|
Der Rhein
An Isaak von Sinclair
Im dunkeln Efeu saß ich, an der Pforte Des Waldes, eben, da der goldene Mittag, Den Quell besuchend, herunterkam Von Treppen des Alpengebirgs, Das mir die göttlichgebaute, Die Burg der Himmlischen heißt Nach alter Meinung, wo aber Geheim noch manches entschieden Zu Menschen gelanget; von da Vernahm ich ohne Vermuten Ein Schicksal, denn noch kaum War mir im warmen Schatten Sich manches beredend, die Seele Italia zu geschweift Und fernhin an die Küsten Moreas.
Jetzt aber, drin im Gebirg, Tief unter den silbernen Gipfeln Und unter fröhlichem Grün, Wo die Wälder schauernd zu ihm, Und der Felsen Häupter übereinander Hinabschaun, taglang, dort Im kältesten Abgrund hört Ich um Erlösung jammern Den Jüngling, es hörten ihn, wie er tobt', Und die Mutter Erd anklagt', Und den Donnerer, der ihn gezeuget, Erbarmend die Eltern, doch Die Sterblichen flohn von dem Ort, Denn furchtbar war, da lichtlos er In den Fesseln sich wälzte, Das Rasen des Halbgotts.
Die Stimme wars des edelsten der Ströme, Des freigeborenen Rheins, Und anderes hoffte der, als droben von den Brüdern, Dem Tessin und dem Rhodanus, Er schied und wandern wollt, und ungeduldig ihn Nach Asia trieb die königliche Seele. Doch unverständig ist Das Wünschen vor dem Schicksal. Die Blindesten aber Sind Göttersöhne. Denn es kennet der Mensch Sein Haus und dem Tier ward, wo Es bauen solle, doch jenen ist Der Fehl, daß sie nicht wissen wohin In die unerfahrne Seele gegeben.
Ein Rätsel ist Reinentsprungenes. Auch Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn Wie du anfingst, wirst du bleiben, So viel auch wirket die Not, Und die Zucht, das meiste nämlich Vermag die Geburt, Und der Lichtstrahl, der Dem Neugebornen begegnet. Wo aber ist einer, Um frei zu bleiben Sein Leben lang, und des Herzens Wunsch Allein zu erfüllen, so Aus günstigen Höhn, wie der Rhein, Und so aus heiligem Schoße Glücklich geboren, wie jener?
Drum ist ein Jauchzen sein Wort. Nicht liebt er, wie andere Kinder, In Wickelbanden zu weinen; Denn wo die Ufer zuerst An die Seit ihm schleichen, die krummen, Und durstig umwindend ihn, Den Unbedachten, zu ziehn Und wohl zu behüten begehren Im eigenen Zahne, lachend Zerreißt er die Schlangen und stürzt Mit der Beut und wenn in der Eil Ein Größerer ihn nicht zähmt, Ihn wachsen läßt, wie der Blitz, muß er Die Erde spalten, und wie Bezauberte fliehn Die Wälder ihm nach und zusammensinkend die Berge.
Ein Gott will aber sparen den Söhnen Das eilende Leben und lächelt, Wenn unenthaltsam, aber gehemmt Von heiligen Alpen, ihm In der Tiefe, wie jener, zürnen die Ströme. In solcher Esse wird dann Auch alles Lautre geschmiedet, Und schön ists, wie er drauf, Nachdem er die Berge verlassen, Stillwandelnd sich im deutschen Lande Begnüget und das Sehnen stillt Im guten Geschäfte, wenn er das Land baut, Der Vater Rhein, und liebe Kinder nährt In Städten, die er gegründet.
Doch nimmer, nimmer vergißt ers. Denn eher muß die Wohnung vergehn, Und die Satzung und zum Unbild werden Der Tag der Menschen, ehe vergessen Ein solcher dürfte den Ursprung Und die reine Stimme der Jugend. Wer war es, der zuerst Die Liebesbande verderbt Und Stricke von ihnen gemacht hat? Dann haben des eigenen Rechts Und gewiß des himmlischen Feuers Gespottet die Trotzigen, dann erst Die sterblichen Pfade verachtend Verwegnes erwählt Und den Göttern gleich zu werden getrachtet.
Es haben aber an eigner Unsterblichkeit die Götter genug, und bedürfen Die Himmlischen eines Dings, So sinds Heroen und Menschen Und Sterbliche sonst. Denn weil Die Seligsten nichts fühlen von selbst, Muß wohl, wenn solches zu sagen Erlaubt ist, in der Götter Namen Teilnehmend fühlen ein Andrer, Den brauchen sie; jedoch ihr Gericht Ist, daß sein eigenes Haus Zerbreche der und das Liebste Wie den Feind schelt und sich Vater und Kind Begrabe unter den Trümmern, Wenn einer, wie sie, sein will und nicht Ungleiches dulden, der Schwärmer.
Drum wohl ihm, welcher fand Ein wohlbeschiedenes Schicksal, Wo noch der Wanderungen Und süß der Leiden Erinnerung Aufrauscht am sichern Gestade, Daß da und dorthin gern Er sehn mag bis an die Grenzen, Die bei der Geburt ihm Gott Zum Aufenthalte gezeichnet. Dann ruht er, seligbescheiden, Denn alles, was er gewollt, Das Himmlische, von selber umfängt Es unbezwungen, lächelnd Jetzt, da er ruhet, den Kühnen.
Halbgötter denk ich jetzt Und kennen muß ich die Teuern, Weil oft ihr Leben so Die sehnende Brust mir beweget. Wem aber, wie, Rousseau, dir, Unüberwindlich die Seele, Die starkausdauernde, ward, Und sicherer Sinn Und süße Gabe zu hören, Zu reden so, daß er aus heiliger Fülle Wie der Weingott, törig göttlich Und gesetzlos sie, die Sprache der Reinesten, gibt Verständlich den Guten, aber mit Recht Die Achtungslosen mit Blindheit schlägt, Die entweihenden Knechte, wie nenn ich den Fremden?
Die Söhne der Erde sind, wie die Mutter, Alliebend, so empfangen sie auch Mühlos, die Glücklichen, Alles. Drum überraschet es auch Und schröckt den sterblichen Mann, Wenn er den Himmel, den Er mit den liebenden Armen Sich auf die Schultern gehäuft, Und die Last der Freude bedenket; Dann scheint ihm oft das Beste, Fast ganz vergessen da, Wo der Strahl nicht brennt, Im Schatten des Walds Am Bielersee in frischer Grüne zu sein, Und sorglosarm an Tönen, Anfängern gleich, bei Nachtigallen zu lernen.
Und herrlich ists, aus heiligem Schlafe dann Erstehen und, aus Waldes Kühle Erwachend, abends nun Dem milderen Licht entgegenzugehn, Wenn, der die Berge gebaut Und den Pfad der Ströme gezeichnet, Nachdem er lächelnd auch Der Menschen geschäftiges Leben, Das othemarme, wie Segel Mit seinen Lüften gelenkt hat, Auch ruht und zu der Schülerin jetzt, Der Bildner, Gutes mehr Denn Böses findend, Zur heutigen Erde der Tag sich neiget. -
Dann feiern das Brautfest Menschen und Götter, Es feiern die Lebenden all, Und ausgeglichen Ist eine Weile das Schicksal. Und die Flüchtlinge suchen die Herberg, Und süßen Schlummer die Tapfern, Die Liebenden aber Sind, was sie waren, sie sind Zu Hause, wo die Blume sich freuet Unschädlicher Glut und die finsteren Bäume Der Geist umsäuselt, aber die Unversöhnten Sind umgewandelt und eilen Die Hände sich ehe zu reichen, Bevor das freundliche Licht Hinuntergeht und die Nacht kommt.
Doch einigen eilt Dies schnell vorüber, andere Behalten es länger. Die ewigen Götter sind Voll Lebens allzeit; bis in den Tod Kann aber ein Mensch auch Im Gedächtnis doch das Beste behalten, Und dann erlebt er das Höchste. Nur hat ein jeder sein Maß. Denn schwer ist zu tragen Das Unglück, aber schwerer das Glück. Ein Weiser aber vermocht es Vom Mittag bis in die Mitternacht, Und bis der Morgen erglänzte, Beim Gastmahl helle zu bleiben.
Dir mag auf heißem Pfade unter Tannen oder Im Dunkel des Eichwalds gehüllt In Stahl, mein Sinclair! Gott erscheinen oder In Wolken, du kennst ihn, da du kennest, jugendlich, Des Guten Kraft, und nimmer ist dir Verborgen das Lächeln des Herrschers Bei Tage, wenn Es fieberhaft und angekettet das Lebendige scheinet oder auch Bei Nacht, wenn alles gemischt Ist ordnungslos und wiederkehrt Uralte Verwirrung.
Germanien
Nicht sie, die Seligen, die erschienen sind, Die Götterbilder in dem alten Lande, Sie darf ich ja nicht rufen mehr, wenn aber, Ihr heimatlichen Wasser! jetzt mit euch Des Herzens Liebe klagt, was will es anders, Das Heiligtrauernde? Denn voll Erwartung liegt Das Land und als in heißen Tagen Herabgesenkt, umschattet heut, Ihr Sehnenden! uns ahnungsvoll ein Himmel. Voll ist er von Verheißungen und scheint Mir drohend auch, doch will ich bei ihm bleiben, Und rückwärts soll die Seele mir nicht fliehn Zu euch, Vergangene! die zu lieb mir sind. Denn euer schönes Angesicht zu sehn, Als wärs, wie sonst, ich fürcht es, tödlich ists, Und kaum erlaubt, Gestorbene zu wecken.
Entflohene Götter! auch ihr, ihr gegenwärtigen, damals Wahrhaftiger, ihr hattet eure Zeiten! Nichts leugnen will ich hier und nichts erbitten. Denn wenn es aus ist, und der Tag erloschen, Wohl triffts den Priester erst, doch liebend folgt Der Tempel und das Bild ihm auch und seine Sitte Zum dunkeln Land und keines mag noch scheinen. Nur als von Grabesflammen, ziehet dann Ein goldner Rauch, die Sage, drob hinüber, Und dämmert jetzt uns Zweifelnden um das Haupt, Und keiner weiß, wie ihm geschieht. Er fühlt Die Schatten derer, so gewesen sind, Die Alten, so die Erde neubesuchen. Denn die da kommen sollen, drängen uns, Und länger säumt von Göttermenschen Die heilige Schar nicht mehr im blauen Himmel. Schon grünet ja, im Vorspiel rauherer Zeit Für sie erzogen, das Feld, bereitet ist die Gabe Zum Opfermahl und Tal und Ströme sind Weitoffen um prophetische Berge, Daß schauen mag bis in den Orient Der Mann und ihn von dort der Wandlungen viele bewegen. Vom Aether aber fällt Das treue Bild und Göttersprüche regnen Unzählbare von ihm, und es tönt im innersten Haine. Und der Adler, der vom Indus kömmt, Und über des Parnassos Beschneite Gipfel fliegt, hoch über den Opferhügeln Italias, und frohe Beute sucht Dem Vater, nicht wie sonst, geübter im Fluge Der Alte, jauchzend überschwingt er Zuletzt die Alpen und sieht die vielgearteten Länder.
Die Priesterin, die stillste Tochter Gottes, Sie, die zu gern in tiefer Einfalt schweigt, Sie suchet er, die offnen Auges schaute, Als wüßte sie es nicht, jüngst, da ein Sturm Toddrohend über ihrem Haupt ertönte; Es ahnete das Kind ein Besseres, Und endlich ward ein Staunen weit im Himmel, Weil Eines groß an Glauben, wie sie selbst, Die segnende, die Macht der Höhe sei; Drum sandten sie den Boten, der, sie schnell erkennend, Denkt lächelnd so: Dich, unzerbrechliche, muß Ein ander Wort erprüfen und ruft es laut, Der Jugendliche, nach Germania schauend: "Du bist es, auserwählt, Alliebend und ein schweres Glück Bist du zu tragen stark geworden,
Seit damals, da im Walde versteckt und blühendem Mohn Voll süßen Schlummers, trunkene, meiner du Nicht achtetest, lang, ehe noch auch geringere fühlten Der Jungfrau Stolz und staunten, wes du wärst und woher, Doch du es selbst nicht wußtest. Ich mißkannte dich nicht, Und heimlich, da du träumtest, ließ ich Am Mittag scheidend dir ein Freundeszeichen, Die Blume des Mundes zurück und du redetest einsam. Doch Fülle der goldenen Worte sandtest du auch Glückselige! mit den Strömen und sie quillen unerschöpflich In die Gegenden all. Denn fast, wie der heiligen, Die Mutter ist von allem, Die Verborgene sonst genannt von Menschen, So ist von Lieben und Leiden Und voll von Ahnungen dir Und voll von Frieden der Busen.
O trinke Morgenlüfte, Bis daß du offen bist, Und nenne, was vor Augen dir ist, Nicht länger darf Geheimnis mehr Das Ungesprochene bleiben, Nachdem es lange verhüllt ist; Denn Sterblichen geziemet die Scham, Und so zu reden die meiste Zeit, Ist weise auch, von Göttern. Wo aber überflüssiger, denn lautere Quellen, Das Gold und ernst geworden ist der Zorn an dem Himmel, Muß zwischen Tag und Nacht Einsmals ein Wahres erscheinen. Dreifach umschreibe du es, Doch ungesprochen auch, wie es da ist, Unschuldige, muß es bleiben.
O nenne, Tochter du der heiligen Erd, Einmal die Mutter. Es rauschen die Wasser am Fels Und Wetter im Wald und bei dem Namen derselben Tönt auf aus alter Zeit Vergangengöttliches wieder. Wie anders ists! und rechthin glänzt und spricht Zukünftiges auch erfreulich aus den Fernen. Doch in der Mitte der Zeit Lebt ruhig mit geweihter Jungfräulicher Erde der Aether Und gerne, zur Erinnerung, sind, Die unbedürftigen, sie Gastfreundlich bei den unbedürftgen, Bei deinen Feiertagen, Germania, wo du Priesterin bist Und wehrlos Rat gibst rings Den Königen und den Völkern."
Friedensfeier
Ich bitte, dieses Blatt nur gutmütig zu lesen. So wird es sicher nicht unfaßlich, noch weniger anstößig sein. Sollten aber dennoch einige solche Sprache zu wenig konventionell finden, so muß ich ihnen gestehen: ich kann nicht anders. An einem schönen Tage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur, wovon es her ist, nimmts auch wieder. Der Verfasser gedenkt dem Publikum eine ganze Sammlung von dergleichen Blättern vorzulegen, und dieses soll irgend eine Probe sein davon.
Der himmlischen, still widerklingenden, Der ruhigwandelnden Töne voll, Und gelüftet ist der altgebaute, Seliggewohnte Saal; um grüne Teppiche duftet Die Freudenwolk und weithinglänzend stehn, Gereiftester Früchte voll und goldbekränzter Kelche, Wohlangeordnet, eine prächtige Reihe, Zur Seite da und dort aufsteigend über dem Geebneten Boden die Tische. Denn ferne kommend haben Hieher, zur Abendstunde, Sich liebende Gäste beschieden.
Und dämmernden Auges denk ich schon, Vom ernsten Tagwerk lächelnd, Ihn selbst zu sehn, den Fürsten des Fests. Doch wenn du schon dein Ausland gern verleugnest, Und als vom langen Heldenzuge müd, Dein Auge senkst, vergessen, leichtbeschattet, Und Freundesgestalt annimmst, du Allbekannter, doch Beugt fast die Knie das Hohe. Nichts vor dir, Nur Eines weiß ich, Sterbliches bist du nicht. Ein Weister mag mir manches erhellen; wo aber Ein Gott noch auch erscheint, Da ist doch andere Klarheit.
Von heute aber nicht, nicht unverkündet ist er; Und einer, der nicht Flut noch Flamme gescheuet, Erstaunet, da es stille worden, umsonst nicht, jetzt, Da Herrschaft nirgend ist zu sehn bei Geistern und Menschen. Das ist, sie hören das Werk, Längst vorbereitend, von Morgen nach Abend, jetzt erst, Denn unermeßlich braust, in der Tiefe verhallend, Des Donnerers Echo, das tausendjährige Wetter, Zu schlafen, übertönt von Friedenslauten, hinunter. Ihr aber, teuergewordne, o ihr Tage der Unschuld, Ihr bringt auch heute das Fest, ihr Lieben! und es blüht Rings abendlich der Geist in dieser Stille; Und raten muß ich, und wäre silbergrau Die Locke, o ihr Freunde! Für Kränze zu sorgen und Mahl, jetzt ewigen Jünglingen ähnlich.
Und manchen möcht ich laden, aber o du, Der freundlichernst den Menschen zugetan, Dort unter syrischer Palme, Wo nahe lag die Stadt, am Brunnen gerne war; Das Kornfeld rauschte rings, still atmete die Kühlung Vom Schatten des geweiheten Gebirges, Und die lieben Freunde, das treue Gewölk, Umschatteten dich auch, damit der heiligkühne Durch Wildnis mild dein Strahl zu Menschen kam, o Jüngling! Ach! aber dunkler umschattete, mitten im Wort, dich Furchtbarentscheidend ein tödlich Verhängnis. So ist schnell Vergänglich alles Himmlische; aber umsonst nicht;
Denn schonend rührt des Maßes allzeit kundig Nur einen Augenblick die Wohnungen der Menschen Ein Gott an, unversehn, und keiner weiß es, wenn? Auch darf alsdann das Freche drüber gehn, Und kommen muß zum heilgen Ort das Wilde Von Enden fern, übt rauhbetastend den Wahn, Und trifft daran ein Schicksal, aber Dank, Nie folgt der gleich hernach dem gottgegebnen Geschenke; Tiefprüfend ist es zu fassen. Auch wär uns, sparte der Gebende nicht, Schon längst vom Segen des Herds Uns Gipfel und Boden entzündet.
Des Göttlichen aber empfingen wir Doch viel. Es ward die Flamm uns In die Hände gegeben, und Ufer und Meersflut. Viel mehr, denn menschlicher Weise Sind jene mit uns, die fremden Kräfte, vertrauet. Und es lehret Gestirn dich, das Vor Augen dir ist, doch nimmer kannst du ihm gleichen. Vom Allebendigen aber, von dem Viel Freuden sind und Gesänge, Ist einer ein Sohn, ein Ruhigmächtiger ist er, Und nun erkennen wir ihn, Nun, da wir kennen den Vater Und Feiertage zu halten Der hohe, der Geist Der Welt sich zu Menschen geneigt hat.
Denn längst war der zum Herrn der Zeit zu groß Und weit aus reichte sein Feld, wann hats ihn aber erschöpfet? Einmal mag aber ein Gott auch Tagewerk erwählen, Gleich Sterblichen und teilen alles Schicksal. Schicksalgesetz ist dies, daß Alle sich erfahren, Daß, wenn die Stille kehrt, auch eine Sprache sei. Wo aber wirkt der Geist, sind wir auch mit, und streiten, Was wohl das Beste sei. So dünkt mir jetzt das Beste, Wenn nun vollendet sein Bild und fertig ist der Meister, Und selbst verklärt davon aus seiner Werkstatt tritt, Der stille Gott der Zeit und nur der Liebe Gesetz, Das schönausgleichende gilt von hier an bis zum Himmel.
Viel hat von Morgen an, Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander, Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang. Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet, Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern Ein Bündnis zwischen ihm und andern Mächten ist. Nicht er allein, die Unerzeugten, Ewgen Sind kennbar alle daran, gleichwie auch an den Pflanzen Die Mutter Erde sich und Licht und Luft sich kennet. Zuletzt ist aber doch, ihr heiligen Mächte, für euch Das Liebeszeichen, das Zeugnis Daß ihr noch seiet, der Festtag,
Der Allversammelnde, wo Himmlische nicht Im Wunder offenbar, noch ungesehn im Wetter, Wo aber bei Gesang gastfreundlich untereinander In Chören gegenwärtig, eine heilige Zahl Die Seligen in jeglicher Weise Beisammen sind, und ihr Geliebtestes auch, An dem sie hängen, nicht fehlt; denn darum rief ich Zum Gastmahl, das bereitet ist, Dich, Unvergeßlicher, dich, zum Abend der Zeit, O Jüngling, dich zum Fürsten des Festes; und eher legt Sich schlafen unser Geschlecht nicht, Bis ihr Verheißenen all, All ihr Unsterblichen, uns Von eurem Himmel zu sagen, Da seid in unserem Hause.
Leichtatmende Lüfte Verkünden euch schon, Euch kündet das rauchende Tal Und der Boden, der vom Wetter noch dröhnet, Doch Hoffnung rötet die Wangen, Und vor der Türe des Hauses Sitzt Mutter und Kind, Und schauet den Frieden Und wenige scheinen zu sterben, Es hält ein Ahnen die Seele, Vom goldnen Lichte gesendet, Hält ein Versprechen die Ältesten auf.
Wohl sind die Würze des Lebens, Von oben bereitet und auch Hinausgeführet, die Mühen. Denn Alles gefällt jetzt, Einfältiges aber Am meisten, denn die langgesuchte, Die goldne Frucht, Uraltem Stamm In schütternden Stürmen entfallen, Dann aber, als liebstes Gut, vom heiligen Schicksal selbst, Mit zärtlichen Waffen umschützt, Die Gestalt der Himmlischen ist es.
Wie die Löwin, hast du geklagt, O Mutter, da du sie, Natur, die Kinder verloren. Denn es stahl sie, Allzuliebende, dir Dein Feind, da du ihn fast Wie die eigenen Söhne genommen, Und Satyren die Götter gesellt hast. So hast du manches gebaut, Und manches begraben, Denn es haßt dich, was Du, vor der Zeit Allkräftige, zum Lichte gezogen. Nun kennest, nun lässest du dies; Denn gerne fühllos ruht, Bis daß es reift, furchtsamgeschäftiges drunten.
Der Einzige (Erste Fassung)
Was ist es, das An die alten seligen Küsten Mich fesselt, daß ich mehr noch Sie liebe, als mein Vaterland? Denn wie in himmlische Gefangenschaft verkauft Dort bin ich, wo Apollo ging In Königsgestalt, Und zu unschuldigen Jünglingen sich Herabließ Zevs und Söhn in heiliger Art Und Töchter zeugte Der Hohe unter den Menschen.
Der hohen Gedanken Sind nämlich viel Entsprungen des Vaters Haupt Und große Seelen Von ihm zu Menschen gekommen. Gehöret hab ich Von Elis und Olympia, bin Gestanden oben auf dem Parnaß, Und über Bergen des Isthmus, Und drüben auch Bei Smyrna und hinab Bei Ephesos bin ich gegangen;
Viel hab ich Schönes gesehn, Und gesungen Gottes Bild Hab ich, das lebet unter Den Menschen, aber dennoch, Ihr alten Götter und all Ihr tapfern Söhne der Götter, Noch Einen such ich, den Ich liebe unter euch, Wo ihr den letzten eures Geschlechts, Des Hauses Kleinod mir Dem fremden Gaste verberget.
Mein Meister und Herr! O du, mein Lehrer! Was bist du ferne Geblieben? und da Ich fragte unter den Alten, Die Helden und Die Götter, warum bliebest Du aus? Und jetzt ist voll Von Trauern meine Seele, Als eifertet, ihr Himmlischen, selbst, Daß, dien ich einem, mir Das andere fehlet.
Ich weiß es aber, eigene Schuld Ists! Denn zu sehr, O Christus! häng ich an dir, Wiewohl Herakles Bruder Und kühn bekenn ich, du Bist Bruder auch des Eviers, der An den Wagen spannte Die Tiger und hinab Bis an den Indus Gebietend freudigen Dienst Den Weinberg stiftet' und Den Grimm bezähmte der Völker.
Es hindert aber eine Scham Mich, dir zu vergleichen Die weltlichen Männer. Und freilich weiß Ich, der dich zeugte, dein Vater, Derselbe der,
Denn nimmer herrscht er allein.
Es hänget aber an Einem Die Liebe. Diesesmal Ist nämlich vom eigenen Herzen Zu sehr gegangen der Gesang, Gut machen will ich den Fehl, Wenn ich noch andere singe. Nie treff ich, wie ich wünsche, Das Maß. Ein Gott weiß aber, Wenn kommet, was ich wünsche, das Beste. Denn wie der Meister Gewandelt auf Erden, Ein gefangener Aar,
Und viele, die Ihn sahen, fürchteten sich, Dieweil sein Äußerstes tat Der Vater und sein Bestes unter Den Menschen wirkete wirklich, Und sehr betrübt war auch Der Sohn so lange, bis er Gen Himmel fuhr in den Lüften, Dem gleich ist gefangen die Seele der Helden. Die Dichter müssen auch Die geistigen weltlich sein.
Der Einzige (Zweite Fassung)
Was ist es, das An die alten seligen Küsten Mich fesselt, daß ich mehr noch Sie liebe, als mein Vaterland? Denn wie in himmlischer Gefangenschaft gebückt, in flammender Luft Dort bin ich, wo, wie Steine sagen, Apollo ging In Königsgestalt, Und zu unschuldigen Jünglingen sich Herabließ Zevs und Söhn in heiliger Art Und Töchter zeugte Der Hohe unter den Menschen.
Der hohen Gedanken Sind nämlich viel Entsprungen des Vaters Haupt Und große Seelen Von ihm zu Menschen gekommen. Gehöret hab ich Von Elis und Olympia, bin Gestanden oben auf dem Parnaß, Und über Bergen des Isthmus, Und drüben auch Bei Smyrna und hinab Bei Ephesos bin ich gegangen;
Viel hab ich Schönes gesehn, Und gesungen Gottes Bild Hab ich, das lebet unter Den Menschen, denn sehr dem Raum gleich ist Das Himmlische reichlich in Der Jugend zählbar, aber dennoch, O du der Sterne Leben und all Ihr tapfern Söhne des Lebens, Noch Einen such ich, den Ich liebe unter euch, Wo ihr den letzten eures Geschlechts, Des Hauses Kleinod mir Dem fremden Gaste verberget.
Mein Meister und Herr! O du, mein Lehrer! Was bist du ferne Geblieben? und da Ich fragte unter den Alten, Die Helden und Die Götter, warum bliebest Du aus? Und jetzt ist voll Von Trauern meine Seele, Als eifertet, ihr Himmlischen, selbst, Daß, dien ich einem, mir Das andere fehlet.
Ich weiß es aber, eigene Schuld ists! Denn zu sehr, O Christus! häng ich an dir, wiewohl Herakles Bruder Und kühn bekenn ich, du bist Bruder auch des Eviers, der Die Todeslust der Völker aufhält und zerreißet den Fallstrick Fein sehen die Menschen, daß sie Nicht gehn den Weg des Todes und hüten das Maß, daß einer Etwas für sich ist, den Augenblick, Das Geschick der großen Zeit auch, Ihr Feuer fürchtend, treffen sie, und wo Des Wegs ein anderes geht, da sehen sie Auch, wo ein Geschick sei, machen aber Das sicher, Menschen gleichend oder Gesetzen.
Es entbrennet aber sein Zorn; daß nämlich Das Zeichen die Erde berührt, allmählich Aus Augen gekommen, als an einer Leiter. Diesmal. Eigenwillig sonst, unmäßig Grenzlos, daß der Menschen Hand Anficht das Lebende, mehr auch, als sich schicket Für einen Halbgott, Heiliggesetztes übergeht Der Entwurf. Seit nämlich böser Geist sich Bemächtiget des glücklichen Altertums, unendlich, Langher währt Eines, gesangsfeind, klanglos, das In Maßen vergeht, des Sinnes Gewaltsames. Ungebundenes aber Hasset Gott. Fürbittend aber
Hält ihn der Tag von dieser Zeit, stillschaffend, Des Weges gehend, die Blüte der Jahre. Und Kriegsgetön, und Geschichte der Helden unterhält, hartnäckig Geschick, Die Sonne Christi, Gärten der Büßenden, und Der Pilgrime Wandern und der Völker ihn, und des Wächters Gesang und die Schrift Des Barden oder Afrikaners. Ruhmloser auch Geschick hält ihn, die an den Tag Jetzt erst recht kommen, das sind väterliche Fürsten. Denn viel ist der Stand Gottgleicher, denn sonst. Denn Männern mehr Gehöret das Licht. Nicht Jünglingen. Das Vaterland auch. Nämlich frisch
Noch unerschöpfet und voll mit Locken. Der Vater der Erde freuet nämlich sich des Auch, daß Kinder sind, so bleibet eine Gewißheit Des Guten. So auch freuet Das ihn, daß eines bleibet. Auch einige sind, gerettet, als Auf schönen Inseln. Gelehrt sind die. Versuchungen sind nämlich Grenzlos an die gegangen. Zahllose gefallen. Also ging es, als Der Erde Vater bereitet Ständiges In Stürmen der Zeit. Ist aber geendet.
Patmos
Dem Landgrafen von Homburg
Nah ist Und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst Das Rettende auch. Im Finstern wohnen Die Adler und furchtlos gehn Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg Auf leichtgebaueten Brücken. Drum, da gehäuft sind rings Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten Nah wohnen, ermattend auf Getrenntesten Bergen, So gib unschuldig Wasser, O Fittige gib uns, treuesten Sinns Hinüberzugehn und wiederzukehren.
So sprach ich, da entführte Mich schneller, denn ich vermutet, Und weit, wohin ich nimmer Zu kommen gedacht, ein Genius mich Vom eigenen Haus. Es dämmerten Im Zwielicht, da ich ging, Der schattige Wald Und die sehnsüchtigen Bäche Der Heimat; nimmer kannt ich die Länder; Doch bald, in frischem Glanze, Geheimnisvoll Im goldenen Rauche, blühte Schnellaufgewachsen, Mit Schritten der Sonne, Mit tausend Gipfeln duftend,
Mir Asia auf, und geblendet sucht Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt War ich der breiten Gassen, wo herab Vom Tmolus fährt Der goldgeschmückte Paktol Und Taurus stehet und Messogis, Und voll von Blumen der Garten, Ein stilles Feuer, aber im Lichte Blüht hoch der silberne Schnee, Und Zeug unsterblichen Lebens An unzugangbaren Wänden Uralt der Efeu wächst und getragen sind Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern, Die feierlichen, Die göttlichgebauten Paläste.
Es rauschen aber um Asias Tore Hinziehend da und dort In ungewisser Meeresebene Der schattenlosen Straßen genug, Doch kennt die Inseln der Schiffer. Und da ich hörte, Der nahegelegenen eine Sei Patmos, Verlangte mich sehr, Dort einzukehren und dort Der dunkeln Grotte zu nahn. Denn nicht, wie Cypros, Die quellenreiche, oder Der anderen eine Wohnt herrlich Patmos,
Gastfreundlich aber ist Im ärmeren Hause Sie dennoch Und wenn vom Schiffbruch oder klagend Um die Heimat oder Den abgeschiedenen Freund Ihr nahet einer Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder, Die Stimmen des heißen Hains, Und wo der Sand fällt, und sich spaltet Des Feldes Fläche, die Laute, Sie hören ihn und liebend tönt Es wider von den Klagen des Manns. So pflegte Sie einst des gottgeliebten, Des Sehers, der in seliger Jugend war
Gegangen mit Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn Es liebte der Gewittertragende die Einfalt Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann Das Angesicht des Gottes genau, Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmahls, Und in der großen Seele, ruhigahnend, den Tod Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug Hatt er von Güte zu sagen Der Worte, damals, und zu erheitern, da Ers sahe, das Zürnen der Welt. Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte, Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,
Doch trauerten sie, da nun Es Abend worden, erstaunt, Denn Großentschiedenes hatten in der Seele Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne Das Leben und lassen wollten sie nicht Vom Angesichte des Herrn Und der Heimat. Eingetrieben war, Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging Zur Seite der Schatte des Lieben. Drum sandt er ihnen Den Geist, und freilich bebte Das Haus und die Wetter Gottes rollten Ferndonnernd über Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend, Versammelt waren die Todeshelden,
Itzt, da er scheidend Noch einmal ihnen erschien. Denn itzt erlosch der Sonne Tag, Der Königliche, und zerbrach Den geradestrahlenden, Den Zepter, göttlichleidend, von selbst, Denn wiederkommen sollt es, Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu, Der Menschen Werk, und Freude war es Von nun an, Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren In einfältigen Augen, unverwandt Abgründe der Weisheit. Und es grünen Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,
Doch furchtbar ist, wie da und dort Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott. Denn schon das Angesicht Der teuern Freunde zu lassen Und fernhin über die Berge zu gehn Allein, wo zweifach Erkannt, einstimmig War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern Die Locken ergriff es, gegenwärtig, Wenn ihnen plötzlich Ferneilend zurück blickte Der Gott und schwörend, Damit er halte, wie an Seilen golden Gebunden hinfort Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten -
Wenn aber stirbt alsdenn, An dem am meisten Die Schönheit hing, daß an der Gestalt Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander, Sie sich nicht fassen können Einander, die zusammenlebten Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel Ergreift, wenn die Ehre Des Halbgotts und der Seinen Verweht und selber sein Angesicht Der Höchste wendet Darob, daß nirgend ein Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder Auf grüner Erde, was ist dies?
Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt Mit der Schaufel den Weizen, Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne. Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber Ans Ende kommet das Korn, Und nicht ein Übel ists, wenn einiges Verloren gehet und von der Rede Verhallet der lebendige Laut, Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern, Nicht alles will der Höchste zumal. Zwar Eisen träget der Schacht, Und glühende Harze der Aetna, So hätt ich Reichtum, Ein Bild zu bilden, und ähnlich Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,
Wenn aber einer spornte sich selbst, Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre, Mich überfiele, daß ich staunt und von dem Gotte Das Bild nachahmen möcht ein Knecht - Im Zorne sichtbar sah ich einmal Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist, Solange sie herrschen, das Falsche, und es gilt Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr. Denn sie nicht walten, es waltet aber Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk Von selbst, und eilend geht es zu Ende. Wenn nämlich höher gehet himmlischer Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich, Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,
Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab Des Gesanges, niederwinkend, Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket Er auf, die noch gefangen nicht Vom Rohen sind. Es warten aber Der scheuen Augen viele, Zu schauen das Licht. Nicht wollen Am scharfen Strahle sie blühn, Wiewohl den Mut der goldene Zaum hält. Wenn aber, als Von schwellenden Augenbraunen, Der Welt vergessen Stilleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen, Der Gnade sich freuend, sie Am stillen Blicke sich üben.
Und wenn die Himmlischen jetzt So, wie ich glaube, mich lieben, Wie viel mehr Dich, Denn Eines weiß ich, Daß nämlich der Wille Des ewigen Vaters viel Dir gilt. Still ist sein Zeichen Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus. Es sind aber die Helden, seine Söhne, Gekommen all und heilige Schriften Von ihm und den Blitz erklären Die Taten der Erde bis itzt, Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind Ihm alle bewußt von jeher.
Zu lang, zu lang schon ist Die Ehre der Himmlischen unsichtbar. Denn fast die Finger müssen sie Uns führen und schmählich Entreißt das Herz uns eine Gewalt. Denn Opfer will der Himmlischen jedes, Wenn aber eines versäumt ward, Nie hat es Gutes gebracht. Wir haben gedienet der Mutter Erd Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient, Unwissend, der Vater aber liebt, Der über allen waltet, Am meisten, daß gepfleget werde Der feste Buchstab, und Bestehendes gut Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.
Andenken
Der Nordost wehet, Der liebste unter den Winden Mir, weil er feurigen Geist Und gute Fahrt verheißet den Schiffern. Geh aber nun und grüße Die schöne Garonne, Und die Gärten von Bourdeaux Dort, wo am scharfen Ufer Hingehet der Steg und in den Strom Tief fällt der Bach, darüber aber Hinschauet ein edel Paar Von Eichen und Silberpappeln;
Noch denket das mir wohl und wie Die breiten Gipfel neiget Der Ulmwald, über die Mühl, Im Hofe aber wächset ein Feigenbaum. An Feiertagen gehn Die braunen Frauen daselbst Auf seidnen Boden, Zur Märzenzeit, Wenn gleich ist Nacht und Tag, Und über langsamen Stegen, Von goldenen Träumen schwer, Einwiegende Lüfte ziehen.
Es reiche aber, Des dunkeln Lichtes voll, Mir einer den duftenden Becher, Damit ich ruhen möge; denn süß Wär unter Schatten der Schlummer. Nicht ist es gut, Seellos von sterblichen Gedanken zu sein. Doch gut Ist ein Gespräch und zu sagen Des Herzens Meinung, zu hören viel Von Tagen der Lieb, Und Taten, welche geschehen.
Wo aber sind die Freunde? Bellarmin Mit dem Gefährten? Mancher Trägt Scheue, an die Quelle zu gehn; Es beginnet nämlich der Reichtum Im Meere. Sie, Wie Maler, bringen zusammen Das Schöne der Erd und verschmähn Den geflügelten Krieg nicht, und Zu wohnen einsam, jahrlang, unter Dem entlaubten Mast, wo nicht die Nacht durchglänzen Die Feiertage der Stadt, Und Saitenspiel und eingeborener Tanz nicht.
Nun aber sind zu Indiern Die Männer gegangen, Dort an der luftigen Spitz An Traubenbergen, wo herab Die Dordogne kommt, Und zusammen mit der prächtgen Garonne meerbreit Ausgehet der Strom. Es nehmet aber Und gibt Gedächtnis die See, Und die Lieb auch heftet fleißig die Augen, Was bleibet aber, stiften die Dichter.
|