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A. Lieder
Des Dichters Abendgang
Ergehst du dich im Abendlicht - Das ist die Zeit der Dichterwonne -, So wende stets dein Angesicht Zum Glanze der gesunknen Sonne! In hoher Feier schwebt dein Geist, Du schauest in des Tempels Hallen, Wo alles Heil'ge sich erschleußt, Und himmlische Gebilde wallen.
Wann aber um das Heiligtum Die dunkeln Wolken niederrollen, Dann ist's vollbracht, du kehrest um, Beseligt von dem Wundervollen. In stiller Rührung wirst du gehn, Du trägst in dir des Liedes Segen; Das Lichte, das du dort gesehn, Umglänzt dich mild auf finstern Wegen.
An den Tod
Der du still im Abendlichte Wandelst durch der Erde Beet, Klare Blumen, goldne Früchte Sammelst, die dir Gott gesät: Schon', o Tod, was, sanft entzücket, An des Lebens Brust sich schmiegt, Sich zum süßen Liede wiegt Und zum Mutterauge blicket!
Laß der Erde ihre Söhne, Deren Kraft im Sturme fleugt, Daß ein freudiges Getöne Schnell aus toten Wäldern steigt! Lösche nicht den Geist des Weisen, Dessen heil'gen Sonnenglanz, Schön verwebt in sichrem Tanz, Jugendliche Mond' umkreisen.
Auf der Silberwolke fahre Still dahin zur Sternezeit, Wo ein Greis am Hausaltare Jedem Abend Tränen weiht; Sprich die Namen seiner Lieben, Führ ihn auf in ihren Kranz, Wo des Auges ew'gen Glanz Keiner Trennung Zähren trüben!
Und den Jüngling, dem die Liebe Heißes Sehnen aufgeweckt, Der in ungestilltem Triebe Offne Arme ausgestreckt, Dann zur Blumenflur der Sterne Aufgeschauet liebewarm: Faß ihn freundlich Arm in Arm, Trag ihn in die blaue Ferne!
Wo es bräutlich glänzt und hallet, Liebeatmend ihn umschließt, Was ihn geistig einst umwallet Und mit leisem Gruß gegrüßt; Wo es in der Seele maiet, Die, von neuem Leben jung, Ewiger Begeisterung, Ewigen Gesangs sich freuet.
Harfnerlied am Hochzeitmahle
Festlich ist der Freude Schall Durch dies hohe Haus geschwebet Und ein dumpfer Widerhall Aus der Gruft emporgebebet. In der schönen Jubelnacht Habt der Väter ihr gedacht, Manche hohe Tat besungen Aus der Vorzeit Dämmerungen.
Oft war dieses Saales Raum Schimmervoll bei frohen Festen, Wie mit jedem Lenz der Baum Prangt in frischen Blütenästen. Ach! die hier in Fröhlichkeit Treuer Liebe Bund geweiht, Drunten in der Schlummerhalle Ruhen sie beisammen alle.
Auf des Lebens Bahn dahin Fleugt der Mensch mit Sturmeseile, Dann in treuer Freunde Sinn Dauert er noch kurze Weile. Durch den Saal, in Erz und Stein, Stehn der Vorwelt lange Reihn, Können nicht das Auge heben, Nicht das Wort der Liebe geben.
Keine ewig helle Tat Hebt dich aus der Nacht der Grüfte; Niemand sah des Donners Pfad, Noch den Fittig sanfter Lüfte. Wie du auf zu Gott geblickt, Wie des Freundes Hand gedrückt, Wie der Liebe Kuß gegeben, Das entschwindet mit dem Leben.
Auch das Kind, das lächelnd sich In der Mutter Arm geschmieget, Und der Greis, der wonniglich Enkel auf dem Schoß gewieget, Und die Braut, mit Jugendlust Hängend an des Treuen Brust: Alle lebten schönes Leben, Alle soll das Lied erheben!
Der König auf dem Turme
Da liegen sie alle, die grauen Höhn, Die dunkeln Täler in milder Ruh; Der Schlummer waltet, die Lüfte wehn Keinen Laut der Klage mir zu.
Für alle hab ich gesorgt und gestrebt, Mit Sorgen trank ich den funkelnden Wein; Die Nacht ist gekommen, der Himmel belebt, Meine Seele will ich erfreun.
O du goldne Schrift durch den Sterneraum! Zu dir ja schau ich liebend empor. Ihr Wunderklänge, vernommen kaum, Wie besäuselt ihr sehnlich mein Ohr!
Mein Haar ist ergraut, mein Auge getrübt, Die Siegeswaffen hängen im Saal, Habe Recht gesprochen und Recht geübt, Wann darf ich rasten einmal?
O selige Rast, wie verlang ich dein! O herrliche Nacht, wie säumst du so lang, Da ich schaue der Sterne lichteren Schein Und höre volleren Klang!
Maiklage
Leuchtet schon die Frühlingssonne Über See und Aue hin? Hat zur Stätte stiller Wonne Sich gewölbt der Zweige Grün? Ach! die Gute, die ich meine, Schenkt mir keinen Maienstrahl, Wandelt nicht im Blütenhaine, Ruhet nicht im Quellental.
Ja! es waren schönre Zeiten, Als in buntbekränzten Reihn Hirten mit den süßen Bräuten Walleten zum Opferhain; Als die Jungfrau, Krüge tragend, Oft zum kühlen Brunnen trat, Und der Wandrer, sehnlich fragend, Sie um Trunk und Liebe bat.
Ach! das Toben roher Stürme Riß den goldnen Frühling fort. Schlösser stiegen auf und Türme, Traurig saß die Jungfrau dort; Lauschte nächtlichem Gesange, Sah hinab ins Schlachtgewühl, Sah es, wie im Waffendrange Ihr getreuer Streiter fiel.
Und ein Alter, dumpf und trübe, Lagerte sich auf die Welt, Das die schöne Jugendliebe Wie ein Traum befangen hält. Im Vorübereilen grüßen Sich mit Blicken, voll von Schmerz, Die sich fest und ewig schließen Möchten an das treue Herz.
Welkt, ihr Blumen und ihr Bäume, Höhnet nicht der Liebe Schmerz! Sterbet auch, ihr Jugendkeime! Schmachte hin, du volles Herz! In die öde Nacht der Grüfte Sinkt, ihr Jünglinge, hinab! Flieder wallen in die Lüfte, Rosen blühn um euer Grab.
Lied eines Armen
Ich bin so gar ein armer Mann Und gehe ganz allein. Ich möchte wohl nur einmal noch Recht frohen Mutes sein.
In meiner lieben Eltern Haus War ich ein frohes Kind, Der bittre Kummer ist mein Teil, Seit sie begraben sind.
Der Reichen Gärten seh ich blühn, Ich seh die goldne Saat: Mein ist der unfruchtbare Weg, Den Sorg und Mühe trat.
Doch weil' ich gern mit stillem Weh In froher Menschen Schwarm Und wünsche jedem guten Tag, So herzlich und so warm.
O reicher Gott! du ließest doch Nicht ganz mich freudenleer: Ein süßer Trost für alle Welt Ergießt sich himmelher.
Noch steigt in jedem Dörflein ja Dein heilig Haus empor; Die Orgel und der Chorgesang Ertönet jedem Ohr.
Noch leuchtet Sonne, Mond und Stern So liebevoll auch mir, Und wann die Abendglocke hallt, Da red ich, Herr, mit dir.
Einst öffnet jedem Guten sich Dein hoher Freudensaal, Dann komm auch ich im Feierkleid Und setze mich ans Mahl.
Gesang der Jünglinge
Heilig ist die Jugendzeit! Treten wir in Tempelhallen, Wo in düstrer Einsamkeit Dumpf die Tritte widerschallen! Edler Geist des Ernstes soll Sich in Jünglingsseelen senken, Jede still und andachtsvoll Ihrer heil'gen Kraft gedenken.
Gehn wir ins Gefild hervor, Das sich stolz dem Himmel zeiget, Der so feierlich empor Überm Erdenfrühling steiget! Eine Welt voll Fruchtbarkeit Wird aus dieser Blüte brechen. Heilig ist die Frühlingszeit, Soll an Jünglingsseelen sprechen!
Fasset die Pokale nur! Seht ihr nicht so purpurn blinken Blut der üppigen Natur? Laßt uns hohen Mutes trinken! Daß sich eine Feuerkraft Selig in der andern fühle. Heilig ist der Rebensaft, Ist des Jugendschwungs Gespiele!
Seht das holde Mädchen hier! Sie entfaltet sich im Spiele; Eine Welt erblüht in ihr Zarter, himmlischer Gefühle. Sie gedeiht im Sonnenschein, Unsre Kraft in Sturm und Regen. Heilig soll das Mädchen sein, Denn wir reifen uns entgegen!
Darum geht in Tempel ein, Edeln Ernst in euch zu saugen; Stärkt an Frühling euch und Wein, Sonnet euch an schönen Augen! Jugend, Frühling, Festpokal, Mädchen in der holden Blüte, Heilig sei'n sie allzumal Unsrem ernsteren Gemüte!
Auf ein Kind
Aus der Bedrängnis, die mich wild umkettet, Hab ich zu dir mich, süßes Kind! gerettet, Damit ich Herz und Augen weide An deiner Engelfreude, An dieser Unschuld, dieser Morgenhelle, An dieser ungetrübten Gottesquelle.
Die Kapelle
Droben stehet die Kapelle, Schauet still ins Tal hinab, Drunten singt bei Wies und Quelle Froh und hell der Hirtenknab.
Traurig tönt das Glöcklein nieder, Schauerlich der Leichenchor; Stille sind die frohen Lieder, Und der Knabe lauscht empor.
Droben bringt man sie zu Grabe, Die sich freuten in dem Tal. Hirtenknabe, Hirtenknabe! Dir auch singt man dort einmal.
Die sanften Tage
Ich bin so hold den sanften Tagen, Wann in der ersten Frühlingszeit Der Himmel, blaulich aufgeschlagen, Zur Erde Glanz und Wärme streut; Die Täler noch von Eise grauen, Der Hügel schon sich sonnig hebt, Die Mädchen sich ins Freie trauen, Der Kinder Spiel sich neu belebt.
Dann steh ich auf dem Berge droben Und seh es alles, still erfreut, Die Brust von leisem Drang gehoben, Der noch zum Wunsche nicht gedeiht. Ich bin ein Kind und mit dem Spiele Der heiteren Natur vergnügt, In ihre ruhigen Gefühle Ist ganz die Seele eingewiegt.
Ich bin so hold den sanften Tagen, Wann ihrer mild besonnten Flur Gerührte Greise Abschied sagen; Dann ist die Feier der Natur. Sie prangt nicht mehr mit Blüt' und Fülle, All ihre regen Kräfte ruhn, Sie sammelt sich in süße Stille, In ihre Tiefen schaut sie nun.
Die Seele, jüngst so hoch getragen, Sie senket ihren stolzen Flug, Sie lernt ein friedliches Entsagen, Erinnerung ist ihr genug. Da ist mir wohl im sanften Schweigen, Das die Natur der Seele gab; Es ist mir so, als dürft ich steigen Hinunter in mein stilles Grab.
Im Herbste
Seid gegrüßt mit Frühlingswonne, Blauer Himmel, goldne Sonne! Drüben auch aus Gartenhallen Hör ich frohe Saiten schallen.
Ahnest du, o Seele, wieder Sanfte, süße Frühlingslieder? Sieh umher die falben Bäume! Ach! es waren holde Träume.
Wunder
Sie war ein Kind vor wenig Tagen, Sie ist es nicht mehr, wahrlich nein! Bald ist die Blume aufgeschlagen, Bald hüllt sie halb sich wieder ein. Wen kann ich um das Wunder fragen? Wie? oder täuscht mich holder Schein?
Sie spricht so ganz mit Kindersinne, So fromm ist ihrer Augen Spiel; Doch großer Dinge werd ich inne, Ich schau in Tiefen ohne Ziel. Ja! Wunder sind's der süßen Minne, Die Minne hat der Wunder viel.
Mein Gesang
Ob ich die Freude nie empfunden? Ob stets mein Lied so traurig klang? O nein! ich lebte frohe Stunden, Da war mein Leben Lustgesang. Die milde Gegenwart der Süßen Verklärte mir das Blumenjahr; Was Morgenträume mir verhießen, Das machte stets der Abend wahr.
O könnten meiner Wonne zeugen Des Himmels und der Bäche Blau, Die Haine mit den Blütenzweigen, Der Garten und die lichte Au! Die haben alles einst gesehen Und haben alles einst gehört. Doch ach! sie müssen traurig stehen, Auch ihre Zier ist nun zerstört.
Du aber zeuge, meine Traute, Du Ferne mir, du Nahe doch! Du denkst der kindlich frohen Laute, Du denkst der sel'gen Blicke noch. Wir hatten uns so ganz empfunden, Wir suchten nicht das enge Wort; Uns floß der rasche Strom der Stunden In freien Melodien fort.
Du schiedest hin, die Welt ward öde, Ich stieg hinab in meine Brust; Der Lieder sanfte Klagerede Ist all mein Trost und meine Lust. Was bleibt mir, als in Trauertönen Zu singen die Vergangenheit? Und als mich schmerzlich hinzusehnen In neue goldne Liebeszeit?
Mönch und Schäfer
Mönch: Was stehst du so in stillem Schmerz? O Schäfer, sag es mir! Wohl schlägt auch hier ein wundes Herz, Das ziehet mich zu dir.
Schäfer: Du fragest noch! o sieh umher In meinem trauten Tal! Die weite Au ist blumenleer, Und jeder Baum ist fahl.
Mönch: Du klage nicht! Was ist dein Weh? Was, als ein schwerer Traum? Bald glänzt die Blume aus dem Klee, Die Blüte von dem Baum.
Dann steht das Kreuz, davor ich knie, Im grünen Baumgefild; Doch ach! es grünt und blühet nie, Trägt stets ein sterbend Bild.
Schäfers Sonntagslied
Das ist der Tag des Herrn! Ich bin allein auf weiter Flur; Noch eine Morgenglocke nur, Nun Stille nah und fern.
Anbetend knie ich hier. O süßes Graun! geheimes Wehn! Als knieten viele ungesehn Und beteten mit mir.
Der Himmel nah und fern, Er ist so klar und feierlich, So ganz, als wollt er öffnen sich. Das ist der Tag des Herrn!
Gesang der Nonnen
Erhebet euch mit heil'gem Triebe, Ihr frommen Schwestern, himmelan Und schwebt auf blühnder Wolkenbahn! Da leuchtet uns die reinste Sonne, Da singen wir in Frühlingswonne Ein Lied von dir, du ew'ge Liebe!
Ob welken alle zarten Blüten Von dem Genuß der ird'schen Glut: Du bist ein ewig Jugendblut Und unsrer Busen stete Fülle, Die ew'ge Flamme, die wir stille Am Altar und im Herzen hüten.
Du stiegest nieder, ew'ge Güte, Du lagst, ein lächelnd Himmelskind, Im Arm der Jungfrau, süß und lind; Sie durft aus deinen hellen Augen Den Glanz der Himmel in sich saugen, Bis sie die Glorie umglühte.
Du hast mit göttlichem Erbarmen Am Kreuz die Arme ausgespannt. Da ruft der Sturm, da dröhnt das Land: Kommt her, kommt her von allen Orten! Ihr Tote, sprengt des Grabes Pforten! Er nimmt euch auf mit offnen Armen.
O Wunderlieb, o Liebeswonne! Ist diese Zeit ein Schlummer mir, So träum ich sehnlich nur von dir; Und ein Erwachen wird es geben, Da werd ich ganz in dich verschweben, Ein Glutstrahl in die große Sonne.
Des Knaben Berglied
Ich bin vom Berg der Hirtenknab, Seh auf die Schlösser all herab; Die Sonne strahlt am ersten hier, Am längsten weilet sie bei mir; Ich bin der Knab vom Berge!
Hier ist des Stromes Mutterhaus; Ich trink ihn frisch vom Stein heraus; Er braust vom Fels in wildem Lauf, Ich fang ihn mit den Armen auf; Ich bin der Knab vom Berge!
Der Berg, der ist mein Eigentum, Da ziehn die Stürme rings herum; Und heulen sie von Nord und Süd, So überschallt sie doch mein Lied: Ich bin der Knab vom Berge!
Sind Blitz und Donner unter mir, So steh ich hoch im Blauen hier; Ich kenne sie und rufe zu: Laßt meines Vaters Haus in Ruh! Ich bin der Knab vom Berge!
Und wann die Sturmglock einst erschallt, Manch Feuer auf den Bergen wallt, Dann steig ich nieder, tret ins Glied Und schwing mein Schwert und sing mein Lied: Ich bin der Knab vom Berge!
Brautgesang
Das Haus benedei ich und preis es laut, Das empfangen hat eine liebliche Braut; Zum Garten muß es erblühen.
Aus dem Brautgemach tritt eine herrliche Sonn; Wie Nachtigalln locket die Flöte, Die Tische wuchern wie Beete, Und es springet des Weines goldener Bronn.
Die Frauen erglühen Zu Lilien und Rosen; Wie die Lüfte, die losen, Die durch Blumen ziehen, Rauschet das Küssen und Kosen.
Entschluß
Sie kommt in diese stillen Gründe, Ich wag es heut mit kühnem Mut. Was soll ich beben vor dem Kinde, Das niemand was zu Leide tut?
Es grüßen alle sie so gerne, Ich geh vorbei und wag es nicht; Und zu dem allerschönsten Sterne Erheb ich nie mein Angesicht.
Die Blumen, die nach ihr sich beugen, Die Vögel mit dem Lustgesang, Sie dürfen Liebe ihr bezeugen; Warum ist mir allein so bang?
Dem Himmel hab ich oft geklaget In langen Nächten bitterlich; Und habe nie vor ihr gewaget Das eine Wort: ich liebe dich!
Ich will mich lagern unterm Baume, Da wandelt täglich sie vorbei; Dann will ich reden als im Traume, Wie sie mein süßes Leben sei.
Ich will - o wehe! welches Schrecken! Sie kommt heran, sie wird mich sehn; Ich will mich in den Busch verstecken, Da seh ich sie vorübergehn.
Lauf der Welt
An jedem Abend geh ich aus, Hinauf den Wiesensteg. Sie schaut aus ihrem Gartenhaus, Es stehet hart am Weg. Wir haben uns noch nie bestellt, Es ist nur so der Lauf der Welt.
Ich weiß nicht, wie es so geschah, Seit lange küß ich sie. Ich bitte nicht, sie sagt nicht: ja! Doch sagt sie: nein! auch nie. Wenn Lippe gern auf Lippe ruht, Wir hindern's nicht, uns dünkt es gut.
Das Lüftchen mit der Rose spielt, Es fragt nicht: hast mich lieb? Das Röschen sich am Taue kühlt, Es sagt nicht lange: gib! Ich liebe sie, sie liebet mich, Doch keines sagt: ich liebe dich!
Waldlied
Im Walde geh ich wohlgemut, Mir graut vor Räubern nicht; Ein liebend Herz ist all mein Gut, Das sucht kein Bösewicht.
Was rauscht, was raschelt durch den Busch? Ein Mörder, der mir droht? Mein Liebchen kommt gesprungen, husch! Und herzt mich fast zu Tod.
Seliger Tod
Gestorben war ich Vor Liebeswonne: Begraben lag ich In ihren Armen; Erwecket ward ich Von ihren Küssen; Den Himmel sah ich In ihren Augen.
Untreue
Dir ist die Herrschaft längst gegeben In meinem Liede, meinem Leben, Nur diese Nacht, o welch ein Traum! O laß das schwere Herz mich lösen! Es saß ein fremd, verschleiert Wesen Dort unter unsrer Liebe Baum.
Wie hält sie meinen Sinn gefangen! Ich nahe mich mit süßem Bangen, Sie aber hebt den Schleier leicht; Da seh ich - deine lieben Augen, Ach! deine blauen, trauten Augen, Und jeder fremde Schein entweicht.
Die Abgeschiedenen
So hab ich endlich dich gerettet Mir aus der Menge wilden Reihn! Du bist in meinen Arm gekettet, Du bist nun mein, nun einzig mein. Es schlummert alles diese Stunde, Nur wir noch leben auf der Welt; Wie in der Wasser stillem Grunde Der Meergott seine Göttin hält.
Verrauscht ist all das rohe Tosen, Das deine Worte mir verschlang, Dein leises, liebevolles Kosen Ist nun mein einz'ger, süßer Klang. Die Erde liegt in Nacht gehüllet, Kein Licht erglänzt auf Flur und Teich; Nur dieser Lampe Schimmer füllet Noch unsrer Liebe kleines Reich.
Die Zufriedenen
Ich saß bei jener Linde Mit meinem trauten Kinde, Wir saßen Hand in Hand. Kein Blättchen rauscht' im Winde, Die Sonne schien gelinde Herab aufs stille Land.
Wir saßen ganz verschwiegen Mit innigem Vergnügen, Das Herz kaum merklich schlug. Was sollten wir auch sagen? Was konnten wir uns fragen? Wir wußten ja genug.
Es mocht uns nichts mehr fehlen, Kein Sehnen konnt uns quälen, Nichts Liebes war uns fern. Aus liebem Aug ein Grüßen, Vom lieben Mund ein Küssen Gab eins dem andern gern.
Hohe Liebe
In Liebesarmen ruht ihr trunken, Des Lebens Früchte winken euch; Ein Blick nur ist auf mich gesunken, Doch bin ich vor euch allen reich.
Das Glück der Erde miß ich gerne Und blick, ein Märtyrer, hinan, Denn über mir, in goldner Ferne, Hat sich der Himmel aufgetan.
Nähe
Ich tret in deinen Garten; Wo, Süße, weilst du heut? Nur Schmetterlinge flattern Durch diese Einsamkeit.
Doch wie in bunter Fülle Hier deine Beete stehn! Und mit den Blumendüften Die Weste mich umwehn!
Ich fühle dich mir nahe, Die Einsamkeit belebt; Wie über seinen Welten Der Unsichtbare schwebt.
Vorabend
Was streift vorbei im Dämmerlicht? War's nicht mein holdes Kind? Und wehten aus dem Körbchen nicht Die Rosendüfte lind?
Ja, morgen ist das Maienfest! O morgen welche Lust! Wann sie sich glänzend schauen läßt, Die Röslein an der Brust.
Der Sommerfaden
Da fliegt, als wir im Felde gehen, Ein Sommerfaden über Land, Ein leicht und licht Gespinst der Feen, Und knüpft von mir zu ihr ein Band. Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen, Ein Zeichen, wie die Lieb es braucht. O Hoffnungen der Hoffnungsreichen, Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!
Nachts
Dem stillen Hause blick ich zu, Gelehnt an einen Baum; Dort liegt sie wohl in schöner Ruh Und glüht in süßem Traum.
Zum Himmel blick ich dann empor, Er hängt mit Wolken dicht. Ach! hinter schwarzem Wolkenflor, Da glänzt des Vollmonds Licht.
Schlimme Nachbarschaft
Nur selten komm ich aus dem Zimmer, Doch will die Arbeit nicht vom Ort; Geöffnet sind die Bücher immer, Doch keine Seite rück ich fort.
Des Nachbars lieblich Flötenspielen Nimmt jetzt mir die Gedanken hin, Und jetzt muß ich hinüberschielen Nach meiner hübschen Nachbarin.
Bauernregel
Im Sommer such ein Liebchen dir In Garten und Gefild! Da sind die Tage lang genug, Da sind die Nächte mild.
Im Winter muß der süße Bund Schon fest geschlossen sein, So darfst nicht lange stehn im Schnee Bei kaltem Mondenschein.
Hans und Grete
Sie: Guckst du mir denn immer nach, Wo du nur mich findest? Nimm die Äuglein doch in acht! Daß du nicht erblindest.
Er: Gucktest du nicht stets herum, Würdest mich nicht sehen; Nimm dein Hälschen doch in acht! Wirst es noch verdrehen.
Der Schmied
Ich hör meinen Schatz, Den Hammer er schwinget, Das rauschet, das klinget, Das dringt in die Weite Wie Glockengeläute Durch Gassen und Platz.
Am schwarzen Kamin, Da sitzet mein Lieber, Doch geh ich vorüber, Die Bälge dann sausen, Die Flammen aufbrausen Und lodern um ihn.
Jägerlied
Kein' beßre Lust in dieser Zeit, Als durch den Wald zu dringen, Wo Drossel singt und Habicht schreit, Wo Hirsch' und Rehe springen.
O säß mein Lieb im Wipfel grün, Tät wie 'ne Drossel schlagen! O spräng es wie ein Reh dahin, Daß ich es könnte jagen!
Des Hirten Winterlied
O Winter, schlimmer Winter! Wie ist die Welt so klein! Du drängst uns all in die Täler, In die engen Hütten hinein.
Und geh ich auch vorüber An meiner Liebsten Haus: Kaum sieht sie mit dem Köpfchen Zum kleinen Fenster heraus.
Und nehm ich's Herz in die Hände Und geh hinauf ins Haus: Sie sitzt zwischen Vater und Mutter, Schaut kaum zu den Äuglein heraus.
O Sommer, schöner Sommer! Wie wird die Welt so weit! Je höher man steigt auf die Berge, Je weiter sie sich verbreit't.
Und stehest du auf dem Felsen, Traut Liebchen! ich rufe dir zu. Die Halle sagen es weiter, Doch niemand hört es als du.
Und halt ich dich in den Armen Auf freien Bergeshöhn: Wir sehn in die weiten Lande Und werden doch nicht gesehn.
Lied des Gefangenen
Wie lieblicher Klang! O Lerche! dein Sang, Er hebt sich, er schwingt sich in Wonne. Du nimmst mich von hier, Ich singe mit dir, Wir steigen durch Wolken zur Sonne.
O Lerche! du neigst Dich nieder, du schweigst, Du sinkst in die blühenden Auen. Ich schweige zumal Und sinke zutal, Ach! tief in Moder und Grauen.
Der Kirchhof im Frühling
Stiller Garten, eile nur, Dich mit jungem Grün zu decken, Und des Bodens letzte Spur Birg mit dichten Rosenhecken!
Schließe fest den schwarzen Grund! Denn sein Anblick macht mir bange, Ob er keines aus dem Bund Meiner Liebsten abverlange.
Will mich selbst die dumpfe Gruft, Nun wohlan, sie mag mich raffen! Dünkt mir gleich, in frischer Luft Hätt ich manches noch zu schaffen.
Frühlingslieder
1. Frühlingsahnung
O sanfter, süßer Hauch! Schon weckest du wieder Mir Frühlingslieder, Bald blühen die Veilchen auch.
2. Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muß sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiß der Qual! Nun muß sich alles, alles wenden.
3. Frühlingsruhe
O legt mich nicht ins dunkle Grab, Nicht unter die grüne Erd hinab! Soll ich begraben sein, Lieg ich ins tiefe Gras hinein.
In Gras und Blumen lieg ich gern, Wenn eine Flöte tönt von fern Und wenn hoch obenhin Die hellen Frühlingswolken ziehn.
4. Frühlingsfeier
Süßer, goldner Frühlingstag! Inniges Entzücken! Wenn mir je ein Lied gelang, Sollt es heut nicht glücken?
Doch warum in dieser Zeit An die Arbeit treten? Frühling ist ein hohes Fest: Laßt mich ruhn und beten!
5. Lob des Frühlings
Saatengrün, Veilchenduft, Lerchenwirbel, Amselschlag, Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich solche Worte singe, Braucht es dann noch großer Dinge, Dich zu preisen, Frühlingstag?
6. Frühlingstrost
Was zagst du, Herz, in solchen Tagen, Wo selbst die Dorne Rosen tragen?
7. Künftiger Frühling
Wohl blühet jedem Jahre Sein Frühling, mild und licht, Auch jener große, klare - Getrost! er fehlt dir nicht; Er ist dir noch beschieden Am Ziele deiner Bahn, Du ahnest ihn hienieden, Und droben bricht er an.
8. Frühlingslied des Rezensenten
Frühling ist's, ich laß es gelten, Und mich freut's, ich muß gestehen, Daß man kann spazieren gehen, Ohne just sich zu erkälten.
Störche kommen an und Schwalben, Nicht zu frühe, nicht zu frühe! Blühe nur, mein Bäumchen, blühe! Meinethalben, meinethalben!
Ja! ich fühl ein wenig Wonne, Denn die Lerche singt erträglich, Philomele nicht alltäglich, Nicht so übel scheint die Sonne.
Daß es keinen überrasche, Mich im grünen Feld zu sehen! Nicht verschmäh ich auszugehen, Kleistens Frühling in der Tasche.
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