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Zum Wegräumen der Geräte
Veterinär, gleichzeitig Veteran, Ein Mann, der 92 Jahre zählte, Daß man zuletzt ihn aus Gewohnheit wählte, Und trotzdem biegsam, schmiegsam wie ein Schwan. Das war – trotz eines halbgelähmten Beines – Der Ehrenvorstand unsres Turnvereines. Und wirklich nahm er's noch im Dauerlauf Und Schleuderball mit jedem Rennpferd auf.
Wettläufer sah ich – nun Gott weiß wieviel, Doch ihrer keiner hielt wohl mit der gleichen Bescheidenheit gelassen vor dem Ziel. Denn niemand konnte ihm das Wasser reichen. Dann griff er abseits zum Pokal. Und Hei! Wie Donner klang sein Frisch-Fromm-Fröhlich-Frei. Wie sich sein Vollbart, den er gern sich wischte, Nach einem 80-cm-Sprung Mit Kokosfasern einer Matte mischte, Das bleibt mir ewig in Erinnerung. Im Springen konnte überhaupt dem Alten Zuletzt wohl keiner mehr die Stange halten.
Einmal, nach dem Genuß von sehr viel Weißwein, Verstauchte er beim Spaltsitz auf dem Reck Ganz unvermutet plötzlich sich das Steißbein. Er aber wich und wankte nicht vom Fleck. Im Gegenteil, er brach, um uns zu necken, Sich noch den Sitzknorren der Sitzbeine am Becken. Er turnte gern der Jugend etwas vor Und mühte sich vor Buben oder Mädeln, Die Beine in die Ringe einzufädeln, Wobei er niemals die Geduld verlor. Dann staunte ehrfurchtsvoll solch junges Ding, Wenn er wie Christbaumschmuck im Nesthang hing.
Denn was ein Nesthängchen werden will, krümmt sich beizeiten.
Flugzeuggedanken
Flugzeuggedanken
Dort unten ist die Erde mein Mit Bauten und Feldern des Fleißes. Wenn ich einmal nicht mehr werde sein, Dann graben sie mich dort unten hinein, Ich weiß es.
Dort unten ist viel Mühe und Not Und wenig wahre Liebe. – Nun stelle ich mir sekundenlang Vor, daß ich oben hier bliebe, Ewig, und lebte und wäre doch tot – – O, macht mich der Gedanke bang.
Mein Herz und mein Gewissen schlägt Lauter als der Propeller. Du Flugzeug, das so schnell mich trägt, Flieg schneller!
Einsamer Spazierflug
Nun ich wie gestorben bin Und wurde ein Engelein, Fliege ich über dein Wohnhaus hin. Häuschen klein.
Die du als Witwe wieder umworben Sein magst, Da ich doch schon verstorben Bin –. Was du wohl sagst? Ob du gefaßt bist oder klagst?
Oder ob dein Humor wieder steht, Du dessen eingedenk bist, Daß ein aufrichtiges Gebet Ein unterweges Selbstgeschenk ist? Ach, wie es dir wohl geht?
Ob du dich verlassen meinst? Ob du gar Gott verneinst, Anstatt daß du dankbar Bist. Wüßte ich, daß du jetzt so weinst Wie einst, da ich krank war, Kippte ich die Maschine kurz Steil ab auf Sturz.
Oder sollte einem Engelein Solch ein Kegelpurz Verboten sein??
Versöhnung
Es ließe sich alles versöhnen, Wenn keine Rechenkunst es will. In einer schönen, Ganz neuen und scheuen Stunde spricht ein Bereuen So mutig still.
Es kann ein ergreifend Gedicht Werden, das kurze Leben, Wenn ein Vergeben Aus Frömmigkeit schlicht Sein Innerstes spricht.
Zwei Liebende auseinandergerissen: Gut wollen und einfach sein! Wenn beide das wissen, Kann ihr Dach wieder sein Dach sein Und sein Kissen ihr Kissen.
Fallschirmsprung meiner Begleiterin
Wie sie den Fallschirm mir zeigt und erklärt, Kann ich nur halb zuhörn und zusehen. Ich muß daran denken, wie ganz verkehrt Oft Frauen mit ihren Schirmen umgehen. Ich bin doch sonst kein solch Angstpeter. Aber nun – – Und nun sind wir so weit, Vielmehr so hoch. Etwa zweitausend Meter! Wir erheben uns. »Alles bereit?« Ich öffne die Türe. »Gott soll Sie erhalten Und Ihren seidenen Schirm entfalten. Ich schösse mich tot, wenn ich jemals erführe – –«
Mir graust. Das Frauenzimmer ist abgesaust. Ich blicke ihr nach. Einmal überschlägt sie Sich, wird ein Punkt, dann ein Pünktchen, und, ach, Plötzlich ein sonnig blitzendes Dach, Und ich weiß: das Dach trägt sie.
Ich schließe die Türe und reiße die Watte Aus meinen Ohren. Ich fühle mich frei Und sicher. Und ärgre mich doch dabei, Weil sie mehr Schneid als ich hatte.
Ein Freund erzählt mir
»Ich sah auf der Wiese –– Oskar ist Zeuge – Eine Dame sich aus der Kniebeuge Langsam erheben Und vor ihr etwas wie Segeltuch schweben. Eine tausendköpfige Menge gafft Nach dieser Lady in Hosen aus Loden. Dann, langsam, bläht sich das Segel und strafft Seine Taue. Die ziehen die Dame vom Boden. Und hoch in die Wolken. Grotesk anzuschauen. Das Weib schwebt unter dem Schirm an den Tauen. Dann schließt sich der Schirm, aber trägt dennoch sie Höher und höher, man weiß gar nicht, wie. Dann zeigt sich ein Flugzeug. Die Tür der Kabine Steht offen, und aus der Öffnung sieht Ein Mann mit einer Ringelnatzmiene. (Es gibt doch wahrhaftig nicht viel solcher Nasen!) Und wieder plötzlich – nein, alles geschieht Ganz langsam –– also unplötzlich neigt Der Schirm sich nach unten. Die Dame steigt Fußoberst weiter. Und solchermaßen, Im Bogen, schweben der Schirm und die Dame Ins Flugzeug hinein. Und sie oder du, Einer von euch schlägt die Türe zu.« Film. Rückwärts gedrehte Zeitlupenaufnahme.
Bär aus dem Käfig entkommen
Was ist nun jetzt? Wo sind auf einmal die Stangen, An denen die wünschende Nase sich wetzt? Was soll er nun anfangen?
Er schnuppert neugierig und scheu. Wie ist das alles vor ihm so weit Und so wunderschön neu! Aber wie schrecklich die Menschheit schreit!
Und er nähert sich geduckt Einem fremden Gegenstande. – Plötzlich wälzt er sich im Sande, Weil ihn etwas juckt.
Kippt ein Tisch. Genau wie Baum. Aber eine Peitsche knallt. Und der Bär flieht seitwärts, macht dann halt. Und der Raum um ihn ist schlimmer Traum.
Läßt der Bär sich locken. Doch er brüllt. Läßt sich treiben, läßt sich fangen. Angsterfüllt und haßerfüllt Wünscht er sich nach seines Käfigs Stangen.
Helfen
Es betteln Armut und Betrug. Es betteln die Faulen und Schwachen. Wer viel gegeben, gab nie genug. Ehrliches Lachen darf lachen.
Wir reden gern uns die Schuld vom Hals Und arbeiten ungern für Faule. Es packt uns Reue erledigtenfalls Oder Gruseln bei offenem Maule.
Und ganz erschüttert hörn wir und schreiben Von Armen, die unerreichbar bleiben.
Wie leicht klingt das, wenn jemand spricht: »Hart! Aber das Schwache muß sterben!« Doch dürfen auch manche Leute nicht Am ewigen Helfen verderben.
Frühling
Die Bäume im Ofen lodern. Die Vögel locken am Grill. Die Sonnenschirme vermodern. Im übrigen ist es still.
Es stecken die Spargel aus Dosen Die zarten Köpfchen hervor. Bunt ranken sich künstliche Rosen In Faschingsgirlanden empor.
Ein Etwas, wie Glockenklingen, Den Oberkellner bewegt, Mir tausend Eier zu bringen, Von Osterstören gelegt.
Ein süßer Duft von Havanna Verweht in ringelnder Spur. Ich fühle an meiner Susanna Erwachende neue Natur.
Es lohnt sich manchmal, zu lieben, Was kommt, nicht ist oder war. Ein Frühlingsgedicht, geschrieben Im kältesten Februar.
Flugzeug am Winterhimmel Ich fliege im Flockengewimmel. Ach, guter Himmel, laß das doch sein! Ich Flugriese bin nur klein Vögelein Gegen dich, schüttender Himmel.
Sag Schneegestöber, ich bäte es sehr, Ein wenig nachzulassen. Denn meine Flügel tragen schon schwer An sechs ganz dicken Insassen.
Die spielen Karten in meinem Leib Und trinken, weil sie so frieren. Und wollen nach Zoppot, um Zeitvertreib Und Örtliches zu studieren.
Und käme ich dort nicht pünktlich hin, Die würden es niemals verzeihen. Lieber Himmel, wenn ich gelandet bin, Dann darfst du gern wieder schneien.
Der Sänger
Vor dem Debut soupierend saß, Bei einer Frau, der Sänger. Sie staunte über seinen Fraß Und wurde immer länger.
Der Sänger auf die Bühne trat, Schlicht, ohne sich zu rühmen. Ein Hauch von Bier und Fleischsalat Verlor sich in Parfümen.
Der Sänger sang das hohe C. Der Beifall wuchs und tobte. Die Dame in der Loge B Stand auf und garderobte.
Der Sänger stürzte aus dem Haus In den verschneiten Garten. Die Dame folgte, einen Strauß Auspackend, voll Erwarten.
Der Sänger lüpfte seinen Frack Und duckte sich im Garten. Es klang wie »Schlacht am Skagerrak«. Die Dame mußte warten.
Vom langen Stehn im nassen Schnee Holt man sich Rheumatismus. – Der Sänger mit dem hohen C Kennt seinen Mechanismus.
Gedanken an Wedekind (März 1928)
Wedekind war immer interessant, Ein Stoßhorn in die häßlich mittlere Welt.
Wahrscheinlich hat er mich nie gekannt. Ich bin ihm wohl zehnmal vorgestellt. Das letzte Mal hatten wir eine absurde, Mir unvergeßliche Stunde mitnand, Als ich zum Kriege gerufen wurde Nach dem Nordseestrand.
Und als ich zurückkehrte, War der Verehrte Verstorben.
Mehr bekämpft als umworben, Hat er doch trotzig gesiegt. Ehrliche und unehrliche Feinde Haben doch ihn nicht kleingekriegt.
In seiner treuen Gemeinde Will ich mitgenannt sein.
Ich senke jetzt meine Nase Zu einem stillen Glase Wein.
Apropos: Wein gibt sich anders als Bier. Und wo Ist in München die Wedekindstraße?
Freunde, die wir nie erlebten
Ihr, die nie ich sah, Nimmer menschlich sehe, Seid mir nun so nah, Wenn ich einsam gehe.
Was ich weiß, nicht wußte Über euch, hab ich's versäumt? Ich's verfehlt? – Oder mußte Fern vergehn, was ich erträumt? –
Schenkte Gott die Kunst, das Wort Ferner, Toter nachzulesen.
Ach wie heiß mich das beschlich: Dann und dann und da und dort Ist ein Herz wie meins gewesen, Still für sich.
Tröstliches Gefühl: Es dächte Später wer so über mich. – Keine aller Erdenmächte, Wär sie noch so übermütig, Kann uns trennen, Die wir Gleiche sind zu nennen.
Denn wir waren nie gesellt, Weil der Gott uns weise, gütig Fern vonander aufgestellt, Wissend um die Welt.
An der alten Elster
Wenn die Pappeln an dem Uferhange Schrecklich sich im Sturme bogen, Hu, wie war mir kleinem Kinde bange! – Drohend gelb ist unten Fluß gezogen.
Jenseits, an der Pferdeschwemme, Zog einmal ein Mann mit einer Stange Eine Leiche an das Land. Meine Butterbemme Biß ein Hund mir aus der Hand. – O wie war mir bange, Als der große Hund plötzlich neben mir stand!
Längs des steilen Abhangs waren Büsche, Höhlen, Übergangsgefahren. –
Dumme abenteuerliche Spiele ließen Mich nach niemand anvertrauten Träumen Allzuoft und allzulange Schulzeit, Gunst und Förderndes versäumen. – Hulewind beugte die Pappelriesen. O wie war mir bange!
Pappeln, Hang und Fluß, wo dieses Kind So viel heimlichstes Erleben hatte, Sind nicht mehr. Mir spiegelt dort der glatte Asphalt Wolken, wie sie heute sind.
Fliegerleute (1928)
Vielleicht wird sich das später ändern. Auch ist es vielleicht in verschiedenen Ländern Anders. Doch wie das in Deutschland heute Liegt, muß ich sagen: Die Fliegerleute, Piloten, Bordmonteure, Flugleiter, Bezirksleiter, Funker und so weiter, Auch die im Büro und der luftige Boy Sind goldige Kerls. – Ihnen Gutes! Ahoi!
Nur ehrliche Leistung bringt nach der Ferne Durch Wetter und Wogen ein Schiff. Doch bei der Luftfahrt kommt die moderne Weltmännische Bildung hinzu und der Schliff.
Humorvoll und kühn, sich beherrschend, bescheiden –. Heraus ohne Schmeichelei: Ich mag diese Kerls leiden.
Ihre Welt ist noch frei. So, wie sie sind, und dort, wo sie sind, Wehn alle Flaggen und ein guter Wind. Wie wohl das heute tut. Prost Fliegerleute, ich denke an euch! Ändert euch nicht. Ich schwenke vor euch Meinen Hut.
Dreiste Blicke
Über die Knie Unter ein Röckchen zu schaun – – Wenn sie doch das und die Haben, die schönen Fraun!
Über einen öffnenden Saum In Täler zwischen Brüstchen Darf Blick wie stiller Traum Stürzen sein Lüstchen.
Sollen doch Frauen auch So blicken, – nicht schielen – Wenn Arm, Popo und Bauch In Fältchen spielen.
Nimm, was der Blick dir gibt, Sei es, was es sei. Bevor sich das selber liebt, Ist's schon vorbei.
Streit
Mächtig ist die Ehrlichkeit. Glückt es listigen Gewalten, Sie im Gradweg aufzuhalten, Immer nur für kurze Zeit.
Doch die kurze Zeit kann lang sein, Länger als ein Flügelheben, Länger als ein wartend Leben, Und das Ehrliche kann bang sein.
Die um Falsch und Ehrlich deuten, Ältere mit jüngren Leuten, Irreleitend, irrgeleitet, Wie's um Falsch und Ehrlich streitet – –, All die Zeit, die sie vergeuden, Könnte die mit Lustspielfreuden Besser ausgenossen sein? Ich sag: Nein!
Wenn ich doch so ehrlich wäre Wie ein neugebornes Kind, Und mich trüge dann ein Wind – Freiballons – ins Ungefähre.
Schlag mich einer flach und breit: Mächtig ist die Ehrlichkeit.
Wie machen wir uns gegenseitig das Leben leichter?
Wir haben zu großen Respekt vor dem, Was menschlich über uns himmelt. Wir sind zu feig oder sind zu bequem, Zu schauen, was unter uns wimmelt.
Wir trauen zu wenig dem Nebenuns. Wir träumen zu wenig im Wachen. Und könnten so leicht das Leben uns Einander leichter machen.
Wir dürften viel egoistischer sein Aus tierisch frommem Gemüte. – In dem pompösesten Leichenstein Liegt soviel dauernde Güte.
Ich habe nicht die geringste Lust, Dies Thema weiter zu breiten. Wir tragen alle in unsrer Brust Lösung und Schwierigkeiten.
An Alfred Schloßhauer
Lieber Alfred Schloßhauer, Du wußtest nie, was in mir um Dich warb. Ich sah Dich einst in tiefster stiller Trauer Um einen Freund, der Dir entstarb.
Was rauh und stacheldrähtig uns verband, Verlegner Witz und scheuer Stichelscherz, Ich sah Lücken darin, doch hinter Lücken Herz. Und hinterm Herzen weites offnes Land.
Weil Du mir so im Innersten gefällst, Bitte ich Dich – doch prüfe dieses kühl –: Bewahre mir ein Stück von dem Gefühl, Was jenem Freund Du schenktest und behältst.
Kindergebetchen
Erstes Lieber Gott, ich liege Im Bett. Ich weiß, ich wiege Seit gestern fünfunddreißig Pfund. Halte Pa und Ma gesund. Ich bin ein armes Zwiebelchen, Nimm mir das nicht übelchen. Zweites Lieber Gott, recht gute Nacht. Ich hab noch schnell Pipi gemacht, Damit ich von dir träume. Ich stelle mir den Himmel vor Wie hinterm Brandenburger Tor Die Lindenbäume. Nimm meine Worte freundlich hin, Weil ich schon sehr erwachsen bin. Drittes Lieber Gott mit Christussohn, Ach schenk mir doch ein Grammophon. Ich bin ein ungezognes Kind, Weil meine Eltern Säufer sind. Verzeih mir, daß ich gähne. Beschütze mich in aller Not, Mach meine Eltern noch nicht tot Und schenk der Oma Zähne.
An ein startendes Flugzeug
Da stehst du in nächster Nähe Vor mir, stumm, starr, dumm und grau. Torkle davon, du listige Krähe, Töff töff und surr und dann auf in das Blau.
Weiß ich doch, daß du ganz genau weißt, Was du zu tun hast, damit du fliegst.
Wenn du so leicht in den Lüften kreist, Ein wenig wippst und ein wenig dich wiegst, Fehlt nur noch, daß du trillerst und singst Wie ein Vogel im erdfernen Glück. Ach dann scheint uns: Am liebsten gingst Du gar nicht wieder zum Boden zurück.
Um Gottes willen, du Loser, entrinn nicht Der Erde, die doch menschlich dich schuf. Überstürz dich auch nicht und besinn dich Auf unser Vertraun und auf deinen Beruf.
Stalltüren
Zwei dicke Elefanten Wollten inkognito Heimwandern. Doch alle Passanten Erkannten die Elefanten Als Flüchtlinge aus dem Zoo.
Und wenn sich auch niemand getraute, Sie anzufassen, ward ihnen doch klar, Daß man ihre Absicht durchschaute Und daß nun bald was im Gange war.
Verfolgt von einem großen Heer Von Schauvolk und Soldaten Und Autos, Mob und Feuerwehr Schwenkten sie links und betraten Zwei Eingänge einer Bedürfnisanstalt – Für Herren und für Damen – Und äpfelten. – Schutzleute kamen Und haben sie niedergeknallt.
Dickhäuter
Ein Elefant von vorn sieht fast So aus wie ein Nilpferd von rückwärts. Sie tragen beide schwere Last, Manchmal pechwärts und manchmal glückwärts.
Sie tragen unter zementiger Haut Viel Weiches und viel Zartes. Wer richtig in ihren Rachen schaut, Gewahrt es.
Sie lassen von Leuten, die außen weich, Innen hart sind, sich erschießen. Ich glaube: Ihr kommt ins Himmelreich, Ihr Riesen!
Der Flieger, der die Erde umkreist, Kriegt Ähnliches in Sicht. Wie die Fliege, die euch belästigt, nicht beißt, Beißen kann sie euch nicht.
Museumsschweigen
Wie's Gedanken gibt, Die durch Stein und Welten gehn, Kann's geschehn, Daß die Fliege den Ichthyosaurus liebt.
Still ist's im Museumssaal.
»Lieber Freund, ich liege Fest in Bernstein«, sagt die Fliege, »Bernstein ist ein Mineral. Und ich liebe dich, du Riesenexemplar, Und ich möchte deinetwegen Nur noch einmal Eier legen.«
»Bernstein? Kann gern sein«, Sagt das Ichthyosau, »Aber ich bin auch eine Frau, Eine sehr entschlossene sogar. Weil ich noch in dem Momente, Als gewisse Elemente Mich erstickten, noch ein Kind halb gebar.«
»Eier oder lebendig – –«, Sagt die Fliege, »Wir wohnen Beide auf der Welt seit Millionen Jahren. – Wissen Sie die Zahl noch auswendig?«
»Nicht so ganz genau«, Sagt Frau Ichthyosau, »Aber wollen wir doch nicht sentimental Flöten oder winseln. Nein, versuchen wir jetzt wieder einmal, Ganz verliebt einander anzublinzeln.«
Da betrat den Museumssaal Der pensionsberechtigte Museumswärter. Und da blinzelten die beiden nicht. Denn solch Wärter Tut eben seine Pflicht Und schürft nicht tiefer. Denn Beamtenpflicht ist härter Als Bernstein und Schiefer.
Madonnengesichter
Schwer zu ertragen Ist Dummheit, wenn sie verschlagen Ist oder sich überhebt. Aber im Grunde der Dummheit lebt Das wehrlos Naive.
Der Dummheit schöne Tiefe Ist kein Loch. Hat sie doch Keinen richtigen Rand Wie etwa Löcher in Strumpf, Flöte, Sand.
Huren, sich einsam zur Weihnacht berauschend; Wassermädchen, den Gästen lauschend; Mägde, die wartend vorm Haus stehn, Können ergreifend schön aussehn.
Je mehr Verzicht Aus der Dummheit spricht, Desto tiefer neigt Desto höher steigt Sie. – Warum zagte der Dichter Vor dem Titel »Madonnengesichter«?
Klein-Dummdeifi
Klein-Dummdeifi ging vorüber, Witzig wie ein Nasenstüber. Doch ihr schnippisches Geschau Spielte Hochmut und verneinte, Ungefragt, was ich nicht meinte, Sah in mir nur »Kerl zur Frau«.
Daß ich beinah um sie weinte, Ahnt sie nicht. Ihr eignes, scheues Proletarisch, tierisch treues Abwehr-Notgesicht Kennt sie nicht.
Hab mit ihr nicht angebandelt, Liebte, schwieg und ging.
Klein-Dummdeifi, junges Ding! Du und ich! – Die Zeit verwandelt.
Ob auch mir jemals jemand begegnete, Der mich dumm fand und doch segnete? –
Zimmermädchen
Die Zimmermädchen der Hotels, Die meine Betten schlagen und dann glätten, Ach wenn sie doch ein wenig Ahnung hätten Vom Unterschiede zwischen Polster und Fels.
Ach wüßtet ihr, wie süß ihr für mich ausseht Im Arbeitskleid, ihr Engel der Hotels!
Wenn wirklich eine heimlich mit mir ausgeht, Dann trägt sie Seide und trägt sogar Pelz, Sei's auch nur Wunderwandlung Hasenfells.
Dann im Café krümmt ihr beim Tasseheben Den kleinen, roten Finger nach Manier.
Und du merkst nicht, wie gern ich doch mit dir Oft eine Stunde möchte unmanierlich leben. Und würde dann – nebst Geld – als Souvenir Ein schließend, stilles, zartes Streicheln geben.
Und würdet ihr dies Streicheln doch nicht spüren. Denn ihr bedient nur Nummern an den Türen.
Und wenn sie schlichte Ehre eng verschließen, Dann dienen sie, da andere genießen.
Hab ich euch tausendmal in Korridoren Heiß zugesehn und heiser angesehn, Was ich erträumte, war voraus verloren. Denn meine Liebe könnt ihr nicht verstehn.
Fernflug
Viel Höflichkeit wird uns am Start geboten. Die Flugfahrthelfer und Piloten Sind wohlerzogen, pflichtbewußt Und jung. Auch die, die alt an Jahren Sind zeitvoran, doch welterfahren.
Da schwellt sich auf dem Festplatz unsre Brust, Denn Festplatz darf ich diesen Flugplatz nennen, Mit seinen Masten, Flaggen und Antennen. Gezähmte Riesenvögel gibt's zu sehn. Dort landen sie in Kurven, sanft gelenkt, Torkeln ein wenig, zwei, drei Schritte, Daß man an Regenschirm und Raben denkt, Und stehn. »Aussteigen bitte!«
Und wie nun wir in ihrem Bauch bequem In weiche Polsterstühle niedersinken, Empfinden wir den Fortschritt angenehm, Lächeln durchs Fenster Menschen zu, die winken. Und fahren plötzlich über grüne Wiesen Im Auto hin. Auto? O nein, wir schweben Bereits. Ach, daß wir das erleben, Erlernen durften und genießen! Wir sind vom Erdball fort, schau'n auf ein Teppichmuster Aus Wäldern, Feldern, Spielzeugkram gewebt, Werden der Himmelsnähe jäh bewußter. Wie klein sich doch da unten alles lebt.
Dort geht ein Dienstmädchen von Stadt zu Stadt. Wie ich den weiten Schlängweg überseh, Den sie zurückzulegen hat, Weiß ich, der tun nachher die Beine weh.
Und wie wir höher streben, werden Die Dinge unten winziger, schon sind Wagen nur noch Insekten, ist ein Kind Nurmehr ein Punkt, und große Rinderherden Sehn aus wie Kommas, kreuz und quer gestellt. Die Schifflein stehen still im Fluß, sind Würmlein. Ein Dorf ist Häufchen Häuschen, um ein Türmlein, Und das war unsre sorgenvolle Welt.
»Ei, ei, Herr Nachbar, warum plötzlich So blaß – Seekrank? Nein? Drückt Ihr Kissen Oder vielleicht Ihr ängstliches Gewissen? Der Blick zur Tiefe ist doch höchst ergötzlich!« Jetzt: unter uns entrollen sich Balladen. Da ziehen dichtgeballte Nebelschwaden, Wolkenkolosse hin, bedrückt und stumm Und grell von höherer Gewalt besonnt. Und Land und Luft verschwimmt am Horizont In einer Landschaft aus dem Arktikum.
Und da wir nun noch höher uns erheben Und auf die dunkle, starre Erde schauen, Wo sich kein Mensch mehr zeigt, kein Tier, kein Leben, Als hätte eine Sündflut – O mit Grauen Stell ich mir vor, wir säßen jetzt zu zwein In einer Arche Noah ganz allein.
»Nachbar, ich höre Ihren Pulsschlag pochen. Sie schielen ängstlich nach den schlanken Knochen, Die unsres Vogels Flügel stützen Und, wie Sie meinen, unser Leben schützen. Es stirbt sich sowieso und überall, Und jedes Ding veranlaßt Unglücksfall.
Vergessen Sie nicht töricht über diesen Gedanken, schönste Freiheit zu genießen. Was Tage einst, das schaffen heute Stunden. Noch kurze Zeit, dann werden wir's erfinden, Den Nebel und den Schnee zu überwinden. Das Flugzeug selber ist erfunden, Und wird so wie die Eisenbahn bestehn. Wie die zu jenem sich verhält, Gilt's nicht, daß eins von beiden siege. Es reise jeder, wie es ihm gefällt. Ich – läßt es irgendwie sich drehn – Ich fliege!«
Stammtisch Individueller
Wir sitzen gediegen und ausgewählt Beisammen und spielen gemütlich. Wenn einer ernst, lustig, vom Norden erzählt, Lacht jeder etwas. Und denkt südlich.
Zwei Kellner trotteln durch das Wirtshaus. Zwischen ihnen steht ein Spiegel. Sie popeln beide auf Teufelkommraus, Ein – scheinbar zwei – Schweinigel.
Was wissen die von Brücken, die Sich selbst für Inseln halten? Und welche Inseln meinen, sie Könnten sich selbst verwalten?
Wir wandern alle mit der Zeit Nach dem spitzen Ende der Tüte. Höflichkeit und Liebenswürdigkeit Sind noch längst keine Güte.
Aus der Vogelkunde
Ich spreche von Flugmaschinen. Sie summen lauter als Bienen Und sind eine Kreuzung von Taube, Ente, Maikäfer und Schiffsschraube.
Sie nisten einzeln, paar- und gruppen- Weise in Hallen und Schuppen.
Ich habe persönlich festgestellt: Sie bringen lebendige Junge zur Welt, Die wie Menschen aussehn, Wenn sie aus ihnen herausgehn.
Auch legen sie Eier und brüten Im Krieg. Zeus möge das künftig verhüten.
Ihre Nahrung sind Menschen, Koffer, Benzin Und Zeitungen aus Berlin.
Sie sind über die ganze Welt Verbreitet und sehr zahm auch in Freiheit. Außerdem sind sie der Polizeiheit Und der Zollbehördlichkeit unterstellt. Volkstümlich nennt man sie schlechthin Maschinen.
Ich könnte Ihnen mit Näherem dienen, Aber ich verlange dafür Eine Flugzeugengebühr.
Raketenwagen auf der Avus (23. Mai 1928)
Begeistert und beängstigt sahn Tausende Menschen dem zu: Es raste über die Avusbahn Der Raketenwagen. Huh!!
Er donnerte, feuerte, fuhr und ließ Einen Rauch hinter sich, der auch stank. Der schneidige Lenker des Wagens hieß Fritz von Opel. Ihm Dank!
Er fuhr wie ein Teufel und sicher vorbei, Endete, niemand sah, wo. Es war eine anständige Teufelei. Bravo!
Rakete ins Erdfern
Rakete ins Erdfern, zielfremder Schuß – –?? Ja, wenn es sein darf oder sein muß. Doch der Eitle oder der Übermütige Zähle sonst nicht aufs Allgütige.
Schön ist das Wollen, Wenn Ehrlichkeiten die Mittel ihm gaben. Aber die Ausführer sollen Die ehren, die es ausgerechnet haben.
Und die als Erste ein Ziel erreichen, Weil sie persönlich den Schuß unternommen, Mögen vor allem sich gleich vergleichen Zudritt mit Kühnen, Zuzweit mit Weisen, Zuerst mit Frommen.
Giraffen im Zoo Wenn sich die Giraffen recken, Hochlaub sucht die spitze Zunge, Das ihnen so schmeckt, wie junge Frühkartoffeln mit Butter mir schmecken.
Hohe Hälse. Ihre Flecken Sehen aus wie schön gerostet. Ihre langsame und weiche Rührend warme Schnauze kostet Von dem Heu, das ich nun reiche.
Lauscht ihr Ohr nach allen Seiten, Sucht nach wild vertrauten Tönen.
Da sie von uns weiter schreiten, Träumt in ihren stillen, schönen Augen etwas, was erschüttert,
Hoheit. So, als ob sie wüßten, Daß nicht Menschen, sondern daß ein Schicksal sie jetzt anders füttert.
Müder Juniabend Blühende Kastanienzweige Strecken ihre Tatzen vor. Wenn ich jetzt das rechte Ohr, Weil es taub ist, rückwärts neige, Höre ich einen Spatzenchor.
Weil mich dessen Plärr so kalt Läßt, und angeregt von Tatzen, Suche ich jetzt mit Gewalt Einen Pickel aufzukratzen, Der im Grund zwar noch nicht reif ist, Doch mich hinten an der Scharte, Wo beim Affen noch der Schweif ist, Schikaniert. Da plötzlich zischt Schnupfen in die Speisekarte.
Rasches Taschentuch verwischt Rotz und Preise der Gemüse Und Salate. Und ich grüße Eine Dame, die vorbeigeht Und mich kennt, mir auch gefällt. Wobei leise was entzweigeht, Was den Hosenträger hält.
Freiballonfahrt mit Autoverfolgung
Auf Augsburgs sonntagsbunten Flugplatz lacht Die Sonne. Doch vergeblich brütet Sie auf gigantische Dickhäuteriche, Die von Miliz und Polizei bewacht Und liebevoll von Feuerwehr behütet, Dick aufgeblasen überm Boden schweben, Von Photographen, Pressevolk umgeben.
Doch nicht nur diese wichtigen Leuteriche, Sondern vor allem: viele Autos warten Darauf, daß jene gasgefüllten Tiere – Ihrer sind viere – pünktlich drei Uhr starten.
Denn es sind Ehrenpreise ausgesetzt Für alle Wagenführer, die Als Erste die Ballons, wenn sie Gelandet sind, erwischen.
Jetzt Erhebt ein Wind sich. Unsre Riesen zerren An ihren Fesseln wild. Wir, ihre Herren, Klettern in ihre Körbe. – Es schlägt drei. – Gewichte lösen sich. Man läßt uns frei.
Die Menge winkt. Wir steigen munter. Als Blick nicht ausreicht mehr noch Winkehand, Schwing ich mich auf der Gondel Rand Und schleudre meinen Hut hinunter, Der Frau zum Gruß, dem Publikum Zum dankbar lauten Gaudium.
Mich kümmerts anfangs nicht, wohin Die Luft uns führt. Im Korbe bin Ich nur geladener Passagier. Doch Dr. Weltz, der Führer, neben mir Und Unparteiischer E. Scheuermann, Zwei altbewährte Meisterflieger sehn Sich kundig um und zeigen lächelnd dann Mir in der Tiefe winzige Chausseen, Auf denen unserer Verfolger Wagen Bald lauernd halten, bald wild weiterjagen.
Wir müssen vor zwei Stunden niedergehn, Doch dürfen erst nach einer Stunde landen. Acht Säcke Ballast sind vorhanden, Meßapparate, hundert Meter Tau. Die beiden Sachverständigen zeigen, Erklären alles mir genau.
Und unterdessen steigen wir und steigen. Eintausend Meter, zweitausend vierhundert, Fünfhundert – –. Herrlich! Uns umwundert Die Adlerwelt der Überlegenheit.
Herr Scheuermann notiert Ort, Stand und Zeit.
»Schaut! Jener Wald«, sagt unser Führer, »wär Der rechte Platz, sich zu verstecken. Doch leider schiebt die Strömung uns konträr. Wir müssen tiefer!« – Als ich voller Schrecken Auf ein Gewitter überm Wald weise Sagt Weltz: »Das stört nicht unsre Reise.« Und hängt sich wuchtig an das Gasventil.
Wir sinken rasch, wie wir an Buntpapieren, Die wir auswerfen, deutlich konstatieren. Die Strömung ändert sich; der Wald wird Ziel.
Der Himmel hat sich drohend überzogen. Von den Ballons, die mit uns aufgeflogen, Ist nurmehr einer fern zu sehn. Und wir mit Gas und Spannung angefüllt Sind plötzlich ganz in Nebel eingehüllt. Drei Männer, die lautlos im Schweigen stehn. O zauberhaftes Indenwolkenschweben! So wie die Märchenengel für die Kinder leben.
Wir lauschen, warten, fallen, – – »Da!« Da schimmert etwas unter uns und nah, Wird klar und klarer – – Grüne Waldesmassen. »Dort in die Tannen!« – Gas entlassen, Eh der Gewitterwind uns faßt und treibt! Die Gondel schlägt in Tannenwipfel, bleibt Dort hängen wie ein Riesenvogelnest. Sechs Hände krallen im Gezweig sich fest. Ich muß die Wipfel um Verzeihung bitten. Sie haben sicherlich dabei gelitten.
So schweben wir in höchsten Nadelzweigen Schaun auf die Uhr und lauschen, lauschen, schweigen. Schon fünf Minuten sind verronnen. Fünf weitre unentdeckt, dann ist's gewonnen. Doch: Töff töff töff – – Dann: Eine Stimme schreit Von unten auf: »Hallo! Ergebt euch gütig!« Wir sind gefaßt. Ich rufe übermütig: »Bedaure sehr, wir sind noch nicht so weit!« Dabei versuchen wir, wie vorgenommen, Zu einem Weiterfluge freizukommen. Aus kleinen Säcken schütten wir in Hast Auf die Verfolger all unsren Ballast Und ziehn uns luvwärts gegen Sturm. – –
Zu spät! Gewitter und ein Wolkenbruch entlädt Sich. Blitz und Guß und Donner. – Toll! – Und Weltz und Scheuermann, gleich einsichtsvoll, Ergeben sich an die, die uns gefunden. Weltz reißt die Hülle auf. Wir sausen. – Für Sekunden Hakt unser Korb in Zweigen fest. Und dann – Zehn Meter überm Boden mag es sein – Plumpst er hinunter wie ein harter Stein.
»Seid ihr gesund?« – »Ja!« Ich, Weltz, Scheuermann.
Zwischen Lipp und Kelchesrand
Ein weibliches Rekördchen Hatte sich besoffen, Mußte mal aufs Örtchen. Als es wieder rauskam, War's schon übertroffen.
Über meinen gestrigen Traum
Wie kam ich gerade auf ein Gestirn? Du sagst: Ich stöhnte träumend ganz laut. Vielleicht steigt die Phantasie ins Hirn, Wenn der Magen verdaut.
Man sollte kurz vorm Schlafengehen Nichts essen. Auch war ich gestern bezecht. Doch warum träume ich immer nur schlecht, Nie gut. Das kann ich nicht verstehen.
Ob auf der Seite, ob auf dem Rücken Oder auch auf dem Bauch – – Immer nur Schlimmes. »Alpdrücken.« Aber Name ist Schall und Rauch. Meist von der Schule und vom Militär – – Als ob ich schuldbeladen wär – – Und wenn ich aufwache, schwitze ich Und manchmal kniee ich oder sitze ich, Du weißt ja, wie neulich! O, es ist greulich.
Warum man das überhaupt weitererzählt? Hat doch niemand Vergnügen daran, Weil man da frei heraus lügen kann. – Aber so ein Traum quält.
Gestern hab ich noch anders geträumt: Da waren etwa hundert Personen. Die haben die Dachwohnung ausgeräumt, Wo die Buchbinders wohnen.
Dann haben wir auf dem Dachsims getanzt. Dann hast du mich, sagst du, aufgeweckt, Und ich, sagst du, sagte noch träumend erschreckt: »Ich habe ein Sternschnüppchen gepflanzt.«
Ich weiß nur noch: ich war vom Dach Plötzlich fort und bei dir und war wach. Und du streicheltest mich wie ein Püppchen Und fragtest mich – ach, so rührend war das – Fragtest mich immer wieder: »Was Hast du gepflanzt!? Ein Sternschnüppchen?«
Flugpost-Liebesgabe
Radieschen schmeckt wie Regenwurm. Radieschen schmeckt auf hoher See, Auf Wache und im Regensturm Wie Wasser und wie Pralinee.
Noch welke Blättchen grün am Rot. Als sie das ausgegraben, Wird sie gelächelt haben: Radieschen auf einem Walfischboot! Fern auf dem Eismeer Radieschen!
Mein gutes Lieschen.
Als ich zuletzt – vor einem Jahr – Auf Urlaub mit der Liese Auf der Oktoberwiese In dem Aquarium war,
Da zeigte man ein Haifischei. Durchsichtig war es fast wie Glas, Und innen zappelte ein Hai, Der knapp zwei Zentimeter maß.
Radieschen ist kein Säugetier, Und Lieschen ist kein Harpunier. – Hallo! Hallo! He! Alle Mann an Deck! – »Was?« – – – – – »Wo?« Voraus! Zwei Strich an Steuerbord! Speck!
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