von Freunden, es scheint jegliche Miene verwandt.
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Freilich wohl! das Geburtsland ists, der Boden der Heimat, Was du suchest, es ist nahe, begegnet dir schon. Und umsonst nicht steht, wie ein Sohn, am wellenumrauschten Tor und siehet und sucht liebende Namen für dich, Mit Gesang, ein wandernder Mann, glückseliges Lindau! Eine der gastlichen Pforten des Landes ist dies, Reizend hinauszugehn in die vielversprechende Ferne, Dort, wo die Wunder sind, dort, wo das göttliche Wild Hoch in die Ebnen herab der Rhein die verwegene Bahn bricht, Und aus Felsen hervor ziehet das jauchzende Tal, Dort hinein, durchs helle Gebirg, nach Como zu wandern, Oder hinab, wie der Tag wandelt, den offenen See; Aber reizender mir bist du, geweihete Pforte! Heimzugehn, wo bekannt blühende Wege mir sind, Dort zu besuchen das Land und die schönen Tale des Neckars, Und die Wälder, das Grün heiliger Bäume, wo gern Sich die Eiche gesellt mit stillen Birken und Buchen, Und in Bergen ein Ort freundlich gefangen mich nimmt.
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Dort empfangen sie mich. O Stimme der Stadt, der Mutter! O du triffest, du regst Langegelerntes mir auf! Dennoch sind sie es noch! noch blühet die Sonn und die Freud euch, O ihr Liebsten! und fast heller im Auge, wie sonst. Ja! das Alte noch ists! Es gedeihet und reifet, doch keines, Was da lebet und liebt, lässet die Treue zurück. Aber das Beste, der Fund, der unter des heiligen Friedens Bogen lieget, er ist Jungen und Alten gespart. Törig red ich. Es ist die Freude. Doch morgen und künftig, Wenn wir gehen und schaun draußen das lebende Feld Unter den Blüten des Baums, in den Feiertagen des Frühlings Red und hoff ich mit euch vieles, ihr Lieben! davon. Vieles hab ich gehört vom großen Vater und habe Lange geschwiegen von ihm, welcher die wandernde Zeit Droben in Höhen erfrischt, und waltet über Gebirgen, Der gewähret uns bald himmlische Gaben und ruft Hellern Gesang und schickt viel gute Geister. O säumt nicht, Kommt, Erhaltenden ihr! Engel des Jahres! und ihr,
6
Engel des Hauses, kommt! in die Adern alle des Lebens, Alle freuend zugleich, teile das Himmlische sich! Adle! verjünge! damit nichts Menschlichgutes, damit nicht Eine Stunde des Tags ohne die Frohen und auch Solche Freude, wie jetzt, wenn Liebende wieder sich finden, Wie es gehört für sie, schicklich geheiliget sei. Wenn wir segnen das Mahl, wen darf ich nennen, und wenn wir Ruhn vom Leben des Tags, saget, wie bring ich den Dank? Nenn ich den Hohen dabei? Unschickliches liebet ein Gott nicht, Ihn zu fassen, ist fast unsere Freude zu klein. Schweigen müssen wir oft; es fehlen heilige Namen, Herzen schlagen und doch bleibet die Rede zurück? Aber ein Saitenspiel leiht jeder Stunde die Töne, Und erfreuet vielleicht Himmlische, welche sich nahn. Das bereitet und so ist auch beinahe die Sorge Schon befriediget, die unter das Freudige kam. Sorgen, wie diese, muß, gern oder nicht, in der Seele Tragen ein Sänger und oft, aber die anderen nicht.
Wie wenn am Feiertage ...
Wie wenn am Feiertage, das Feld zu sehn, Ein Landmann geht, des Morgens, wenn Aus heißer Nacht die kühlenden Blitze fielen Die ganze Zeit und fern noch tönet der Donner, In sein Gestade wieder tritt der Strom, Und frisch der Boden grünt Und von des Himmels erfreuendem Regen Der Weinstock trauft und glänzend In stiller Sonne stehn die Bäume des Haines:
So stehn sie unter günstiger Witterung, Sie, die kein Meister allein, die wunderbar Allgegenwärtig erzieht in leichtem Umfangen Die mächtige, die göttlichschöne Natur. Drum wenn zu schlafen sie scheint zu Zeiten des Jahrs Am Himmel oder unter den Pflanzen oder den Völkern, So trauert der Dichter Angesicht auch, Sie scheinen allein zu sein, doch ahnen sie immer. Denn ahnend ruhet sie selbst auch.
Jetzt aber tagts! Ich harrt und sah es kommen, Und was ich sah, das Heilige sei mein Wort. Denn sie, sie selbst, die älter denn die Zeiten Und über die Götter des Abends und Orients ist, Die Natur ist jetzt mit Waffenklang erwacht, Und hoch vom Aether bis zum Abgrund nieder Nach festem Gesetze, wie einst, aus heiligem Chaos gezeugt, Fühlt neu die Begeisterung sich, Die Allerschaffende, wieder.
Und wie im Aug ein Feuer dem Manne glänzt, Wenn hohes er entwarf, so ist Von neuem an den Zeichen, den Taten der Welt jetzt Ein Feuer angezündet in Seelen der Dichter. Und was zuvor geschah, doch kaum gefühlt, Ist offenbar erst jetzt, Und die uns lächelnd den Acker gebauet, In Knechtsgestalt, sie sind erkannt, Die Allebendigen, die Kräfte der Götter.
Erfrägst du sie? im Liede wehet ihr Geist, Wenn es der Sonne des Tags und warmer Erd Entwächst, und Wettern, die in der Luft, und andern, Die vorbereiteter in Tiefen der Zeit, Und deutungsvoller, und vernehmlicher uns Hinwandeln zwischen Himmel und Erd und unter den Völkern. Des gemeinsamen Geistes Gedanken sind, Still endend, in der Seele des Dichters,
Daß schnellbetroffen sie, Unendlichem Bekannt seit langer Zeit, von Erinnerung Erbebt, und ihr, von heilgem Strahl entzündet, Die Frucht in Liebe geboren, der Götter und Menschen Werk, Der Gesang, damit er beiden zeuge, glückt. So fiel, wie Dichter sagen, da sie sichtbar Den Gott zu sehen begehrte, sein Blitz auf Semeles Haus Und die göttlichgetroffne gebar, Die Frucht des Gewitters, den heiligen Bacchus.
Und daher trinken himmlisches Feuer jetzt Die Erdensöhne ohne Gefahr. Doch uns gebührt es, unter Gottes Gewittern, Ihr Dichter! mit entblößtem Haupte zu stehen, Des Vaters Strahl, ihn selbst, mit eigner Hand Zu fassen und dem Volk ins Lied Gehüllt die himmlische Gabe zu reichen. Denn sind nur reinen Herzens, Wie Kinder, wir, sind schuldlos unsere Hände, Des Vaters Strahl, der reine, versengt es nicht Und tieferschüttert, die Leiden des Stärkeren Mitleidend, bleibt in den hochherstürzenden Stürmen Des Gottes, wenn er nahet, das Herz doch fest. Doch weh mir! wenn von
Weh mir!
Und sag ich gleich,
Ich sei genaht, die Himmlischen zu schauen, Sie selbst, sie werfen mich tief unter die Lebenden, Den falschen Priester, ins Dunkel, daß ich Das warnende Lied den Gelehrigen singe. Dort
Der Mutter Erde
Gesang der Brüder Ottmar Hom Tello
Ottmar
Statt offner Gemeine sing ich Gesang. So spielt, von erfreulichen Händen Wie zum Versuche berühret, eine Saite Von Anfang. Aber freudig ernster neigt Bald über die Harfe Der Meister das Haupt und die Töne Bereiten sich ihm, und werden geflügelt, So viele sie sind, und zusammen tönt es unter dem Schlage Des Weckenden und voll, wie aus Meeren, schwingt Unendlich sich in die Lüfte die Wolke des Wohllauts.
Doch wird ein anderes noch Wie der Harfe Klang Der Gesang sein, Der Chor des Volks. Denn wenn er schon der Zeichen genug Und Fluten in seiner Macht und Wetterflammen Wie Gedanken hat, der heilige Vater, unaussprechlich wär er wohl Und nirgend fand er wahr sich unter den Lebenden wieder, Wenn zum Gesange nicht hätt ein Herz die Gemeinde.
Noch aber
Doch wie der Fels erst ward, Und geschmiedet wurden in schattiger Werkstatt, die ehernen Festen der Erde, Noch ehe Bäche rauschten von den Bergen Und Hain' und Städte blüheten an den Strömen, So hat er donnernd schon Geschaffen ein reines Gesetz, Und reine Laute gegründet.
Hom
Indessen schon', o Mächtiger, des, Der einsam singt, und gib uns Lieder genug, Bis ausgesprochen ist, wie wir Es meinen, unserer Seele Geheimnis. Denn öfters hört ich Des alten Priesters Gesänge
und so Zu danken bereite die Seele mir auch.
Doch wandeln im Waffensaale Mit gebundener Hand in müßigen Zeiten Die Männer und schauen die Rüstungen an, Voll Ernstes stehen sie und einer erzählt, Wie die Väter sonst den Bogen gespannet Fernhin des Zieles gewiß, Und alle glauben es ihm, Doch keiner darf es versuchen Wie ein Gott sinken die Arme Der Menschen, Auch ziemt ein Feiergewand an jedem Tage sich nicht.
Die Tempelsäulen stehn Verlassen in Tagen der Not, Wohl tönet des Nordsturms Echo tief in den Hallen, Und der Regen machet sie rein, Und Moos wächst und es kehren die Schwalben, In Tagen des Frühlings, namlos aber ist In ihnen der Gott, und die Schale des Danks Und Opfergefäß und alle Heiligtümer Begraben dem Feind in verschwiegener Erde.
Tello
Wer will auch danken, eh er empfängt, Und Antwort geben, eh er gehört hat? Ni indes ein Höherer spricht, Zu fallen in die tönende Rede. Viel hat er zu sagen und anders Recht, Und Einer ist, der endet in Stunden nicht, Und die Zeiten des Schaffenden sind, Wie Gebirg, Das hochaufwogend von Meer zu Meer Hinziehet über die Erde,
Es sagen der Wanderer viele davon, Und das Wild irrt in den Klüften, Und die Horde schweifet über die Höhen, In heiligem Schatten aber, Am grünen Abhang wohnet Der Hirt und schauet die Gipfel. So
Am Quell der Donau
Denn, wie wenn hoch von der herrlichgestimmten, derOrgel Im heiligen Saal, Reinquillend aus den unerschöpflichen Röhren, Das Vorspiel, weckend, des Morgens beginnt Und weitumher, von Halle zu Halle, Der erfrischende nun, der melodische Strom rinnt, Bis in den kalten Schatten das Haus Von Begeisterungen erfüllt, Nun aber erwacht ist, nun, aufsteigend ihr, Der Sonne des Fests, antwortet Der Chor der Gemeinde: so kam Das Wort aus Osten zu uns, Und an Parnassos Felsen und am Kithäron hör ich, O Asia, das Echo von dir und es bricht sich Am Kapitol und jählings herab von den Alpen
Kommt eine Fremdlingin sie Zu uns, die Erweckerin, Die menschenbildende Stimme. Da faßt' ein Staunen die Seele Der Getroffenen all und Nacht War über den Augen der Besten. Denn vieles vermag Und die Flut und den Fels und Feuersgewalt auch Bezwinget mit Kunst der Mensch Und achtet, der Hochgesinnte, das Schwert Nicht, aber es steht Vor Göttlichem der Starke niedergeschlagen,
Und gleichet dem Wild fast; das, Von süßer Jugend getrieben, Schweift rastlos über die Berg Und fühlet die eigene Kraft In der Mittagshitze. Wenn aber Herabgeführt, in spielenden Lüften, Das heilige Licht, und mit dem kühleren Strahl Der freudige Geist kommt zu Der seligen Erde, dann erliegt es, ungewohnt Des Schönsten, und schlummert wachenden Schlaf, Noch ehe Gestirn naht. So auch wir. Denn manchen erlosch Das Augenlicht schon vor den göttlichgesendeten Gaben,
Den freundlichen, die aus Ionien uns, Auch aus Arabia kamen, und froh ward Der teuern Lehr und auch der holden Gesänge Die Seele jener Entschlafenen nie, Doch einige wachten. Und sie wandelten oft Zufrieden unter euch, ihr Bürger schöner Städte, Beim Kampfspiel, wo sonst unsichtbar der Heros Geheim bei Dichtern saß, die Ringer schaut' und lächelnd Pries, der gepriesene, die müßigernsten Kinder. Ein unaufhörlich Lieben wars und ists. Und wohlgeschieden, aber darum denken Wir aneinander doch, ihr Fröhlichen am Isthmos, Und am Cephiß und am Taygetos, Auch eurer denken wir, ihr Tale des Kaukasos, So alt ihr seid, ihr Paradiese dort, Und deiner Patriarchen und deiner Propheten,
O Asia, deiner Starken, o Mutter! Die furchtlos vor den Zeichen der Welt, Und den Himmel auf Schultern und alles Schicksal, Taglang auf Bergen gewurzelt, Zuerst es verstanden, Allein zu reden Zu Gott. Die ruhn nun. Aber wenn ihr, Und dies ist zu sagen, Ihr Alten all, nicht sagtet, woher Wir nennen dich: heiliggenötiget, nennen, Natur! dich wir, und neu, wie dem Bad entsteigt Dir alles Göttlichgeborne.
Zwar gehn wir fast, wie die Waisen; Wohl ists, wie sonst, nur jene Pflege nicht wieder; Doch Jünglinge, der Kindheit gedenk, Im Hause sind auch diese nicht fremde. Sie leben dreifach, eben wie auch Die ersten Söhne des Himmels. Und nicht umsonst ward uns In die Seele die Treue gegeben. Nicht uns, auch Eures bewahrt sie, Und bei den Heiligtümern, den Waffen des Worts, Die scheidend ihr den Ungeschickteren uns, Ihr Schicksalssöhne, zurückgelassen,
Ihr guten Geister, da seid ihr auch, Oftmals, wenn einen dann die heilige Wolk umschwebt, Da staunen wir und wissens nicht zu deuten. Ihr aber würzt mit Nektar uns den Othem Und dann frohlocken wir oft oder es befällt uns Ein Sinnen, wenn ihr aber einen zu sehr liebt, Er ruht nicht, bis er euer einer geworden. Darum, ihr Gütigen! umgebet mich leicht, Damit ich bleiben möge, denn noch ist manches zu singen, Jetzt aber endiget, seligweinend, Wie eine Sage der Liebe, Mir der Gesang, und so auch ist er Mir, mit Erröten, Erblassen, Von Anfang her gegangen. Doch Alles geht so.
Die Wanderung
Glückselig Suevien, meine Mutter, Auch du, der glänzenderen, der Schwester Lombarda drüben gleich, Von hundert Bächen durchflossen! Und Bäume genug, weißblühend und rötlich, Und dunklere, wild, tiefgrünenden Laubs voll, Und Alpengebirg der Schweiz auch überschattet Benachbartes dich; denn nah dem Herde des Hauses Wohnst du, und hörst, wie drinnen Aus silbernen Opferschalen Der Quell rauscht, ausgeschüttet Von reinen Händen, wenn berührt
Von warmen Strahlen Kristallenes Eis und umgestürzt Vom leichtanregenden Lichte Der schneeige Gipfel übergießt die Erde Mit reinestem Wasser. Darum ist Dir angeboren die Treue. Schwer verläßt, Was nahe dem Ursprung wohnet, den Ort. Und deine Kinder, die Städte, Am weithindämmernden See, An Neckars Weiden, am Rheine, Sie alle meinen, es wäre Sonst nirgend besser zu wohnen.
Ich aber will dem Kaukasos zu! Denn sagen hört ich Noch heut in den Lüften: Frei sei'n, wie Schwalben, die Dichter. Auch hat mir ohnedies In jüngeren Tagen Eines vertraut, Es seien vor alter Zeit Die Eltern einst, das deutsche Geschlecht, Still fortgezogen von Wellen der Donau, Am Sommertage, da diese Sich Schatten suchten, zusammen Mit Kindern der Sonn Am schwarzen Meere gekommen; Und nicht umsonst sei dies Das gastfreundliche genennet.
Denn, als sie erst sich angesehen, Da nahten die Anderen erst; dann satzten auch Die Unseren sich neugierig unter den Ölbaum. Doch als sich ihre Gewande berührt, Und keiner vernehmen konnte Die eigene Rede des andern, wäre wohl Entstanden ein Zwist, wenn nicht aus Zweigen herunter Gekommen wäre die Kühlung, Die Lächeln über das Angesicht Der Streitenden öfters breitet, und eine Weile Sahn still sie auf, dann reichten sie sich Die Hände liebend einander. Und bald
Vertauschten sie Waffen und all Die lieben Güter des Hauses, Vertauschten das Wort auch und es wünschten Die freundlichen Väter umsonst nichts Beim Hochzeitjubel den Kindern. Denn aus den heiligvermählten Wuchs schöner, denn Alles, Was vor und nach Von Menschen sich nannt, ein Geschlecht auf. Wo, Wo aber wohnt ihr, liebe Verwandten, Daß wir das Bündnis wiederbegehn Und der teuern Ahnen gedenken?
Dort an den Ufern, unter den Bäumen Ionias, in Ebenen des Kaysters, Wo Kraniche, des Aethers froh, Umschlossen sind von fernhindämmernden Bergen, Dort wart auch ihr, ihr Schönsten! oder pflegtet Der Inseln, die mit Wein bekränzt, Voll tönten von Gesang; noch andere wohnten Am Tayget, am vielgepriesnen Hymettos, Die blühten zuletzt; doch von Parnassos Quell bis zu des Tmolos Goldglänzenden Bächen erklang Ein ewiges Lied; so rauschten Damals die Wälder und all Die Saitenspiele zusamt Von himmlischer Milde gerühret.
O Land des Homer! Am purpurnen Kirschbaum oder wenn Von dir gesandt im Weinberg mir Die jungen Pfirsiche grünen, Und die Schwalbe fernher kommt und vieles erzählend An meinen Wänden ihr Haus baut, in Den Tagen des Mais, auch unter den Sternen Gedenk ich, o Ionia, dein! doch Menschen Ist Gegenwärtiges lieb. Drum bin ich Gekommen, euch, ihr Inseln, zu sehn, und euch, Ihr Mündungen der Ströme, o ihr Hallen der Thetis, Ihr Wälder, euch, und euch, ihr Wolken des Ida!
Doch nicht zu bleiben gedenk ich. Unfreundlich ist und schwer zu gewinnen Die Verschlossene, der ich entkommen, die Mutter. Von ihren Söhnen einer, der Rhein, Mit Gewalt wollt er ans Herz ihr stürzen und schwand Der Zurückgestoßene, niemand weiß, wohin, in die Ferne. Doch so nicht wünscht ich gegangen zu sein, Von ihr, und nur, euch einzuladen, Bin ich zu euch, ihr Grazien Griechenlands, Ihr Himmelstöchter, gegangen, Daß, wenn die Reise zu weit nicht ist, Zu uns ihr kommet, ihr Holden!.
Wenn milder atmen die Lüfte, Und liebende Pfeile der Morgen Uns Allzugedultigen schickt, Und leichte Gewölke blühn Uns über den schüchternen Augen, Dann werden wir sagen, wie kommt Ihr, Charitinnen, zu Wilden? Die Dienerinnen des Himmels Sind aber wunderbar, Wie alles Göttlichgeborne. Zum Traume wirds ihm, will es Einer Beschleichen und straft den, der Ihm gleichen will mit Gewalt; Oft überraschet es einen, Der eben kaum es gedacht hat.
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