Wetzel

Inhalt

Biografie

                     Das Sonett

An den Herausgeber eines poetischen Almanachs

Sonette willst du? Pochst auf mein Versprechen?
     Gut! mit Sonetten will ich dich ersäufen;
     Einmal ums andre springt durch 14 Reifen
     Dein flinker Freund, mag's biegen oder brechen!
O edle Kunst! aus leerem Glase zechen,
     So den Gedanken untern Arm zu greifen,
     Die eben auf dem letzten Loche pfeifen -
     Ach, à propos! vom letzten Loch zu sprechen -
Da blas' ich selber drauf - ich fall' ins Wasser
     Mit meinem Klinggedicht - das geht ums Leben -
     Packs nur beim Haar und hilf mir ziehn und rucken -
Siehst du, es wird? - Nun einen Reim auf Wasser -
     Auf Wasser, seh' ich, reimt sich Wasser eben -
     Gelt? So'n Sonett kann tüchtig Wasser schlucken?



        Der Spielmann

Es steht ein Spielmann vor der Tür:
Ruft ihn herein zum Feste!
Er tritt wohl in den Saal herfür,
Und grüßt die muntern Gäste:
Kennt ihr das Lied vom Rotbart nicht?
Spricht er mit ernstem Angesicht,
Das Lied will ich euch singen.

Der Kaiser kam an einen Fluß
Im heilgen Krieg gezogen,
Sein Heer wagt nicht hinein den Fuß,
Er stürzt sich in die Wogen,
Da sank er in der Rüstung schwer,
Es führt ein Schiff den Leichnam her
Zum Land der Väter über.

Und wie der Sarg, darin er ruht,
Berührt den teuren Boden,
Da regt sich drinnen neue Glut
Und frischer Lebensodem,
Der Träger Schar erschrocken flieht,
Und als man nach dem Sarge sieht,
Der Leichnam ist verschwunden.

Auf einem Berg, wie Sage geht,
In Thürings güldner Auen,
Da ist des Kaisers Majestät
In einer Kluft zu schauen.
Sein Bart durchwuchs den steinern Tisch,
Sein Angesicht ist rot und frisch,
Das Aug im Traum geschlossen.

Und nun vernehmt ein teures Wort,
Bewahrt's in Herzens Grunde,
Ein grauer Spielmann hört' es dort
Aus Kaisers eignem Munde:
Wenn siebenhundert Jahr vorbei,
Dann lassen mich die Geister frei,
Mein Volk aufs neu zu grüßen.

Als Spielmann zieh ich dann umher,
Mich soll kein Aug entdecken,
Ich singe manche gute Mär,
Den alten Geist zu wecken,
Durch Liedes Kraft und Gottes Hand
Erbau ich neu das Vaterland,
Eine Burg auf ewge Zeiten.

Und wenn das edle Werk vollbracht,
Nimm dann den Lebensmüden,
O Erd, in deine kühle Nacht,
Und gib ihm endlich Frieden!
Doch meinem Volk, dem gib mein Schwert,
Im heilgen Kriege wohl bewährt,
Zu neuen heilgen Kriegen.

Der Spielmann hebt den Römer auf,
Und reicht ihn allen Gästen:
Nehmt hin, das ist mein Geist! wohlauf,
Und denket mein im Besten!
Und alle sehn, indem er spricht,
Verwandelt leuchten sein Gesicht,
Und flugs war er von hinnen.



       Philosophische Poesie

In allen Dingen walten drei Potenzen,
     Unendlich, endlich, ewig sind die Namen,
     Woraus das All besteht auf Ja und Amen,
     Als Indifferenz der Differenzen.
Vor G- macht die gehör'gen Reverenzen,
     Denn Er, das große A, ist ja der Saamen,
     Daraus so schöne Redensarten kamen,
     Contractions-Expansions-Tendenzen.
Doch nicht nur oben in der Sphären Läufen
     Will die Identität sich offenbaren,
     Dem Organismus auch kömmt was zu Gute.
Und daß wir Licht und Schwerkraft ganz begreifen,
     So hat ein Pol den andern bei den Haaren,
     Im kleinsten Winde bläst das Absolute.