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Auf Josephs Tod
Wie Friedrich starb entflohn die Pierinnen Der deutschen Flur, die Kriegeskünste flohn. Bei Josephs Tod seh ich der Duldung Tränen rinnen Und froher Hoffnung voll am umgestürzten Thron Den Aberglauben stolz ein Freudenlied beginnen.
Die Kahnfahrt
Knaben, rudert geschwind, haltet den raschen Takt; Jener Insel dort zu, welche der Lenz bewohnt, Wo die Grazien tanzen Bei Apollos gefällgem Spiel.
Seht die Sonne – sie sinkt hinter dem Buchenwald Immer milde hinab in die entferntste Luft, Röter glänzen die Hügel, Die des Abends Erröten grüßt.
Becherfreude beim Kuß rosiger Mädchenschar Harret meiner daselbst; sehet sie winken schon. Uns soll Hesperus leuchten Bis zum neidischen Morgenstern.
Elegie auf einen Kirchhof
Kirchhof, werter mir als Goldpaläste, Werter einem jeden Menschenfreund, Birgest manches Edlen Überreste Aber auch wohl manchen Tugendfeind.
Trink die Tränen, welche meinen Lieben Die hier ungestöret ruhn, geweint; Stunden sagt, wo seid ihr denn geblieben, Die ihr uns als Jünglinge vereint?
Sprosset auf zu dunklen Trauermyrten Tränen, die die Liebe hier vergoß Grünt, um meine welke Stirn zu gürten, Meine Laute, der nur Schmerz entfloß.
Kirchhof, Freund der trüben Knabentage Die mir schwanden tränenvoll dahin, Hörtest du nicht oft auch meine Klage, Wenn mich eine Freundin mußte fliehn?
Klagen eines Jünglings
Nimmer schwanden undankbar die Freuden Traumgleich mir in öde Fernen hin; Jede färbte, lieblicher im Scheiden, Mit Erinnrung meinen trunknen Sinn; Mit Erinnrung, die, statt zu ermüden, Neue, heilge Wonne mir entschloß, Und mir süßen jugendlichen Frieden Um die rebengrünen Schläfe goß.
Seit ich mehr aus schöner Wangen Röte Mehr aus sanften, blauen Augen las, Oft, wenn schon die scharfe Nachtluft wehte Im beseeltern Traume mich vergaß; Meinem Herzen nachbarlicher, wärmer, Da den Schlag der Nachtigall empfand, Und entfernt von meinem Klärchen ärmer Mich als jeder dürftge Pilger fand:
Lachet, ewge Gottheit in dem Blicke, Mich mein sonnenschönes Leben an, Amor täuscht mich nicht mit List und Tücke, Ganymeda nicht mit kurzem Wahn; Jedes Lüftchen nähert sich mir milder, Das dort Blüten wild herunter haucht; Üppig drängen immer frische Bilder Sich zu mir, in Rosenöl getaucht.
Zypris Tauben warten schon mit Kränzen Und mit Traubenbechern meiner dort, Und in leichtverschlungnen Freudentänzen Reißet Amors Bruderschwarm mich fort. Von der Grazien und Musen Lippen Schmachtet mir entgegen mancher Kuß; Götterwonne kann ich selig nippen, Schwelgen da im freundlichsten Genuß.
Dennoch lodern öfters Purpurgluten Mir um meine Wang und meine Stirn, Wenn sich unter Stürmen, unter Fluten, Wie des Abends leuchtendes Gestim, Mir, umstrahlt von echter Freiheit Kranze, Eines edlen Dulders Seele zeigt, Den der Himmel nicht in seinem Glanze Nicht die Höll in ihren Nächten beugt.
Kraftlos fühl ich mich von dem Geschicke Zum unmännlichern Genuß verdammt; Vor Gefahren beb ich feig zurücke Weil nicht Mut in meinem Busen flammt. Weibisch hat das Schicksal mich erzogen, Nicht sein Liebling, nur sein Sklav bin ich; Amor hat mich schmeichlerisch umflogen Statt der Sorge, die mir stets entwich.
Statt der ernstern, rühmlicheren Lanze Wieget einen Hirtenstab mein Arm; Nimmer wurde mir im Waffentanze Aber oft im bunten Reigen warm: Alle großen, strahlenden Gefahren Hat mein Schicksal von mir abgewandt, Und nur unter frohe Mädchenscharen Statt in Feindes Haufen mich gesandt.
Parze, hast du jemals deine Spindel Nach dem Flehn des Erdensohns gedreht, Dem kein bald entwichner Zauberschwindel, Um die flammendheißen Schläfe weht: O! so nimm, was Tausende begehrten, Was mir üppig deine Milde lieh, Gib mir Sorgen, Elend und Beschwerden, Und dafür dem Geiste Energie.
Ungeduldig soll die Flamme lodern Meines Dankes dann von dem Altar; Nichts mehr sollen meine Wünsche fordern, Frei und gnügsam macht mich die Gefahr; Doch versagest du mir diese Bitte O! so kürze, wenn du streng nicht bist, Mindestens geschwind nur meine Schritte Nimm dies Leben, das nicht Leben ist.
Letzte Liebe
Also noch ein freundlicher Blick am Ende der Wallfahrt, Ehe die Pforte des Hains leise sich hinter mir schließt. Dankbar nehm ich das Zeichen der treuen Begleiterin Liebe Fröhlichen Mutes an, öffne das Herz ihr mit Lust. Sie hat mich durch das Leben allein ratgebend geleitet, Ihr ist das ganze Verdienst, wenn ich dem Guten gefolgt, Wenn manch zärtliches Herz dem Frühgeschiedenen nachweint Und dem erfahrenen Mann Hoffnungen welken mit mir. Noch als das Kind, im süßen Gefühl sich entfaltender Kräfte, Wahrlich als Sonntagskind trat in den siebenten Lenz, Rührte mit leiser Hand den jungen Busen die Liebe, Weibliche Anmut schmückt jene Vergangenheit reich. Wie aus dem Schlummer die Mutter den Liebling weckt mit dem Kusse, Wie er zuerst sie sieht und sich verständigt an ihr: Also die Liebe mit mir – durch sie erfuhr ich die Welt erst, Fand mich selber und ward, was man als Liebender wird. Was bisher nur ein Spiel der Jugend war, das verkehrte Nun sich in ernstes Geschäft, dennoch verließ sie mich nicht Zweifel und Unruh suchten mich oft von ihr zu entfernen, Endlich erschien der Tag, der die Erziehung vollzog, Welcher mein Schicksal mir zur Geliebten gab und auf ewig Frei mich gemacht und gewiß eines unendlichen Glücks.
M. und S.
Glücklich vereinigte sie die Hand der bildenden Mutter: Was man bei Einer empfand, sagt man der Andern so gern.
Siehst du sie beide, so siehst du das Rätsel neben der Lösung. Einzeln ist jede für sich Rätsel und Lösung zugleich.
Sähst du die liebliche Mutter wohl gern als knospendes Mädchen? Oder das Knöspchen erblüht? – Schaue die Lieblichen hier.
Alle Menschen seh ich leben ...
Alle Menschen seh ich leben Viele leicht vorüberschweben Wenig mühsam vorwärtsstreben Doch nur Einem ists gegeben Leichtes Streben, schwebend leben.
Wahrlich der Genuß ziemt Toren In der Zeit sind sie verloren, Gleichen ganz den Ephemeren[.] In dem Streit mit Sturm und Wogen Wird der Weise fortgezogen Kämpft um niemals aufzuhören Und so wird die Zeit betrogen Endlich unters Joch gebogen Muß des Weisen Macht vermehren.
Ruh ist Göttern nur gegeben Ihnen ziemt der Überfluß Doch für uns ist Handeln Leben Macht zu üben nur Genuß.
Armenmitleid
Sag an, mein Mund, warum gab dir zum Sange Gott Dichtergeist und süßen Wohlklang zu, Ja wahrlich auch, daß du im hohen Drange Den Reichen riefst aus träger, stumpfer Ruh.
Denn kann nicht Sang vom Herzen himmlisch rühren, Hat er nicht oft vom Lasterschlaf erweckt; Kann er die Herzen nicht am Leitband führen, Wenn er sie aus der Dumpfheit aufgeschreckt.
Wohlauf; hört mich ihr schwelgerischen Reichen, Hört mich doch mehr noch euren innren Ruf, Schaut um euch her, seht Arme hülflos schleichen, Und fühlt, daß euch ein Vater nur erschuf.
Lied beim Punsch
am Abend der Trennung
Sind nicht die Augenblicke Begeisterten Gefühls Wert unsers wärmsten Dankes Und würdig unsers Ziels? Da steht im frohen Zirkel Der Menschheit Genius Und gießt aus voller Schale Den edelsten Genuß.
Dem Greis entglimmt in ihnen Der alten Jugend Glut. Hier schöpft der Mann zu Taten Begeisterung und Mut. Hoch klopft des Jünglings Busen, Gerührt wird jedes Herz, Und jedes drückt voll Liebe Geschwister nur ans Herz.
Nur solche Feste schmücken Des Lebens rauhen Pfad; Nur Herzensfülle hemmet Des Glückes leichtes Rad. Wo Freudentränen glänzen, Wo Herz zu Herzen spricht, Mitfühlend jedes fühlet, Nur da entrollt es nicht.
O! himmlisch tönt in Liedern Erinnerung an Sie, Und weckt nach langen Jahren Der Nachwelt Sympathie. Wir freun uns aller Spuren Der alten Fröhlichkeit. Einst freun sich unsre Enkel Noch unsrer frohen Zeit.
Drum laßt an diesem Abend, Der noch vereint uns sieht, Da uns sobald nicht wieder Ein solches Stündchen blüht, Uns jeden unsrer Lieben Ein Rosenblättchen streun Und unsern Herzenswünschen Solenn dies Lied itzt weihn.
Dem Vater und der Mutter, Die nichts, als Kinder, sehn, Mag bis zum Rand des Lebens Das Freudenfähnchen wehn. Und wenn wir leise Wünsche In Minchens Herz verstehn – So soll sie Luft der Freiheit Am eignen Herd umwehn.
Nur Dauer ihres Glückes Dem liebenswerten Paar; Bringt unserm Fritz und Fritzchen Dies Glas zum Wunsche dar. Lili beweise baldigst Ihr Haushaltungsgenie Indes wir alle singen; Zieh, lieber Schimmel, zieh.
Leicht falle dein Pantoffel Bald, Söffchen, auf den Mann, Der in des Lebens Lotto Dies Quintchen sich gewann. Einst geht noch unsre Danscour Als Sansjüpon in Klub. Und Hannchens Kränzchen hole Baldmöglichst Belzebub.
Was Gast ist soll mitleben! Es schließe fest sich an Und wandle mit uns ewig Und bleib uns zugetan. Dem Bruder dort am Rheine, Den Lieben nah und weit, Sei dieses Glas, als Zeichen Von jedem Wunsch geweiht.
Zum Tempel wird die Stube. Der Punschtisch zum Altar. Es bringt der Geist der Liebe Jetzt seine Opfer dar. Senkt euren Blick die Stufen Des Tempels nun hinab Und haltet fest die Stimmung, Die dieser Blick euch gab.
Ihr schaut in einen Wirbel Von Menschenschicksal hin Und forscht und fragt vergebens Nach dieses Rätsels Sinn. Einst wird es leicht sich lösen; Längst ist der Schlüssel da; Denn war nicht Lieb und Einfalt Den Menschen immer nah?
Auch ihr könnt freudig walten Für diesen Zeitbeginn. Wirkt der Natur entgegen Und wirkt mit Einem Sinn. Ist jeder gut und tätig Für Menschenrecht und Wohl, Und ist auf seiner Stelle Ein jedes, was es soll.
So wird in süßer Reife Die Menschheit, himmlisch schön, Erwacht von langem Schlummer, In beßre Zonen gehn. Belohnt wird, wessen Taten In ihrem Herzen glühn – Doch wer sah je den Garten Wo dann die Kränze blühn
Die Quelle
Ein Sonett
Murmle stiller, Quellchen, durch den Hain, Hold durchflochten von der Sonne Schimmer, Singe deine süßen Lieder immer Sanft umdämmert von den Frühlingsmai'n.
Philomele ruft Akkorde drein, Leiser Liebe zärtliches Gewimmer, Da wo sich das zarte Ästchen krümmer Neiget zu der Welle Silberschein.
Käme Molly doch hieher gegangen, Wo Natur im Hirtenkleide schwebt, Allgewaltig mir im Busen webt,
Reizvoll würde sie die auch umfangen, Und vergessen ließ ein einzger Kuß Uns vergangnen Kummer und Verdruß.
An He[rrn August Wilhelm] Schlegel
1.
Auch ich bin in Arkadien geboren; Auch mir hat ja ein heißes volles Herz, Die Mutter an der Wiege zugeschworen Und Maß und Zahl in Freude und in Schmerz.
Sie gab mir immer freundlich himmelwärts Zu schaun, wenn selbst die Hoffnung sich verloren; Und stählte mich mit Frohsinn und mit Scherz; Auch ich bin in Arkadien geboren!
Komm, reiche mir die brüderliche Hand! Zu Brüdern hat uns die Natur erkoren, Und uns gebar ein mütterliches Land.
Ich habe Dir längst Liebe zugeschworen, Gern folgsam meinem bessern Genius. Gib mir die Hand, und einen Bruderkuß!
2.
Zarte Schwingungen umbeben leise Meines Busens junges Saitenspiel, Und ein höher schlagendes Gefühl Atmet in mir in so fremder Weise.
Deine Lieder wehn aus fernem Kreise Aus der Aftertöne Marktgewühl Ach! so freundlich, heilig, lieb und kühl Her zu meines Pfades stillem Gleise.
Mancher Stunde lieh ich Flügel schon, Daß zu Dir, der jüngsten Muse Sohn, Zu Dir, dem Holden, Lieben, sie mich brächte;
Daß ich mich an Deine Brust gelehnt, Und an reineren Genuß gewöhnt, An des Schicksals stillem Neide rächte.
3.
Oft schon hört ich, wenn im Dichterlande Ich zu jeder stillen Laube ging, Welche schirmend vor dem Sonnenbrande Einen Dichter-Jüngling kühl umfing,
Deine Lieder, und ein goldner Ring Knüpft im Traum, den mir die Hoffnung sandte Und an dessen Lipp' ich schmachtend hing Freundlich uns in sanfte Lebensbande.
Wäre dieser Traum der Ehrenhold Einer schönen Feenzeit gewesen, Da Du mich zu Deinem Freund erlesen;
Ewig wollt ich, meinem Schicksal hold, Treue schwören allen guten Wesen Und von jedem Geistesfehl genesen. –
4.
Auch ich bin in Arkadien geboren, Auch mir hat mancher gute Genius Am Mutterbusen Liebe zugeschworen, Und manchen süßen, freundlichen Genuß.
Auch ich empfand in Ahndungen verloren Das leise Wehn von manchem Geisterkuß, Und fühlte oft im heiligen Erguß Mich zu der Sonne reinem Dienst erkoren.
Verzeih wenn mich mein eignes Herz nicht trügt, Und mich auf Flügeln stolzer Träume wiegt, Daß ich so kühn in Eure Reihen trete;
Und fassest Du mich auch so rein und warm, Wie ich Dich liebe, mit Dir Arm in Arm, Um Ewigkeit für unser Bündnis bete. –
An mein Schwert
Ich wuchs, da gab mein Vater mir Ein Schwert von hartem Stahl, Nun weihe ich ein Liedchen dir O eines Jünglings schönste Zier Nun mein zum erstenmal.
Sei stets des Hülfbedürftgen Schutz Geführt vom starken Arm Und biete jedem Feinde Trutz Sei meinen Freunden stets zu Nutz, Zerstreu der Räuber Schwarm.
Doch diene den Tyrannen nicht Und blink fürs Vaterland Und hau den, der für Sklaven ficht, (Gewiß er ist ein schlechter Wicht), Geführt von meiner Hand.
An Adolph Selmnitz
Was paßt, das muß sich ründen, Was sich versteht, sich finden, Was gut ist, sich verbinden, Was liebt, zusammensein. Was hindert, muß entweichen, Was krumm ist, muß sich gleichen, Was fern ist, sich erreichen, Was keimt, das muß gedeihn.
Gib traulich mir die Hände, Sei Bruder mir und wende Den Blick vor Deinem Ende Nicht wieder weg von mir. Ein Tempel – wo wir knieen – Ein Ort – wohin wir ziehen Ein Glück – für das wir glühen Ein Himmel – mir und dir.
Am Sonnabend Abend
Bin ich noch der, der gestern Morgen Dem Gott des Leichtsinns Hymnen sang Und über allen Ernst und Sorgen Der Freude leichte Geißel schwang – Der, jeder Einladung entgegen, Das Herz in beiden Händen, flog Und wie ein junges Blut, verwegen Auf jedes Abenteuer zog.
Der mit den Kinderschuhen lange Der Liebe Kartenhaus verließ, Und wie das Glück, in seinem Gange An Reiche, wie an Karten, stieß, Im Kampf der neuen Elemente Im Geist schon Sieger sang: ça va, Und schon die Schöpfung im Konvente Und Gott, als Präsidenten, sah.
Der schlauer noch, als ein Berliner, In Mädchen Jesuiten spürt, Und Vater Adams Gattin kühner, Als wahren Stifter denunziert. In dessen Stube längst vergessen Das Bild des Aberglaubens hing Und der zum Spott nur in die Messen Von den Elftausend Jungfern ging.
Derselbe kanns nicht sein, der heute Beklemmt weit auf die Weste knöpft Und schweigend an der Morgenseite So emsig Luft von dorther schöpft. Den vierzehn Jahre so entzücken, (Bald sind die 7 Wochen voll) Und der in jeden Augenblicken, Was anders will, was anders soll.
Ist das der Mann, der Sieben Weisen Im Umsehn in die Tasche steckt, Den schon die kürzeste der Reisen So wundersam im Schlafe weckt. Und der noch kaum die stolzen Träume Der Weisheit lahm fortschleichen sieht, Als aus dem hoffnungsvollsten Keime Für ihn ein Rosenstock schon blüht.
O! immer fort der Mann von Gestern, Was kümmert seine Flucht denn mich – Die guten Stunden haben Schwestern, Und Schwestern – die gesellen sich. Damit sie immer sich erkennen Und immer froh beisammen sein, Will ich ein Wort zur Lösung nennen – Sophie soll die Losung sein.
Zu Sophiens Geburtstag
Wer ein holdes Weib errungen Stimme seinen Jubel ein. Mir ist dieser Wurf gelungen Töne Jubel – die ist mein. So hat nie das Herz geschlagen Nie so hoch und nie so gut. Künftig neigt vor meinen Tagen Selbst der Glücklichste den Hut.
Fest umschlingt den Bund der Herzen Nun der Ring der Ewigkeit, Und es bricht der Stab der Schmerzen Am Altar der Einigkeit. O –! im Himmel ist geschlossen Unsrer Herzen süßer Bund. Ist ein beßrer Spruch entflossen Je des Schicksals weisen Mund?
Dir gehört nun was ich habe, Was ich denke fühle bin, Und du nimmst nun jede Gabe Meines Schicksals für dich hin. Was ich sucht, hab ich gefunden, Was ich fand, das fand auch mich, Und die Geißel meiner Stunden Zweifelsucht und Leichtsinn wich.
Nimmer soll mein Mund dich loben Weil mein Herz zu warm dich ehrt. Tief im Busen aufgehoben Wohne heimlich mir dein Wert. Wenn ich wunde Herzen heile Jede Stunde besser bin Nie im Guten lässig weile Dieses Lob nimm dir dann hin.
Liebes Mädchen deiner Liebe Dank ich Achtung noch und Wert, Wenn sich unsre Erdenliebe Schon in Himmelslust verklärt. Ohne dich wär ich noch lange Rastlos auf und ab geschwankt, Und auf meinem Lebensgange Oft am Überdruß erkrankt.
Wenn nur unsre Mutter wieder Frisch und ledig bei uns steht Und im Kreise unsrer Brüder Stolz die Friedensfahne weht. Wenn dann noch ein Süßer Trauter Unsre Lolly fest umschlang – O –! Dann tönt noch zehnfach lauter Unsres Jubels Hochgesang.
Wenig still durchhoffte Jahre Leiten unverwandt zum Ziel, Wo am glücklichen Altare Endet unsrer Wünsche Spiel, Uns, auf ewig Eins, verschwinden, Wölkchen gleich, des Lebens Mühn Und um unsre Herzen winden Kränze sich von Immergrün.
Das süßeste Leben
Lieblich murmelt meines Lebensquelle Zwischen Rosenbüschen schmeichelnd hin, Wenn ich eines Fürsten Liebling bin, Unbeneidet auf der hohen Stelle;
Und von meiner stolzen Marmorschwelle Güte nicht, die Herzenszauberin Und die Liebe, aller Siegerin Flieht zu einer Hütte oder Zelle;
Süßer aber schleicht sie sich davon Wenn ich unter traurenden Ruinen Efeugleich geschmiegt an Karolinen
Wehmutlächelnd les im Oberon Oder bei der milchgefüllten Schale Bürgers Lieder sing im engen Tale.
Der Teufel
Ein loser Schalk, in dessen Beutel Es just nicht allzu richtig stand, Und der den Spruch, daß leider alles eitel Auf unserm Runde ist, nur zu bestätigt fand, Zog einst voll Spekulationen In eine Stadt en migniatur, Und schlug an jedes Tor und an die Rathaustür Ein Avertissement mit vielen Worten schier, Er werde heut in den Drei Kronen Um fünf Uhr nachmittags den Teufel jedermann Vom Ratsherrn bis zum Bettelmann Für zwanzig Kreuzer präsentieren Und ohne ihn bevor erst herzukommandieren. Was Beine hatte, lief zum großen Wundermann, Und überall war eine Weihnachtsfreude; Der Bürgermeister schrieb mit Kreide Den Tag an seiner Türe an, Und jeder Ratsherr kam mit einem Galakleide Und einer knotigen Perücke angetan, Und will das Wunder sehn; auch mancher Handwerksmann Kam hübsch bedächtlich angeschlichen Und gab die Kreuzer hin, die er den Tag gewann. Ein Schneider nur ging nicht zum Wundersmann Und sprach: »Ich seh umsonst den Teufel alle Tage In meiner jungen Frau zu meiner größten Plage, Und der ist toller fürwahr als der beim Wundersmann.« Als endlich männiglichen Der Held sich mit dem leeren Beutel zeigt Und erst mit wichtger Miene schweigt Und dann geheimnisvoll nur wenig Worte saget Und seine Auditoren fraget, Ob auch kein Atheist in der Versammlung sei, Erstieg die Trunkenheit der blöden Phantasei Den Gipfel, und der Schalk beginnt die Gaukelei. Nach manchem hocus-pocus ziehet Der Schalk den Beutel auf und jeglicher bemühet Sich sehr den Leidigen zu sehn, doch jeder siehet Nichts auf der Welt –; ein junger Taugenichts, Der näher stand, ein bel esprit, voll Zweifel Wie mancher Kandidat, beginnt: »Ich seh ja nichts.« »Das eben«, rief der Schalk, »das eben ist der Teufel.«
An Tieck
Ein Kind voll Wehmut und voll Treue, Verstoßen in ein fremdes Land, Ließ gern das Glänzende und Neue, Und blieb dem Alten zugewandt.
Nach langem Suchen, langem Warten, Nach manchem mühevollen Gang, Fand es in einem öden Garten Auf einer längst verfallnen Bank
Ein altes Buch mit Gold verschlossen, Und nie gehörte Worte drin; Und, wie des Frühlings zarte Sprossen, So wuchs in ihm ein innrer Sinn.
Und wie es sitzt, und liest, und schauet In den Kristall der neuen Welt, An Gras und Sternen sich erbauet, Und dankbar auf die Kniee fällt:
So hebt sich sacht aus Gras und Kräutern Bedächtiglich ein alter Mann, Im schlichten Rock, und kommt mit heiterm Gesicht ans fromme Kind heran.
Bekannt doch heimlich sind die Züge, So kindlich und so wunderbar; Es spielt die Frühlingsluft der Wiege Gar seltsam mit dem Silberhaar.
Das Kind faßt bebend seine Hände, Es ist des Buches hoher Geist, Der ihm der sauern Wallfahrt Ende Und seines Vaters Wohnung weist.
Du kniest auf meinem öden Grabe, So öffnet sich der heilge Mund, Du bist der Erbe meiner Habe, Dir werde Gottes Tiefe kund.
Auf jenem Berg als armer Knabe Hab ich ein himmlisch Buch gesehn, Und konnte nun durch diese Gabe In alle Kreaturen sehn.
Es sind an mir durch Gottes Gnade Der höchsten Wunder viel geschehn; Des neuen Bunds geheime Lade Sahn meine Augen offen stehn.
Ich habe treulich aufgeschrieben, Was innre Lust mir offenbart, Und bin verkannt und arm geblieben, Bis ich zu Gott gerufen ward.
Die Zeit ist da, und nicht verborgen Soll das Mysterium mehr sein. In diesem Buche bricht der Morgen Gewaltig in die Zeit hinein.
Verkündiger der Morgenröte, Des Friedens Bote sollst du sein. Sanft wie die Luft in Harf und Flöte Hauch ich dir meinen Atem ein.
Gott sei mit dir, geh hin und wasche Die Augen dir mit Morgentau. Sei treu dem Buch und meiner Asche, Und bade dich im ewgen Blau.
Du wirst das letzte Reich verkünden, Was tausend Jahre soll bestehn; Wirst überschwenglich Wesen finden, Und Jakob Böhmen wiedersehn.
In stiller Treue sieht man gern ihn walten ...
In stiller Treue sieht man gern ihn walten Nicht wie die Meisten, mag er sinnlos schweifen, Er wünscht die dargebotne Rechte zu ergreifen Der bessern Zukunft, und sie fest zu halten.
Reichfarbig wird sich diese Knosp entfalten, Das Auge sich für ferne Welten schleifen Zum Meister wird der treue Lehrling reifen Und um sich her ein neues Reich gestalten.
Wie fröhlich kann dankbar ein Freund verkünden Was seinem Geist sich längst vergnüglich zeigte Wenn er des Jünglings Wandel still bedachte.
O! möchte jede Treue Treue finden Und daß zu dem der Lilienstab sich neigte Der Lust und Leben kranken Herzen brachte.
Walzer
Hinunter die Pfade des Lebens gedreht Pausiert nicht, ich bitt euch so lang es noch geht Drückt fester die Mädchen ans klopfende Herz Ihr wißt ja wie flüchtig ist Jugend und Scherz.
Laßt fern von uns Zanken und Eifersucht sein Und nimmer die Stunden mit Grillen entweihn Dem Schutzgeist der Liebe nur gläubig vertraut Es findet noch jeder gewiß eine Braut.
Zur Weinlese
Wir haben Weinmond, lieben Leute, Und weil nicht immer Weinmond ist; So sag ichs euch in Versen heute, Damit es keiner nicht vergißt. – Wenn Weinmond ist, so müßt ihr wissen, Da gibt es Trauben, Most und Wein, Und weil die armen Beeren müssen, So sprützen sie ins Faß hinein.
Es gibt gar unterschiedne Beeren, Von allen Farben trifft man sie, Und manche hält man hoch in Ehren, Und manche wirft man vor das Vieh. Sie sind im Temprament verschieden Und von gar mancherlei Statur; Doch allen ist der Wein beschieden Als Lieblingskindern der Natur.
Zu einem Stock will ich euch führen, Das ist ein Stöckchen wie ein Taus, Um seine Süßigkeit zu spüren Sucht eine Traube euch heraus. Ich lobe mir die braven Wenden, Sie langen zu, und sind nicht faul, Sie stecken gern mit beiden Händen Die blauen Trauben in das Maul.
Nicht wahr, das schmeckt nicht herb und sauer? Was gut schmeckt, weiß der Wende wohl, Er ißt und geht gern auf die Dauer, Und nimmt die beiden Backen voll. Drum kann er auch nicht Worte machen, Er steht voll Eifer da und kaut, Doch sieht man ihn so schämig lachen Als kaut er still an einer Braut.
Daß er den Trank anjetzt im ganzen Verkauft, dafür kann ich euch stehn. Oft wird er um den Stock noch tanzen Und sich mit seinem Träubchen drehn. Wer weiß ob er nicht aus dem Kerne Ein neues Mutterstöckchen zieht, Was viele Jahre in der Ferne Zum Ruhm des alten Stockes blüht.
Der alte Stock wird blühn und wachsen, Wenn man den Überfluß ihm nimmt Und überall im Lande Sachsen Sein Wein auf guten Tischen schwimmt. Er hat noch manche reife Traube Von andrer Art und ihm zur Last; Es bitten Geier oder Taube Vielleicht sich bald bei ihm zu Gast.
Daß er noch lange blüht, das weiß ich, Obwohl er manches Jahr schon steht; Denn dafür, lieben Leute, heiß ich Ein Dichter oder ein Poet. Ihr denkt wohl gar ich sei ein Träubchen, Weil mich der Stock fest an sich schnürt? Ich bins zufrieden, wenn ein Weibchen, Ob ich gut schmecke, sacht probiert.
Drum weil nicht Weinmond alle Tage, Kein solcher Stock nicht überall, So denkt nicht heut an eure Plage, Zieht eure Sorgen in den Stall. Laßt unsern alten Weinstock leben! Und seinen lieben Winzer da! Und einen Kuß soll man ihm geben Als Kandidat zur Großmama.
Ich weiß nicht was
Ballade
Jüngst als Lisettchen im Fenster saß, Da kam Herr Filidor Und küßte sie, Umschlang ihr weiches, weißes Knie; Und sagt ihr was ins Ohr, Ich weiß nicht was.
Dann gingen beide fort, er und sie, Und lagerten sich hier, Im hohen Gras Und triebens frei in Scherz und Spaß; Er spielte viel mit ihr, Ich weiß nicht wie.
Zum Spiele hatt er viel Genie, Er triebs gar mancherlei, Bald so, bald so, Da wars das gute Mädel froh, Doch seufzte sie dabei, Ich weiß nicht wie?
Das Ding behagt dem Herren baß Oft gings da capo an? Doch hieß es drauf, Nach manchem, manchem Mondenlauf, Er hab ihr was getan; Ich weiß nicht was.
Es färbte sich die Wiese grün ...
Es färbte sich die Wiese grün Und um die Hecken sah ich blühn, Tagtäglich sah ich neue Kräuter, Mild war die Luft, der Himmel heiter. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Und immer dunkler ward der Wald Auch bunter Sänger Aufenthalt, Es drang mir bald auf allen Wegen Ihr Klang in süßen Duft entgegen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Es quoll und trieb nun überall Mit Leben, Farben, Duft und Schall, Sie schienen gern sich zu vereinen, Daß alles möchte lieblich scheinen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
So dacht ich: ist ein Geist erwacht, Der alles so lebendig macht Und der mit tausend schönen Waren Und Blüten sich will offenbaren? Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Vielleicht beginnt ein neues Reich – Der lockre Staub wird zum Gesträuch Der Baum nimmt tierische Gebärden Das Tier soll gar zum Menschen werden. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Wie ich so stand und bei mir sann, Ein mächtger Trieb in mir begann. Ein freundlich Mädchen kam gegangen Und nahm mir jeden Sinn gefangen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Sie ging vorbei, ich grüßte sie, Sie dankte, das vergeß ich nie – Ich mußte ihre Hand erfassen Und Sie schien gern sie mir zu lassen. Ich wußte nicht, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Uns barg der Wald vor Sonnenschein Das ist der Frühling fiel mir ein. Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden Die Menschen sollten Götter werden. Nun wußt ich wohl, wie mir geschah, Und wie das wurde, was ich sah.
Wohin ziehst du mich ...
Wohin ziehst du mich, Fülle meines Herzens, Gott des Rausches, Welche Wälder, welche Klüfte Durchstreif ich mit fremdem Mut. Welche Höhlen Hören in den Sternenkranz Cäsars ewigen Glanz mich flechten Und den Göttern ihn zugesellen. Unerhörte, gewaltige Keinen sterblichen Lippen entfallene Dinge will ich sagen. Wie die glühende Nachtwandlerin Die bacchische Jungfrau Am Hebrus staunt Und im thrazischen Schnee Und in Rhodope im Lande der Wilden So dünkt mir seltsam und fremd Der Flüsse Gewässer Der einsame Wald
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