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Hochzeitlied
Mit einem blauen Kornblumenkranze
Nicht weit vom Dorf zwei Linden stehen, Einsam, der Felder stille Hut, Wo in der Sommernächte Wehen Ein Hirte gern, ein Dichter, ruht.
Hell schwamm auf Duft und Nebelhülle Des Mondes leiser Zaubertag, Kaum unterbrach die süße Stille Von fern bescheidner Wachtelschlag.
Und wie ich ruhig so inmitten All dieser Schönheit lag und sann, Da kam mit leicht gehobnen Schritten Ein göttlich Frauenbild heran.
Gewiß, es war der Musen eine, Erschrocken merkt ich's, lustbewegt; Sie setzt sich zu mir an dem Raine, Die Hand auf meinen Arm gelegt.
Und schüttelt lächelnd aus dem Kleide Blaue Zyanen, Stern an Stern: »Dich stört's nicht, wenn an deiner Seite Ich heut ein Kränzlein bände gern.
Nicht wahr, mit Schwärmen und mit Plaudern Verbrächte gern mein Freund die Nacht? Doch flecht ich still, und ohne Zaudern Sei du mir auf ein Lied bedacht!
Sieh, wo das Dörflein mit der Spitze Des gelben Turms herüberschaut, Dort schlummert auf dem Elternsitze Noch wenig Nächte eine Braut.
Sie schläft; der Wange Rosen beben, Wir beide ahnen wohl, wovon; Um die halb offne Lippe schweben Die Träume glühnder Küsse schon.
Ach nein! mit lauten Herzensschlägen Hört sie vielleicht der Glocken Klang, Hört am Altar den Vatersegen Und eines Engels Brautgesang;
Sieht unter Weinen sich umschlungen Von Mutter-Lieb, von Schwester-Treu, Das Herz, von Lust und Schmerz gedrungen, Macht sich mit tausend Tränen frei.
Und alle diese sel'gen Träume, Der nächste Morgen macht sie wahr; Es stehen schon des Hauses Räume Geschmückt für froher Gäste Schar.
Hier aber, wo mit den Gespielen Das Mädchen oft sich Veilchen las, Vielleicht alleine mit Gefühlen Der sehnsuchtsvollen Ahnung saß,
Hier, unterm Blick prophet'scher Sterne, Weih ich mit dir dies Fest voraus: Tief schaut die Muse in die Ferne Des bräutlichen Geschicks hinaus.
Wie golden winkt die neue Schwelle Des Lebens jedem jungen Paar! Doch weiß man, daß nicht stets so helle Der Mittag wie der Morgen war.
Bei manchem lauten Hochzeitfeste Schlich mit weissagendem Gemüt Ich aus dem Kreis entzückter Gäste, Und sang ein heimlich Trauerlied.
Heut aber seh ich schöne Tage Blühn in gedrängter Sternensaat, Entschieden liegt schon auf der Waage, Was dieses Paar vom Schicksal bat.
Hast, Liebchen, du der Jugend Blüte, Anmut und Liebenswürdigkeit, All deines Herzens lautre Güte Kühn deinem Einzigen geweiht;
Läßt du der Heimat Friedensauen, So manch ein lang gewohntes Glück, Um dir den eignen Herd zu bauen, Halb wehmutsvoll, halb froh zurück:
Getrost! so darf ich laut es zeugen, Ein würdig Herz hast du gewählt; Selbst böser Neid bekennt mit Schweigen, Daß nichts zu deinem Glücke fehlt.
Denn Heiterkeit und holde Sitte, Wie Sommerluft, durchwehn dein Haus, Und, goldbeschuht, mit leisem Tritte Gehn Segensengel ein und aus.«
Die Muse schwieg, und ohne Säumen Flocht sie nun mit geschäftger Hand, Indes zu anspruchlosen Reimen Ich ihre Worte still verband.
Auf einmal hielt sie mir entgegen Den fertigen Zyanenkranz, Und sprach: »Bring's ihr mit meinem Segen!« Und schwand dahin im Nebelglanz.
Ich aber blieb noch lange lauschen, Von Liebestrunkenheit bewegt, Das Ährenfeld begann zu rauschen, Von Morgenschauern angeregt.
Und lichter ward's und immer lichter, In mir und außer mir; da ging Die Sonne auf, von der der Dichter Den ersten Strahl für euch empfing.
Mein Fluß
O Floß, mein Fluß im Morgenstrahl! Empfange nun, empfange Den sehnsuchtsvollen Leib einmal, Und küsse Brust und Wange! - Er fühlt mir schon herauf die Brust, Er kühlt mit Liebesschauerlust Und jauchzendem Gesange.
Es schlüpft der goldne Sonnenschein In Tropfen an mir nieder, Die Woge wieget aus und ein Die hingegebnen Glieder; Die Arme hab ich ausgespannt, Sie kommt auf mich herzugerannt, Sie faßt und läßt mich wieder.
Du murmelst so, mein Fluß, warum? Du trägst seit alten Tagen Ein seltsam Märchen mit dir um, Und mühst dich, es zu sagen; Du eilst so sehr und läufst so sehr, Als müßtest du im Land umher, Man weiß nicht wen, drum fragen.
Der Himmel, blau und kinderrein, Worin die Wellen singen, Der Himmel ist die Seele dein: O laß mich ihn durchdringen! Ich tauche mich mit Geist und Sinn Durch die vertiefte Bläue hin, Und kann sie nicht erschwingen!
Was ist so tief, so tief wie sie? Die Liebe nur alleine. Sie wird nicht satt und sättigt nie Mit ihrem Wechselscheine. - Schwill an, mein Fluß, und hebe dich! Mit Grausen übergieße mich! Mein Leben um das deine!
Du weisest schmeichelnd mich zurück Zu deiner Blumenschwelle. So trage denn allein dein Glück, Und wieg auf deiner Welle Der Sonne Pracht, des Mondes Ruh: Nach tausend Irren kehrest du Zur ewgen Mutterquelle!
Josephine
Das Hochamt war. Der Morgensonne Blick Glomm wunderbar im süßen Weihrauchscheine; Der Priester schwieg; nun brauste die Musik Vom Chor herab zur Tiefe der Gemeine. So stürzt ein sonnetrunkner Aar Vom Himmel sich mit herrlichem Gefieder, So läßt Jehovens Mantel unsichtbar Sich stürmend aus den Wolken nieder.
Dazwischen hört ich eine Stimme wehen, Die sanft den Sturm der Chöre unterbrach; Sie schmiegte sich mit schwesterlichem Flehen Dem süß verwandten Ton der Flöte nach.
Wer ist's, der diese Himmelsklänge schickt? Das Mädchen dort, das so bescheiden blickt. Ich eile sachte auf die Galerie; Zwar klopft mein Herz, doch tret ich hinter sie.
Hier konnt ich denn in unschuldsvoller Lust Mit leiser Hand ihr festlich Kleid berühren, Ich konnte still, ihr selber unbewußt, Die nahe Regung ihres Wesens spüren.
Doch, welch ein Blick und welche Miene, Als ich das Wort nun endlich nahm, Und nun der Name Josephine Mir herzlich auf die Lippen kam! Welch zages Spiel die braunen Augen hatten! Wie barg sich unterm tiefgesenkten Schatten Der Wimper gern die ros'ge Scham!
Und wie der Mund, der eben im Gesang Die Gottheit noch auf seiner Schwelle hegte, Sich von der Töne heilgem Überschwang Zu mir mit schlichter Rede herbewegte!
O dieser Ton - ich fühlt es nur zu bald, Schlich sich ins Herz und macht es tief erkranken; Ich stehe wie ein Träumer in Gedanken, Indes die Orgel nun verhallt, Die Sängerin vorüberwallt, Die Kirche aufbricht und die Kerzen wanken.
Auf der Reise
Zwischen süßem Schmerz, Zwischen dumpfem Wohlbehagen Sitz ich nächtlich in dem Reisewagen, Lasse mich so weit von dir, mein Herz, Weit und immer weiter tragen. Schweigend sitz ich und allein, Ich wiege mich in bunten Träumen, Das muntre Posthorn klingt darein, Es tanzt der liebe Mondenschein Nach diesem Ton auf Quellen und auf Bäumen Sogar zu mir durchs enge Fensterlein.
Ich wünsche mir nun dies und das. O könnt ich jetzo durch ein Zauberglas Ins Goldgewebe deines Traumes blicken! Vielleicht dann säh ich wieder mit Entzücken Dich in der Laube wohlbekannt, Ich sähe Genovevens Hand Auf deiner Schulter traulich liegen, Am Ende säh ich selber mich, Halb keck und halb bescheidentlich, An deine holde Wange schmiegen.
Doch nein! wie dürft ich auch nur hoffen, Daß jetzt mein Schatten bei dir sei! Ach, stünden deine Träume für mich offen, Du winktest wohl auch wachend mich herbei!
Frage und Antwort
Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam, Und warum ich ihr nicht lange Schon den bittern Stachel nahm?
Sprich, warum mit Geisterschnelle Wohl der Wind die Flügel rührt, Und woher die süße Quelle Die verborgnen Wasser führt?
Banne du auf seiner Fährte Mir den Wind in vollem Lauf! Halte mit der Zaubergerte Du die süßen Quellen auf!
Lebewohl
»Lebe wohl« - Du fühlest nicht, Was es heißt, dies Wort der Schmerzen; Mit getrostem Angesicht Sagtest du's und leichtem Herzen.
Lebe wohl! - Ach tausendmal Hab ich mir es vorgesprochen, Und in nimmersatter Qual Mir das Herz damit gebrochen!
Heimweh
Anders wird die Welt mit jedem Schritt, Den ich weiter von der Liebsten mache; Mein Herz, das will nicht weiter mit. Hier scheint die Sonne kalt ins Land, Hier deucht mir alles unbekannt, Sogar die Blumen am Bache! Hat jede Sache So fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht. Das Bächlein murmelt wohl und spricht: Armer Knabe, komm bei mir vorüber, Siehst auch hier Vergißmeinnicht! - Ja, die sind schön an jedem Ort, Aber nicht wie dort. Fort, nur fort! Die Augen gehn mir über!
Gesang zu zweien in der Nacht
Sie:
Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift, Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft! Da noch der freche Tag verstummt, Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge, Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge Der reingestimmten Lüfte summt.
Er:
Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen, Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift, Indes, mit ungewissem Licht gestreift, Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.
Sie:
Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal, Durchsichtiger und heller aufzuwehen; Dazwischen hört man weiche Töne gehen Von sel'gen Feen, die im blauen Saal Zum Sphärenklang, Und fleißig mit Gesang, Silberne Spindeln hin und wider drehen.
Er:
O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet, Und luftig schwirrender Musik bedienet Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt, Womit du Stund um Stunde missest, Dich lieblich in dir selbst vergissest - Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!
Die traurige Krönung
Es war ein König Milesint, Von dem will ich euch sagen: Der meuchelte sein Bruderskind, Wollte selbst die Krone tragen. Die Krönung ward mit Prangen Auf Liffey-Schloß begangen. O Irland! Irland! warest du so blind?
Der König sitzt um Mitternacht Im leeren Marmorsaale, Sieht irr in all die neue Pracht, Wie trunken von dem Mahle; Er spricht zu seinem Sohne: »Noch einmal bring die Krone! Doch schau, wer hat die Pforten aufgemacht?«
Da kommt ein seltsam Totenspiel, Ein Zug mit leisen Tritten, Vermummte Gäste groß und viel, Eine Krone schwankt inmitten; Es drängt sich durch die Pforte Mit Flüstern ohne Worte; Dem Könige, dem wird so geisterschwül.
Und aus der schwarzen Menge blickt Ein Kind mit frischer Wunde; Es lächelt sterbensweh und nickt, Es macht im Saal die Runde, Es trippelt zu dem Throne, Es reichet eine Krone Dem Könige, des Herze tief erschrickt.
Darauf der Zug von dannen strich, Von Morgenluft berauschet, Die Kerzen flackern wunderlich, Der Mond am Fenster lauschet; Der Sohn mit Angst und Schweigen Zum Vater tät sich neigen - Er neiget über eine Leiche sich.
Jung Volker
Gesang der Räuber
Jung Volker, das ist unser Räuberhauptmann, Mit Fiedel und mit Flinte, Damit er geigen und schießen kann, Nach dem just Wetter und Winde. Fiedel und die Flint, Fiedel und die Flint! Volker spielt auf.
Ich sah ihn hoch im Sonnenschein Auf einem Hügel sitzen: Da spielt er die Geig und schluckt roten Wein, Seine blauen Augen ihm blitzen. Fiedel und die Flint, Fiedel und die Flint! Volker spielt auf.
Auf einmal, er schleudert die Geig in die Luft, Auf einmal, er wirft sich zu Pferde: Der Feind kommt! Da stößt er ins Pfeifchen und ruft: »Brecht ein, wie der Wolf in die Herde!« Fiedel und die Flint, Fiedel und die Flint! Volker spielt auf.
Jung Volkers Lied
Und die mich trug im Mutterleib, Und die mich schwang im Kissen, Die war ein schön frech braunes Weib, Wollte nichts vom Mannsvolk wissen.
Sie scherzte nur und lachte laut, Und ließ die Freier stehen: Möcht lieber sein des Windes Braut, Denn in die Ehe gehen!
Da kam der Wind, da nahm der Wind Als Buhle sie gefangen: Von dem hat sie ein lustig Kind In ihren Schoß empfangen.
Nimmersatte Liebe
So ist die Lieb! So ist die Lieb! Mit Küssen nicht zu stillen: Wer ist der Tor und will ein Sieb Mit eitel Wasser füllen? Und schöpfst du an die tausend Jahr, Und küssest ewig, ewig gar, Du tust ihr nie zu Willen.
Die Lieb, die Lieb hat alle Stund Neu wunderlich Gelüsten; Wir bissen uns die Lippen wund, Da wir uns heute küßten. Das Mädchen hielt in guter Ruh, Wie's Lämmlein unterm Messer; Ihr Auge bat: nur immer zu, Je weher, desto besser!
So ist die Lieb, und war auch so, Wie lang es Liebe gibt, Und anders war Herr Salomo, Der Weise, nicht verliebt.
Der Gärtner
Auf ihrem Leibrößlein, So weiß wie der Schnee, Die schönste Prinzessin Reit't durch die Allee.
Der Weg, den das Rößlein Hintanzet so hold, Der Sand, den ich streute, Er blinket wie Gold.
Du rosenfarbs Hütlein, Wohl auf und wohl ab, O wirf eine Feder Verstohlen herab!
Und willst du dagegen Eine Blüte von mir, Nimm tausend für eine, Nimm alle dafür!
Schön-Rohtraut
Wie heißt König Ringangs Töchterlein? Rohtraut, Schön-Rohtraut. Was tut sie denn den ganzen Tag, Da sie wohl nicht spinnen und nähen mag? Tut fischen und jagen. O daß ich doch ihr Jäger wär! Fischen und jagen freute mich sehr. - Schweig stille, mein Herze!
Und über eine kleine Weil, Rohtraut, Schön-Rohtraut, So dient der Knab auf Ringangs Schloß In Jägertracht und hat ein Roß, Mit Rohtraut zu jagen. O daß ich doch ein Königssohn wär! Rohtraut, Schön-Rohtraut lieb ich so sehr. - Schweig stille, mein Herze!
Einsmals sie ruhten am Eichenbaum, Da lacht Schön-Rohtraut: Was siehst mich an so wunniglich? Wenn du das Herz hast, küsse mich! Ach! erschrak der Knabe! Doch denket er: mir ist's vergunnt, Und küsset Schön-Rohtraut auf den Mund. - Schweig stille, mein Herze!
Darauf sie ritten schweigend heim, Rohtraut, Schön-Rohtraut; Es jauchzt der Knab in seinem Sinn: Und würdst du heute Kaiserin, Mich sollt's nicht kränken: Ihr tausend Blätter im Walde wißt, Ich hab Schön-Rohtrauts Mund geküßt! - Schweig stille, mein Herze!
Lied vom Winde
Sausewind, Brausewind! Dort und hier! Deine Heimat sage mir!
»Kindlein, wir fahren Seit vielen vielen Jahren Durch die weit weite Welt, Und möchten's erfragen, Die Antwort erjagen, Bei den Bergen, den Meeren, Bei des Himmels klingenden Heeren, Die wissen es nie. Bist du klüger als sie, Magst du es sagen. - Fort, wohlauf! Halt uns nicht auf! Kommen andre nach, unsre Brüder, Da frag wieder.«
Halt an! Gemach, Eine kleine Frist! Sagt, wo der Liebe Heimat ist, Ihr Anfang, ihr Ende? »Wer's nennen könnte! Schelmisches Kind, Lieb ist wie Wind, Rasch und lebendig, Ruhet nie, Ewig ist sie, Aber nicht immer beständig. - Fort! Wohlauf! auf! Halt uns nicht auf! Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen! Wenn ich dein Schätzchen seh, Will ich es grüßen. Kindlein ade!«
Das verlassene Mägdlein
Früh, wann die Hähne krähn, Eh die Sternlein verschwinden, Muß ich am Herde stehn, Muß Feuer zünden.
Schön ist der Flammen Schein, Es springen die Funken; Ich schaue so drein, In Leid versunken.
Plötzlich, da kommt es mir, Treuloser Knabe, Daß ich die Nacht von dir Geträumet habe.
Träne auf Träne dann Stürzet hernieder; So kommt der Tag heran - O ging' er wieder!
Agnes
Rosenzeit! wie schnell vorbei, Schnell vorbei Bist du doch gegangen! Wär mein Lieb nur blieben treu, Blieben treu, Sollte mir nicht bangen.
Um die Ernte wohlgemut, Wohlgemut Schnitterinnen singen. Aber, ach! mir kranken Blut, Mir kranken Blut Will nichts mehr gelingen.
Schleiche so durchs Wiesental, So durchs Tal, Als im Traum verloren, Nach dem Berg, da tausendmal, Tausendmal Er mir Treu geschworen.
Oben auf des Hügels Rand, Abgewandt, Wein ich bei der Linde; An dem Hut mein Rosenband, Von seiner Hand, Spielet in dem Winde.
Elfenlied
Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe! Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -Wohl um die Elfe! - Und meint, es rief ihm aus dem Tal Bei seinem Namen die Nachtigall, Oder Silpelit hätt ihm gerufen. Reibt sich der Elf die Augen aus, Begibt sich vor sein Schneckenhaus, Und ist als wie ein trunken Mann, Sein Schläflein war nicht voll getan, Und humpelt also tippe tapp Durchs Haselholz ins Tal hinab Schlupft an der Mauer hin so dicht, Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht. »Was sind das helle Fensterlein? Da drin wird eine Hochzeit sein: Die Kleinen sitzen beim Mahle, Und treiben's in dem Saale. Da guck ich wohl ein wenig 'nein!« - Pfui, stößt den Kopf an harten Stein! Elfe, gelt, du hast genug? Gukuk! Gukuk!
Die Schwestern
Wir Schwestern zwei, wir schönen, So gleich von Angesicht, So gleicht kein Ei dem andern, Kein Stern dem andern nicht.
Wir Schwestern zwei, wir schönen, Wir haben lichtbraune Haar, Und flichtst du sie in einen Zopf, Man kennt sie nicht fürwahr.
Wir Schwestern zwei, wir schönen, Wir tragen gleich Gewand, Spazieren auf dem Wiesenplan Und singen Hand in Hand.
Wir Schwestern zwei, wir schönen, Wir spinnen in die Wett, Wir sitzen an einer Kunkel, Und schlafen in einem Bett.
O Schwestern zwei, ihr schönen, Wie hat sich das Blättchen gewendt! Ihr liebet einerlei Liebchen - Und jetzt hat das Liedel ein End.
Die Soldatenbraut
Ach, wenn's nur der König auch wüßt, Wie wacker mein Schätzelein ist! Für den König, da ließ' er sein Blut, Für mich aber ebensogut.
Mein Schatz hat kein Band und kein' Stern, Kein Kreuz wie die vornehmen Herrn, Mein Schatz wird auch kein General; Hätt er nur seinen Abschied einmal!
Es scheinen drei Sterne so hell Dort über Marien-Kapell; Da knüpft uns ein rosenrot Band, Und ein Hauskreuz ist auch bei der Hand.
Jedem das Seine
Aninka tanzte Vor uns im Grase Die raschen Weisen. Wie schön war sie!
Mit den gesenkten, Bescheidnen Augen Das stille Mädchen - Mich macht' es toll!
Da sprang ein Knöpfchen Ihr von der Jacke, Ein goldnes Knöpfchen, Ich fing es auf -
Und dachte Wunder Was mir's bedeute, Doch hämisch lächelt' Jegór dazu, Als wollt er sagen: Mein ist das Jäckchen, Und was es decket, Mein ist das Mädchen, Und dein - der Knopf!
Ritterliche Werbung
Englisch
Wo gehst du hin, du schönes Kind?
Zu melken, Herr! - sprach Gotelind.
Wer ist dein Vater, du schönes Kind? Der Müller im Tal - sprach Gotelind.
Wie, wenn ich dich freite, schönes Kind? Zu viel der Ehre! - sprach Gotelind.
Was hast du zur Mitgift, schönes Kind? Herr, mein Gesicht! - sprach Gotelind.
So kann ich dich nicht wohl frein, mein Kind. Wer hat's Euch geheißen? - sprach Gotelind.
Der Feuerreiter
Sehet ihr am Fensterlein Dort die rote Mütze wieder? Nicht geheuer muß es sein, Denn er geht schon auf und nieder. Und auf einmal welch Gewühle Bei der Brücke, nach dem Feld! Horch! das Feuerglöcklein gellt: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt es in der Mühle!
Schaut! da sprengt er wütend schier Durch das Tor, der Feuerreiter, Auf dem rippendürren Tier, Als auf einer Feuerleiter! Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle Rennt er schon, und ist am Ort! Drüben schallt es fort und fort: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt es in der Mühle!
Der so oft den roten Hahn Meilenweit von fern gerochen, Mit des heilgen Kreuzes Span Freventlich die Glut besprochen - Weh! dir grinst vom Dachgestühle Dort der Feind im Höllenschein. Gnade Gott der Seele dein! Hinterm Berg, Hinterm Berg Rast er in der Mühle!
Keine Stunde hielt es an, Bis die Mühle borst in Trümmer; Doch den kecken Reitersmann Sah man von der Stunde nimmer. Volk und Wagen im Gewühle Kehren heim von all dem Graus; Auch das Glöcklein klinget aus: Hinterm Berg, Hinterm Berg Brennt's! -
Nach der Zeit ein Müller fand Ein Gerippe samt der Mützen Aufrecht an der Kellerwand Auf der beinern Mähre sitzen: Feuerreiter, wie so kühle Reitest du in deinem Grab! Husch! da fällt's in Asche ab. Ruhe wohl, Ruhe wohl Drunten in der Mühle!
Die Tochter der Heide
Wasch dich, mein Schwesterchen, wasch dich! Zu Robins Hochzeit gehn wir heut: Er hat die stolze Ruth gefreit. Wir kommen ungebeten; Wir schmausen nicht, wir tanzen nicht Und nicht mit lachendem Gesicht Komm ich vor ihn zu treten.
Strähl dich, mein Schwesterchen, strähl dich! Wir wollen ihm singen ein Rätsel-Lied, Wir wollen ihm klingen ein böses Lied; Die Ohren sollen ihm gellen. Ich will ihr schenken einen Kranz Von Nesseln und von Dornen ganz: Damit fährt sie zur Hölle!
Schick dich, mein Schwesterchen, schmück dich! Derweil sie alle sind am Schmaus, Soll rot in Flammen stehn das Haus, Die Gäste schreien und rennen. Zwei sollen sitzen unverwandt, Zwei hat ein Sprüchlein festgebannt; Zu Kohle müssen sie brennen.
Lustig, mein Schwesterchen, lustig! Das war ein alter Ammensang. Den falschen Rob vergaß ich lang. Er soll mich sehen lachen! Hab ich doch einen andern Schatz, Der mit mir tanzet auf dem Platz - Sie werden Augen machen!
Des Schloßküpers Geister zu Tübingen
Ballade, beim Weine zu singen
Ins alten Schloßwirts Garten Da klingt schon viele Jahr kein Glas; Kein Kegel fällt, keine Karten, Wächst aber schön lang Gras.
Ich mutterseelalleine Setzt mich an einen langen Tisch; Der Schloßwirt regt die Beine, Vom Roten bringt er frisch.
Und läßt sich zu mir nieder; Von alten Zeiten redt man viel, Man seufzet hin und wieder; Der Schöpplein wird kein Ziel.
Da nun der Tag gegangen, Der Schloßwirt sagt kein Wörtlein mehr; Neun Lichter tät er langen, Neun Stühle setzt er her.
Als wie zum größten Feste Auftischt er, daß die Tafel kracht: Was kämen noch für Gäste? Ist doch schier Mitternacht!
Der Narr, was kann er wollen? Er macht sich an die Kugelbahn, Läßt eine Kugel rollen, Ein Höllenlärm geht an.
Es fahren gar behende Acht Kegel hinterm Brett herauf, Schrein: »Hagel und kein Ende! Wer Teufel weckt uns auf?«
Und waren acht Studiosen, Wohl aus der Zopf- und Puderzeit: Rote Röcklein, kurze Hosen, Und ganz charmante Leut.
Die sehen mit Ergetzen Den edelen Karfunkelwein; Gleich täten sie sich letzen Und zechen und juchhein.
Den Wirt erbaut das wenig; Er sprach: »Ihr Herren, wollt verzeihn: Wo ist der Schoppenkönig? Wann seid ihr denn zu neun?«
»Ach Küper, lieber Küper, Wie machest uns das Herze schwer! Wohl funfzig Jahr und drüber Begraben lieget er.
Gott hab den Herren selig Mit seiner roten Habichtsnas! Regierete so fröhlich, Kam tags auf sieben Maß.
Einst tät er uns bescheiden, Sprach: ›Männiglich kennt mein Gebot, Den Gerstensaft zu meiden; Man büßet's mit dem Tod.
Mit ein paar lausigen Dichtern Traf man beim sauren Bier euch an, Versteht sich, nudelnüchtern, Wohl auf der Kugelbahn.
Kommt also her, ihr Lümmel!‹ - Er zog sein' Zauberstab herfür - Wir stürzten wie vom Himmel - Acht Kegel waren wir!
Jetzt ging es an ein Hudeln, Ein' hölzern' König man uns gab, Doch schoß man nichts wie Pudel, Da schafften sie uns ab.
Nun dauert es nicht lange, So zieht das Burschenvolk einmal Aufs Schloß, mit wildem Sange, Zum König in den Saal:
›Wir wolln dich Lands verweisen, So du nicht schwörest ab den Wein; Bierkönig sollt du heißen!‹ - Er aber saget: ›Nein;
Da habt ihr meine Krone! An mir ist Hopfen und Malz verlorn.'- So stieg er von dem Throne In seinem edlen Zorn.
Für Kummer und für Grämen Der Herre wurde krank und alt, Zerfiele wie ein Schemen Und holt der Tod ihn bald.
Mit Purpur ward gezieret Sein Leichnam als ein König groß; Ein tief Gewölb man führet Zu Tübingen im Schloß.
Vier schwarze Edelknaben Sein' Becher trugen vor der Bahr; Der ist mit ihm begraben, War doch von Golde gar.
Damals ward prophezeiet, Wenn nur erst hundert Jahr herum, Da würde der Thron erneuet Vom alten Königtum.
So müssen wir halt warten, Bis daß die Zeit erfüllet was; Und in des Schloßwirts Garten Derweil wächst langes Gras.
Ach Küper, lieber Küper, Jetzt geige du uns wieder heim! Die Nacht ist schier vorüber: Acht Kegel müssen wir sein.«
Der Schloßwirt nimmt die Geigen Und streicht ein Deo Gloria, Sie tanzen einen Reigen - Und keiner ist mehr da.
Die Geister am Mummelsee
Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät Mit Fackeln so prächtig herunter? Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht? Mir klingen die Lieder so munter. O nein! So sage, was mag es wohl sein?
Das, was du da siehest, ist Totengeleit, Und was du da hörest, sind Klagen. Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid, Sie bringen ihn wieder getragen.O weh! So sind es die Geister vom See!
Sie schweben herunter ins Mummelseetal - Sie haben den See schon betreten - Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal - Sie schwirren in leisen Gebeten -O schau, Am Sarge die glänzende Frau!
Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor; Gib acht, nun tauchen sie nieder! Es schwankt eine lebende Treppe hervor, Und - drunten schon summen die Lieder.Hörst du? Sie singen ihn unten zur Ruh.
Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn! Sie spielen in grünendem Feuer; Es geisten die Nebel am Ufer dahin, Zum Meere verzieht sich der Weiher -Nur still! Ob dort sich nichts rühren will?
Es zuckt in der Mitten - o Himmel! ach hilf! Nun kommen sie wieder, sie kommen! Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf, Nur hurtig, die Flucht nur genommen!Davon! Sie wittern, sie haschen mich schon!
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