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Minnelied
Es ist ein halbes Himmelreich, Wenn Paradiesesblumen gleich, Aus Klee die Blumen dringen, Und wenn die kleinen Vögellein, Im Garten hier, und dort im Hayn, Auf grünen Bäumen singen.
Doch das ist noch ein reines Weib, Von Seele gut, und schön von Leib, In ihrer Jugendblüthe. Wir laßen alle Blumen stehn, Das liebe Weibchen anzusehn, Und freun uns ihrer Güte.
Der Anger
Mein Anger, welchen früh und spat Ein allerliebstes Mädchen trat, Mit ihren weißen Füßen, Mit Zitterklang, Und mit Gesang, Werd' ich dich oft begrüßen.
Ich werd' oft, um das Abendkühl, Mit meinem kleinen Minnespiel In deine Blumen kommen, Und singen dann, So gut ich kann, Der Reinen, und der Frommen.
Mit deinen Blümchen, roth und weiß, Will ich, erhebend ihren Preiß, Die kleine Zitter krönen, Und weinen naß Das grüne Gras, Gedenk' ich meiner Schönen.
Gieb doch, o lieber grüner Plan, Am Ende meiner Lebensbahn, Bey dieser Murmelquelle, Wo Vögellein Des Buschs sich freun, Mir meine Ruhestelle.
Maylied
Willkommen liebe Sommerzeit, Willkommen schöner May, Der Blumen auf den Anger streut, Und alles machet neu.
Die Vögel höhen ihren Sang, Der ganze Buchenhayn Wird süßer, süßer Silberklang, Und Bäche murmeln drein.
Roth stehn die Blumen, weiß und blau, Und Mädchen pflücken sie, Bald auf der Flur, bald auf der Au, Ahi, Herr May, Ahi!
Ihr Busen ist von Blümchen bunt, Ich sah ihn schöner nie, Es lacht ihr rosenrother Mund, Ahi, Herr May, Ahi!
Minnelied
Süßer klingt der Vogelsang, Wann die gute, reine, Die mein Jünglingsherz bezwang, Wandelt durch die Haine.
Röther blühet Thal und Au, Grüner wird der Wasen, Wo die Finger meiner Frau Mayenblumen lasen.
Freude fließt aus ihrem Blick Auf die bunte Weide, Aber fliehet sie zurück, Ach, so flieht die Freude.
Alles ist dann für mich todt, Welk sind alle Kräuter, Und kein Sommerabendroth Dünkt mir schön und heiter.
Liebe, minnigliche Frau, Wollest nimmer fliehen, Daß mein Herz, gleich dieser Au, Immer möge blühen.
Winterlied
Keine Blumen blühn, Nur das Wintergrün Blickt durch Silberhüllen, Nur das Fenster füllen Blümchen, roth und weiß, Aufgeblüht aus Eis.
Ach, kein Vögelsang Tönet süßen Klang, Als die Winterweise Mancher kleinen Meise, Die am Fenster schwirrt, Und ihr Liedchen girrt.
Minne flieht den Hain, Wo die Vögellein, Finken, Nachtigallen Ihr so wohl gefallen, Minne flieht den Hain, Kehrt ins Zimmer ein.
Alles Kummers bar, Werden wir fürwahr, Unter Minnespielen, Deinen Frost nicht fühlen, Kalter Januar; Walte immerdar.
Frauenlob
Lobt' ich tausend Jahr, Reine Weiberschaar, Eurer Schönheit Blüthe, Eures Herzens Güte, Wäre doch mein Sang Nur ein schwacher Klang.
Jedem ist bekannt, Was die Schöpferhand Gottes euch gegeben. Wahrlich, unser Leben Wäre, sonder euch, Keiner Freuden reich.
Keine Sorge wacht, Wann ein Weibchen lacht, Wie ein Engel, grüßet, Auf den Mund uns küßet, Alles Unmuths frey, Sehn wir lauter May.
Gehren keines Glücks, Als des Minneblicks, Als des keuschen Leibes Unsers lieben Weibes, Leben, sonder Harm, In der Guten Arm.
Maylied
Grün wird Wies' und Au, Und der Himmel blau; Schwalben kehren wieder, Und die Erstlingslieder Kleiner Vögelein Zwitschern durch den Hain!
Seit der Winter wich, Freuet Liebe sich; Lebt und webt im Grünen, Seit der May erschienen; Malt die Blumen bunt, Roth des Mädchens Mund.
Weht, wie Mädchenhauch, Aus dem Blüthenstrauch, Durch des Jünglings Seele; Gießt, o Philomele, Deine Zaubereyn Durch den Abendhain!
Jeder Wipfel girrt! Seht! der Tauber schwirrt Um sein liebes Täubchen! Wählt euch auch ein Weibchen, Wie der Tauber thut, Und seyd wohlgemuth!
Minnelied
Freuden sonder Zahl Sind im Himmelssaal, Wie man uns erzählet, Keine Wonne fehlet, Ach, da möcht' ich, rein Alles Wandels, seyn!
Unter Engeln gehn, Ihre Spiele seyn, Küßen sie, als Brüder, Lernen ihre Lieder, Ach, da möcht' ich, rein Alles Wandels, seyn!
Lieber blieb' ich hier, Gäbe Julchen mir Einen Blick voll Minne, Wann ich den gewinne, Bleib' ich lieber hier, Freue mich mit ihr.
[Die Gräber]
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Früher knie vor ihr, als ich vor dir mein Knie Beuge, falte die Beterhand! Winke Winke der Held, wie sie ein Vater winkt, Daß die Boten des Himmels uns In dein ewiges Reich führen, Allgütiger!
An J. M. Miller
Denk' ich, Bester, des Trennungstags, Ach, dann bricht mir das Herz, Tage der Zukunft, ach, Einer traurigen Zukunft, nahn, Mit umdüsterter Stirn, jeder den Wermuthkelch In den Händen, und dräuen mir. Ach, sie kommen zu bald, schütten den ganzen Kelch Über deinen Getreuen aus, Wann er ferne von dir weinet, von eurem Kuß, Bundesbrüder, von eurem Sang, An der Leine Gestad weinet, und keinen Trost Auf der Erde mehr finden kan. Rosen schließen sich zu, nahet dein Traurer sich, Wo sie brannten in ihrem Thau, Als noch Lauren der Hain kühlte, das Abendroth Um die Locken des Mädchens floß, Und mein Erstlingsgesang säuselte durch die Flur. Ach, die Seelen der Abende, Die wir Brüder verkos't, werden oft vor mir stehn, Schön und lächelnd wie Seraphim, Und die Seelen des Sangs, welcher dem Harfengriff Meiner Lieben entstürmete. Deines Herzensgesprächs, Trauter, und Freundesblicks Werd ich gehren, und, ach, umsonst! Deines Minnegesangs, welcher so lieblich scholl Guten Frauen, und, ach, umsonst! Angeduftet vom May, flimmert der Abendstern Durch die Blüthen, der Schauer war Unsrer lenzlichen Lust, werd ich dich spähn, den Arm Nach dir strecken, und, ach, umsonst! Keine Thräne, kein Flehn sehnet an diese Brust Dich herüber, an diese Brust, Wo mit Lauren dein Bild lebet, und leben wird, Bis mich hüllet die Rasengruft. Und die hüllet mich bald. Flüstert das Rebengrün, Wo du sitzest, im Mondenglanz, Flimmert eine Gestalt, Traurigkeit im Gesicht, Melancholisch vor dir vorbey, Winkt und lächelt dir zu, Bester, es ist dein Freund. Er begegnet, der fromme Geist, Einen Engel am Arm, sinket dein Todesloos, Dir am Ufer der Ewigkeit, Bleibet ewig dein Freund. Freundschaft und Liebe wohnt Unter Palmen Jehovahs, setzt Himmelskronen uns auf, welche kein Schicksal welkt.
Minnehuldigung
Allbereits im Flügelkleide Waren minnigliche Fraun Miene liebste Augenweide, Konnte nimmer satt mich schaun.
Ich vergaß der Vogelnester, Warf mein Steckenpferd ins Gras, Wann bey meiner lieben Schwester Eine schöne Dirne saß.
Freute mich der schönen Dirne, Ihres rothen Wangenpaars, Ihres Mundes, ihrer Stirne, Ihres blonden Lockenhaars.
Ließ Virgilen, ließ Oviden, Gieng ein Mädchen auf dem Plan, Ruhen, traun, in gutem Frieden, Mich der preißlichen zu nahn.
Was ich weiland that als Knabe, Werd ich wahrlich immer thun, Bis ich werd', im kühlen Grabe, Neben meinen Vätern ruhn.
Immer meine besten Weisen Minniglichen Frauen weihn, Immer Minn' und Weiber preisen, Und mich ihrer Schöne freun.
An den Mond
Dein Silber schien Durch Eichengrün, Das Kühlung gab, Auf mich herab, O Mond, und lachte Ruh Mir frohen Knaben zu.
Wann itzt dein Licht Durchs Fenster bricht, Lachts keine Ruh Mir Jüngling zu, Siehts meine Wange blaß, Mein Aug von Thränen naß.
Wann, lieber Freund, Ach, wann bescheint Dein Silberschein Den Leichenstein, Der meine Asche birgt, Wenn Minneharm mich würgt?
Minnelied
Euch, ihr Schönen, Will ich krönen, Bis an meinen Tod, Mit Gesangesweisen; Bis an meinen Tod Eure Tugend preisen.
Ihr, o Guten, Wohlgemuthen, Macht das Leben süß, Macht den Mann zum Engel, Und zum Paradies Eine Welt voll Mängel.
Wer die Süße Treuer Küße Nicht gekostet hat, Irret, wie verloren, Auf dem Lebenspfad, Ist noch ungebohren.
Wer die Süße Treuer Küße Schon gekostet hat, Tritt auf lauter Rosen, Wo sein Fuß sich naht, Blühen lauter Rosen.
Maylied
Der Schnee zerrinnt, Der May beginnt, Die Blüthen keimen Den Gartenbäumen, Und Vogelschall Tönt überall.
Pflückt einen Kranz, Und haltet Tanz Auf grünen Auen, Ihr schönen Frauen, Pflückt einen Kranz, Und haltet Tanz.
Wer weiß, wie bald Die Glocke schallt, Da wir des Mayen Uns nicht mehr freuen, Wer weiß, wie bald Sie, leider, schallt.
Drum werdet froh, Gott will es so, Der uns das Leben Zur Luft gegeben, Genießt der Zeit, Die Gott verleyht.
Maylied
Der Anger steht so grün, so grün, Die blauen Veilchenglocken blühn, Und Schlüßelblumen drunter, Der Wiesengrund Ist schon so bunt, Und färbt sich täglich bunter.
Drum komme, wem der May gefällt, Und freue sich der schönen Welt, Und Gottes Vatergüte, Die diese Pracht Hervorgebracht, Den Baum und seine Blüthe.
Vaterlandslied
Gesegnet mir, mein Vaterland, Wo ich so viele Tugend fand, Gesegnet mir, mein Vaterland!
Die Männer haben Heldenmuth, Verströmen Patriotenblut, Sind edel auch dabey, und gut.
Die Weiber sind den Engeln gleich, Es ist, fürwahr, ein Himmelreich, Ihr preißlichen, zu schauen euch.
Sie lieben Zucht, und Biedersinn, O selig Land, worin ich bin, O möcht ich lange leben drinn!
Die Nachtigall
Die Nachtigall Singt überall, Auf grünen Reisen, Die besten Weisen, Tönt süße Ruh Den Leuten zu.
Der grüne Wald Und Busch erschallt Von ihrer Minne. Mit frohen Sinne Hört jederman Den Vogel an.
Ich, leider, nicht, Es bricht, es bricht, Trotz allen Fugen, So Vögel schlugen, Vor Minneschmerz, Mein armes Herz.
Die Nonne
Es liebt' in Welschland irgendwo Ein schöner junger Ritter Ein Mädchen, das der Welt entfloh, Troz Klosterthor und Gitter; Sprach viel von seiner Liebespein, Und schwur, auf seinen Knien, Sie aus dem Kerker zu befreyn, Und stets für sie zu glühen.
"Bey diesem Muttergottesbild, Bey diesem Jesuskinde, Das ihre Mutterarme füllt, Schwör' ich's dir, o Belinde! Dir ist mein ganzes Herz geweiht, So lang ich Odem habe, Bey meiner Seelen Seligkeit! Dich lieb' ich bis zum Grabe."
Was glaubt ein armes Mädchen nicht, Zumal in einer Celle? Ach! sie vergaß der Nonnenpflicht, Des Himmels und der Hölle. Die, von den Engeln angeschaut, Sich ihrem Jesu weihte, Die reine schöne Gottesbraut, Ward eines Frevlers Beute.
Drauf wurde, wie die Männer sind, Sein Herz von Stund' an lauer, Er überließ das arme Kind Auf ewig ihrer Trauer. Vergaß der alten Zärtligkeit, Und aller seiner Eide, Und flog, im bunten Gallakleid, Nach neuer Augenweide.
Begann mit andern Weibern Reihn, Im kerzenhellen Sale, Gab andern Weibern Schmeicheleyn, Beym lauten Traubenmahle. Und rühmte sich des Minneglücks Bey seiner schönen Nonne, Und jedes Kußes, jedes Blicks, Und jeder andern Wonne.
Die Nonne, voll von welscher Wuth, Entglüht' in ihrem Muthe, Und sann auf nichts als Dolch und Blut, Und schwamm in lauter Blute. Sie dingte plötzlich eine Schaar Von wilden Meuchelmördern, Den Mann, der treulos worden war, Ins Todtenreich zu fördern.
Die bohren manches Mörderschwert In seine schwarze Seele. Sein schwarzer, falscher Geist entfährt, Wie Schwefeldampf der Höhle. Er wimmert durch die Luft, wo sein Ein Krallenteufel harret. Drauf ward sein blutendes Gebein In eine Gruft verscharret.
Die Nonne flog, wie Nacht begann, Zur kleinen Dorfcapelle, Und riß den wunden Rittersmann Aus seiner Ruhestelle. Riß ihm das Bubenherz heraus, Recht ihren Zorn zu büßen, Und trat es, daß das Gotteshaus Erschallte, mit den Füßen.
Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn, In dieser Kirche weilen, Und, bis im Dorf die Hahnen krähn, Bald wimmern, und bald heulen. Sobald der Seiger zwölfe schlägt, Rauscht sie, an Grabsteinwänden, Aus einer Gruft empor, und trägt Ein blutend Herz in Händen.
Die tiefen, hohlen Augen sprühn Ein düsterrothes Feuer, Und glühn, wie Schwefelflammen glühn, Durch ihren weißen Schleyer. Sie gafft auf das zerrißne Herz, Mit wilder Rachgeberde, Und hebt es dreymal himmelwärts, Und wirft es auf die Erde.
Und rollt die Augen, voller Wuth, Die eine Hölle blicken, Und schüttelt aus dem Schleyer Blut, Und stampft das Herz in Stücken. Ein dunkler Todtenflimmer macht Indeß die Fenster helle. Der Wächter, der das Dorf bewacht, Sah's in der Landcapelle.
An meine Freunde
Mangelnd jedes Gefühls, welches die Freundschaft giebt, War mein Leben entflohn, als ich die Treuen fand, Eurem offenen Arme, Bundesbrüder, entgegenflog.
Jeder kommende Tag knüpfte das Seelenband Unauflöslicher fest, geudete für und für, Aus der goldenen Schaale, Neue Freuden auf uns herab.
Selig wären wir, traun, selig wie keiner ist, Näm ein friedliches Thal uns in die Blumen auf, Frohe Schäfer, ach fiele Nie das eiserne Trennungsloos.
An Voß
Klimme muthig den Pfad, Bester, den Dornenpfad, Durch die Wolken hinauf, bis du den Strahlenkranz, Der nur weiseren Dichtern, Funkelt, dir um die Schläfe schlingst.
Heißer liebe durch dich Enkel und Enkelin Gott und seine Natur, herzliche Brudertreu, Einfalt, Freiheit und Unschuld, Deutsche Tugend und Redlichkeit.
Stilles Trittes, o Voß, wandelt indeß dein Freund Durch Gefilde der Ruh, lauschet der Nachtigall Und der Stimme des leisen Mondbeschimmerten Wiesenborns;
Singt den duftenden Hain, welchen das Morgenroth Überflimmert mit Gold, oder den Frühlingsstrauß, Der am Busen des Mädchens, Mildgeröthet vom Abend, bebt.
Mir auch weinet, auch mir, Wonne! das Mädchen Dank, Küßt mein zärtliches Lied, drückt es an ihre Brust, Seufzt: Du redlicher Jüngling, Warum barg dich die Gruft so früh!
Die Laube
Nimmer, nimmer werd ich dein vergeßen, Laub', in deren Einsamkeit Meine Laura, weiland, oft geseßen, Und des Frühlings sich gefreut.
Schauer wird durch meine Nerven beben, Werd ich deine Blüthen sehn, Und ihr Bildniß mir entgegenschweben, Ihre Gottheit mich umwehn.
Thränenvoll, werd ich, beym Mondenlichte, In der Geisterstunde Graun, Dir entgegenzittern, und Gesichte Auf Gesichte werd ich schaun.
Mich in manchen Göttertraum verirren, Bis Entzückung mich durchbebt, Und nach meinem süßen Täubchen girren, Deßen Abbild vor mir schwebt.
Wenn ich auf der Bahn der Tugend wanke, Erdvergnügen mich bestrickt; Dann durchschaure flugs mich der Gedanke, Was in dir ich einst erblickt.
Und ich werde deiner Taumelschalen, Wollust, fluchen, und das Bild Feuriger in meine Seele mahlen, So den Himmel mir enthüllt.
Die Liebe
Eine Schale des Harms, eine der Freuden wog Gott dem Menschengeschlecht; aber der lastende Kummer senket die Schale, Immer hebet die andre sich.
Irren, traurigen Tritts wanken wir unsern Weg Durch das Leben hinab, bis sich die Liebe naht, Eine Fülle der Freuden In die steigende Schale streut.
Wie dem Pilger der Quell silbern entgegenrinnt, Wie der Regen des Mays über die Blüthen träuft, Naht die Liebe; des Jünglings Seele zittert, und huldigt ihr!
Nähm' er Kronen und Gold, mißte der Liebe? Gold Ist ihm fliegende Spreu; Kronen ein Flittertand; Alle Hoheit der Erde, Sonder herzliche Liebe, Staub.
Loos der Engel! Kein Sturm düstert die Seelenruh Des Beglückten! Der Tag hüllt sich in lichters Blau, Kuß, und Flüstern und Lächeln Flügelt Stunden an Stunden fort.
Herrscher neideten ihn, kosteten sie des Glücks, Das dem liebenden ward; würfen den Königsstab Aus den Händen, und suchten Sich ein friedliches Hüttendach.
Unter Rosengesträuch spielet ein Quell, und mischt Dem begegnenden Bach Silber. So strömen flugs Seel' und Seele zusammen, Wenn allmächtige Liebe naht.
An ein catholisches Mädchen, das am Frohnleichnamsfest ein Marienbild trug
Denk' ich meiner frohen Knabenzeiten, Denk' ich, Mädchen, auch an dich, Und die hellen Sehnsuchtsthränen gleiten, Und die Seele wölket sich.
Sittsam war dein Aug, voll Mädchenmilde, Der die Andacht Reize lieh, Wich vom schönen Muttergottesbilde, Wich vom Christuskinde nie.
Manche Zähre floß von deinen Wangen, Wie der Thau von Rosen rinnt, Blieb itzt am Marienbilde hangen, Rann itzt auf das Christuskind.
Eine junge, morgenrothbestreute Silberblum' im Paradies Warst du, hehr, wie die Gebenedeyte, Die dein Arm dem Volke wies.
Süßes Zittern, leises Seelenklopfen Überströmte meinen Geist. Kostet' ich des Stromes einen Tropfen, Der am Throne Gottes fleußt?
Trunken kniet' ich, wann der Reigen kniete, Betend, himmelan geführt, Küßte manche Knosp' und manche Blüthe, Die dein wallend Kleid berührt.
Lebe, lebe deine Pilgertage, Gutes Mädchen, flitterlos, Und dann komm' ein Himmelsboth', und trage Deine Seel' in Gottes Schoos.
Und der Heiland lächl' auf seinem Throne, Wenn du dich dem Throne nahst, Und Maria bringe dir die Krone, Die du oft in Träumen sahst.
Gebe dir ein Lichtgewand! Vom Throne, Wo der Menschenrichter thront, Weh's herüber: frommes Mädchen wohne, Wo die fromme Laura wohnt.
Schnitterlied
Es zirpten Grillen und Heimen, Von grünen Sträuchen und Bäumen, Floß Abendkühle herab, Als, hinter Garben von Weitzen, Ein wahrer Engel an Reizen Dies Pfand der Liebe mir gab.
Sie sprach, mit fröhlichem Muthe, Trag diese Blumen am Hute, Und dieses goldene Band, Und gab die Blumen und Flittern, An meinem Hute zu zittern, In meine wartende Hand.
Die Blumen hab' ich getragen, Seit vierzehn glücklichen Tagen, Und diese schwanden so schnell. Ihr Bänder, sah ich euch schweben, Begann das Herz mir zu beben, Ward meine Seele so hell.
Ha! Morgen bringen wir Leute, Geschmückt wie Freyer und Bräute, Der Erndte flitternden Kranz. Dann tönen helle Schalmeyen Durch unsre ländlichen Reihen, Dann schwing ich Liebchen im Tanz!
Erndtelied
Sicheln schallen, Ähren fallen Unter Sichelschall; Auf den Mädchenhüthen Zittern blaue Blüthen, Wonn' ist überall.
Sicheln klingen, Mädchen singen Unter Sichelklang, Bis das Mondlicht schimmert, Auf den Stoppeln flimmert, Frohen Erndtesang.
Alles springet, Alles singet, Was nur lallen kann. Bey dem Erndtemahle Ißt aus einer Schale Knecht und Bauersmann.
Hanns und Michel Schärft die Sichel, Pfeift ein Lied dazu. Mähet; dann beginnen Schnell die Binderinnen, Binden sonder Ruh.
Jeder scherzet, Jeder herzet Dann sein Liebelein. Nach geleerten Kannen, Gehen sie von dannen, Singen und juchheyn!
An die Apfelbäume, wo ich Laura erblickte
Ein heilig Säuseln, und ein Gesangeston Durchzittre deine Wipfel, o Schattengang, Allwo mein Herz die erste, hohe Feuerergießung der Liebe fühlte!
Die Abendsonne bebte, wie lichtes Gold, Durch Purpurblüthen, bebte, wie lichtes Gold, Um ihres Busens Silberschleyer, Und ich zerfloß in Entzückungsschauer.
Nach langer Trennung, küße mit Engelskuß, Ein treuer Jüngling, hier die geliebte Braut, Und schwör, in diesem Blüthendunkel, Ewige Treue der Auserkohrnen.
Ein Blümchen sproße, wann wir gestorben sind, Aus jedem Rasen, welchen ihr Fuß betrat, Und trag auf jedem seiner Blätter Meines verherrlichten Mädchens Namen!
Das Traumbild
Im jungen Nachtigallenhayn, Und auf der öden Wildniß, Wo Tannenbäume Dämmrung streun, Umflattert mich das Bildniß. Es tanzt aus jedem Busch hervor, Wo Mayenlämmlein grasen, Und wallt, verhüllt in leichten Flor, Auf jedem Blumenrasen.
Wenn mich, mit meinem Harm vertraut, Zur Stunde der Gespenster, Der liebe, helle Mond beschaut, Bebts durch mein Kammerfenster. Und malt sich an die weiße Wand, Und schwebt vor meinen Blicken, Und winkt mir mit der weißen Hand, Und lächelt mir Entzücken.
Mein guter Engel, sage mir, Wo Luna sie beflimmert Und wo von ihr berührt, von ihr, Die Blume röther schimmert? Erschaff ihr Bild aus Morgenlicht, Ihr Kleid aus Aetherbläue, Und zeig, in jedem Nachtgesicht, Mir meine Vielgetreue.
Wo pflückt sie, wenn der Lenz beginnt, Die ersten Mayenglocken, Wo spielst du, lieber Abendwind, Mit ihren blonden Locken? O eilt, o flattert weg von ihr, Geliebte Mayenwinde, Und sagt es mir, und sagt es mir, Wo ich das Mädchen finde?
An die Grille
Wiege dich hier auf diesen Rasenblumen, Keines Grillchen, und zirpe deinem Traurer, Wie dem Schnittermädchen und Schnitterjüngling Schlummer entgegen!
Wenigen, linden Schlummer, liebes Grillchen, Daß die Marter in meiner Seele raste, Und, im Traumgesichte, mein süßes Mädchen Freude mir lächle!
An ein Johanniswürmchen
Helle den Rasen, lieber Glühwurm, helle Diese wankenden Blumen, wo mein Mädchen Abendschlummer schlummerte; wo ich ihre Träume belauschte.
Helle den Rasen, lieber Glühwurm, daß ich Jede wankende Frühlingsblume küße, Jedes Silberglöckchen des grünen Rasens Fülle mit Thränen!
Die Geliebte
Würde mein heißer Seelenwunsch Erfüllung, Brächt' ein gütig Geschick mich ihr entgegen, Eine flügelschnelle Minut' in ihrem Himmel zu athmen;
Seliger wär' ich dann als Staubbewohner, O dann würd' ich den Frühling beßer fühlen, Beßer meinen Schöpfer in jeder Blume Schauen und lieben!
Die Schiffende
Sie wankt dahin! Die Abendwinde spielen Ihr Apfelblüthen zu, Die Vögellein, so ihre Gottheit fühlen, Erwachen aus der Ruh.
Wie ihr Gewand, im Mondenglanze, flittert, Und ihres Busens Flor! Sie wankt dahin! Der helle Vollmond zittert Aus jeder Well' hervor.
Da rauscht der Kahn durch hangende Gesträuche, Birgt mir das Engelbild, Schwankt itzt hervor, tanzt wieder auf dem Teiche, Den ihre Gottheit füllt.
Verdeckt mir nicht, ihr hangenden Gesträuche, Ihr lächelndes Gesicht, Sie tanzt so schön auf ihrem Silberteiche, Ihr Erlen, bergt sie nicht!
Weht, Winde, weht, o flügelt sie, ihr Winde, An diese Laub' heran, Daß ich mich ihr, im Schauer dieser Linde, Zu Füßen werfen kan!
Elegie auf ein Landmädchen
Schwermuthsvoll und dumpfig halt Geläute Vom bemooßten Kirchenthurm herab; Väter weinen, Kinder, Mütter, Bräute; Und der Todtengräber gräbt ein Grab. Angethan mit einem Sterbekleide, Eine Blumenkron' im blonden Haar, Schlummert Rößchen, so der Mutter Freude, So der Stolz des Dorfes war.
Ihre Lieben, voll des Mißgeschickes, Denken nicht an Pfänderspiel und Tanz, Stehn am Sarge, winden, naßes Blickes, Ihrer Freundin einen Todtenkranz. Ach, kein Mädchen war der Thränen werther, Als du gutes, frommes Mädchen bist, Und im Himmel ist kein Geist verklärter, Als die Seele Rößchens ist.
Wie ein Engel, stand, im Schäferkleide, Sie vor ihrer kleinen Hüttenthür. Wiesenblumen waren ihr Geschmeide, Und ein Veilchen ihres Busens Zier. Ihre Fächer waren Zephyrs Flügel, Und der Morgenhayn ihr Putzgemach, Diese Silberquellen ihre Spiegel, Ihre Schminke dieser Bach.
Sittsamkeit umfloß, wie Mondenschimmer, Ihre Rosenwangen, ihren Blick, Nimmer wich der Seraph, Unschuld, nimmer, Von der holden Schäferin zurück. Jünglingsblicke taumelten, voll Feuer, Nach dem Reiz des lieben Mädchens hin, Aber keiner, als ihr Vielgetreuer, Rührte jemahls ihren Sinn.
Keiner als ihr Willhelm! Frühlingsweihe Rief die Edeln in den Buchenhayn, Angeblinkt von Mayenhimmelbläue, Flogen sie den deutschen Ringelreihn. Rößchen gab ihm Bänder, mancher Farbe, Kam die Erndt', an seinen Schnitterhut, Saß mit ihm auf einer Weitzengarbe, Lächelt' ihm zur Arbeit Muth.
Band den Weitzen, welchen Willhelm mähte, Band, und äugelt' ihrem Liebling nach, Bis die Kühlung kam, und Abendröthe Durch die falben Westgewölke brach. Über alles war ihm Rößchen theuer, War sein Taggedanke, war sein Traum. Wie sich Rößchen liebten und ihr Treuer, Lieben sich die Engel kaum.
Willhelm, Willhelm! Sterbeglocken hallen, Und die Grabgesänge heben an, Schwarzbeflorte Trauerleute wallen, Und die Todtenkrone weht voran. Willhelm wankt, mit seinem Liederbuche, Naßen Auges, an das ofne Grab, Trocknet, mit dem weißen Leichentuche, Sich die hellen Thränen ab.
Schlummre sanft, du gute, fromme Seele, Bis auf ewig dieser Schlummer flieht. Wein' auf ihrem Hügel, Philomele, Um die Dämmerung, ein Sterbelied. Weht, wie Harfenlispel, Abendwinde, Durch die Blumen, die ihr Grab gebar, Und im Wipfel dieser Kirchhoflinde Nist' ein Turteltaubenpaar.
Lied eines befreyten Türkensklaven
Gottlob, daß keine Kette mehr An diesem Arme klirrt; Kein Teufel, mit gezücktem Wehr, Mich Rudernden umirrt! Frey bin ich, wie das Vogelheer, Das durch die Lüfte schwirrt! Gottlob, daß keine Kette mehr An diesem Arme klirrt!
Der ganze Himmel schwebt um mich, Die Schöpfung ist mir neu; Dich fühl ich, süße Freyheit, dich, Gott! frey bin ich, bin frey! Der Bliz des Christen fraß dein Bot, Du wütiger Korsar; Sein Donner brüllte Höll und Tod Auf deine Räuberschaar.
Schon wimpelte das Siegspanier, Schon tönte Siegsgesang; Die Eisenkett' entklirrte mir An meiner Ruderbank. Nun flieg ich meinem Rheine zu, Nach dem ich oft geweint; Und sind an seinen Ufern Ruh, Ein Weib, und einen Freund.
Und trink aus meinem Taumelkrug, Mit Weinbeerblüth umlaubt; Und jedem Fürsten trink ich Fluch, Der uns die Freyheit raubt. Und Segen jedem Biedermann, Aus meinem Taumelkrug, Der wider deine Wuth, Tyrann, Die Freyheitsfahne trug!
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