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An Agathon
Wenn Könige mit Gunst dich überhäufen, Rund um dich Gold in hohen Haufen lacht, Und zwanzig Schiffe dir durch alle Meere streifen, Und für dein Wohl Fortuna treulich wacht, So rühmet jedermann dein Glück; doch stets vergebens, Denn hast du nicht dabei Philosophie des Lebens, So hast du nichts.
Allmächtiger Geist, Urquell aller Wesen...
Allmächtiger Geist, Urquell aller Wesen, Zeus, Oramazes, Brama, Jehova; Vorm ersten Äon bist du schon gewesen Und nach dem letzten bist du auch noch da. Du rufst aus ödem Dunkel Licht und Helle, Aus wildem Chaos ein Elysium, Du winkst und sieh! ein Tempe wird zur Hölle Und eine Sonne hüllet Nacht ringsum.
Aus deinem Mund fließt Leben und Gedeihen In diesen Baum und in den Sirius Und Nahrung streust du Myriaden Reihen Geschöpfen aus und freudigen Genuß. Ein Kind ruft seinen Vater an um Speise, Ward es auch gleich schon tausend Tage satt, Wenn ihm der Vater gleich den Trunk und Speise Auch ungebeten stets gegeben hat.
Warum soll ich, ich Kind, dich Vater nimmer Um Nahrung flehn, die du mir so schon gabst? Für Seel und Leib, um hoher Wahrheit Schimmer Mit dem du nur geweihte Männer labst? Gib mir, Geist, Schöpfer, hohe Ruh der Seelen In Freud und Glück beim bodenlosen Schmerz Und Weisheit immer echtes Gold zu wählen Und Fülle der Empfindung in das Herz.
Gib mir der Herzensgüte, die bei allen Was zweien Brüder trifft, das Herz erregt; Sanft seiner Freude Ausbruch nachzuhallen Und mitzuweinen, wenn ihn Drangsal schlägt. Die Edle stählt den Mann, der ihre Ehre Gemordet, überall mit Schlangensinn; Der sie bedrückt mit seines Hasses Schwere; Von des Verderbens Schlund zurückzuziehn.
Die duldsam ihn lehrt Torheit immer Zu tragen, die der Welt Tyrannin ist Die ach so gerne nur bei schwachem Schimmer Vor lautrer Weisheit Menschentand vergißt. Die mir nicht heißt den Bruder zu verachten Dem einen andern Glauben du verliehn, Den redlichen Bramin mir mehr zu achten Gebeut, als einen finstern Augustin.
Gib mir, daß ich mit sanfter Lieb umfange Hienieden jede deine Kreatur. Und stummer Dank Erquickter mir die Wange Mehr kühlt als Lenzeswehen der Natur. Zuletzt fleh ich dich noch um Trank und Speise Für jeden Lebenstag notdürftig an; Und daß ich oft nach schlaff einfältger Weise Am Busen der Natur dir danken kann.
An den Tod
Wie den Seraph himmlische Lust erfüllet, Kommt der Brüder einer, auch selger Engel, Den des Himmels Freundschaft mit ihm verwebte Zu dem unsterblichen Bunde,
Wieder von der fernesten Welten einer Wo er Glück und Segen die Fülle ausstreut Heitre Ruhe mit friedlicher Palme über Tausend Geschöpfe ergossen,
Und nun fällt in Engels Entzücken seinem Freunde an die himmlische Brust und dann im Kusse, unaussprechbare Freundschaftswonne Einet die Seelen der Seraphs.
So werd ich mich freuen wenn du einst holder Todesengel meine geengte Seele Zu dem selgen Anschaun Jehovas durch die Trennung vom Körper beflügelst.
Und sich dann die neidische Hülle abstreift Gleich der Puppe welche den Schmetterling hält Und zerplatzet kommet die Zeit der Reife, Jener befreit dann entfliehet.
So wird sie auch fliehen die edle Seele Aus dem Erdenstaube entlastet dort zu Jenen höhern, bessern Gefilden reich an Seliger Ruhe und Freiheit.
Wo ein ewger Frühling die Wangen kleidet Und ich voll unsterblicher Kraft die Schöpfung Sehe, staune, himmlische Freundschaft mich un- sterblichen Geistern vereinet
An die Muse
Wem du bei der Geburt gelächelt, Und Dichtergaben zugewinkt Der, süße Göttin, der erringt Nicht Lorbeern, wo das Schlachtfeld röchelt, Und Blut in langen Strömen rinnt, Der wird nicht im Triumphe ziehen Den ihm ein schwarzer Sieg gewinnt, Und nie von Stolz und Ehrsucht glühen Wenn zwanzig Heere vor ihm fliehen Dem Reiz des Siegerruhmes blind. Auch Hofintrigen und Kabalen Kennt seine heitre Seele nicht, Und bleibt selbst bei Ministerwahlen Gleichgültig, Ehre reizt ihn nicht, Und selbst die höchsten Ehrenstellen Vermögen nie was über ihn. Auch strebt er nimmer über Wellen Zu fernen Zonen hinzuziehn, Um mit Gefahren seines Lebens Zu holen Purpur oder Gold Und Perlen und was Sina zollt; Denn Eigennutz reizt ihn vergebens. Doch hüpft er gern auf grüner Flur Mit jungen frohen Schäferinnen Und stimmt um Liebe zu gewinnen Voll süßer Einfalt und Natur Die kleine Silbersaitenleier Zur sanften, holden Frühlingsfeier: Und singt, wie Liebe ihm es lehrt Auf heitern, ländlichen Gefilden Von seinem Mädchen nur gehört Ihr süßes Lob und kränzt die wilden Entrollten Locken wonnevoll. Sein ruhig Auge sanft und milde Blickt keinen Haß und bittern Groll, Lacht kummerlos und gleicht im Bilde Dem Quell, der aus dem Felsen quoll; Nicht Stürme wüten ihm im Busen Kein Kummer scheucht ihm sanfte Ruh Er sieht dem Schicksalswechsel zu Voll Gleichmut und bleibt treu den Musen. Und ruft ihn von der Oberwelt Mit leisem Ruf Merkur herunter, ...
An Dora
Zum Dank für das Bild meiner Julie
Soll dieser Blick voll Huld und Güte Ein schnell verglommner Funken sein? Webt keiner diese Mädchenblüte In einen ewgen Schleier ein? Bleibt dies Gesicht der Treu und Milde Zum Trost der Nachwelt nicht zurück? Verklärt dies himmlische Gebilde Nur Einen Ort und Augenblick?
Die Wehmut fließt in tiefen Tönen Ins frohe Lied der Zärtlichkeit. Niemals wird sich ein Herz gewöhnen An die Mysterien der Zeit. O! diese Knospe süßer Stunden, Dies edle Bild im Heilgenschein, Dies soll auf immer bald verschwunden, Bald ausgelöscht auf ewig sein?
Der Dichter klagt und die Geliebte Naht der Zypresse, wo er liegt. Kaum birgt die Tränen der Betrübte, Wie sie sich innig an ihn schmiegt. Er heftet unverwandte Blicke Auf diese liebliche Gestalt, Daß er in sein Gemüt sie drücke Eh sie zur Nacht hinüberwallt.
Wie, spricht die Holde, du in Tränen? Sag welche Sorge flog dich an? Du bist so gut, ich darf nicht wähnen, Daß meine Hand dir wehgetan. Sei heiter, denn es kommt soeben Ein Mädchen, wie die gute Zeit. Sie wird ein seltsam Blatt dir geben, Ein Blatt, was dich vielleicht erfreut.
Wie, ruft der Dichter, halb erschrocken, Wie wohl mir jetzt zumute ward. Den Puls des Trübsinns fühl ich stocken, Und eine schöne Gegenwart. Die Muse tritt ihm schon entgegen, Als hätte sie ein Gott gesandt Und reicht, wie alte Freunde pflegen, Das Blatt ihm und die Lilienhand.
Du kannst nun deine Klagen sparen, Dein innrer Wunsch ist dir gewährt, Die Kunst vermag das zu bewahren Was einmal die Natur verklärt; Nimm hier die festgehaltne Blüte, Sieh ewig die Geliebte jung, Einst Erd und Himmel, Frucht und Blüte, In reizender Vereinigung.
Wirst du gerührt vor diesen Zügen Im späten Herbst noch stille stehn, So wirst du leicht die Zeit besiegen Und einst das ewge Urbild sehn. Die Kunst in ihrem Zauberspiegel Hat treu den Schatten aufgefaßt, Nur ist der Schimmer seiner Flügel Und auch der Strahlenkranz verblaßt.
Kann jetzt der Liebende wohl danken? Er sieht die Braut, er sieht das Blatt. Voll überschwenglicher Gedanken Sieht er sich ewig hier nicht satt. Sie schlüpft hinweg und hört von weiten Noch freundlich seinen Nachgesang, Doch bleibt ihr wohl zu allen Zeiten Der Freundin Glück der liebste Dank.
Anfang
Es kann kein Rausch sein – oder ich wäre nicht Für diesen Stern geboren – nur so von ohngefähr In dieser tollen Welt zu nah an Seinen magnetischen Kreis gekommen.
Ein Rausch wär wirklich sittlicher Grazie Vollendetes Bewußtsein? – Glauben an Menschheit wär Nur Spielwerk einer frohen Stunde –? Wäre dies Rausch, was ist dann das Leben?
Soll ich getrennt sein ewig? – ist Vorgefühl Der künftigen Vereinigung, dessen, was Wir hier für Unser schon erkannten, Aber nicht ganz noch besitzen konnten –
Ist dies auch Rausch? so bliebe der Nüchternheit, Der Wahrheit nur die Masse, der Ton, und das Gefühl der Leere, des Verlustes Und der vernichtigenden Entsagung.
Womit wird denn belohnt für die Anstrengung Zu leben wider Willen, Feind von sich selbst zu sein Und tief sich in den Staub getreten Lächelnd zu sehn – und Bestimmung meinen.
Was führt den Weisen denn durch d[es] Lebens Tal, Als Fackel zu dem höheren Sein hinauf – Soll er nur hier geduldig bauen, Nieder sich legen und ewig tot sein.
Du bist nicht Rausch – du Stimme des Genius, Du Anschaun dessen, was uns unsterblich macht, Und du Bewußtsein jenes Wertes, Der nur erst einzeln allhier erkannt wird.
Einst wird die Menschheit sein, was Sophie mir Jetzt ist – vollendet – sittliche Grazie Dann wird ihr höheres Bewußtsein Nicht mehr verwechselt mit Dunst des Weines.
An Julien
Daß ich mit namenloser Freude Gefährte deines Lebens bin Und mich mit tiefgerührtem Sinn Am Wunder deiner Bildung weide – Daß wir aufs innigste vermählt Und ich der Deine, du die Meine, Daß ich von allen nur die Eine Und diese Eine mich gewählt, Dies danken wir dem süßen Wesen, Das sich uns liebevoll erlesen.
O! laß uns treulich ihn verehren, So bleiben wir uns einverleibt. Wenn ewig seine Lieb uns treibt, So wird nichts unser Bündnis stören. An seiner Seite können wir Getrost des Lebens Lasten tragen Und selig zueinander sagen: Sein Himmelreich beginnt schon hier, Wir werden, wenn wir hier verschwinden, In seinem Arm uns wiederfinden.
Badelied
Auf Freunde herunter das heiße Gewand Und tauchet in kühlende Flut Die Glieder, die matt von der Sonne gebrannt, Und holet von neuem euch Mut.
Die Hitze erschlaffet, macht träge uns nur, Nicht munter und tätig und frisch, Doch Leben gibt uns und der ganzen Natur Die Quelle im kühlen Gebüsch.
Vielleicht daß sich hier auch ein Mädchen gekühlt Mit rosichten Wangen und Mund, Am niedlichen Leibe dies Wellchen gespielt, Am Busen so weiß und so rund.
Und welches Entzücken! dies Wellchen bespült Auch meine entkleidete Brust. O! wahrlich, wer diesen Gedanken nur fühlt, Hat süße entzückende Lust.
Cäsar Joseph
Gütig lächelte dir Zeus die Erfüllung zu Deines Wunsches, er gab dir, o Germanien, Einen Kaiser, so gut, wie dir die Mutter war, Die du weinend begraben hast.
Mutter nannte er sie, deine Theresia, Die im lyrischen Schwung Smintheus Denis besang, Als die Mutter des Lands und die Ernährerin Dürftger Musen und Grazien.
Ihn zu singen, den Held, welcher nie ungerecht Zog sein mächtiges Schwert, wagt der Jünglinge Einer, schüchternes Blicks, welcher der Liebe Allgewaltger Begeistrung traut.
Doch gelingt ihm das Lied, singt er mit Würde ihn Von den Saiten herab, mischt er bescheiden sich In die heilige Zahl unter die Lieblinge Hoher Muse und Grazie.
Soll ich singen wie er Licht, dir Germanien Gab, die Fackel entbrannt, welche der Mönche List Bald enthüllte und riß Schleier vom Antlitz der Furchtbarn päpstlichen Heiligkeit.
Die Jahrhunderte durch freie Germanen zwang Mit dem Strahle des Banns, welchem der Aberglaub Neue Kräfte verlieh und die gefürchtete Macht der listigen Klerisei.
Antwort an Carolinen
Den Trost, den ich für mich, oft hoffnungslos, entbehre, Wenn meine Seele matt im Grübeln sich verliert, Und sie aus dieser engen Sphäre Ein guter Engel nicht entführt; O! diesen Trost in andern zu beseelen Ward nicht umsonst mir zum Ersatz verliehn – Für andre glaub ich viel, für andre kann ich wählen, Und neue Saiten auf in fremden Busen ziehn.
Verzweifle nicht an dem, wozu in Deinem Herzen Längst jeder Ton zum andern widerklang – Du bist bestimmt zu Freuden und zu Schmerzen, Die der nicht fühlt, dem zum Empfang Kein beßrer Genius das Lied der Weihe sang. Ausharrende Geduld – ward diese Dir beschieden – So sage zum voraus dem Schicksal warmen Dank: Der lange Kampf beschließt – und golden naht der Frieden.
Des Schicksals Lieblinge erzieht es lang und rauh. Oft bricht das schwache Herz – noch glücklich, wenn die Stunde, Die seine letzte heißt – mit süßem Trost im Munde Den Angstschweiß wandelt um in süßen Lebenstau – Doch wer sie übersteht der Prüfungen Gefahren, Wem nie die Zuversicht im bängsten Sturm entfiel – Erreicht den sauren Preis von still durchhofften Jahren Und sinkt umarmend hin ans Ziel.
Wir haben uns aus Tausenden gefunden – Wir wandeln Einen Weg – Ein Stern ists, der uns führt – Erkennst Du nicht den Wink – ich habe ausgespart Was Mein wird – Dir sind noch die Augen zugebunden. Auch ich seh Ihn noch nicht – Geduld! – die Binde fällt – Indes versöhne Dich die Freundschaft mit der Welt – Geduldige Dein Herz – zu desto tiefern Zuge Naht Dir die Liebe dann mit ihrem Nektarkruge.
Einst, laß mir diesen Blick – wenn nicht Entsagung mehr Und bange Hoffnungen in unserm Herzen wohnen; Wenn Lieb und Schicksal uns für manches Opfer lohnen Und hinter uns nun rauscht der Jugend wildes Meer. Einst, wenn zum vollen Tisch, am Mittag ihres Lebens, Vereint ein Doppelpaar von Glücklichen sich setzt – Dann denken wir zurück den Vormittag – an Jetzt – »Wer hätte das geträumt? – Nie seufzt das Herz vergebens!« –
An Carolinen
als ich ihr, den Sonnabend Abend gab
Darf ich mit der Zeugin meiner Schwächen Frei und ungefährdet sie besprechen, Ihrer Teilnehmung gewärtig sein? Darf ich holden, süßen Worten trauen Und gewiß auf meinen Glauben bauen? Wird mich diese Beichte nie gereun?
Gern gesteh ichs – oft ward ich betrogen, Wenn von Schmeichelworten angezogen, Mir der größte Wurf gelungen schien. Und mir dann, vom Star gelöst, am Ende, Mühsam nur gelang in meine Hände Das verspielte Herz zurückzuziehn.
Doch es soll nie meine Hoffnung welken – Leichter wird der Himmel sich entwölken Einer Stirn, die nicht versiegelt ist. Zuversicht besticht des Schicksals Launen – Und im Zuge deiner Augenbraunen Les ich eher klugen Rat, als List.
Das Bad
Hier badete Amor sich heute Der Unvorsichtge entschlief Da kamen die Nymphen voll Freude Und tauchten die Fackel ihm tief Ins Quellchen, da mischten sich Wellen Und Liebe; sie täuschten sich sehr Die Nymphen, sie tranken mit hellem Gewässer die Liebe nur mehr. O! Mädchen, die Liebe nicht scheuen, Die trinken die liebliche Flut. Die Liebe, die wird sie erfreuen Mit sanfter entzückender Glut. Ich hab mich hier oftmals gebadet Mit meiner Laura allein, Und nach dem Bade so ladet Der Schlummer im Grase uns ein.
Eins nur ist, was der Mensch zu allen Zeiten gesucht hat ...
Eins nur ist, was der Mensch zu allen Zeiten gesucht hat; Überall, bald auf den Höhn, bald in dem Tiefsten der Welt – Unter verschiedenen Namen – umsonst – es versteckte sich immer, Immer empfand er es noch – dennoch erfaßt er es nie. Längst schon fand sich ein Mann, der den Kindern in freundlichen Mythen Weg und Schlüssel verriet zu des Verborgenen Schloß. Wenige deuteten sich die leichte Chiffre der Lösung, Aber die wenigen auch waren nun Meister des Ziels. Lange Zeiten verflossen – der Irrtum schärfte den Sinn uns – Daß uns der Mythus selbst nicht mehr die Wahrheit verbarg. Glücklich, wer weise geworden und nicht die Welt mehr durchgrübelt, Wer von sich selber den Stein ewiger Weisheit begehrt. Nur der vernünftige Mensch ist der echte Adept – er verwandelt Alles in Leben und Gold – braucht Elixiere nicht mehr. In ihm dampfet der heilige Kolben – der König ist in ihm – Delphos auch und er faßt endlich das: Kenne dich selbst.
Der Eislauf
Blühender Jüngling, dem noch Kraft im Beine Der nicht Kälte, als deutscher Jüngling scheuet Komme mit zur blendenden Eisbahn, welche Glatt wie ein Spiegel.
Schnalle die Flügel an vom Stahle, welche Hermes jetzt dir geliehn, durchschneide fröhlich Hand in Hand die schimmernde Bahn und singe Muntere Lieder.
Aber, o Jüngling hüte dich für Löchern Welche Nymphen sich brachen, nahe ihnen Ja nicht schnell im Laufe, du findest sonst den Tod im Vergnügen.
Wenn sich die schwarze Nacht herunter senket Und das blinkende Kleid der Himmel anzieht, Leuchtet uns der freundliche Mond zu unserm Eiligen Laufe.
Die Erlen
Wo hier aus den felsichten Grüften Das silberne Bächelchen rinnt, Umflattert von scherzenden Lüften Des Maies die Reize gewinnt,
Um welche mein Mädchen es liebt Das Mädchen so rosicht und froh Und oft mir ihr Herzchen hier gibt, Wenn städtisches Wimmeln sie floh;
Da wachsen auch Erlen, sie schatten Uns beide in seliger Ruh, Wenn wir von der Hitze ermatten Und sehen uns Fröhlichen zu.
Aus ihren belaubeten Zweigen Ertönet der Vögel Gesang Wir sehen die Vögelchen steigen Und flattern am Bache entlang.
O Erlen, o wachset und blühet Mit unserer Liebe doch nur Ich wette, in kurzer Zeit siehet Man euch als die Höchsten der Flur.
Und kommet ein anderes Pärchen, Das herzlich sich liebet wie wir Ich und mein goldlockiges Klärchen, So schatte ihm Ruhe auch hier.
Bei dem Falkenstein einem alten Ritterschloß am Harze
Geist der Vorzeit, der mich mit süßen Bildern erfüllte, Wenn ich Sagen las von hehren, silbernen Zeiten, Wo voll höheren Sinn Thuiskons Enkel begeistert Lauschten der Stimme des Vaterlandes, die herrlichem Tode Sie entgegenriß von unsterblichen Lorbeern umschattet, Höre den Jüngling, der dich mit flammender Wange und Stirne Ruft, daß du mit Begeistrung, der hohen, entzückenden Göttin, Auf den Flügeln des Wests von heiligen Schauern umringet Her zu mir fleuchst, daß Eichen und himmelanstrebende Klippen Beben, und wie der Unsterblichen Eine die Seele sich aufschwingt Mit den Flügeln des Schwans, im Schwung wie ein Läufer des Eises, Zu der Versammlung der Väter, der Greise mit schneeigem Haupthaar Und mit langer Erfahrung getränkt, wie mit himmlischem Tranke, Fröhlicher würd ich alsdann zurück zur Erde mich schwingen, Wenn ich die Greise gesehen, die in diesen Trümmern gehauset.
Der müde Fremdling ist verschwunden ...
Der müde Fremdling ist verschwunden Und hat dem Freunde Platz gemacht, Der aus so vielen trüben Stunden Ein treues Herz davongebracht. Auf immer nun mit euch verbunden, Von keinem Kummer mehr bewacht Hat er sich wieder selbst gefunden, Und manches, was er nicht gedacht.
Ein Jahr mit seinen bunten Wochen Verstrich, wir wußten selbst nicht wie. Und anders, als wir uns versprochen Klang oft des Lebens Melodie. Doch fester ward mit jedem Tage Das liebe Band um unsern Strauß Und immer lauter ward die Sage, Ein Blinder Knabe wär im Haus.
Es wußte Eine von euch beiden Gewiß, was an der Sage war.
Der Fremdling
Der Frau Bergrätin von Charpentier gewidmet
Müde bist du und kalt, Fremdling, du scheinest nicht Dieses Himmels gewohnt – warmere Lüfte wehn Deiner Heimat und freier Hob sich vormals die junge Brust.
Streute ewiger Lenz dort nicht auf stiller Flur Buntes Leben umher? spann nicht der Frieden dort Feste Weben? und blühte Dort nicht ewig, was einmal wuchs?
O! du suchest umsonst – untergegangen ist Jenes himmlische Land – keiner der Sterblichen Weiß den Pfad, den auf immer Unzugängliches Meer verhüllt.
Wenig haben sich nur deines verwandten Volks Noch entrissen der Flut – hierhin und dorthin sind Sie gesäet und erwarten Beßre Zeiten des Wiedersehns.
Folge willig mir nach – wahrlich ein gut Geschick Hat hieher dich geführt – Heimatsgenossen sind Hier, die eben, im Stillen, Heut ein häusliches Fest begehn.
Unverkennbar erscheint dort dir die innige Herzenseinheit – es strahlt Unschuld und Liebe dir Klar von allen Gesichtern, Wie vorzeiten im Vaterland.
Lichter hebt sich dein Blick – wahrlich, der Abend wird, Wie ein freundlicher Traum, schnell dir vorübergehn, Wenn in süßem Gespräche Sich dein Herz bei den Guten löst –
Seht – der Fremdling ist hier – der aus demselben Land Sich verbannt fühlt, wie Ihr; traurige Stunden sind Ihm geworden – es neigte Früh der fröhliche Tag sich ihm.
Doch er weilet noch gern, wo er Genossen trifft, Feiert munter das Fest häuslicher Freuden mit; Ihn entzücket der Frühling, Der so frisch um die Eltern blüht.
Daß das heutige Fest oft noch zurückekehrt, Eh den Weinenden sich ungern die Mutter raubt Und auf nächtlichen Pfaden Folgt dem Führer ins Vaterland –
Daß der Zauber nicht weicht, welcher das Band beglückt Eures Bundes – und daß auch die Entfernteren Des genießen, und wandern Einen fröhlichen Weg mit Euch –
Dieses wünschet der Gast – aber der Dichter sagts Euch für ihn; denn er schweigt gern, wenn er freudig ist, Und er sehnet so eben Seine fernen Geliebten her.
Bleibt dem Fremdlinge hold – spärliche Freuden sind Ihm hienieden gezählt – doch bei so freundlichen Menschen sieht er geduldig Nach dem großen Geburtstag hin.
An meine Freunde
Sind wir denn hier das Spiel des Glückes Das sich bald hier bald dorthin neigt, Und liegen auf der Waage des Geschickes, Die vorhin sank, nun steigt?
Und sollen immer denn Tyrannen Beherrschen unser Wohl und Leid Erhöhen, wenn sie Redliche verbannen Die Niederträchtigkeit!
Und stolze Priester uns gebieten Was unsre Seele glauben soll, Mit Feuer und Schwert verkündigen den Frieden Des heiligen Wahnsinns voll!
Und Kriege ganze Nationen Ins Unglück stürzen um den Ruhm Daß Einem untertan mehr Regionen Als Waffeneigentum?
Und soll uns dann in Fesseln zwingen Die nachgeahmte Häßlichkeit Um Weihrauch einem Mächtigen zu bringen Nur groß durch Schändlichkeit?
Nein! Freunde kommt, laßt uns entfliehen Den Fesseln, die Europa beut, Zu Unverdorbnen nach Taiti ziehen Zu ihrer Redlichkeit.
Und laßt uns da das Volk belehren Wie Orpheus einstens tat; Das Saitenspiel soll ihrer Wildheit wehren Errichten einen Staat,
Wo nur Natur den Szepter führet, Durch weise Künste unterstützt, Und jeder in dem Stand, der ihm gebühret, Dem Vaterlande nützt.
Und wo nicht blutige Trophäen Auf offnem Platze aufgestellt, Und nicht dem Gott zu dem wir innig flehen Ein blutig Opfer fällt.
An einen friedlichen König
gereimt
Soll nicht die dichterische Leier tönen Dem König der den Frieden liebt An Kriegesschall nicht kann sein mildes Ohr gewöhnen Und sich bei Mord betrübt,
Dem Wutausruf und Angst und bange Klagen Und Ächzen aus der tiefen Brust Nicht auf dem Blutfeld an der düstern Seele nagen, Die sich der Schuld bewußt,
Der seine Reiche nicht zu mehren strebet Seis auch durch Ungerechtigkeit Und der am Bilde des Eroberers erbebet, Aus Menschgefühl, nicht Neid,
Gewiß ein solcher König ist gesungen Zu werden, von dem Barden wert, Der stets mit Ruhme nach dem Lorbeerkranz gerungen Und der mit Adlern fährt.
Ihn preis die spätste Nachwelt laut und immer Leb er in aller Edlen Herz Sein Name wohne da in weit erhabnern Schimmer Als in dem festen Erz.
Er sorgte für das Glück von Millionen Und ahmte Gott nach, der ihn weiht Der sorgt fürs Glück von unsrer Welt, von Orionen, Für Herrscher Seligkeit
An Friedrich II.
Noch spät zogst du dein Schwert zum Schützen Der deutschen Freiheit gegen Habsburgs Dräun Noch einmal ließest du es furchtbar blitzen Doch stecktest du es bald als Sieger ein.
Du kröntest durch ein würdig Ende Den Fürstenbund den tatenreichen Lauf, Du einigtest so vieler Fürsten Hände Und halfst so deutscher Freiheit völlig auf.
Und bald beseligt von der Freude Dein ganzes Land durch dich beglückt zu sehn Geliebt, geehrt und unbenagt vom Neide Starbst du, man sah dich froh zum Ewgen gehn.
Und aller Edlen Augen blickten Betränt dir nach voll Kummer und der Dank Den alle dir so innig heiß nachschickten War dir gewiß der beste Lobgesang.
Vielleicht als unser Engel schützest Du nun dein weinendes verwaistes Land Und greifet es ein stolzer Feind an blitzest Du gegen ihn mit starker Seraphs-Hand.
Drum großer Friedrich o verzeihe Sang ich ein Lied das dein [un]würdig ist Und soll ich es mit Würde, o so leihe Mir deinen Geist den keine Grenze schließt.
An die Fundgrube Auguste
Zu ihrem 49. Geburtstage
Glück auf, Fundgrube, das Saeculum Ist nun zur Hälfte für dich bald um. Viel edle Geschicke hast du beschert Und gute Wetter uns immer gewährt. Zum Glück des Bergmanns streiche dein Gang Geschart mit freundlichen Gängen noch lang.
An Friedrich Wilhelm
König, wichtiger Name, dem Menschenfreunde, dem Ohr denkender Weisen, und Selbst dem nüchternen Könige, Unverdorben vom Gift schmeichelnder Höflinge Und den Ehrenbezeugungen Seines hoffenden Volks, das mit Gelübden ihn Und mit Weihrauch empfängt von Gott, Der die Könige wählt, sie auf der Waagschal wog, Die das Schicksal des Lands bestimmt. Wenn die Wollust ihn lockt mit dem Sirenenton, Ruhe die ihm versaget ist, Und der schimmernde Ruhm, welcher mit einem Fuß Auf die blutigen Leichen tritt Die das Schlachtfeld besäen, auf die Verzweifelung Banger Mütter und Sterbender, Auf der Waisen Geschrei, welches den Vater heischt; Mit dem anderen Fuße, auf Lorbeerkränze, gerühmt noch in den spätesten Fernen – doch nur von Törichten, Und auf feilen Gesang; lange Unsterblichkeit Mit der Enkel Gespött gewürzt. Und auf nagende Reu welche den Schlummer scheucht Und die Träume mit Schrecken füllt; Ruft der Name die Pflicht wieder zurück ins Herz Waffnet mit der Ägide ihn, Daß er Palmen ergreift, nur für das wahre Glück Seines Landes besorgt, das Schwert, Das vom Vater ererbt, ewiger Ruhe weiht, Und der Buhlerin Reiz verschmäht Unterm Fußtritt entblühn Blumen und Saaten ihm, Städte welchen der Indus zollt Und Amerikas Flur, Afrika, Asien Und der Seine Gefilde, und Edler Britten Gefild, welches die Thems durchströmt Reich an Freiheit und Ahnen Mut. Mit dem singenden Chor fröhlicher Mädchen sind Reigen blühender Jünglinge Fest verschlungen, die Schar bringet ihm Kränze dar. Werter ihm als die delphischen, Die umschlingen die Stirn stolzer Eroberer, Unbeneidet vom Göttlichen. Solcher König bist du, Friedrichs Wetteiferer, Und sein glücklicher Neffe, du. Lebe lange noch uns, groß in der Herrscherkunst Und beglücke dein Vaterland.
Gedicht
Zum 29. April dem Tage des Gartenkaufs
In diesem Saeculo im Jahre Siebenneunzig Starb hier ein Advokat, in seiner Rasse einzig, In praxi wohlgeübt ein Phönix seltner Art, In welchem Redlichkeit mit Klugheit sich gepaart. Der Witwe hinterließ er nicht das Geld bei Haufen, Drum suchte sie sogleich den Garten zu verkaufen, Mit Bäumen gut besetzt und einen Acker groß, Verwahrt mit roter Tür und einem großen Schloß. Die Frau Kreisamtmannin ersuchte den Kreisamtmann Den Garten zu erstehn – Sie sprach so sanft: »Verdammt, Mann! Ein jedes hat allhier so einen Gartenfleck, Und wir – was haben wir? – wir haben einen – Es ist nicht auszustehn, wo soll ich Kaffee trinken? Und muß die Stube nicht mir an im Sommer stinken?« Der Ehherr rief den Schmidt aus Konfraternität, Gab ihm den Auftrag, und des Preises Quantität. Der Auktionstermin ließ immer auf sich warten, Indes wir, voll Reform, auf die Entscheidung harrten. Der Garten ward besehn, bewundert und gelobt, Und dann voll Ungeduld nach Weiberart getobt. Den neunundzwanzigsten April vergeß ich nimmer. Apollo reiche mir zuvor den Saitenstimmer! Früh seifte der Barbier des Herrn Kreisamtmanns Bart, Als von dem Gartenkauf auch so gesprochen ward. »Wo trifft die Witwe wohl auf bessere Bezahler. Mein Ultimatum ist: Zweihundertsechzig Taler.« Der Herr der Bärte schrieb sich dieses hinters Ohr, Und trugs beim nächsten Bart des Kuratoris vor. »Gefunden« schrie entzückt Herr Topf, der Topf der Töpfe, Springt auf mit halbem Bart, sucht seine Hemdenknöpfe, Läuft zur Kurandin stracks, in Sprung, Galopp und Trab, Kommt, sieht den Käufer an, und schließt den Handel ab. – In frohern Hoffnungen war Cäsar nicht zerronnen, Als er die große Schlacht bei Pharsalus gewonnen, Als unsre Rahel jetzt, da nun der Schlüssel kam, Und sie, nach zartem Streit, ihn in Empfang nun nahm. Beglückwünscht ward sie hoch – bei Tisch ward manch Projekt Präliminariter von jedem ausgeheckt – Nur für Reformen und für Hüttchen hat sie Ohren. Er aber sitzt so kalt, als hätt er taube Ohren. Wir tranken Kaffee erst – ich redte, ohne Ruhm Zu melden, viel und schön, vom neuen Eigentum. Dann gingen wir hinaus – es weht ein leises Windchen – Voraus die Phantasie – wie einst Tobias' Hündchen. Wir langen an – er reicht den Hut und Schlüssel ihr. Ein jeder zieht den Hut – auf donnerte die Tür. Vor Adams offnem Maul lag so das Paradies, Als hier der Garten sich den trunknen Blicken wies. Zu kühne Muse schweig von diesen Augenblicken, Viel besser ist es hier die Augen zuzudrücken. Der zählt den Sand am Meer und Berenicens Haar Der die Projekte kennt, die hier der Rausch gebar. Kurz, endlich gingen wir nach vielem Tun und Reden Wie unsrer Eltern Paar aus diesem Garten Eden. Nun gingen wir herum, sahn über jeden Zaun, Und mußten in der Luft noch manches Schlößchen baun. – Heil aber Tennstedt dir – welch Glück ist dir geworden Mit dieser Bürgerin vom Seraphinen-Orden! Heil dir auch, Rahels Ruh – es wird in kurzer Zeit In Hirschfelds Almanach dir auch ein Blatt geweiht.
Dir aber liebes Paar! wünscht, ohne Kapp und Schellen Ein Freund, den Lieb und Treu euch ewig zugesellen, Auf diesem trauten Fleck den lieblichen Genuß, Der tief im Herzen quillt und nie versiegen muß. O feiert manches Jahr hier schöne Ruhestunden Bleibt bis zum späten Herbst in stiller Lust verbunden! Und bin ich einst ins Land der Sehnsucht heimgekehrt, So denkt: auch er wär hier wohl eines Plätzchens wert.
Das Gedicht
Himmlisches Leben im blauen Gewande Stiller Wunsch in blassem Schein – Flüchtig gräbt in bunten Sande Sie den Zug des Namens ein –
Unter hohen festen Bogen Nur von Lampenlicht erhellt Liegt, seitdem der Geist entflogen Nun das Heiligste der Welt.
Leise kündet beßre Tage Ein verlornes Blatt uns an Und wir sehn der alten Sage Mächtige Augen aufgetan.
Naht euch stumm dem ernsten Tore, Harrt auf seinen Flügelschlag Und vernehmt herab vom Chore Wo weissagend der Marmor lag.
Flüchtiges Leben und lichte Gestalten Füllten die weite, leere Nacht Nur von Scherzen aufgehalten Wurden unendliche Zeiten verbracht –
Liebe brachte gefüllte Becher Also perlt in Blumen der Geist Ewig trinken die kindlichen Zecher Bis der geheiligte Teppich zerreißt.
Fort durch unabsehliche Reihn Schwanden die bunten rauschenden Wagen Endlich von farbigen Käfern getragen Kam die Blumenfürstin allein[.]
Schleier, wie Wolken zogen Von der blendenden Stirn zu den Füßen Wir fielen nieder sie zu grüßen Wir weinten bald – sie war entflogen.
Gottlob! daß ich auf Erden bin
Gottlob! daß ich auf Erden bin Und Leib und Seele habe; Ich danke Gott in meinem Sinn Für diese große Gabe.
Der Leib ist mir doch herzlich lieb Trotz seiner Fehl und Mängel, Ich nehme gern mit ihm vorlieb Und neide keinen Engel.
Ich küsse gern mein braunes Weib Und meine lieben Kinder, Und das tut wahrlich doch mein Leib, Und mir ist es gesünder,
Als wenn ich mit Philosophie Die Seele mir verdürbe, Denn ein klein wenig Not macht sie, Die liebe Weisheit, mürbe.
Geschichte der Poesie
Wie die Erde voller Schönheit blühte, Sanftumschleiert von dem Rosenglanz Ihrer Jugend und noch bräutlich glühte Aus der Weihumarmung, die den Kranz Ihrer unenthüllten Kindheit raubte, Jeder Wintersturm die Holde mied, O! da säuselte durch die belaubte Myrte Zephir sanft das erste Lied.
Eva lauschte im Gebüsch daneben Und empfand mit Jugendphantasie Dieser Töne jugendliches Leben Und die neugeborne Harmonie, Süßen Trieb empfand auch Philomele Leise nachzubilden diesen Klang; Mühelos entströmet ihrer Kehle Sanft der göttliche Gesang.
Himmlische Begeistrung floß hernieder In der Huldin reingestimmte Brust, Und ihr Mund ergoß in Freudenlieder Und in Dankgesängen ihre Lust, Tiere, Vögel, selbst die Palmenäste Neigten staunender zu ihr sich hin, Alles schwieg, es buhlten nur die Weste Froh um ihre Schülerin.
Göttin Dichtkunst kam in Rosenblüte Hoher Jugend eingehüllt herab Aus dem Äther, schön wie Aphrodite, Da ihr Ozean das Dasein gab. Goldne Wölkchen trugen sie hernieder, Sie umfloß der reinste Balsamduft, Kleine Genien ertönten Lieder In der tränenlosen Luft.
Der Harz
Harz, du Muttergebürg, welchem die andre Schar Wie der Eiche das Laub entsproßt Adler zeugest du dir hoch auf der Felsenhöh' Und dem Dichter Begeisterung.
Weit im deutschen Gefild sieht man der Felsen Haupt Spät im Sommer vom Schnee noch schwer, Tiefer Fichten bekränzt, düster vom Eichenwald, Der vor Zeiten den Deutschen hehr.
Ströme rauschen herab dir in das finstre Tal, Brechen zwischen den Lasten sich Welche spielende Flut von dem Gebürge riß Und des eilenden Sturmes Grimm.
Oft umringen dich auch Blitz und des Donners Hall, Schrecken unten das tiefre Tal Doch mit heiterer Stirn lachst du des Ungestüms, Träufst nur fruchtbare Flut herab.
Eber brausen im Wald, Eber mit Mörderzahn, Die der Spieß zu bestehn nur wagt, Du auch hegest den Hirsch trotzend auf sein Geweih Und noch mehrerer Tiere Heer.
Gütig lässest du zu, daß dir ein Eingeweid Mit der emsigen Hand durchwühlt Nach verderbendem Gold und nach dem Silbererz Unersättlicher Menschendurst,
Aber schenkest uns auch Kupfer und tötend Blei Eisen nützlich dem Menschengeschlecht Das den Acker durchfurcht, Sterblichen Speise gibt Und dem gütigen Ofen Holz,
Wenn mit schneidender Axt Bäume der Hauer fällt, Die dein nährender Schoß erhob. Aber bauets nicht auch Häuser zum Schutz uns auf? Schützts uns nicht für der Feinde Wut?
Lob dir, denn es besang dich, der Unsterblichkeit Sänger Klopstock mit Harfenklang, Daß es scholl im Gebürg und in dem Eichenwald In dem felsichten Widerhall.
Deutsche Freiheit so wert, werter dem Biedermann Als des zinsenden Perus Gold Stehe furchtbar und hehr und unerschütterlich Wie dein donnerndes Felsenhaupt.
Der Himmel war umzogen ...
Der Himmel war umzogen, Es war so trüb und schwül, Heiß kam der Wind geflogen Und trieb sein seltsam Spiel.
Ich schlich in tiefem Sinnen, Von stillem Gram verzehrt – Was sollt ich nun beginnen? Mein Wunsch blieb unerhört.
Wenn Menschen könnten leben Wie kleine Vögelein, So wollt ich zu ihr schweben Und fröhlich mit ihr sein.
Wär hier nichts mehr zu finden, Wär Feld und Staude leer, So flögen, gleich den Winden Wir übers dunkle Meer.
Wir blieben bei dem Lenze Und von dem Winter weit Wir hätten Frücht und Kränze Und immer gute Zeit.
Die Myrte sproßt im Tritte Der Wohlfahrt leicht hervor Doch um des Elends Hütte Schießt Unkraut nur empor.
Mir war so bang zumute Da sprang ein Kind heran, Schwang fröhlich eine Rute Und sah mich freundlich an.
Warum mußt du dich grämen? O! weine doch nicht so, Kannst meine Gerte nehmen, Dann wirst du wieder froh.
Ich nahm sie und es hüpfte Mit Freuden wieder fort Und stille Rührung knüpfte Sich an des Kindes Wort.
Wie ich so bei mir dachte, Was soll die Rute dir? Schwankt aus den Büschen sachte Ein grüner Glanz zu mir.
Die Königin der Schlangen Schlich durch die Dämmerung. Sie schien gleich goldnen Spangen, In wunderbarem Prunk.
Ihr Krönchen sah ich funkeln Mit bunten Strahlen weit, Und alles war im Dunkeln Mit grünem Gold bestreut.
Ich nahte mich ihr leise Und traf sie mit dem Zweig, So wunderbarerweise Ward ich unsäglich reich.
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