|
Ein Jahr
An X..
Ich sah dich zuerst im Januar Und grüßte zuerst dich im Februar; Doch um die Mitte des Märzen, Da fühlte ich Lieb im Herzen.
Und schlich vor deine Türe still Wohl in den Nächten des April; Erst in der Blüte des Maien, Da täte ich um dich freien.
Und gab dir, ach, so manchen Kuß Im holden Monat Junius; Und beide fühlten wir heiß Verlangen, Als drauf der Juli kam gegangen.
Der Juli kam; und im August Schwelgten wir selig Brust an Brust; Im September tät ich dich entführen; Im Oktober ließen wir kopulieren
Und wälzten uns im Novembrium Als Eheleute im Bett herum - Jetzt ist es Dezember, die Wolken schneien, Die Raben krächzen, die Kater schreien.
Kaiser Karl
Herr Kaiser Karl, der fromme Mann, Ließ viele Menschen zu Tode schlahn; Er schlug sie tot um das Christentum: Das brachte ihm ungeheuren Ruhm.
Und saß zu Aachen in seiner Pracht, Im Wams aus Otternfell gemacht; Und alle Völker nah und fern, Die beugten sich dem gewalt'gen Herrn
Und brachten Geschenke aus aller Welt, Viel Gold und Seiden und Gezelt; Ihm bracht der Kalif aus Morgenland Eine Uhr und einen Elefant.
Doch Kaiser Karl, der fromme Held, Er sprach: "Was nutzt mir Gold und Geld, Was soll der fremde Elefant? - Hab schönre Dinge im eignen Land!"
Und zog hinauf den grünen Rhein, Und pflanzte die Rebe zu Ingelheim; Und pflegte sie mit derselben Hand, Die hundert Völker überwand,
Ja pflegte sie mit der blutroten Hand, Die hundert Völker überwand - Und dies ist der Grund, daß zu Ingelheim Noch heute wächst der blutrote Wein.
Pfingstlied
Sie herzten sich und sie küßten sich Mit liebevoller Gebärde. Der junge Herr Frühling wonniglich, Der besuchte die alte Frau Erde.
Er ist der guten, ehrlichen Frau Mit eins an den Hals gesprungen, Daß bis hinauf in den Himmel blau Nur Lust und Jubel erklungen.
"Mein Sohn, es freut mich, daß du hier! Lang währte des Winters Tosen. Meine Felder brauchen die goldne Zier, Meine Gärten Lilien und Rosen.
Verstummt sind all meine Nachtigalln, Seit ich dich verloren hatte; Drum schmücke den Vögeln die grünen Halln Und den Hirschen die blumige Matte.
Ich habe so oft an dich gedacht, Wenn es stürmte wilder und wilder; Doch sprich, was hast du mir mitgebracht Für die lieblichen Menschenbilder?"
"Für die Menschenbilder?" versetzte da Der junge Herr Frühling stutzend - In die Tasche griff er behend: "Voilà! Revolutionen ein Dutzend."
Heuler und Wühler
Hießen Whig und hießen Tory, Hießen Welf und Gibelline. Doch zu Köln am Vater Rheine Heißen Heuler sie und Wühler.
Wildrepublikan'sche Eber Wühlen einerseits die Wühler; Konstitutionelle Wölfe Heulen schlimmer noch die Heuler.
Welch Getöse! Herzerschütternd. Ja, vom Dom zum köln'schen Zelte, Ja, vom Türmchen bis zum Bay'nhaus Poltert's, rast es, grunzt und brummt es.
Oh, entsetzlich ist's! - Kam sonst der Abend, sieh, da küßten wir und Tanzten, streuten Blumen, sangen Vivat, Vivat, Hosianna!
Gingen froh zum alten Vater, Trinkrat Thibus, dort die Römer Keck zu schwingen, bis daß Eos Stieg empor mit Rosenfingern.
Aber jetzt? - O Zeus, du weißt es: Unter Ebern, unter Wölfen, Was ich leide, unter diesen Deutschen souveränen Bestien.
Ich wollt, ich wär Polizeiminister
Ich wollt, ich wär Polizeiminister, Da ließ ich alle Leut arretieren, Da ließ ich die schönsten Frauen schier Mir all ins Gefängnis führen.
Da sollten sie schmachten in Seide und Samt, In Troddel und goldener Frange, Da sollten sie essen Ambrosia Und trinken den Wein der Champagne.
Und ach, im Verhöre geheimnisvoll, Wie würden sie leis mir verkünden Die lange, die liebliche Litanei Von ihren galanten Sünden.
Der Blonden gäbe ich vierzig Küß, Und mit achtzig straft ich die Braune, Doch ein schwarzes Weib verdammt ich zumeist - Die Gerichtsschreiber lachten wie Faune.
Und der Herr Prokurator würdevoll, Der spräche mit vielem Pathos: "Ich wasch meine Hände in Regenwasser Und in Unschuld wie Pontius Pilatos."
Ja, staatsgefährlicher als Rebelln Ist - Oh, ins Gefängnis schickt sie! - Eine einzige kleine Frau mit ihrem Süßen Corpus delicti.
Heute morgen fuhr ich nach Düsseldorf
Heute morgen fuhr ich nach Düsseldorf In sehr honetter Begleitung: Ein Regierungsrat - er schimpfte sehr Auf die Neue Rheinische Zeitung.
"Die Redakteure dieses Blatts", So sprach er, "sind sämtlich Teufel; Sie fürchten weder den lieben Gott Noch den Ober-Prokurator Zweiffel.
Für alles irdische Mißgeschick Sehn sie die einzige Heilung In der rosenrötlichen Republik Und vollkommener Güterteilung.
Die ganze Welt wird eingeteilt In tausend Millionen Parzellen; In so viel Land, in so viel Sand Und in so viel Meereswellen.
Und alle Menschen bekommen ein Stück Zu ihrer speziellen Erheitrung - Die besten Brocken: die Redakteur' Der Neuen Rheinischen Zeitung.
Auch nach Weibergemeinschaft steht ihr Sinn. Abschaffen wolln sie die Ehe: Daß alles in Zukunft ad libitum Miteinander nach Bette gehe:
Tartar und Mongole mit Griechenfraun, Cherusker mit gelben Chinesen, Eisbären mit schwedischen Nachtigalln, Türkinnen mit Irokesen.
Tranduftende Samojedinnen solln Zu Briten und Römern sich betten, Plattnasige düstre Kaffern zu Alabasterweißen Grisetten.
Ja, ändern wird sich die ganze Welt Durch, diese moderne Leitung - Doch die schönsten Weiber bekommen die Redakteure der Rheinischen Zeitung!
Auflösen wollen sie alles schier; Oh, Lästrer sind sie und Spötter; Kein Mensch soll in Zukunft besitzen mehr Privateigentümliche Götter.
Die Religion wird abgeschafft, Nicht glauben mehr soll man an Rhenus, An den nußlaub- und rebenbekränzten, und nicht An die Mediceische Venus.
Nicht glauben an Kastor und Pollux - nicht An Juno und Zeus Kronion, An Isis nicht und Osiris nicht Und an deine Mauern, o Zion!
Ja, weder an Odin glauben noch Thor, An Allah nicht und an Brahma - Die Neue Rheinische Zeitung bleibt Der einzige Dalai-Lama."
Da schwieg der Herr Regierungsrat, Und nicht wenig war ich verwundert: Sie scheinen ein sehr gescheiter Mann Für unser verrückt Jahrhundert!
Ich bin entzückt, mein werter Herr, Von Ihrer honetten Begleitung - Ich selber bin ein Redakteur Von der Neuen Rheinischen Zeitung.
Oh, fahren Sie fort, so unsern Ruhm Zu tragen durch alle Lande - Sie sind als Mensch und Regierungsrat Von unbeschränktem Verstande.
Oh, fahr er fort, mein guter Mann - Ich will ihm ein Denkmal setzen In unserm heitern Feuilleton - Sie wissen die Ehre zu schätzen.
Ja, wahrlich, nicht jeder Gimpel bekommt Einen Tritt von unsern Füßen - Ich habe, mein lieber Regierungsrat, Die Ehre, Sie höflich zu grüßen.
Kein schöner Ding ist auf der Welt, als seine Feinde zu beißen
I
Kein schöner Ding ist auf der Welt, Als seine Feinde zu beißen, Als über all die plumpen Geselln Seine lustigen Witze zu reißen.
So dacht ich und stimmte die Saiten schon: Da ward ich versetzt in Ruhstand. Aus war der Spaß; die heil'ge Stadt Köln Ward erklärt in Belagerungszustand.
Von Bajonetten starrte die Stadt Wie ein Stachelschwein. Rings um den Neumarkt Wogten die preußischen Erzengel bis Zum Hahnentor und zum Heumarkt.
Und ein Leutnant zog vor unsere Tür In kriegerischer Begleitung Und proklamierte trommelnd den Tod Der Neuen Rheinischen Zeitung. -
Da griff ich zum Stab, und ich eilte fort, Die Brust voller Kummer und Ärger. Zu Herrn Soherr nach Bingen floh ich; dort trinkt Man vorzüglichen Scharlachberger.
Herr Soherr, der ist ein fröhlicher Mann, Und im ganzen Lande wird sich Kein Scharlachberger finden wie der Des Herrn Soherr von sechsundvierzig.
Herr Soherr ist vierundsechzig alt, Und sein Wein ist von sechsundvierzig; Er duftet nach Veilchen und Rosen und schmeckt Wie die Liebe erquickend und würzig.
II
Herr Soherr wohnt im weißen Roß - (Daß ich je ihn verließ, ich bereu es) - "Willkommen!" so sprach er, "mein lieber Herr Weerth, Willkommen! was haben Sie Neues?
Sie sehn so verstört und so flüchtig aus Wie ein Mann ohne Geld und Courage. Wie kommt's, daß Sie reisen im schwarzen Frack? Wo ließen Sie Ihre Bagage?
Sie haben gewiß in Ems gespielt! Oder haben Sie sich duellieret? Oder haben Sie gar zu Köln am Rhein Sich politisch kompromittieret?"
"Mein Vater Soherr!" versetzte ich da, "Erbärmlich sind die Zeiten. Doch kompromittier ich mich nie, denn das Überlaß ich anderen Leuten.
Mit schönen Fraun hab ich lieber zu tun Als mit schönen preuß'schen Soldaten. Und als ich am Lurlei vorüberkam: Da war ich verkauft und verraten.
Ich sah sie sitzen, die nackte Fee, Und ich hörte ihr lüsternes Singen; Und mit Koffer und Reisesack sank ich hinab, Ihren wonnigen Leib zu umschlingen.
Das war eine Barrikadenschlacht Auf ihren schneeweißen Brüsten! Mit heiler Haut kam ich eben davon, Doch verlor ich Koffer und Kisten -"
Da lachte Herr Soherr und zeigte mir Seinen letzten Zahn - alleine Steht der in seiner Kinnlade wie Der Mäuseturm im Rheine.
III
Und im Morgendufte wandelten wir Durch die herbstlichen Rebenlauben, Es rauschte märchenmurmelnd der Rhein - Rubinfarben glühten die Trauben.
"In Köln war wirklich ein arger Skandal -", Begann ich zum alten Herrn Soherr, "Barrikaden kamen in Masse, man wußt Bei Gott nicht, von wannen und woher.
Sie wurden im Nu emporgebaut Von Händen, energischen, raschen, Aus Dombausteinen und Kirchenstühln Und aus ausgetrunkenen Flaschen.
Es wehte die Fahne der Republik, Und ein Tag war's, ein fürchterlicher. Steckbrieflich werden die Häupter verfolgt, Kein ehrlicher Mann ist mehr sicher.
Die Insurgenten wurden verjagt, Und proklamiert ward eilig das Standrecht; Das ist wahrhaftig noch schlimmer als Das alte preußische Landrecht.
Herr Engels, der ist Diktator von Köln, Bis wieder die Sonne der Ruh scheint; Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat Die Bürgerwehr Kölns entkuhbeint.
Geschlöffelt wird, wer sich rührt oder regt, Gehangen, gebraten, gesotten - Wohl werd ich mich hüten, Herrn Engels mit Meinem Lästermund zu verspotten.
Er würde mich packen mit schrecklicher Faust Und würde zu Tode mich schießen Mit seinem groben Geschütze, und ach, Das würde mich sehr verdrießen.
Wie einen Krammsvogel würde er mich An den grauen Domkranen hangen - Doch die Krammsvögel lassen am besten sich In den Nebeln des Herbstes fangen.
Und Krammsvögel schmecken vortrefflich gut Mit buttergeröstetem Brote - O himmlischer Vater, laß manche mich Noch essen vor meinem Tode!"
IV
Da standen wir auf den Hügeln, und Romantisch ward mir zumute - Politische Freunde müssen dies Gefälligst mir halten zugute.
Und ich sang: "Was mag es bedeuten doch, Daß ich o so traurig binne? Ein Mädchen aus alten Zeiten, ach, Das kommt mir nicht aus dem Sinne!"
Da fiel Herr Soherr mir eilig ins Wort: "Nicht ein Mädchen - ein Märchen! sagt Heine!'' Und zusammenschrak ich, und mein Verstand Kam wiederum auf die Beine.
"Der Stadtkommandant, Herr Engels, der hat Die Macht jetzt, die materielle. Doch Herr Joseph DuMont in Köln, der besitzt Die intellektuelle.
Denn die Kölnische Zeitung ist einzig allein Der Unterdrückung entgangen; Die andern Blätter wurden verpönt, Gebraten, gesotten, gehangen.
Die Kölnische Zeitung ward lang redigiert Mit Rotstift und Schere, nicht ohne Talent von der alten Frau DuMont, doch Die starb, und Joseph, dem Sohne,
Überließ sie das hübsche Annoncengeschäft, Und Joseph ist reich geworden An den Gütern des Glücks und bekommt gewiß Auch bald noch seinen Orden. -
Herr Joseph ist ein trefflicher Mann! Bis zur Revolution noch schrieb ich Unsterbliche Feuilletons für sein Blatt - Und stets sein Verehrer blieb ich.
Doch wie sich manche Verbindung löst, So ging auch unsre zu Ende, Und das Feuilleton kam in Levy, des Romantischen Schmules Hände.
Herr Levy schmult das Feuilleton; Doch mit 'breitgeschnittener Feder' Die Leitartikel Herr Brüggemann schreibt - Die weiß zu schätzen ein jeder.
Herr Levy und Herr Brüggemann, Die schreiben mit Anstand und Sitte - Ein borstig, niedrigstirniger Kerl Ist in dem Bunde der dritte.
Ein Pommer zwar von Geburt, überragt Er doch noch Herrn Wolffers, ich finde, Daß dieser ein Belgier ist - o Gott, Vergib mir meine Sünde!
Ein Levy und ein Brüggemann, Ein Flandre und ein Kalmücke: Die sind's, so erleuchten die Rheinprovinz Mit ungewöhnlichem Glücke!
O Joseph, wie preis ich glücklich dich, Du hast, was die Erde bietet: Du hast dir für dein gutes Geld Die vier besten Kerle gemietet!
Ja, lieber Herr Soherr, glauben Sie dreist An des Vaterlandes Genesung, Solang noch die Kölnische Zeitung sprießt Aus der allgemeinen Verwesung.
Verwesungsrüchig noch manches Jahr Wird sie duften vom Pol zum Äquator, Wenn längst verschwunden Sie und ich Und Herr Engels, der köln'sche Diktator.
Der Brite Coleridge roch zu Köln An die siebzig verschiedne Gerüche; Darunter gewiß auch den Gestank Aus Josephs politischer Küche."
V
Da klang durch die Berge ein Posthorn hell; Es klang immer lust'ger und froher. "Das ist, ich wette, der Postillon Von Lonjumeau, lieber Herr Soherr!"
Doch Soherr spitzte sein Ohr und sprach: "Sie irren sich! An den hellen Tönen, da hör ich, es ist die Post, Die kommt von der heil'gen Stadt Köllen!
Die bringt uns die Kölnische Zeitung." - Und Mein Jubel, der wollte nicht enden. Und wahrlich, nach zehn Minuten hielt Ich das teure Blatt in den Händen.
Und freute mich, daß die ehrliche Stadt Noch steh auf demselben Flecke Und daß man noch Piesporter trinke daheim Zu köstlichem Schnepfendrecke.
Und daß die Bevölkrung sich keineswegs Über all ihr Mißgeschick härme, Ja, daß man für die Soldaten jetzt Wie für kleine Mädchen schwärme.
Und daß die Heuler am Leben noch Und die Wühler gekrochen zu Kreuze, Daß der Herr Joseph gesund noch - und obenauf Seine vier literarischen Käuze.
Daß Herr Levy noch schreibe die Feuilletons, Daß der Witz des Herrn Wolffers nicht holpre Und daß der Herr Brüggemann wieder herum Auf dem alten Rechtsboden stolpre.
Ja, die Kölnische las ich! Drin annonciert Zitrone und Pumpernickel - In ihren Annoncen ist's, wo sie gibt Ihre besten polit'schen Artikel.
Bescheidenheit ist's, daß stets sie versteckt Ihr Bestes nur produzieret - Die Rheinische trug es frech auf der Stirn, Drum ward sie suspendieret.
Die arme Rheinische - ach! schon tot! Doch wartet: Empor einst rütteln Wird die zur Hölle Gefahrene sich Und keck ihre Locken schütteln.
Ja, schüttelnd ihr ambrosisch Gelock, Wird hoch zu Gerichte sie sitzen: Zu spielen mit ihrem Donnerkeil Und mit ihren schlechten Witzen.
VI
So sprachen wir wohl; und Soherr, mein Freund, Viel köstliche Späße machte. Der junge Herr Morgen verschiedenemal Seine herzlichen Tautränen lachte.
Und ein Lüftchen wehte von Rüdesheim Und kräuselte über die Wellen Und küßte am Strande des Herbstes Blum Und die Trauben, die dunklen und hellen,
Und schwang sich bergan, und es tönte leis Die Äolsharfe wieder - Und es war mir, als sänge der Geister Chor Ein Lied aus dem "Buche der Lieder".
Aus deinem Buche, du kranker Schwan, Der du mußtest die Tage verbringen Im Exile, indes der Heimat Höhn Von deinem Ruhme klingen. -
Doch Herr Soherr sprach: "Ich glaube, es ist Am besten, wir steigen zu Tale Und frühstücken Austern und Kaviar, Oder Käse, oder Lachs, oder Aale.
Ich gebe Ihnen ein gutes Glas Von einer verständigen Sorte." - Sprach's. - Und ich erkannte den tiefen Sinn Dieser höchst gewichtigen Worte.
Und der Keller erschloß sich. Und balde war'n Wir in sehr erfreulicher Andacht; Und nicht an Herrn Engels und nicht an Köln, Sondern nur an den Wein jedermann dacht.
Und sangen: O Jerum, Jerum, Je! Und lagen uns in den Armen. Hosianna! - Da flogen die Türen auf, Und herein traten zwei Gendarmen. - -
VII
Gendarmen hasse ich wie die Pest; Ich hasse sie mehr als Spinnen, Als grüne Seife - Du lieber Gott, Was soll ich nun beginnen!
Der eine zog ein Signalement Aus seiner schäbigen Tasche. Und mich betrachtend mit stierem Blick, Begann er zu murmeln rasche:
"Fünf Fuß, zehn Zoll - die Haare blond - Olympisch gewölbt die Stirne - Ein roter Bart - Statur ist schlank - Kennzeichen: Viel Gehirne. -
Auch macht er Verse - spricht kein Latein Blaß ist er wie große Geister - Die Zähne sind gut - - Verehrter Herr, Ohne Umschweife viel: wie heißt er?"
Da hob ich mich würdig empor und sprach: "Ich heiße Charlemagne! Wollhändler bin ich in Aachen und trink Recht gerne den Wein der Champagne.
Ich spekuliere in Trüffeln und Öl, Mein Bankier empfängt mich prächtig." Da sprach der erste Gendarme: "Mein Herr, Dies ist ausnehmend verdächtig!"
Ich aber fuhr fort: "Auch Spiritus Verkauf ich von hoher Reinheit, Nahm Aktien auf jede Luftschiffahrt Sowie auf die deutsche Einheit.
Bei Tage besorge ich mein Geschäft, Doch nachts, da treibe ich Späße." - Da sprach der zweite Gendarme: "Mein Herr, Wo haben Sie Ihre Pässe?"
"Meinen Paß! Meinen Paß! - Oh, wollen Sie nicht Sich gütigst ein wenig setzen? Oh, trinken Sie doch einen Becher Wein, Das würde mich sehr ergetzen!
Mein Paß! Mein Paß! - Ach leider ist Er gescheitert am Lurlei neulich. Oh, trinken Sie doch einen Becher Wein, Das wäre mir sehr erfreulich!"
Und dein gedacht ich und deiner Tat, Odysseus, du ränkevoller! Und meine beiden Zyklopen ließ Ich saufen toller und toller.
Und lobte die deutsche Zentralgewalt Und Herrn Engels, den Stadtkommandanten, Und sagte, Herr DuMont gehöre zu Meinen allerbesten Bekannten.
Und pries Herrn Levy und Brüggemann Und Herrn Wolffers und all die andern Und schimpfte wie ein Rohrsperling Auf die Republikaner von Kandern.
Und sagte: es freue mich ungemein, Daß die Rheinische Zeitung erdrückt sei Und daß der Putsch von Frankfurt und Köln So wunderherrlich mißglückt sei.
Und sagte: mein lieber Herr Vetter sitz Im Parlament auf der Rechten Und stimme mit Jahn und mit Radowitz, Des Volkes Heil zu erfechten.
Und meinte: die Linke in Berlin Und in Frankfurt sei wert, daß sie hänge, Und nahm das Glas und sang, daß es klang, Ein Dutz' patriot'scher Gesänge.
Und versicherte: Köln befinde sich wohl Bei seinem Belagerungszustand. - Da schwieg ich - - die beiden Zyklopen war'n In dem komfortabelsten Zustand.
Sie schnarchten, wie einst das Volk geschnarcht, Das deutsche, und ihre Beine Und Arme, die starrten regungslos Von Schlaf und süßem Weine.
VIII
Sie schliefen. - So schlief auch Polyphem; Und geblendet ward der Riese Durch den herrlichen Dulder Odysseus. Soll Ich jetzo blenden auch diese?
Ja, soll ich mit glühendem Korkzieher euch Die glotzigen Augen ausdrehen? Kein unsterblicher Gott, ja, kein Hahn und kein Huhn Würde je wieder danach krähen.
Denn wahrlich, Poseidons Söhne nicht, Des bläulich gelockten, seid ihr - Der Meergott schiert sich den Teufel um euch - Zwei gemeine Gendarmen seid beid ihr!
Er wird den Dampfer zertrümmern nicht, Wenn ich jetzt mich entferne von Bingen. - O Phöbus Apollo, laß meine Flucht, O laß sie gelingen, gelingen! -
Und ausdrücklich bemerk ich, daß rücksichtsvoll Ich nicht geblendet die beiden. Doch dem alten Soherr sprang ich sofort An den Hals und jauchzte vor Freuden:
"Ade, Herr Soherr! Der Wein war gut, Vorüber ist all mein Ärger! Und lange noch werde ich denken an Euern göttlichen Scharlachberger.
Ade! Euer Wein war trefflich; und Ihn preis ich nach allen Winden - Einst wird auch schlagen unsere Stund, Da wird sich alles finden."
Die heilige deutsche Reichsarmee
Die heilige deutsche Reichsarmee Ist auf den Strumpf gekommen: Sie hat aus Schwaben und Hessen sich Die besten Jungens genommen.
Die hellige deutsche Reichsarmee, Die sollte die Schweiz berücken: Schon rückte sie aus, da mußte sie, ach, Die verfluchten Hosen noch flicken.
Die heilige deutsche Reichsarmee, Die sollte ganz Limburg fressen: Schon rückte sie aus, da hatte sie, ach, Das verfluchte Pulver vergessen.
Die heilige deutsche Reichsarmee, Die war zum Kampfe entschlossen: Da haben die Preußen und Dänen, ach, Den verfluchten Frieden geschlossen.
Die heilige deutsche Reichsarmee, Die sollte auch Wien erlösen: Da ist, ach Gott, der Herr Windischgrätz So verflucht bei der Hand gewesen.
Die heilige deutsche Reichsarmee, Die lebt ohn viele Sorgen: Die Landsknechte traun auf den lieben Gott - Kommst du heute nicht, kommst du morgen.
Schlußlied
Heller ward es im Osten. Da machte sich auf der Morgenwind, Vom Schlummer zu wecken Des Frühlings lieblichste Kinder: Maililien und wilde Zartrosa Rosen. Sacht durchzog er das junge Gras und das grüne Sprossende Korn, daß die Ähren Leis zu nicken begannen und weithin Wogten hinab Zu der Felder Umzäunung. Munter fuhr er einher An der Seite des Hügels, Jagte den Duft empor Von den Apfelblüten und tanzte Über die Gärten hinweg In den Forst dann, Spielend hier mit der weißlichen Birke Gezweig, mit dem Wipfel Der Tanne dort und des Buchbaums Prächtiger Krone; Säuseln und Rauschen begann Im Tal, auf den Höhen. Demanten glänzte der Tau Im wachsenden Licht; Aus Blättern und Kelchen Rollt er, und Leben entsteht Und Bewegung jetzt, überall, überall!
Träumrisch erhebt ihr Köpfchen Die Taube; es springt Von Ast zu Ast die schwarzweiße Elster; die Falken erwachen Im Dickicht, und horchend Reckt der Hirsch sich empor An dem sprudelnden Waldbach.
Vorbei die Stille der Nacht! Es erwachen Die Lieder in jeder Brust, So Natur zum Gesange gestimmt hat. Ein Ruf jetzt - ein Schrei des Entzückens! Und hell zu der Wälder Gerausch Erschallt in melodischem Chor Das Festlied aller Lebend'gen!
Triumph! daß du kamst, O strahlende Sonne; ein neuer Tag geht auf den Völkern der Erde. Mag alles froh dich begrüßen, Mag alles liebend dir nachschaun, Wenn wundervoll Nach vollbrachtem Lauf Du leuchtend wieder hinabsinkst.
|